Das Tagebuch des Zisterzienserabtes Otto Doringer von Aldersbach (1779-1797)


Übertragung und Übersetzung der lateinischen Vorlage durch Peter Zauner (Roßhaupten), veröffentlicht in: Ostbairische Grenzmarken 1972, 14-48.


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GEPRIESEN SEI DER NAME DES HERRN


1780

Friedlich entschlief heute, am 16. März, unser Richter Johannes Nepomuk Moser im Alter von 47 Jahren. Er hinterließ uns seine hochbetagte Mutter und sechs noch unmündige Kinder. Ich ging in Begleitung meines Sekretärs, Pater Stephan Wiest, Professor der Theologie, zum Hause des Richters, nahm Schriften und Akten in Augenschein und ließ Geld und kostbares silbernes Gerät, zur größeren Sicherheit in einer Kiste verpackt, in die Abtei bringen und brachte, wo es notwendig schien, das Siegel der Abtei an. Als Zeugen zog ich unseren Wirt, Paul Käserer und den Schullehrer Georg Paar zu; danach nahm ich durch Handschlag das Treueversprechen des Schreibers Felix Pöttinger entgegen.


17. April

Mit meinem bereits erwähnten Sekretär und dem Kornmeister von Seligenthal, dem Bruder des verstorbenen Richters und Vormund der Waisen, ging ich wiederum zum Richterhaus um Akten und Schriften zu sichten. Alle Schriftstücke, die sich auf unser Kloster bezogen nahm ich an mich.


18. April

Fortsetzung der Akteneinsicht. Das Geld, das als Erbmasse bestimmt ist, wurde gezählt, die anderen Wertsachen geschätzt oder lediglich zahlenmäßig festgehalten und in der Kiste in der Abtei verwahrt. Bei der weiteren Inventur vertrat mich mein Sekretär.


12. Mai

Unter gewissen Bedingungen bestellte ich für den verstorbenen Richter als Kandidaten Herrn Anton Fürst, den Sohn des Posthalters und Wirtes von Ergolsheim. In der Abtei waren dabei anwesend unser Pater Prior, mein Sekretär, der Kornmeister und der Kellermeister. Den Treueid forderte ich noch nicht, weil er uns seine Tauglichkeit erst im Verlauf eines halben oder vollen Jahres beweisen muss; erst dann soll er feierlich vereidigt werden. Er leistete aber dennoch jetzt schon eine Kaution von 1000 Gulden.


15. Mai

Durch ein Schreiben des Geistlichen Rates in München vom 11. Mai bin ich zur Teilnahme an der feierlichen Fronleichnamsprozession eingeladen worden. In Begleitung zweier Mönche reiste ich am 22. Mai ab. Ein Abt aus der Nachbarschaft, der sich schon dreimal der Aufforderung entzogen hatte, an der Prozession teilzunehmen, musste dieses Jahr, da er sich wieder entschuldigen wollte, vor dem Kurfürsten persönlich Rechenschaft wegen seines Ungehorsams ablegen. Eine deutliche Mahnung!


20. Juni

Gegen 10 1/2 entschlief im Herrn der edle und hochangesehene Abt Emanuel Mayr, Abt von Raitenhaslach, ein Mann von einzigartigem Eifer und großer Erfahrung, der wegen des Kirchenbaus in Marienberg, der Erbauung der Abtei und anderer Gebäude das Lob der Nachwelt und ewiges Gedenken verdient. Während er sich mit der Vollendung des Konvents befasste, starb er ohne Schmerzen und ging in die ewigen Wohnungen ein. Gott schenke seiner Seele die ewige Ruhe!


Anmerkung

Kurfürst Karl Theodor schrieb folgende Steuern aus, die das Zweieinhalbfache des Steuersatzes betragen. Die erste ist zum Feste Johannes des Täufers fällig, die zweite zur Hälfte zum Feste des hl. Jakob, die letzte voll zum Feste des hl. Michael. In diesem Jahre treffen für Aldersbach folgende Steuern:
Zweieinhalbfache Standsteuer zu 732 Gulden, 40 Kreuzer = 1831,40
Zweieinhalbfache Rittersteuer zu 56 Gulden = 130
Surrogat: 11 Gulden, 12 Kreuzer
Bierausschank: 937 Gulden, 9 Kreuzer
sog. Bierpfennig: 298 Gulden, 20 Kreuzer
[Gesamt:] 3207 Gulden, 81 Kreuzer.

Wenn es in diesem Maße weitergeht, wird den Klöstern noch alles weggenommen; viele sind ohnehin schon untergegangen.


18. August

Ein Brief der römischen Prokura verlangt von mir Auskunft über einen Pater Innozenz Morazzi, der aus dem Kloster Waldsassen floh und nach Wien ging. Diese ganze leidige Angelegenheit ist in unserem Archiv unter Verschluss.

Fest des hl. Michael: Weihe des neuen Abtes Theobald in Raitenhaslach.


26. [Oktober?]

Um 9 Uhr leistete uns Herr Anton Fürst, den wir am 12. Mai zu unserem Richter wählten, die feierliche Huldigung. Anwesend waren ich, Pater Prior Augustinus Burger, als Senior Pater Franziskus Nagl, der Kornmeister Pater Valerius Frölich, Pater Kasimir Degen anstelle des Cellerars Pater Urban Tremel und Pater Stephan Wiest als Sekretär. Wir waren alle mit der Kukulle bekleidet, der Richter mit seinem Mantel. Wir saßen an einem Tisch, auf dem zwischen zwei Kerzen ein Kreuz stand. Der Sekretär erhob sich und las dem gleichfalls stehenden Richter seine Bestallung vor, hierauf leistete uns der Richter mit dem herkömmlichen Eid seine Huldigung. Der ganze Vorgang war damit beendet.

Seit unvordenklicher Zeit leisteten unsere Richter dem Konvent eine Ehrengabe - das Benedicite. Von dieser Gewohnheit wich der verstorbene Richter Nepomuk Moser aus unbekanntem Grunde ab und gab dem Konvent nichts. Dem neuen Richter brachte der Prior den alten Brauch in Erinnerung und jener versprach, die alte Gewohnheit zu beachten.

Die Scheune in (Frauen-) Tödling wurde heuer erneuert. Die Aufwendungen für Zimmerleute, Maurer und Holz betrugen 238 Gulden, 39 Kreuzer. Von Haus aus schickte ich 4700 Ziegel zu 51 Gulden 50 Kreuzer und drei Eimer Kalk zu 9 Gulden.


10. November

Neue Anfrage der apostolischen Nuntiatur in Köln wegen des Pater Innozenz Morazzi aus dem Kloster Waldsassen. Dieser umherziehende Mann brach bereits öfter aus Gefängnissen und Zellen aus und wurde immer wieder eingefangen. Zuletzt entwich er nach Wien, erhielt dort Empfehlungen von Fürstlichkeiten und ging nach Rom, wo er seinen Prozess, ein gaunerisches Machwerk, vor unsere römische Prokuratur brachte. Er stieß dort gegen empfindliche Ohren, wie es scheint. Seine Sache gelangte an die höchste Stelle zur Entscheidung, die sie dem apostolischen Gesandten in Köln anvertraute. Wir warten darauf, welches Ende dieser ruchlose und unglückliche Prozess endlich nehmen wird.


13. Dezember

Ich habe zwei Glocken geweiht, eine in der Kirche von Baumgarten, die andere in der Filialkirche von Uttigkofen; der ersten gab ich den Namen der hl. Jungfrau Maria, der anderen den Namen des hl. Andreas. Die Bischöfe versuchen, uns auch dieses Amt zu nehmen, da sie ja darauf ausgehen, die Privilegien der Äbte einzuschränken. Ich wollte deshalb diese meine erste Funktion anmerken, weil sie leicht auch die letzte sein kann, wenn die Bischöfe mit der Aufhebung unserer Privilegien fortfahren.

In diesem Jahr wurde unser Eiskeller der vorher aus Holz war, mit Steinen aus Metten die mit vielen Schwierigkeiten hergebracht werden konnten, erneuert.

Auch der Hauptaltar in Weng, den unser Konverse Kaspar Locherer fertigte, wurde aufgestellt; den alten Altar bekam der Pfarrer in Liessing für seine Kirche.


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1781


5. April

Pater Urban Tremel, ehemaliger Cellerar, ging als Administrator unserer Güter nach Gneixendorf in Österreich, um dort unsere Weinberge und unser Haus, das vom Verfall bedroht ist, in die Höhe zu bringen. Er nahm in bayerischer Münze 2000 Gulden mit, in österreichischer 1666 Gulden und 40 Kreuzer. Ich gab noch 15 Gulden und 38 Kreuzer dazu. So teuer kommt uns Österreich, von dem wir kaum einen spürbaren Nutzen haben.


8. April

Pater Christian Baumann aus Ebrach kommt mit einer Empfehlung des Prälaten von Kaisheim für eine Weile zu uns.


30. April

Beginn der Reparatur unserer Kirche St. Peter. Alle alten Altäre wurden entfernt und neue errichtet nur das Bild des Hauptaltares mit den Aposteln Petrus und Paulus zusammen mit der jungfräulichen Mutter belassen. Das Presbyterium, die Kanzel und alle Kunstwerke aus Holz fertigte unser Konverse Kaspar Locherer neu, und weil der Platz ohnehin schon etwas eng geworden war, wurde die Kirche selbst ein wenig erweitert. Die Sakristei wurde von Grund auf gebaut und am 5. September setzten wir den Hahn auf die Turmspitze. Am 30. April begann auch die Reparatur unseres Getreidespeichers, der vom Einsturz bedroht war.

Endlich beginnt in einen Brand auszubrechen, was bisher unter der Asche glühte. Seit der Ankunft des apostolischen Nuntius Bellisoni ist es anscheinend Aufgabe des Kurfürsten Karl Theodor, über die Neuordnung von Klöstern bzw. Ihre Reduzierung zu verhandeln; ohne Zweifel geschah das auf Einflüsterung der Jesuiten, die vor acht Jahren von ihrem Orden entbunden wurden und nun ihren Hass, den sie gegen die Mönche im Herzen trugen und in ihren Schriften offen verrieten, jetzt voll ausgießen. Eingeschworene Feinde sind Benedikt Stattler und Sebastian (Johann Michael?) Sailer, beide Professoren der Theologie an der Universität von Ingolstadt.

Seit Mitte Mai kommen von überall Nachrichten und Briefe, die die nahe Aufhebung der Klöster anzeigen; unter anderem werden genannt: Niederaltaich, Tegernsee, Ettal, Waldsassen, Fürstenzell und Baumburg; von den Frauenklöstern unser Seligenthal, Geisenfeld, Hohenwart und Kirchbach. Das gleiche Schicksal droht auch unserem Aldersbach. Um diesem kommenden übel zu wehren, um Gott in seinem Zorn zu versöhnen, habe ich heute besondere Gebete angeordnet. Jeden Tag soll in der Loretokapelle eine Messe gefeiert werden, nach der Komplet werden fünf Vaterunser und Ave Maria für die Erhaltung unseres Klosters und Ordens gebetet. Die Kleriker, Novizen und Konversen beten nach der Vesper ebenfalls in der Loretokapelle den marianischen Rosenkranz mit der Lauretanischen Litanei. So hoffen wir das Übel abwenden zu können und erwarten den Ausgang dieser Sache in der großen Angst unseres Herzens.


3. Juni

Von Mitte März bis zum 3. Juni, an dem ich das schreibe, dauerte eine heftige Dürre. Nur dreimal regnete es ein wenig. Es war beständig sehr heiß wie im Sommer. Große Sorgen machen uns jetzt das Gras, die Feldfrüchte und das Obst. Mehr noch als die Trockenheit schadeten die Fröste vom 25.-30. Mai, die Blüten, Gras und Feldfrüchte verbrannten. Heute - es ist Pfingsten - ging gegen zehn Uhr nachts ein heftiges Gewitter mit Blitz und Donner nieder, aber nur ein mäßiger Regen benetzte unsere dürstende Erde. Gebe uns Gott bald heilsamen Regen. Und siehe, während ich das schreibe, kommt ein Bauer aus Walchsing zu uns und ruft uns zu Hilfe: der Kirchturm in Walchsing ist vom Blitz getroffen und brennt. Wir eilten hin, um zu helfen, aber der Turm war inzwischen völlig ausgebrannt, Kirche und Dorf sind durch die Barmherzigkeit Gottes ohne Schaden geblieben. Nach ein paar Tagen fiel beständiger, reichhaltiger Regen; die Flüsse traten über die Ufer und richteten Schaden auf den Feldern an; von den Wiesen schwemmten sie das Heu weg.

Eine Konferenz unter Vorsitz des Kurfürsten - es nahmen auch der Hofkanzler Kreittmayr und der apostolische Nuntius Bellisoni teil - beschließt die Einführung des Malteserordens in Bayern und dessen Ausstattung mit Klostergütern. Ende Juni kam ein Eilbote aus Rom mit der Nachricht, der Papst wünsche die Ausstattung des Ordens mit entbehrlichen Klostergütern. Eine Kommission reiste zu diesem Zweck am 3. Juli zuerst nach Tegernsee, wo die erste Visitation sein sollte. Kommissäre waren Bellisoni, Graf Morawizki, Graf Minucci, der Direktor des Geistlichen Rates Eisenreich und die Prälaten von Polling und Prüfening. Der Ausgang der Visitation war enttäuschend. Kaum begann die Untersuchung, bemerkte man den Rechenfehler, den man gemacht hatte. Der erste, der sich daraufhin von der Kommission heimlich davonmachte, war Eisenreich. Hierauf löste sich die Kommission auf und verschwand nach München. Man kann daraus schließen, dass die ganze Sache mehr aus Wichtigtuerei als aus tieferen Beweggründen betrieben wird. Inzwischen ist auch bekannt geworden, dass der Papst nur insoweit zugestimmt habe, als es sichergestellt sein müsste, dass die Klöster nicht geschädigt würden oder gar in Not kämen.

Ein zweiter Versuch, die Axt an die Klöster zu legen, stellt sich als ernst heraus. Zwei Prälaten, der von Polling und Prüfening, machten dem Kurfürsten folgenden Antrag: Die Klöster sollen den Unterricht an allen Gymnasien übernehmen und alle Kosten dafür bestreiten. Dafür solle der Kurfürst die Güter des aufgehobenen Jesuitenordens zur Gründung des Malteserordens verwenden. Die Äbte unterschreiben jetzt gezwungenermaßen. Die Zeit wird lehren, ob es gut oder schlecht war. Das ist sicher, dass die Last für die Klöster bald schwerer wiegen wird als die Gründung des Malteserordens. Der Propst von Chiemsee, der das vorauszusehen scheint, zog seine Unterschrift in einem Brief an den Prälaten von Polling zurück, aber ohne Erfolg, denn am 10. September wird eine neue Kommission unter dem Kurfürsten berufen, um die Pläne zu verwirklichen. Der Schulkommission gehören vorläufig an die Prälaten von Polling, Prüfening, Tegernsee, Raitenhaslach, Schäftlarn und Waldsassen. Die ersten Schulen sind in der Zwischenzeit bereits übernommen u. a. in München, Amberg, Straubing, Neuburg und Burghausen. Die Professoren für die Gymnasien sind auch schon bestimmt. Aus unserem Kloster Aldersbach gehen als Lehrer ab: Pater Stephan Wiest, Pater Bernardus Stöckl, zurzeit Kooperator in Schönau, Pater Siegfried Greindl, unser langjähriger Seminarpräfekt, und Pater Mauritius. Pater Stephan geht nach Ingolstadt, die anderen nach Burghausen.

Wegen der großen Hungersnot in diesem Jahre begehrte ich Dispens vom Abstinenzgebot in der Adventszeit, die ich, wie auch andere Klöster, erhielt.


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1782

Ende des letzten Jahres erhielt der Kurfürst eine Bulle des Papstes, die ihm erlaubt, das Kloster der Franziskanerinnen "an der Stiegen" (in München) aufzulösen und die Nonnen auf andere Klöster zu verteilen. Die Nonnen, die davon erfuhren, wandten sich sofort an den Bischof von Freising mit der Bitte, ihren Schutz zu übernehmen. Der Bischof, der den Nonnen Geld schuldete, eilte selbst nach München und die Nonnen erließen ihm die Schulden. Jetzt versuchte er, die Nonnen ins Bittrich-Kloster, das dem gleichen Orden gehört, umzusiedeln und die Nonnen von Bittrich auf andere Klöster zu verteilen. Der Geistliche Rat zog daraufhin die Sache an sich, indem er sich auf die Bulle berief. Wir warten nun, wie die Sache ausgeht.


Josef II. von Österreich

Ein Dekret Josefs II. erlaubte den Protestanten und Juden die freie Ausübung ihrer Religion in allen seinen Erbländern. Er gab damit eindeutige Hinweise auf seine religionsfeindliche Einstellung, die sich bereits seit einiger Zeit bemerkbar machte. Ein geistreicher Spötter verfasste auf ihn folgenden Vers: "Josef II., König der Juden, Kaiser und Vagabund."

Nachdem er so die Ausübung der Religion "geordnet" hatte, fuhr der zürnende Jupiter auf die Klöster los. Kartäuser, Kamaldulenser, Franziskanerinnen und andere, dem beschaulichen Leben gewidmete Klöster, löste er auf, ihr Vermögen verwandte er für den Unterhalt der Vertriebenen oder zog sie zu Gunsten des öffentlichen Wohles ein. Papst Pius VI. reiste deshalb nach Wien und kam am 20. März dort an.

Der Kaiser verlor in der Zwischenzeit - wenn die Nachricht wahr ist - das Sehvermögen auf einem Auge.

"Erschrickst du nicht, Kaiser, den Augapfel Christi berührt zu haben? Sieh da, jetzt hast du deine Strafe. Jetzt büßt du dein Augenlicht ein."

Zahlreiche übel dehnen sich nun auf die Kirchen und Klöster aus. Ein Beispiel dafür ist folgende Verfügung vom 20. März: Das Band der Bischöfe mit dem Papst ist gelöst. Allen Orden in den Österreichischen Erbländern ist der Verkehr mit den Oberen außerhalb dieser Länder verboten. Alle Ordensangehörigen werden den Bischöfen unterworfen. Mehr und noch schlimmere Verbote erwarten wir.


22. März

Pius VI. kam in Wien an. Kurz vorher ist dort folgendes Gedicht veröffentlicht worden: "O Österreich, du duldest die, die du beseitigen sollst, und beseitigst die, die du dulden sollst!"

Ein anderes Gedicht: "Josef II. unbesiegter römischer Kaiser, immer Mehrer des Reiches, Fürst und alleiniger Herr, mächtiger Erneuerer des Vorangegangenen, wunderbares Beispiel für die Nachfahren. Von den Waffentaten und dem Manne singe ich, dem keiner gleicht und den keiner erreichen kann. Herr wurde er über alle und alles. Hoffnung der Völker, Liebe der Menschen, Magnet der Herzen, Staunen der Welt. Sein Reich teilt der Kaiser mit Jupiter, Abgott seiner Soldaten, Majestät über Knechte, Monarch der Kirche, Du hoher Priester, Stecke dein Schwert in die Scheide, Petrus, gehe hinaus, meinetwegen weine aus Liebe, denn wo Österreich Bischof ist, herrscht die Toleranz, da es das Evangelium beherrscht. Und was in mehr als tausend Jahren erarbeitet wurde, wird unter den Auspizien Josefs gar leicht vollendet; ein Schafstall, in dem sich alle Schafe sammeln. Und dennoch hört man nur die Stimme des einen Hirten, nämlich die des Kaisers. Jesus aber ging hinaus aus dem Tempel und verbarg sich (Joh. 8)."


16. April

Ich habe heute die Portatilien in der Kirche von St. Peter geweiht. Am gleichen Tag wurden sie auf die beiden Seitenaltäre aufgesetzt, so dass sie zusammen mit den anderen Steinen einen Tisch ergeben. Die Bilder an diesen beiden Altären malte Christian Wink aus München. Eines zeigt die allerseligste Jungfrau Maria, wie sie St. Bernhard feiert und das andere St. Nikolaus. Beide kosteten hundert Gulden und werden selbst von Kennern hochgeschätzt.

Am Samstag vor Sonntag Exaudi, am 11. Mai, wurde das Allerheiligste wieder in die Pfarrkirche zurückgebracht. Um 9 Uhr kamen Konvent und viele Gläubige zusammen. Unser Pater Prior ­ Sebastian Poschinger - trug, angetan mit den heiligen Gewändern und begleitet von zwei Ministranten, das Allerheiligste unter einem Baldachin, stimmte das Pange lingua an, das der ehrwürdige Konvent mitsang. Fahnen wehten voraus und andere bei Prozessionen übliche Zeichen wurden mitgetragen. Wir gingen mit der Kukulle bekleidet unter dem Krachen unserer kleinen Geschütze bis zur Pfarrkirche. Unser Pater Prior feierte das Hochamt, während ich am Marienaltar zelebrierte, ein anderer Priester am Andreasaltar. Zum Schluss wurde der Hymnus Te deum gesungen und nach dem Tantum ergo der Segen erteilt. Die Feier war damit beendet. Gott sei Lob und Dank!


22. April

Pius VI. reiste aus Wien ab. Einen ganzen Monat lang hatte er sich dort aufgehalten. Den Nachrichten zufolge konnten die Bitten des Heiligen Vaters das harte Herz Josef II. nicht bewegen. Von den schlechtesten Ratgebern, den Feinden der Kirche und der Religion und insbesondere der Mönche umgeben, verfolgt der Kaiser Kirche und Klerus. Wie lange noch? Wir sind in Angst und Furcht.

Am genannten Tage reiste der Vater aller Gläubigen also voll Trauer ab und verbrachte die erste Nacht im Kloster Melk, die andere in St. Florian bei Linz, die dritte in Ried. Es war die letzte Nacht auf österreichischem Gebiet. Am 26. April übernachtete er bereits in Altötting. Bei Braunau, an der bayerischen Grenze begrüßte ihn im Namen des Landesherrn Graf Königsegg. In Altötting erwartete der Pfalzgraf von Birkenfeld den Pontifex. Er zog sein Schwert, legte es auf den Boden und kniete darauf; hierauf trat er an den Wagen des Papstes heran und küsste ihm die Hände. Das zahlreich versammelte Volk nahm voll Ergriffenheit den apostolischen Segen entgegen. Nach der Messfeier in der Gnadenkapelle begab sich der Papst nach Haag, wo ihn der Kurfürst erwartete. Gegen sechs Uhr abends erreichte man im Wagen des Kurfürsten unter dem Donnern der Geschütze und dem Läuten aller Glocken München.

Die Verhandlungen, die in München stattfanden, sind in einer eigenen Schrift aufgezeichnet und veröffentlicht worden. Einige Dinge habe ich zuverlässig erfahren.

Wie in Wien, gab es auch in München eine Beratung wegen der Auflösung gewisser Klöster. Der Heilige Vater bat beim Kurfürsten so eindringlich für ihre Erhaltung, dass dieser versprach, nichts zu unternehmen, solange er lebe. Außerdem bedankte sich der Heilige Vater beim Kurfürsten dafür, dass er die öffentlichen Schulen den Mönchen anvertraut habe und bat, dies auch in Zukunft so zu belassen. Die Prälaten von St. Emmeram in Regensburg und Polling sollen sich nach dem Wunsche des Papstes besonders um die Studien kümmern. P. Wolfgang Frölich von St. Emmeram, Professor in Ingolstadt (bekannt für seine Romtreue und ein entschiedener Gegner des oben erwähnten Benedikt Stattler) wurde anlässlich einer Audienz vom Papst mit folgenden Worten ermuntert: "Fahre fort, mein Sohn, auf den Felsen zu bauen".

Während des ganzen Monats Mai erhielten alle Gläubigen, Einheimische und Fremde, die zum Papst kamen oder wenigstens zu ihm kommen wollten, um ihm ihre Verehrung zu erweisen, einen vollkommenen Ablass, auch die Nonnen. Diese Gnade war zuvor den Österreichern nicht gewährt worden.

Am 2. Mai reiste der Papst von München nach Augsburg. Als er an die Grenze Bayerns kam, erteilte er zum letzten Male unserem Vaterlande seinen väterlichen Segen und sagte dabei, die Hälfte seines Herzens lasse er in Bayern zurück, die andere nehme er mit sich nach Rom. So sehr war er von der Ehrerbietung unseres Fürsten und des ganzen bayerischen Volkes gefangen und gerührt worden.

In Augsburg wurde er mit größter Freude und allen erdenklichen Ehren von Katholiken und Protestanten aufgenommen.

Am 6. Mai reiste er von Augsburg ab und gelangte über Tirol nach Italien.

Anfang dieses Jahres entstand in Russland eine Epidemie und befiel zahlreiche Einwohner dieses Landes. Ober das nördliche Preußen dehnte sie sich dann auf Sachsen und schließlich auf unsere Länder aus. Die Krankheit glich einem katarrhischen Fieber und dauerte 5-6 Tage. Häufig machte sie die Betroffenen für mehrere Stunden durch grässliche Kopf- und Brustschmerzen beinahe besinnungslos, aber nur ganz selten endete sie tödlich, außer der Kranke hatte einen Aderlass zugelassen.

Nach manchen Schicksalen und wechselvollen Unternehmungen wurde in unserem Lande der Malteserorden gegründet und mit den Gütern der Jesuiten ausgestattet. Am 15. Juni kehrten die Unterhändler, die Anfang des Jahres zum Großmeister nach Malta gesandt worden waren, unter ihnen Graf Minuzzi, wieder nach München zurück und brachten die Bestätigung der Gründung in englischer und bayerischer Sprache mit.

Meine Vorgänger haben weder von Karl VI. noch von der Kaiserin Maria Theresia eine Bestätigung unserer Privilegien erbeten; der letzte Kaiser war Josef I., der unsere Privilegien bestätigte. Als Josef II. an die Regierung kam, forderte er, die alten Privilegien nach Wien einzusenden und eine neue Bestätigung zu erbitten. Ich tat beides, musste aber ein unglückliches Ende erfahren; die Bestätigung wurde nämlich durch ein kaiserliches Reskript vom 8. Juni 1782 mit folgenden dürren Worten rundweg abgelehnt: "Es haben seine Majestät mittels aller höchster Resolution vom 25. Mai und 5. Juni dieses Jahres ihren Herrn Abt zu Aldersbach in Bayern mit der angesuchten Freyheits-Konfirmation abzuweisen befunden."


11. Juni

In der Gegend von Krems und Gneixendorf, wo unsere hauptsächlichen Besitzungen liegen, ging ein so heftiges Unwetter nieder, dass es weit und breit alles zerstörte. Es entwurzelte Bäume, zerbrach Dächer und Mauern und vernichtete die Weinberge und Felder in einem solchen Ausmaß, dass sie erst im Verlauf von Jahren wieder in den alten Zustand gebracht werden können. Was dieses schreckliche Unwetter noch übrig ließ, vernichtete am 28. Juni eine unerhörte Überschwemmung völlig: das Wasser zerstörte die noch unversehrten Häuser, drang in die Weinkeller ein, unterspülte sie und verdarb den Wein. Schließlich, damit auch nicht ein einziger Schaden ausblieb, folgte am 11. Juli ein verheerender Sturm. Die Saat, die noch auf den Feldern stand und reifte, ist jetzt größtenteils niedergewalzt, entwurzelt und verstreut und das Korn ausgefallen. Unser Schaden, den wir dort erlitten haben, erreicht leicht die Summe von 3000-4000 Gulden. Wenn man jetzt unsere ganzen Aufwendungen für Gneixendorf dazurechnet, wird jedermann leicht einsehen, wie teuer uns Österreich kommt.

Das ganze Jahr über herrschte eine solche Trockenheit, wie es seit Menschengedenken keine gab. Vom 1. Juni nämlich bis Anfang August gab es nur ein- oder zweimal geringen Regen. Die Erde war so ausgetrocknet, dass kaum Gras oder Gartengewächse gedeihen konnten; zudem wehte ständig der Wind. Die Saaten versprachen eine gute Ernte, wenn man nur allein auf den Ertrag des Kornes schaut, an Stroh und Heu indes herrscht allergrößter Mangel (am Rande dazugeschrieben: die Trockenheit dauerte von Juni bis Ende August).

Gegen Ende des Monats Juni kehrte der schon oben erwähnte Pater Innozenz aus Rom nach München zurück und begab sich nach Seligenthal. Er rühmt sich jetzt lauthals des Sieges über seinen Abt, den er demnächst erringen würde, worauf wir alle gespannt warten. Aus Rom brachte er gewisse Beweise der päpstlichen Gnade mit, nämlich eine rote Mozetta und einen Schuh von gleicher Farbe, dazu eine weiße Kappe. Er prahlt mit diesen Dingen wo und wie er kann.


22. Juli

Der Malteserorden wird durch Dekret unseres Kurfürsten in Bayern offiziell gegründet. Der Herzog von Zweibrücken und unsere Landstände legten dagegen Protest ein. Alles, was ich hier nicht aufschreiben kann, steht in einem Brief aus Ingolstadt, der in meinem Besitz ist.


15. August

Die Malteserritter übernehmen unter ihrem Kanzler von Eisenreich das Kolleg in Ingolstadt.

In Österreich dauern die Verfolgung und die Unterdrückung der Kirche und ihrer Diener an. über die Bischöfe steht zwar geschrieben: "Der hl. Geist hat euch ein gesetzt, die Kirche Gottes zu lenken." Aber in Wirklichkeit hat sich Josef II. alle Gewalt über die Kirche angemaßt. Heiligenbilder lässt er aus den Kirchen entfernen, die Instrumentalmusik bei Gottesdiensten verbietet er. Zur Feier der Messe bestimmt er einen einzigen Altar, nämlich den Hauptaltar. Die privilegierte Stellung der Mönche hebt er auf und unterstellt sie den Bischöfen, die Bischöfe sich als dem obersten Priester in Österreich, ein beim Klerus wie allmählich auch bei den Bürgern und beim Militär gleich verhasster Herrscher. Man erzählt sich, dass kürzlich in seinem Zimmer ein versteckter Zettel gefunden wurde, der folgende Aufschrift trug: "Höret zu weinen auf, Priester, übers Jahr habt ihr keinen Tyrannen mehr."


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1782

Seligenthal, ein Frauenkloster unseres Ordens und unserer Visitation unterstehend, suchte beim Kurfürsten um die Erlaubnis nach, Mädchen im Katechismus, Lesen und Schreiben und in Handarbeiten, die Alter und Geschlecht entsprechen, zu unterrichten. Die Nonnen wollen damit zeigen, dass sie in der Lage sind, für das öffentliche Wohl, das alleinige Idol unseres Jahrhunderts zu arbeiten und sich und das Kloster vom Untergang zu retten. Der Kurfürst gab die Erlaubnis, eine Mädchenschule in Seligenthal zu errichten und betraute den Beichtvater mit der Leitung der Schule. Die Urkunde vom 9. August 1782 ist in unserem Archiv aufbewahrt.


4. November

Am Geburtstag unseres erlauchten Kurfürsten Karl Theodor ist die Mädchenschule in Seligenthal eröffnet worden und unter dem Beifall der Landshuter Bürgerschaft und der ganzen Umgebung sind 48 Mädchen in die Schule eingeführt worden. Wegen der schon erwähnten Schäden war unsere Weinlese in Österreich ohne jeden Ertrag. In Nußdorf ernteten wir 20 Urnen, um Gneixendorf und Weinzierl nicht einen einzigen Tropfen.

Nachdem schon die meisten Frauenklöster, die der Beschaulichkeit dienen, aufgehoben worden sind, müssen die vertriebenen Nonnen mit einer kleinen Pension jämmerlich in der Welt herumziehen. Wer hat schon einmal von solchen Dingen gehört oder etwas Ähnliches in katholischen Landen gesehen? Jetzt legt er bereits Hand an die Kehle der Bettelorden. Gerade, während ich diese Zeilen schreibe - am 20. November -, erfahren wir aus sicherer Quelle, dass die Kapuziner im Kloster am Ufer (Linz) vertrieben wurden. Wir zweifeln nicht im Geringsten, dass der Österreichische Sturm noch viel mehr vernichten wird, wenn er es nicht schon getan hat.

Auch in München ist das Kloster der Nonnen aus dem Orden des hl. Franziskus, das zur Beschaulichen Richtung gehört und das auf der sogenannten "Stiegen" liegt, geschlossen worden. Der Grund ist allerdings ein ganz anderer als es in Österreich der Fall ist. Das besagte Kloster liegt unmittelbar neben der Residenz des Kurfürsten, stand der Sonne und dem Ausblick im Wege und brachte dem Kurfürsten auch andere Unzuträglichkeiten, derentwegen er die Räumung des Hauses anordnete. Die Nonnen versah er mit einer jährlichen Pension von 200 Gulden und verteilte sie auf andere Klöster. In unserem Kloster Seligenthal kam am 6. November M. Anna Zabusnigin an. Sie wurde auf Anordnung des Geistlichen Rates in München im Kloster aufgenommen; ihr Ordenskleid darf sie behalten.


15. Dezember

Unser Kurfürst Karl Theodor erlitt während der Nacht einen Schlaganfall, der ihn halbseitig lähmte. Er wurde auf seinem Bett liegend gefunden. Noch in der gleichen Nacht ließ man ihn dreimal zur Ader und da begann er wieder zu atmen. Am Weihnachtstag konnte er bereits wieder dem Festgottesdienst beiwohnen. Der kaiserliche Gesandte von Lerbach benachrichtigte unverzüglich seinen Kaiser, kaum dass er von der Krankheit des Serenissimus erfuhr. Man sagt, Kaiser Josef habe daraufhin sofort Befehl gegeben, mit 20.000 Soldaten in Bayern einzurücken, wenn der Kurfürst gestorben sei. Aber der allgütige Gott hat wiederum die Pläne unserer Feinde zerrissen.

Nach der Gründung des Malteserordens in unserem Lande hat der Kurfürst folgende Ritter dazu bestimmt: Großprior: Karl, Graf von Brezenheim (ein natürlicher Sohn des Serenissimus). Vikar: Johannes Baptista, Freiherr von Flachslanden. Großballei: Franz Albert, Freiherr von Oberndorf. Angehörige der Kommende: 1. Freiherr von Flachslanden, 2. Graf von Morawitzki, 3. Franz, Graf von Wall, 4. Maximilian, Graf von Seefeld, 5. Ferdinand, Graf von Minucci, 6. Klemens, Freiherr von Weichs, 7. Friedrich, Freiherr von Viereck, 8. Norbert, Graf von Törring, 9. Ernst, Graf von Taun, 10. Philipp Josef, Graf von Lamberg, 11. Josef, Freiherr von Wefeld, 12. Guido, Graf auf Taufkirchen. Minorennen (Edelknaben): 1. Friedrich, Graf von Sensheim, 2. Karl August, Freiherr von Oberndorf, 3. Emanuel Maximilian, Graf von Törring-Jettenbach, 4. Johann Baptist, Freiherr von Waldkirch, 5. Graf von Spreti, 6. Graf zu Lerchenfeld-Köfering, 7. Maximilian, Graf von Arco, 8. Josef, Graf von Lodron, 9. Graf von Taxis, 10. Ignaz, Freiherr von Hegnenberg, 11. Graf von Baumgarten, 12. Johann Nepomuk, Freiherr von Rechberg. Kleriker in der Kommende: 1. Nikolaus Maillart, 2. Kasimir Hefelein, 3. Johannes Eisl, 4. Heinrich Braun.

Ende des Jahres kehrte der mehrfach erwähnte P. Innozenz, der sein Kloster Waldsassen auf schimpflichste Weise geschmäht hatte und viele Tausende von Gulden verschleudert hatte, auf Anordnung des Geheimen Rates in München wieder zurück. Später wurde ihm das Priorat Fürstenreith auf Anordnung der gleichen Behörde als Aufenthaltsort zugewiesen; ob er dort endlich Ruhe gibt, wird die Zeit lehren. Anfang November war schon alles zugeschneit. Am Feste der Unbefleckten Empfängnis herrschte große Kälte, aber sie dauerte nicht lange. Von Weihnachten bis Anfang März des folgenden Jahres gab es sehr häufig Regen, dazu auch Schnee. Der Schnee fiel in solchen Mengen, wie sie kein Mensch zuvor gesehen hat, hielt sich aber nicht lange. Die Luft war meistens mild und glich eher dem Frühling als dem Winter


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1783


13. März

In Passau stirbt um 3 Uhr morgens der Bischof von Passau, Kardinal Leopold III. von Firmian, ausgezeichnet durch Frömmigkeit, Glaubenseifer und sein bischöfliches Amt.


15. März

Durch ein besonderes Schreiben des Domkapitels wurde mir heute der Tod Seiner Eminenz, des Herrn Kardinal, mitgeteilt. Zu gleich wurde ich zu den Exequien am 20. März eingeladen.


18. März

Ich reiste nach Fürstenzell und am Tage darauf in Begleitung des dortigen Abtes nach Passau. Zu den Feierlichkeiten waren auch die Äbte von St. Salvator, Fürstenzell, Suben, Reichersberg, Niederalteich, Asbach und Vornbach eingeladen. Letzterer ließ sich entschuldigen. Auf diese Weise ergab sich eine ungerade Zahl und da ich der jüngste Abt war, begleitete ich allein ohne Ornat den Leichenzug zusammen mit dem Prälaten von Ranshofen, der nicht eingeladen war. Am selben Tage kehrte ich nach Hause zurück., während die übrigen sechs Äbte noch zwei Tage in Passau blieben.

Kaum war der Tod des Kardinals in Wien bekannt geworden, als Kaiser Josef II. durch seinen wohlbekannten Rat Eibl aus Linz von allen Passauer bischöflichen Besitzungen, die in Österreich liegen, Besitz ergriff. Er ernannte den Grafen Herberstein zum Bischof dieses Gebietes. Wir müssen die Folgen dieses unerhörten Eingriffes abwarten.


2. Mai

Unser Kurfürst Karl Theodor reiste aus München ab und begab sich nach Rom und von dort nach Pisa, um in den dortigen Bädern seine Gesundheit wieder zu erlangen. In München ließ er nach seiner Abreise mehrere Erlasse veröffentlichen, von denen zwei bis heute bekannt wurden. Der erste betrifft den Kirchenrat, der zweite das Militär. Vier Reiterabteilungen, die bisher in Bayern standen, werden auf zwei Abteilungen zusammengelegt und die acht Abteilungen Infanterie auf vier und anteilmäßig von Bayern und der Pfalz übernommen.


19. Mai

Im zweiten Wahlgang wurde zu Passau Josef Franz von Paula, Graf von Auersperg, bisher Bischof von Gurk, zum neuen Bischof gewählt. Sofort nach seiner Wahl reiste er nach Wien, um seine vom Kaiser entzogenen Besitzungen wieder zu erhalten und mit seiner Diözese zu vereinigen. Möge Gott seinen Segen dazu geben!


29. Juni

In Seligenthal wurden vier Kandidatinnen eingekleidet. Der Festlichkeit wohnte der Pfalzgraf von Birkenfeld zusammen mit seiner erlauchten Gemahlin bei. Beide äußerten den Wunsch, auch bei der feierlichen Profess der vier Kandidatinnen teilnehmen zu können.


25. Juli

Fast zwei ganze Monate herrschte sehr dichter Hochnebel ohne Niederschlag. Nachts sah man die Sterne nicht und die Sonne schien nur selten; blutrot gefärbt ging sie dann unter. Die Luft war dabei sehr warm und die Früchte gediehen gut. Es gab auch so viel Getreide wie noch nie seit Menschengedenken. Der Nebel wurde von keinem Wind zerstreut und löste sich weder in Tau noch in Regen auf, sondern blieb immer unverändert. Anno 1764 herrschte dasselbe Wetter. Es gibt für dieses Phänomen mehrere Begründungen. Die einen führen das Erdbeben an, das heuer ganz Kalabrien erschütterte, andere die trockenen Ausdünstungen der Erde, andere wieder etwas Anderes. Es gab auch welche, die Kriege, Pest und andere übel daraus vorhersagten. Ihre Prophezeiungen erwiesen sich bisher als nichtig. Möge uns Gott auch weiterhin von allem Unheil bewahren!


1. August

Heute war ein Tag voller Angst und Schrecken! Unter dem Ofen des kleinen Speisesaals begann infolge der Nachlässigkeit und Sorglosigkeit unserer Mägde - Zimmerwartherinnen - ein Balken aus einem unbekannten Grunde zu glimmen. Zwei Tage lang bemerkten wir einen dünnen Rauch und eine Hitze, die vom Rauch ausging. Die Ursache dafür fanden wir nicht heraus. An diesem Tage aber betrat ein Knabe, der in der Abtei beschäftigt ist, das besagte Zimmer und fand es voll Rauch. Sofort rief er um Hilfe und die Hausknechte eilten herbei und schleppten Wasser, Löschrohre und andere Dinge zum Löschen des Feuers herbei. Der Fußboden des Speisezimmers wurde aufgerissen und das glühende Holz mit Gottes Hilfe glücklich gelöscht und die drohende Gefahr für das Kloster beseitigt. Wenn das Feuer nachts ausgebrochen wäre, hätte es vielleicht das ganze Kloster vernichtet. Am folgenden Tage hielten wir zur Ehre Gottes, des hl. Florian und der hl. Agathe einen feierlichen Dankgottesdienst ab.

Im August dieses Jahres wurde eine Verordnung des Kurfürsten veröffentlicht, die das Läuten der Glocken während eines Gewitters verbietet. Als Begründung dafür wird angeführt, dass die Blitze meistens in Türmen einschlagen und die Glöckner treffen. Wir fügten uns in Gehorsam dem Erlass des Kurfürsten. Am 29. des Monats ging ein schreckliches Gewitter nieder. Es wütete so schlimm, dass wir uns an ein ähnliches seit vielen Jahren nicht erinnern können. Und das obwohl die Glocken schwiegen! Es regnete in Strömen, es hagelte und der Blitz schlug in die Scheune eines Bauern in Gainstorf ein, das in unserer Nachbarschaft liegt. Diese Scheune und noch eine andere fielen dem Feuer zum Opfer.


23. September

Das Kloster Indersdorf in Oberbayern wird durch eine päpstliche Bulle aufgehoben. Während der Kurfürst in Rom weilte, hat sich nach einigen Berichten der Abt von Indersdorf in München über die Streitsucht seiner Mönche beklagt und auf die Schuldenlast des Klosters hingewiesen. Die Angelegenheit wurde nach Rom berichtet und der Kurfürst erhielt daraufhin vom Papst die Aufhebungsbulle, die am genannten Tag vom Geistlichen Rat veröffentlicht wurde. Die Worte sind verbürgt: wegen der Schulden und wegen der Streitigkeiten untereinander bemühte sich der Abt persönlich um die Aufhebung! Was für ein Abt! Jetzt heißt es auch bereits, die Schulden seien nicht so bedeutend gewesen und der Abt sei von einzelnen Kanonikern durch eine List dazu gebracht worden, zu resignieren.


29. September

Der H.H. Abt von Fürstenzell feierte mit großer Feierlichkeit sein Priesterjubiläum. Die meisten Äbte Bayerns und Österreichs waren eingeladen, neun kamen: die Prälaten von Reichersberg Vornbach, Raitenhaslach, Asbach, St. Salvator Gotteszell, St. Nikolaus, Suben und ich. Ich versah das Amt eines Erzdiakons. P. Raimund Fränzl hielt die Festpredigt. Alle Äbte assistierten mit der Mitra und dem Rauchmantel bekleidet. Nach der Predigt zogen die Äbte die Pontifikalgewänder an, dann begann die Messfeier am Altar. An der Spitze schritt der Stabträger, dann kamen die Äbte, ich als Erzdiakon in Begleitung zweier Neupriester. Wir traten gemeinsam an den Altar heran und gemeinsam sprachen wir die Stufengebete. Die Neupriester begaben sich dann mit ihrem Abt vom Hauptaltar zu den Seitenaltären und feierten mit ihren Ministranten eine heilige Messe. Beim Gloria und Credo nahmen sie ihre Sitzplätze ein und kehrten nach Beendigung des Hauptgottesdienstes an den Hochaltar zurück. Der Hymnus Te deum wurde angestimmt und wie am Anfang des Gottesdienstes das Veni sancte spiritus.


29. Oktober

Aus Wien erhielt ich heute einen Almosenbrief, auch Personen- oder Brotbrief genannt, kraft dessen Josef II., römischer Kaiser, für sich das Recht in Anspruch nimmt, jedem beliebigen Kloster im gesamten Reiche irgendeine Person aus dem Laienstande zuzuteilen, die dann ein Leben lang ernährt werden muss. Durch den genannten Brief wurde unserem Kloster Theresia Lebisch, Tochter des kaiserlichen geheimen Kammerzahlamtskassiers zugewiesen. Wir sollen alljährlich das Geld für ihren Unterhalt bereitstellen und nach Wien schicken, da sie im Kloster nicht leben könne, vielleicht auch nicht wolle. Ich sandte diesen Brief an den Geheimen Rat in München mit der Bitte um Anweisung, was ich in diesem Fall tun solle. Am 25. November erhielt ich von dort folgende Antwort: "Wir lasen Euch aus Eurem zu unsern Geistlichen Rath unterthänigst erstatteten Bericht in Betreff des Kaiserlichen Panis-Briefes für die Theresia Lebisch pro Resolutione gnädigst zu behalten, daß ihr in Gemäßheit unserer geheimen Rats Resolution vom 24. Mai des Jahres Euch ohne unsern spezial Vorwissen auf nichts einlassen sollt. München, den 11. November 1783. Unterschrift: Auracher." Es bleibt jetzt abzuwarten, was der in der Verfolgung seiner Ziele sehr hartnäckige Kaiser gegen diesen Bescheid unternehmen wird. Ähnliche Almosenbriefe wurden auch an zahlreiche andere Klöster unseres Bayernlandes geschickt, aber nirgends erreichten sie ihr Ziel, wie verlautet. Man erzählt neuerdings sogar, der König von Preußen habe alle Bettelbriefe, die an Klöster in seinen Ländern gingen sofort wieder dem Kaiser zurückgeschickt.


14. November

Die Regierung in Landshut, die unser Kurfürst Karl vor zwei Jahren auflöste, ist auf Verwendung des Pfalzgrafen von Birkenfeld, der seit zwei Jahren mit seiner Gemahlin, einer Prinzessin von Zweibrücken in Landshut weilt und auf Bitten der Landstände und der Bürger von Landshut durch Beschluss des Geheimen Hofrates wiedereingesetzt worden. Die Installierung der Regierung, die unmittelbar bevorsteht, wurde dem Hofkanzler Freiherrn von Kreittmayr anvertraut. Am gleichen Tage wurden auch die Magistratsdiener, die vor einem Jahr abgeschafft wurden, wiedereingesetzt, allerdings mit stark verminderten Befugnissen. Ich glaube, sie haben in der Vergangenheit die einfachen Leute mit Ochsenziemern und Peitschen geschlagen.


29. Dezember

Heute war der unglückliche Tag, an dem das einst hoch angesehene Kloster der Prämonstratenser in Osterhofen, das in unserer Nachbarschaft liegt und das mit uns befreundet ist, aufgehoben wurde. Eine Kommission der Kirchenverwaltung aus München mit ihrem Sekretär Auracher an der Spitze kam zu diesem Zwecke nach Osterhofen. Die Sache ist folgendermaßen: Das genannte Kloster litt unter einer gewaltigen Schuldenlast von 301.000 Gulden, wie ich von Eingeweihten weiß. Das Kloster war nicht mehr in der Lage, die Schulden zu bezahlen und man wandte sich an die Gerichte. Mehrere Kommissionen wurden eingesetzt, hatten aber keinen Erfolg. Die Kommissäre sorgten in erster Linie für sich, die Lage des Klosters aber verschlechterte sich von Tag zu Tag. Endlich bezahlte Kurfürstin Maria Anna, die Witwe des verstorbenen Kurfürsten, zunächst ein Drittel der Schulden und dann die Hälfte und übernahm alle Besitzungen des Klosters, mit deren Hilfe sie später eine Stiftung für adelige Damen errichtete. Zu diesem Zwecke erschienen also am genannten Tage die Kommissäre in Osterhofen, entbanden die Klosteruntergebenen vom alten Eid und nahmen im Namen der Kurfürstin deren neue Huldigung entgegen. Am Tag darauf eröffneten sie den Mönchen die Aufhebungsbulle, die Pius VI. unserem Kurfürsten Karl Theodor übergeben hatte. Sie entbanden sie von der Chorpflicht, ließen sie aber bis zu einer neuen Verwendung gewähren wie bisher. So endete mit dem letzten Tag dieses Jahres ein sehr berühmtes Kloster.


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1784


3. Februar

Erste Sitzung der neuen Regierung in Landshut nach einem Festgottesdienst in St. Martin. Öffentlich wird für die glückliche Entbindung der Gattin des Pfalzgrafen von Birkenfeld und für die Regierung in Landshut gebetet.

Einzigartig und äußerst denkwürdig war der Winter dieses Jahres. Gegen Ende des Vorjahres, etwa an Allerheiligen, fiel eine ungeheure Menge Schnee, der aber durch nachfolgenden Regen und warmen Wind schnell wieder schmolz. Hierauf setzte starker Frost ein, der in unverminderter Stärke bis Weihnachten dauerte und die Erde eine halbe Elle tief gefrieren ließ. Am Vorabend des Weihnachtsfestes fing es wieder zu schneien an und da es mehrere Tage ununterbrochen schneite, erreichte der Schnee eine beträchtliche Höhe. Später schneite es noch mehrmals und der Schnee wuchs zu einer solchen Höhe an, dass sich weit und breit kein Mensch erinnern kann, je eine solche gesehen zu haben. Dazu herrschte eine solche Kälte, dass nicht nur alle Flüsse zufroren, sondern das Wild in den Wäldern verendete und die Vögel tot zu Boden fielen. Schnee und Kälte hielten sich unvermindert vom Weihnachtstag bis zum Sonntag Quinquagesima, der in diesem Jahre auf den 22. Februar traf. Bis zum 25. März war es aber noch oft genauso kalt. Ende Februar schneite und regnete es ununterbrochen vier Tage lang. Schneeschmelze und Regen verursachten eine so gewaltige Überschwemmung, wie sie nicht einmal die ältesten Leute erlebt haben. Der von den Dächern kommende Schnee richtete überall gewaltigen Schaden an. Viele Scheunen und andere nicht besonders feste Gebäude brachen unter der Last ein. Das Wasser überflutete zahlreiche Häuser unserer Hofmark und zwang die Einwohner, sich in die höher gelegenen Stockwerke zu flüchten oder sogar ihre Häuser ganz zu verlassen. Viele Mühlen wurden weggerissen, so dass es trotz der reichlichen Getreideernte des Vorjahres bald an Mehl mangelte. Eine Hungersnot bahnte sich deshalb an. Unsere eigene Mühle blieb - Gott sei Dank - unversehrt und so können wir anderen in ihrer Not helfen. Welchen Schaden die Überschwemmung, die kein Mensch in diesem Ausmaß für denkbar hielt, anrichtete, wissen wir heute noch nicht, werden es aber sicher bald erfahren. Die Kälte nahm, wie berichtet, Anfang März, etwa am 2. und 3. wieder zu und dauerte in großer Stärke bis zum 25. des Monats an.


19. März

Die Kurfürstin-Witwe kam gegen zwei Uhr nachmittags in Osterbofen an. Das Krachen der Böller und der Klang von Waldhörnern empfingen sie dort, ehe sie sich an die Besichtigung ihres Klosters machte. In ihrer Begleitung befanden sich Baron von Leiden, früher Gesandter am kaiserlichen Hofe, Gräfin von Törring-Seefeld und andere. Bezüglich der Kanoniker wurde folgende Regelung getroffen: Abt Michael (III. Liggleder) bleibt im Konvent mit einer jährlichen Pension von 600 Gulden, Pater Augustinus, der ehemalige Prior, erhält eine jährliche Pension von 380 Gulden. Die übrigen fünf ehemaligen Kanoniker bekommen je 240 Gulden mit den anfallenden Messstipendien und den Einkünften aus drei Pfarreien, die sie teilen müssen. Zwei andere, nämlich Pater Adelbert und Pater Dionysius werden im Damenstift Kapläne und erhalten jährlich 800 Gulden. Pater Benedikt und Pater Friedrich, die keinen guten Leumund haben, verlassen das Kloster mit dem Befehl, sich selbst ein Kloster ihres Ordens zu suchen. Wenn sie dazu nicht in der Lage sind, wird ihnen ein solches zugewiesen.


24. März

Mit dem H.H. Abte von Fürstenzell reiste ich nach Osterhofen, um der Kurfürstin-Witwe meinen Besuch zu machen. Wir wurden huldvollst empfangen und zur Tafel geladen.


2. April

Vier Bauerngüter, die uns gehören und im Gebiet des Gerichts Natternberg gelegen sind und für uns keinen Wert haben, darunter die Wirtschaft in Wallersdorf und ein Hof in Wallerfing, tauschten wir mit anderen, die ehemals zu Osterhofen gehörten. Der Vertrag darüber befindet sich in unserem Archiv, wo er eingesehen werden kann. Der Tauschvertrag fand in Osterhofen in Anwesenheit Sr. Exzellenz des Freiherrn von Leiden, der die Kurfürstin vertrat, und unseres Richters Anton Fürst statt, den wir dorthin abordneten. (Der Kurfürstin kam, wie sie vorher bereits brieflich versicherte, der Tausch sehr gelegen. Sicherlich wären wir also dazu gezwungen worden, wenn wir nicht freiwillig zugestimmt hätten. Jeder weiß doch, dass ein Fürst auch befehlen könnte. Aus diesem Grund hielt ich daher den Tausch für gut. Das sage ich nur zur Orientierung für die Nachfahren, die sich sonst über diese Angelegenheit kein richtiges Urteil bilden können.)

Mitte Mai wurde das Kloster Suben am Inn aufgehoben. Dem Abt und den Kanonikern wurde eine kleine Rente gewährt. Den Grund dazu lieferten die Kanoniker selbst, von denen vier aus Unzufriedenheit gegen die Oberen rebellierten und die Sache so weit trieben, dass die schöne Abtei aufgehoben wurde. Wie in Österreich, so werden jetzt auch in den ehemals zu Bayern gehörigen Landesteilen (Innviertel) die Kirchen ihres Schmuckes, die Heiligen ihrer Kleider und die ganze Religion ihres Glanzes beraubt.

Vom 3. Mai bis zum 19. Juni war es ununterbrochen sehr heiß. Es regnete überhaupt nicht und so kommt es, dass Gerste und Hafer bereits am Verdorren sind und das Heu sehr wenig ist. Diese anhaltende Dürre verursacht auch in den Wäldern großen Schaden. Die Bäume scheinen von einer Krankheit befallen zu sein und einzugehen. Heute, am 27. Juni, ist es noch nicht besser geworden; im Gegenteil, die Krankheit dehnt sich aus und greift auf weitere Bäume über. Wenn der gütige Gott diese Plage nicht abwendet, sind unsere Wälder in größter Gefahr. Am ärgsten steht es im sogenannten Buchholz, in Edelsbrunn, am Bernhardsberg und am Hart, da sie dort schon auf Tausende von Bäumen übergriff und das Unglück sich noch immer mehr ausbreitet. Sachverständige bezeugen, dass es dagegen kein anderes Mittel gibt als ausgiebige Regenfälle. Möge doch der Himmel dieses große Unglück von uns wenden! Forstsachverständige halten eine Art fliegenden Wurm für die Ursache dieser Holzkrankheit. Dieser Wurm verwüstet nicht nur unsere Wälder, sondern auch andere.


17. Juli

Michael III. Liggleder, der letzte Abt des Klosters Osterhofen gestorben. Sein Tod kam nicht unerwartet. Die erlauchte Kurfürstin-Witwe, die jetzige Herrin, ordnete ein feierliches Begräbnis an. Zu diesem Zweck wurde ich eingeladen, die Feierlichkeiten abzuhalten und den Leichnam der Erde zu übergeben. Aus Ehrerbietung dem Toten gegenüber übernahm ich gerne diese Aufgabe, das Herz aber war voll Trauer. Gottesdienste und Beerdigung fanden am selben Tage statt. Nach dem Leichenbegängnis waren wir alle Gäste der Kurfürstin. Von Pater Urban Tremel, dem Verwalter unserer Weinberge in Österreich, erhielt ich einen Brief mit der Mitteilung, dass er vom Passauer Konsistorium, das sich noch immer in Wien befindet, die Erlaubnis erhielt, in der Kapelle unseres Gutes in Gneixendorf eine Privatmesse zu feiern.


17. August

Endlich, nach über einem Jahr Abwesenheit, fuhr heute der Bischof von Passau, Graf von Auersperg, gegen 8 Uhr abends mit einem einzigen Wagen in seine Stadt. Die Güter, die ihm Kaiser Josef II. abgenommen hatte, erhielt er gegen eine Zahlung von 400.000 Gulden zurück, dazu kamen noch mehr als I00.000 Gulden an Zinsen. Der Ostteil seiner Diözese, der an Österreich angrenzt, blieb von Passau abgetrennt und wurde durch den Kaiser den Diözesen Linz und St. Pölten zugeteilt. Die beiden Bischöfe dieser Diözesen sind von Rom aber noch nicht bestätigt und werden, wie es heißt, auch nicht bestätigt werden. Inzwischen hebt der Kaiser ein Kloster nach dem anderen auf, so dass bald keines mehr übrig ist. St. Florian, Kremsmünster, Mondsee, Lambach u.a. sollen schon aufgehoben sein. Gott sei ihnen und uns gnädig!

Unser Kurfürst Karl Theodor hat die Gerichtsbarkeit, die seit einer Verfügung des Kurfürsten Max Emanuel bei den Grundherren lag, wieder eingelöst und seinen Pflegern übertragen. Unser Kloster musste die Gerichtsbarkeit über 22 ganze Höfe an den Pfleger von Landau abtreten und die über die vier Höfe in Höfen (Weiler Vierhöfen bei Osterhofen) an den Pfleger in Vilshofen. Näheres darüber kann man in unserem Archiv unter der Nummer 54 nachlesen. Wir haben alles unternommen, um dies zu verhindern, auch die Kurfürstin-Witwe haben wir um Hilfe gebeten und sie versprach uns nachdrücklich, zu helfen, aber es nützte nichts. Das gleiche Schicksal traf die Klöster Reichersberg und Ranshofen. Die Würfel sind gefallen und es kann keinen Zweifel geben, dass im Laufe der Zeit alle Untergebenen, die zur Einlösung kamen, wieder ausgelöst werden müssen.


19. September

Mit großem Prunk zog heute der Bischof von Passau in seine Stadt ein. Zum Einzug waren 36 Wägen aufgeboten. Aldersbach schickte wie auch die anderen Klöster, die gebeten wurden, einen Wagen mit vier Pferden zu dieser Festlichkeit nach Passau. Das erste, was der Bischof nach seiner Wahl tat, war, dass er mit viel Geld Platz für ein Theater schuf, das zweite - man kann sich darüber nur wundern -, dass er für Spiele und für musikalische Veranstaltungen einen Saal errichten ließ, das Redouten-Haus. Die Liebe und die Verehrung der Passauer gegenüber ihrem Bischof ließen daraufhin beträchtlich nach.

Abt Augustin Ziegler von Niederalteich, der Vorgänger des heutigen Abtes Ignaz, häufte durch sein freizügiges Leben und seine Verschwendungssucht eine gewaltige Schuldenlast an und untergrub auf diese Weise die Disziplin im Kloster. Der blühende und im weiten Umkreis bekannte Konvent litt schwer darunter. Der Abt resignierte deshalb und starb bald darauf in Straubing. Sein Nachfolger bemühte sich, Abhilfe zu schaffen, aber infolge des Schuldenberges gelang es ihm nicht. Die Zwietracht der Mönche wuchs immer mehr. Der Haupttreiber war Joachim Schuhbauer, ein Mann ohne jede Ordnung, der den Gelüsten des Fleisches mehr zugetan war als denen des Geistes. Er verließ das Kloster und ist jetzt Feldmesser bei den Maltesern. Er ist so weit, dass er seine eigene Mutter umbringen könnte; der andere heißt Mauritius Wilhelmseder, ein Nichtsnutz. Der dritte ist Pater Bernhard Dietmayr, vormals Professor des Kirchenrechts, ein hochmütiger Mensch, der ständig dem Abte Schwierigkeiten bereitete, der ihn erst so gefördert hatte. Endlich ließ er dann seine Maske ganz fallen und zeigte sich offen als Feind. Anfang Juli wurde der Abt nach München gerufen, um vor dem Geistlichen Rate Rechenschaft über seine Verwaltung abzulegen. In der Folge wurden auch noch andere vernommen: der Pater Prior, der bereits genannte Pater Bernhard, der Richter und andere. Die Entscheidung des Rates beließ dem Abt sein Amt und die geistlichen Dinge; die Verwaltung der weltlichen Angelegenheiten wurde zwei Mitgliedern des Untersuchungsausschusses und Pater Columban übertragen. Auf diese Weise aber hatte weder das Kloster einen Nutzen, noch war der Friede eingekehrt. Deshalb erschien eine kurfürstliche Kommission aus München, die die wirtschaftlichen Verhältnisse und die geistige Haltung des Klosters an Ort und Stelle prüfen sollte. Mit welchem Erfolg wohl? Kommissäre waren ein gewisser Herr von Mayrhof und ein Sekretär. Da die Untersuchung sich nur auf den weltlichen Bereich erstreckte, war kein bischöflicher Kommissär zugegen.

Zwischen Kaiser Josef II. und den vereinigten Ständen Belgiens brach wegen der Schifffahrt auf der Scheide, die der Kaiser ungehindert benutzen wollte, ein Zwist aus. Die Belgier verhinderten diese Versuche mit Hilfe ihrer Geschütze und der Kaiser beschloss darauf, Truppen nach Belgien zu schicken.


13. Dezember

Die erste Abteilung Truppen - von Preiß - kam aus Schärding in die Grafschaft Ortenburg. Sie verbrachte dort eine Nacht und rückte am nächsten Tag weiter nach Vilshofen und in die Dörfer der Umgebung, wo sie wieder übernachtete. Am folgenden Tag war Ruhetag. Erst am nächsten Tag, am 16. Dezember, rückten die Truppen nach Plattling ab. Drei andere Abteilungen - Latermann, Tillier und die berittene Toscana-Bronuvic - zogen über Ötting, Neumarkt, Vilsbiburg nach Landshut. In der Stadt Landshut selbst gab es keine Einquartierung. Seligenthal aber und die Dörfer der Umgebung mussten Soldaten und Reiter aufnehmen.


18. Dezember

Eine Abteilung Deutschmeister übernachtete in Vilshofen und blieb auch noch am folgenden Tag, dann setzte sie ihren Marsch fort. Unsere Bauern mussten wie die Bauern der anderen Hofmarken auch, nebst Hafer, Heu und Stroh auch viele Pferde zum Transport der Wagen stellen, aber nicht umsonst, sondern gegen Bezahlung. Das zu Ende gehende Jahr war wirklich einzigartig. Anfangs gab es sehr viel Schnee und bis Anfang April dazu eine schier unerträgliche Kälte. Als dann ein warmer Wind einsetzte, löste er an einem einzigen Tag eine Überschwemmung in ganz Deutschland aus und unerhörte Schäden waren die Folge. Nach ein oder zwei Tagen kehrte die Kälte mit reichlichem Schneefall zurück und diese dauerte bis Anfang Juni. Eine solche Dürre folgte, dass bei uns während des ganzen Sommers kaum ein einziges Mal ergiebiger Regen fiel. Futternot und Mangel an Sommergetreide waren die Folge.

Endlich! - In dem Teil der Provinz Moldau (Nordrumänien), die zum Kaiserreich gehört, ist ein schwerer Aufstand ausgebrochen. Führer der Aufständischen ist ein Bauer aus der Gegend namens Horiah oder Hore. Viele tausend Bauern schlossen sich ihm bereits an. Die Ursache des Aufstands ist noch nicht bekannt, weil alle Orte der Moldauprovinz und des Siebenbürger Gebietes grausamst verwüstet werden. Feuer und Schwert hausen schrecklich. Getötet werden vorzugsweise die Angehörigen der besseren Stände. Unerhörte oft wechselnde Martern werden dazu ersonnen. Wir warten voll Ungeduld, wie diese äußerst blutige Rebellion endet. Wir wissen nicht, ob es Krieg in Belgien gibt, da doch - während beständig vom Frieden gesprochen wird - vierzigtausend Österreicher nach Belgien marschieren.


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1785


14. Februar

Es ist bitter kalt und da schon seit mehreren Jahren Winter und Sommer sehr trocken sind, verdorren die Bäume in den Wäldern in großer Zahl. Im nahen Dorf versiegen die Quellen ebenso wie in vielen Orten, so dass häufig Wasser aus den Flüssen zu den Häusern geleitet werden muss.

Bereits im vergangenen Jahre erließ unser erlauchter Kurfürst Karl Theodor ein allgemeines Verbot aller privaten Konventikel; niemand wusste damals, wen er mit diesem Verbot treffen wollte. Manche meinten, das Verbot betreffe die ehemaligen Jesuiten. Jetzt im Februar ist das Rätsel gelöst. Die sogenannten Freimaurer haben in unserem Bayerlande, das bisher von dieser Seuche frei war, so sehr zugenommen, dass sie bereits drei Häuser-Logen zählen. Eine Loge befindet sich in München, die ein Doktor der Medizin leitet mit Namen Baader, der sich Stuhlmeister nennt. Die zweite ist in Ingolstadt, ihr Meister ist Weishaupt, Professor des Kirchenrechts, die dritte in Amberg unter dem Präsidenten Freiherr von Ecker. Ihre Mitgliederzahl ist bereits auf über vierhundert angestiegen, von denen die meisten aus dem ersten bayerischen Adel stammen, aus dem Klerus beider Kirchen und auch aus der Mittel- und unteren Schicht des Volkes. Die Ziele dieser verderbenbringenden Vereinigung sind für Staat und Kirche äußerst gefährlich, wie man in der Schrift nachlesen kann, die neulich veröffentlicht wurde. "Ober Freymaurerey erste Warnung". Ich habe die Namen von Freimaurern, deren Aufzählung diese Seite nicht fassen würde.

Während des ganzen Monats Februar fiel, begleitet von heftigen Winden, eine solche Masse Schnee, dass die Schneehöhe die des Vorjahres übertraf. Alle Wege sind so tief verschneit, dass keinerlei Fortkommen mehr ist. Wir konnten nur mit größter Mühe mit unseren Wägen in unseren Meierhof gelangen, der ganz in der Nähe liegt. Auf diesen gewaltigen Schneefall folgte eine solche Kälte, wie sie in diesem Jahrhundert noch nicht da war. Sie dauert auch jetzt, am 3. März, noch an.


4. März

In München wird in der ganzen Stadt ein kurfürstliches Edikt veröffentlicht, kraft dessen jeder, der einen Freymaurer anzeigt und ihn als solchen überführt, eine Belohnung erhält. Man kann kaum beschreiben, welche Aufregung in München und in unserem ganzen Lande nach Entdeckung dieser schändlichen und verbrecherischen Gruppe entstand. Die einen versuchen die Ruchlosigkeit dieser Menschen zu entschuldigen, die anderen treten als Ankläger auf und verlangen vom Kurfürsten die völlige Ausrottung dieser verderbenbringenden und teuflischen Vereinigung. Der Kurfürst scheint letzteren mehr zuzuneigen: Auf seinen Befehl wurden nämlich die beiden führenden Köpfe, der Doktor der Medizin Baader und der Sekretär Fronhofer, ihrer Ämter verlustig erklärt und beide in ein scharfes Verhör genommen. Zwei Weltpriester wurden in Fesseln nach Freising zum Verhör gebracht. Lori, ein hoher Offizier und bekannter Freimaurer, traf vor seinem Tode folgende Verfügung: Wenn es wirklich einen Teufel gibt vermache ich ihm meine Seele; dem Pfarrer meinen Daumen, damit er etwas zu begraben hat; der Erde meinen Körper. Gibt es in Bayern jemand, der schon einmal eine solch frevelhafte Gotteslästerung gehört hat? Gott sei Dank, dass es damit nun ein Ende hat.

Vom 1. März an herrschte eine unerhörte Kälte, die während des ganzen Monats anhielt. An den ersten Tagen der Woche war es immer sehr kalt, am Samstag oder Sonntag schneite es dann reichlich, dazu wehte ein starker Wind. Am folgenden Tag klarte es dann wieder auf und die Kälte kam zurück. Dieser Wechsel von Schneefall und strengem Frost dauert jetzt schon bis Ende März an und scheint noch nicht zu Ende zu sein. Die ältesten Leute erinnern sich nicht an so viel Schnee und Kälte um diese Zeit. Möge Gott die drohenden übel, die diese Kälte und der Schnee mit sich bringen, gnädig von uns wenden! Überall fehlt es bereits an Holz für die Öfen und an Viehfutter, so dass schon viele Tiere verhungern müssen. Was wird das wohl noch werden?

So wie der März ging, zeigt sich nun der April. Die Kälte ist zwar etwas gebrochen, aber seit fünf Tagen schneit es in einem solchen Ausmaß, wie es bisher noch nie war. Die Bauern reißen das Stroh von den Dächern, um ihre Tiere wenigstens noch eine Zeit vor dem Verhungern zu retten. Die Leute vom Lande bringen dieses fürchterliche Unglück mit der Verminderung der Feiertage und ihrer teilweisen Abschaffung in Zusammenhang. Wahrscheinlich aber ist, dass alle diese Leiden, die über uns kommen und die wir erdulden müssen, eine Folge des zügellosen Lebens sind. Man findet nirgends mehr Glauben und nirgends mehr Gottesfurcht, heilige Dinge und Priester werden nicht mehr geschätzt: ja man überschüttet alles mit frechem Spott. Öffentlich geschehen unerhörte Schandtaten, nicht etwa im geheimen. Ist es da nun ein Wunder, wenn der Zorn Gottes Rache übt?


10. April

Endlich nach öffentlichen Gebeten klarte der Himmel auf und innerhalb von fünf Tagen schmolz der meiste Schnee zusammen, löste aber eine verheerende Überschwemmung aus. Überall sah man noch bis Mitte Mai in den Feldern die Schäden und von meinem Fenster aus gewahrte ich da und dort noch längere Zeit Schnee. Unsere Felder haben, Gott sei tausendmal Dank, keinen Schaden erlitten, während unsere Nachbarschaft und das ganze Land schwer getroffen sind. Die meisten Felder müssen noch einmal gepflügt und mit Gerste oder Hafer angesät werden. (Bis zum 9. Juni war es sehr kalt, manchmal gab es sogar Frost.)

Das Damenstift, von dem ich oben bereits mehrfach berichtet habe, jubelt gerade nicht vor Freude, nimmt aber immerhin an Einwohnern zu! Kaum ein halbes Jahr nach Errichtung des Stiftes musste Komtesse Minucci, die von einem Sekretär ein Kind erwartete, das Kloster wieder verlassen. In Kürze wird ihr eine Kammerfrau aus dem gleichen Grunde folgen.

Der Sommer dieses Jahres 1785 war ganz ungewöhnlich. In den Jahrbüchern finde ich kein gleiches: Wind und Regen bis Ende Juni und dazu andauernde Kälte, so dass wir nach dem Fest Johannes des Täufers (24. Juni) noch heizen mussten. Viele Bäume, besonders Nussbäume, gingen durch die Kälte zugrunde; andere, z.B. Apfelbäume, fingen erst Ende Juni zu blühen an. Hagelschlag in vielen Gegenden Bayerns und Österreichs haben dazu weiteres Unglück gebracht. Bis Mitte Juli war es kalt und windig, so dass es kein Heu gibt und wenn es nun so weitergeht, kann nichts mehr reifen. Von Mitte Juli bis Ende des Monats fast immer Regen, sturmartiger Wind, Gewitter mit Hagel!

28. und 29. Juli: sehr heftige Regenfälle mit großen Überschwemmungen und ausgedehnten Schäden in Feldern und Wiesen. Helfe uns Gott und rette das Getreide, das ohnehin noch nicht reif ist, vom gänzlichen Verderb!

In den ersten Augusttagen schien endlich wieder die Sonne und die Hitze ließ das Getreide doch noch reifen. Erst am 5. August, unerhört spät also, fingen wir mit der Ernte an. Damit die Landleute nicht in ihrer Arbeit behindert werden, hat der Heilige Vater das Fest Portiuncula vom 2. August auf den Sonntag verschoben, der dem 2. August folgt.

Anfang August konnten wir also auf besseres Wetter hoffen, aber vergeblich. Es regnete bald wieder, mit Ausnahme von ein oder zwei Tagen ununterbrochen bis Mitte August, so dass das bereits geschnittene Wintergetreide schon zu faulen beginnt oder auswächst. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. Zum Regen kommt auch noch die ganz ungewöhnliche Kälte. Die Leute strömen scharenweise in die Kirchen, erheben betend die Hände zum Himmel und finden doch keine Erhörung. Gott ist durch unsere Sünden erzürnt und mehr noch - ich täusche mich da kaum - durch unsere Ungläubigkeit gereizt und lässt nun die Früchte auf den Feldern verderben.

Damit das Hochfest unseres milden Vaters Bernhard mit größerer Feierlichkeit und regerer Teilnahme des Volkes gefeiert werden kann, verlegten wir es auf den Sonntag in der Oktave, wozu der Bischof von Passau seine Erlaubnis gab.


24. August

Die Kälte dauert immer noch an, ebenso der Regen. Für das Getreide besteht überhaupt keine Hoffnung mehr. Es wächst wieder in den Boden ein. Drei Monate lang - die Nachkommen werden es kaum glauben können - zählten wir nicht sechs ganze Sonnentage. Zu den beständigen Regenfällen kam häufiger Frost und öfters gab es auch Überschwemmungen. Dieses Jahr ist gewiss einmalig und man liest auch in den Kalendern von keinem Ähnlichen. Endlich schenkte der Himmel anfangs September den Bitten des Volkes Gehör und es gab schönes Wetter. So spät fing dann endlich auch noch eine Ernte bei Gerste und Hafer an.

Seit Mai findet in München, Ingolstadt und anderswo eine Untersuchung gegen die Freimaurer statt. In Ingolstadt wurde der Professor Weishaupt beauftragt, die Schule, die Bürgerschaft und Bayern zu säubern, da er selbst einmal das Haupt der ganzen Schar bildete und viele Leute mit dieser Seuche ansteckte. Reiner, ein Prämonstratenser aus Steingaden Professor der Theologie und Geschichte, musste wegen seines Unterrichts, mit dem er einen verderblichen Einfluss auf seine Schüler gewonnen hatte, seine Stelle verlassen. Freiherr von Fraunberg ist mit achtzehn anderen Adeligen von der Universität gestrichen worden. Wer hat in Bayern je von solchen Sachen etwas gesehen oder gehört? Die Illuminaten wollen mit allen Mitteln jegliche Religion beseitigen, und da Sie sehr trickreich sind, geben sie nicht so leicht auf. Sie wollen, wie Dokumente beweisen, die man bei ihnen gefunden hat, unser Land verraten. Welch abscheuliches Verbrechen, das umso schwerer wiegt, als es bedeutende Leute sind, die dabei mitmachen.


14., 16., 18. September

Drei Abteilungen Soldaten in Stärke von 3400 Mann aus Ungarn ziehen ohne kriegsmäßige Ausrüstung von Schärding kommend nach Belgien. In Vilshofen schlagen sie wieder ihr Nachtlager auf. Wir müssen zusammen mit anderen Klöstern Stroh liefern.


25. September

In Passau wurden neun Weihekandidaten geweiht; ein Weltpriesterkandidat wurde Presbyter, ein anderer Kandidat kam aus dem Kloster Vornbach. Die restlichen sieben sind von uns. Welch winzige Schar. Einerseits fehlt es nämlich an Kandidaten, dann wieder gibt es keine Stelle für sie!

In diesem Jahr bezahlten wir für unseren Getreidespeicher und den Viehhof in Hofreith, die erneuert werden mussten, den Maurern und Zimmerleuten 223 Gulden und 26 Kreuzer; wenn man das Material, also Holz, Ziegelsteine usw. dazuzählt, kam die Reparatur auf 500 Gulden.


20. Oktober

Ich muss eine höchst bemerkenswerte Sache berichten. Heute schneite es zum ersten Mal und recht ausgiebig; dabei sind die Acker noch nicht einmal gepflügt und die Aussaat ist noch nicht gemacht, ja das Grummet liegt noch auf den Wiesen. Das ganze Jahr spürten wir nichts von einem Frühling und da beginnt schon wieder der Winter.


25. Oktober

Das letzte Heu ist heute in die Scheune gekommen. Viele unserer Nachbarn haben das Grummet noch nicht einmal gemäht. Spätere Geschlechter werden es kaum fassen können, wie groß der Schaden heuer ist.

Gegen Ende des Monats kehrten die österreichischen Soldaten über Vilshofen wieder in ihr Land zurück. Friede ist geschlossen worden und bald werden die restlichen Truppen folgen. So schlecht wie dieses Jahr begann, so schlecht endet es nun. Der dauernde Regen ließ das Getreide auf dem Halm faulen und weil es dann noch dazu erst viel zu spät eingebracht werden konnte, war es beinahe völlig wertlos. Weizen, Gerste und Brotgetreide waren daher kaum noch zu verwenden, aber dennoch musste man es sehr teuer bezahlen. Ein Scheffel Weizen kostet 13 oder 14 Gulden, Winterweizen 10, Gerste 6 Gulden jetzt zum Jahresende. Das größte Übel aber ist dabei, dass wegen der späten Ernte, der schweren Regenfälle und der damit verbundenen verspäteten Arbeiten auf den Feldern die Aussaat zu spät erfolgte und deswegen kaum zum Keimen kommt, so das auch für das nächste Jahr die Hoffnung des Bauern gering bleibt.

Der Advent war von mäßiger Kälte und ohne Schnee. Am 30. Dezember ließ die Kälte nach und es begann zu schneien.


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1786

Anfang des Jahres kehrten die restlichen österreichischen Truppen, die im Vorjahr nach Belgien marschierten, wieder nach Hause zurück. Die Streitigkeiten waren durch Vermittlung des französischen Königs beigelegt worden. Die Soldaten sahen sich in der Hoffnung auf reiche Beute getäuscht und als die letzten endlich am 25. Januar von Vilshofen abzogen, folgten ihnen tausendfache Wünsche und der Segen ganz Bayerns, da sie überall deutliche Spuren ihrer Plünderungen hinterlassen haben.


11. März

Im Stall unseres Bauern Endinger in Liessing brach ein Brand aus, den ohne Zweifel der Stallknecht verursachte. Hof und Scheune brannten nieder, das Haus wurde durch unsere Feuerwehr gerettet.


20. Mai

Julius C. Zoglio kommt als Nuntius und apostolischer Legat nach München. Er errichtet dort eine Nuntiatur mit voller Jurisdiktion. Alle Prozesse, die früher in Rom verhandelt werden mussten, finden jetzt auf Anordnung des Kurfürsten in München statt. Dieser Vorgang ist für unsere Zeit außergewöhnlich. Heute scheint sich nämlich alle Welt zum Sturz der Kurie in Rom verschworen zu haben. Kaiser Josef II., der Todfeind all dessen, was Rom heißt, hat in aller Heimlichkeit den apostolischen Nuntiaturen in seinem Reich die Jurisdiktion genommen. Die Erzbischöfe von Salzburg und Mainz haben sich der Errichtung dieser Nuntiatur widersetzt. Unser Kurfürst aber konnte sich behaupten und die Nuntiatur, die erste in Bayern, errichten. Zum Nuntius bestellte er Zoglio (von dem man sagt, er sei ein Sohn des Kurfürsten?).


11. Juni

Fest der hl. Dreifaltigkeit. Während des Essens brach ein heftiges Gewitter herein, das mit Hagelschlag vermischt war. Die Barmherzigkeit Gottes zeigte sich wunderbar. Während nämlich die Hagelkörner unter schrecklichem Geprassel innerhalb des Klosters so dicht fielen, dass sie am nächsten Tag noch zu Haufen lagen, blieb unser bester Weizenacker, der ganz in der Nähe liegt, vollkommen verschont. Am folgenden Tag hielten wir in der Loretokapelle einen feierlichen Dankgottesdienst. Am darauffolgenden Fest Fronleichnam richtete ein wolkenbruchartiger Regen in Feldern und Wiesen schweren Schaden an. Noch schlimmer hauste ein Unwetter am Fest Johannes des Täufers, das Wiesen und Felder und das bereits gemähte Gras schlimm in Mitleidenschaft zog, Straßen unpassierbar machte, zahlreiche Häuser unterspülte und auch sonst schwere Schäden anrichtete. Dieses seit Menschengedenken schlimmste Unwetter dauerte längere Zeit mit wiederholten Überschwemmungen an. Getreide haben wir heuer zwar bekommen, aber alles Übrige verdirbt, wenn nicht Gott die Wolken schließt. Man betet, jammert und hebt die Hände zum Himmel empor, doch vergeblich. Gott straft uns für unsere Sünden und unseren Unglauben. Es gibt ja keinerlei Ehrfurcht mehr vor heiligen Dingen und keine Frömmigkeit! Höchste Sittenverderbnis herrscht. Die Priester werden verspottet, die Kirchen öffentlich geplündert und zerstört. Man sündigt mit der Zunge und begeht jede Schandtat: daher unsere Tränen!


1. August

Die Herzogin von Birkenfeld-Zweibrücken wurde in Landshut in einer glücklich verlaufenden Geburt von ihrem ersten Knaben entbunden und gab so dem aussterbenden bayerischen Hause eine kleine Stütze.


16. August

Kaum schien einige Tage die Sonne, als es schon wieder heftig zu regnen begann. Neue und noch gewaltigere Überschwemmungen bedrohen uns. Wir haben wenigstens Roggen und Weizen gut eingebracht, Gerste und Hafer beginnen aber schon zu faulen. Möge Gott uns allen gnädig sein!


24. August

Der Himmel hat unsere Gebete noch nicht erhört. Es regnet unaufhörlich und eine Überschwemmung ist schlimmer als die andere. Die Isarbrücken in Moosburg, Landshut, Dingolfing usw. sind vom Hochwasser zerstört, die Innbrücken in Schärding und Passau von den Fluten weggerissen. Alle Straßen und Wege sind grundlos geworden, die Frucht verfault auf den Feldern, das Wasser reißt alles mit sich fort und bedeckt das Land mit Schlamm und Sand. Wirklich, niemand vor uns hat je solche Mühsale erdulden müssen.

Oben erwähnter Prinz in Anwesenheit des apostolischen Nuntius in München vom Grafen Törring, Propst zu Straubing, getauft. Er erhält den Namen Pius Augustus. Wir hielten einen feierlichen Dankgottesdienst mit dem Hymnus Te deum ab.

[ohne Datum]

Die Prinzessin Hessen-Darmstadt schenkte ihrem Gemahl Maximilian, dem Herzog von Zweibrücken einen Sohn der in Bayern mit Jubel begrüßt wurde. Nicht nur in München herrschte Freude, sondern überall in den Städten und Dörfern. In allen Kirchen dankte man Gott, die Armen erhielten reichliche Almosen und überall herrschte Festfreude. Am 8. Oktober hielten wir in unserer Kirche einen Pontifikalgottesdienst und ließen die Böller krachen.

So sieht es also in Bayern aus. In Österreich aber werden weiter Klöster aufgehoben und ihre Güter

plündert ein gieriger Adler. Die Art der Aufhebung ist nicht überall gleich. Die einen werden ganz aufgehoben, die jüngeren Mönche der Seelsorge zugeteilt, die alten und schwachen mit einer kleinen Pension abgefunden wie die Nonnen. Die Gebäude werden für profane Zwecke genutzt oder auch an Andersgläubige verkauft. Wieder andere lässt man noch bestehen. Den Mönchen wird ebenso wie den Äbten eine bestimmte Pension ausgesetzt, wovon sie alles bestreiten müssen. Alljährlich müssen sie Rechenschaft ablegen und den übriggebliebenen Rest zurückgeben. Andere Klöster wiederum erhalten kommissarische Äbte, die sich um die weltlichen Dinge kümmern müssen und Prioren, die sich um die geistlichen Belange bemühen. Dazu gehören u. a. Göttweig, Lilienfeld und Zwettl. Sicherlich ist das keine Dauerlösung und die völlige Aufhebung aller Klöster in Österreich eine beschlossene Sache.


3. November

Ein kurfürstliches Dekret, das über den Geistlichen Rat an den ganzen Klerus des Landes gerichtet war, verpflichtet uns, alle Amtsgeschäfte, die früher an die Nuntiaturen in Wien, Köln und Luzern gingen, jetzt nach München zu leiten. Nach der Verbannung Professor Weishaupts, des Meisters vom Stuhle aus Ingolstadt, ist er nun auch aus Bayern ausgewiesen worden. Als dann sein unzertrennlicher Gefährte, der Benefiziat Lanz, in der Nähe von Regensburg vom Blitz erschlagen wurde, glaubte man, die Bewegung sei erloschen. Aber das ist keineswegs so. Sie begann im geheimen zu wirken und dehnt sich auch aufs Land aus. Sie greift sogar bei uns schon um sich. Ihr Nest ist anscheinend in Landshut. Dort taten sich unter anderen ein Regierungsrat Zwackh, ein gewisser Triva und ein Sekretär namens Wieland hervor. Gegen sie ist eine strenge Untersuchung eingeleitet worden. Als Untersuchungsrichter bestimmte der Kurfürst Freiherrn von Lehrbach, Pfarrer von St. Jodok in Landshut, Baron von Prielmayr, Kanzler dortselbst, ferner Baron von Zobel und als Auditor einen gewissen Baumgartner. Zwackh besorgte sich eine Waffe und floh. Was für ein tapferer Mann! Triva verlor sein Amt wegen einer unerhörten Schandtat: Er hängte nämlich einem Hund einen Rosenkranz um den Hals an den Schwanz band er ihm ein Aspergill (Weihwedel) und darunter ein Weihwassergefäß. Dieses Bubenstück verdient keine andere Strafe als die Prügelstrafe. Gegen Wieland liegt bis heute nichts Besonderes vor. Die Seuche hat sich in aller Heimlichkeit so ausgebreitet, dass sie schon über 800 Mitglieder zählt, wie man aus den Schriften erfuhr, die bei Zwackh gefunden wurden. Der Bürgermeister von Landshut, der über das Weihwasser gespottet hatte und anderes mehr, wurde vom Kurfürsten von der Wahlliste für die Landstände gestrichen und für immer als Bewerber ausgeschlossen.


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1787

Schon zu Ende des vergangenen Jahres begann eine Viehseuche insbesondere um Salzburg und in der Gegend von Ried zu wüten. In diesem Jahr dringt die Seuche auch zu uns vor. In Niederalteich (?) verendeten zahlreiche Pferde, Ochsen, Kühe und Schafe. Ähnliche Nachrichten kommen auch aus anderen Orten. Bei uns ist das Vieh bis heute - 22. Februar - noch nicht betroffen, aber alle Schafe bis auf acht gingen zugrunde. Möge Gott uns weiterhin von diesem Unglück verschonen!

Im Februar starben kurz hintereinander die beiden Grafen von Ortenburg eines plötzlichen Todes. Der erste war der regierende Graf Karl, der am 5. Februar vom Bischof von Passau zu einem Mahl ins Schloss Neuburg am Inn geladen war und auf dem Wege dahin von einem Schlaganfall getroffen wurde, an dem er innerhalb von drei Stunden starb. Der andere, Adolf, der Zwillingsbruder des ersteren, Offizier in Passau, ging am 21. Februar gesund zu Bett und wurde am Morgen des folgenden Tages tot in seinem Bett gefunden. Anfang März wurde durch ein Edikt des Kaisers das Kloster Reichersberg mit der Begründung aufgehoben, einige unzufriedene Kanoniker hätten vom Kaiser die Aufhebung erbeten und erhalten. Am meisten betrieb die Aufhebung der Klosterrichter, ein höchst undankbarer Mann, wie überhaupt in Österreich die meisten Klöster mit Hilfe unzufriedener Mönche und Richter aufgelöst werden. Mit diesem Mäntelchen deckt man jetzt den frevelhaften Raub zu.


15. März

Im Kloster Asbach wird Pater Amandus zum neuen Abt gewählt, Professor der Theologie und ehemaliger Kornmeister.

Der oben bereits erwähnte Zwackh, der sein Heil in der Flucht suchte, ging mit seiner ganzen Familie angeblich in die Schweiz. Die Briefe, die in seinem Haus gefunden wurden, ließ der Kurfürst veröffentlichen. Die teuflischen Pläne dieser Sekte, die alle Welt bedrohen, sind damit öffentlich bekannt geworden. Kurz darauf wurde in München der Kanzleirat Massenhausen in strenge Haft genommen. Man beschuldigt ihn, Toffanawasser (Schleichgiftwasser, benannt nach der sizilianischen Giftmischerin Toffana) nach Zweibrücken geschickt zu haben, mit dessen Hilfe angeblich der Prinz von Zweibrücken beseitigt wurde. Zur gleichen Zeit wurde auch das Schloss Sandersdorf, das dem Freiherrn von Bassus gehört, der bei den Illuminaten einen bedeutenden Namen hat, vom Kurfürsten beschlagnahmt. Im Archiv fand man sehr viele Schrillen, die später veröffentlicht wurden. Der oben erwähnte Massenhausen ist infolge der Nachlässigkeit der Gefängniswärter entflohen. Ich weiß nicht, in welchem Winkel der Welt er sich aufhält. Härtl, ein Kanoniker zu St. Marien in München (Frauenkirche) ist wegen seiner Mitgliedschaft bei den Illuminaten noch in strengster Haft, da er sich als ehemaliger Schatzmeister weigert, die Kasse herauszugeben. In seinem Haus soll ein Brief gefunden worden sein, in dem mit Ziffern folgende Worte stehen: "Das Gift bewirkte beim Sohn des Fürsten von Zweibrücken eine günstige Wirkung, jetzt sind wir daran, den Hofkanzler Kreittmayr zu beseitigen."

Da sieht man nun die Verbrecher!

Weishaupt, der sich lange Zeit in Regensburg aufgehalten hatte, ist wieder flüchtig. Zuvor schrieb er noch zwei Verteidigungsschriften (Apologie der Illuminaten; Das verbesserte System der Illuminaten und der echte Illuminat), in denen er alle seine Verbrechen und seine verhängnisvolle Lehre abzustreiten versucht. Es gelang ihm aber nicht; seine Vergehen übersteigen jedes Maß der Darstellung.

In diesem Herbst gab es eine solche Menge verschiedener Schnecken, wie man sie bis heute noch nicht kannte. Tagsüber verkrochen sie sich zwischen den Ackerfurchen, nachts kamen sie hervor und fraßen die Felder leer. Den Weizen verschmähten sie, die Roggensaat aber fraßen sie zum größten Teil ab, bei uns und auch anderswo. Jeder versuchte ein anderes Mittel gegen diese Schädlinge, da teilweise sogar die Äcker neu angesät werden mussten. Wir haben, um mit diesem Ungeziefer fertig zu werden, unsere Schüler und Bediensteten eingesetzt und hatten damit wenigstens einen kleinen Erfolg. Verschiedene Bauern trieben ihre Enten auf die befallenen Äcker, aber wenn die Tiere nicht hinterher sofort ins Wasser getrieben worden wären, wären sie zugrunde gegangen. Andere haben Asche und Gerstenspelt gestreut, aber mit wenig Erfolg. Wir müssen nun abwarten, wie es im nächsten Frühjahr aussieht.


27. Oktober

Nach ausgiebigen Regenfällen schwollen alle Gewässer in einem solchen Ausmaß an, dass die Überschwemmungen weite Teile des Landes in Mitleidenschaft zogen. Die Schäden überstiegen bei uns und in Österreich alle Befürchtungen. Die Innbrücken in Schärding und Passau, die Donaubrücke in Passau und die Isarbrücke in Plattling sind wieder zerstört; die Mühlen an den Flüssen und Bächen sind fast ausnahmslos vernichtet oder unterspült. Acker, Wiesen, Straßen und Häuser, die in der Nähe der Flüsse liegen, haben schwer gelitten.

Damit unsere Nachfahren nicht glauben, ich hätte während meiner Amtszeit schlecht für unser Haus gesorgt, sollen sie wissen, dass unsere zwei Fischteiche in Schöfbach für unser Kloster keinen Nutzen mehr bringen, da die Fischteiche mehrmals mit groß en Kosten gereinigt werden mussten und die nahen Aidenbacher oft den größten Teil unserer Fische wegfingen. Nach einer Besprechung mit den Mitbrüdern gab ich die beiden Weiher um 400 Gulden zwei Bauern in Schöfbach auf Leibgeding, die daraus einen Acker machten und nun zu denselben Bedingungen haben wie ihre Höfe. Ich glaube, nicht zum Schaden des Klosters, sondern zu seinem Nutzen gehandelt zu haben.

Mitte Oktober gab es mehrere Tage lang strenge Kälte und starken Reif, so dass Erde und Wasser gefroren. Dann regnete es wieder bis Anfang November. Nach Allerheiligen schneite es ein wenig und fünf oder sechs Tage lang gab es starken Frost. Hierauf wurde es warm, es gab viel Nebel und Regen den ganzen Dezember über bis zum heutigen Tag, 10. Januar. Die Erde ist nicht gefroren und es liegt auch kein Schnee, so dass die Saaten zu keimen anfangen und sogar die Bäume zu knospen beginnen. Bauer Vest in Gumperting pflügte am 7. Januar, eine fast unglaubliche Nachricht. Auf den Feldern wurden sogar schon die ersten Lerchen gesehen. Die alten Leute prophezeien aus diesem ungewöhnlichen Wetter Krankheiten und Missernten. Gott schütze uns davor!

In diesem Jahr waren Getreide und Fleisch so teuer wie nie zu vor. Ein Rind, das früher auf etwa 35 Gulden kam, kostet jetzt 50, 60 Gulden und noch mehr, ein Kalb stieg von 3 oder 4 Gulden auf 16 Gulden und noch höher. Schafe kann man beinahe nicht mehr bezahlen, da voriges Jahr und heuer sehr viele an der Seuche starben. Dazu kommt der österreichisch-russische Krieg gegen die Türken, der dieses Jahr - 1787 - ausbrach und die Preise zweifellos sehr in die Höhe treibt, weil eine beträchtliche Menge Vieh von uns nach Ungarn ausgeführt wird. Dreitausend Pferde sind bereits dorthin verkauft worden. In dieser schweren Lage befinden wir uns jetzt an der Wende des Jahres. Überall herrscht empfindlicher Geldmangel, daneben gibt es maßlose Verschwendung; Religion wird klein geschrieben und Elend gibt es auch genug. Die Furcht vor einem Krieg kommt noch dazu. Gott, hilf uns, ohne Dich gehen wir zugrunde!

(Ende des ersten Teiles)


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ZWEITER TEIL


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1788

Wenn ein eifriger Leser den ersten Teil meines Tagebuches mit besonderer Aufmerksamkeit liest, wird er unschwer erkennen, dass Kaiser Josef II. sogleich am Beginn seiner Regierung beschloss, alles was Mönchen oder ähnlich heißt, mit der Wurzel auszureißen. Damit er aber die treuen Anhänger der Religion nicht zu heftig vor den Kopf stieß, griff er nicht gleichzeitig mit einem Schlag an die Kehle aller Klöster. Zunächst wandte sich seine Wut gegen die Nonnen, die er ihrer Habe beraubte und mit geringem Entgelt vertrieb, damit sie sogleich die Art seiner Politik bekannt machten. Es ist eine Schande, dass das geschehen konnte. Mögen aber jene sehen, die so viele unschuldige Seelen, die in sicherer Hut lebten, so mannigfachen Gefahren aussetzten, wie sie sich auf die Verteidigungsrede einrichten, die sie dem gestrengen Richter halten wollen, für jede einzelne Seele, die durch ihre Schuld verloren geht. Nach den Nonnen wütete er gegen die Bettelorden und gegen die Mönche, die sich zum beschaulichen Leben bekennen. Die Geeigneten von ihnen wurden zum Dienst in der Seelsorge bestimmt, die anderen wurden zwangsweise in Klöstern gesammelt, damit sie in der Betrübnis ihres Herzens ein Leben zubringen, das schlimmer als der Tod ist. Die Prälaturen schonte man in den ersten Jahren, ausgenommen die eine oder andere, die arg verschuldet war. Aber nicht lange dauerte die Ruhe, bald nämlich streckte der Jäger seine räuberischen Hände gegen die Abteien aus, von denen einige nach dem Raub ihrer Güter vollständig aufgelöst wurden, andere unter die Verwaltung fremder Äbte gestellt wurden, während nur wenige unter der des eigenen Abtes blieben mit der Einschränkung, dass den einzelnen Mönchen nur ein gewisser Teil an Hab und Gut zugestanden wurde, die restlichen Einkünfte aber der Krone zufielen.

Jetzt aber - während ich das schreibe - am 2. Februar scheint das allgemeine Ende gekommen zu sein. Gegen Ende des letzten Jahres nämlich begab sich der berüchtigte Regierungsrat Eibl aus Linz erst nach Reichersberg und von dort nach Ranshofen, beschlagnahmte die beweglichen Güter, die heiligen Gefäße und kirchlichen Geräte, brachte überall seine Siegel an und reiste wieder ab. Als wir das erfuhren, ließen wir alles, was uns gehört, die Höfe und Hofmarken usw., die diesseits des Inns liegen und damit auf der bayerischen Seite, aber bis ins Gebiet jener Klöster reichen, zusammenschreiben. Es bleibt nun abzuwarten, was die Zukunft bringt.

In dem gleichen Maße, wie die Sitten des Jahrhunderts jetzt auf dem Tiefpunkt sind, so tragen einzelne Mönche diese Pest mit sich und schleppen sie in die Klöster ein, wie es zu unserem Schmerz mehrere Beispiele lehren. Schon missfällt das mönchische Leben auch denen, die es freiwillig erwählt haben. Die Ordensregel, Vorschriften, Unterordnung, Armut und Gehorsam sind ihnen verhasste Namen, welche dem modernen Geschmack, wie sie wenigstens meinen, reichlich töricht und vollkommen wertlos erscheinen. So kommt es denn auch, dass solche Mönche, wenn sie auch ganz milde an ihre Pflicht erinnert werden, von ihren Leidenschaften fortgerissen, bedenkenlos ihre Klöster verlassen, wie es zum Beispiel zum Ende des letzten Jahres und zu Anfang des jetzigen in der benachbarten Abtei St. Salvator geschah.

Im letzten Jahre verließ Pater Benedikt Menz sein Kloster und nach erhaltener Dispens zog er seinen Habit aus und wurde Weltpriester und Kaplan in Rainting bei Straubing. Seinem schlechten Beispiel folgten bald darauf Pater Augustin und Frater Josef, die jetzt im Seminar zu Passau sind. Wir wissen jetzt noch nicht, was mit ihnen geschieht. Die beiden sind in Passau und ihr Abt Marianus reiste nach München und trug den Fall dem Geistlichen Rat vor. Dieser schickte ein Schreiben nach Passau, mit der Mahnung, die Flüchtigen in ihr Kloster zurückzuschicken mit dem ausdrücklichen Bemerken, das das Urteil in dieser Angelegenheit nicht dem Bischof, sondern den Ordensobern zustehe. Die Passauer kümmerten sich nicht besonders um dieses Schreiben und behielten die Rebellen weiter bei sich, bis ein weiteres Schreiben des vorerwähnten Rates den Abt aufforderte, einen Wagen mit einem Mönch nach Passau zu schicken und die Flüchtigen nach Hause zu bringen. So geschah es dann am 2. Juni. Kaum überschritten sie wieder die Schwelle ihres Klosters, als sie sich noch schlimmer als vorher aufführten. Die ganze Angelegenheit wurde schließlich dem Abt von Neustift bei Freising als dem zuständigen Generalvikar des Prämonstratenserklosters übertragen, ein Zeichen dafür, dass die Kirchenbehörde den Bischöfen in dieser Richtung keine Entscheidung zugesteht.


16. Juni

Ein verheerendes Unwetter! Schwere Stürme verwüsteten Wiesen und Felder. Der Blitz schlug in die Kirche von Weng ein. Türen und Fenster wurden vielerorts zertrümmert und was am beklagenswertesten ist, der Blitz erschlug auch den Mesner, der eben die Glocken läutete. Dennoch entstand nirgends ein Brand, weshalb wir am nächsten Tag einen feierlichen Dankgottesdienst abhielten.

Als im vergangenen Jahr die russische Kaiserin (Katharina II.) den Krieg (an die Türken) erklärte, schickte Kaiser Josef II. vertragsgemäß der Kaiserin 30.000 Mann Hilfstruppen, die unter dem Kommando des Prinzen von Coburg standen, über Polen in die Moldau. Da er aber die unzulänglichen Truppen der Kaiserin, die gegen die Türken zogen, sah, verspürte er selbst große Lust, die ehedem dem Königreich Ungarn entrissenen Provinzen wieder zu gewinnen und so erklärte der Kaiser Deutschlands den Türken selbst den Krieg, ohne einen besonders stichhaltigen Grund dafür zu haben. Hierauf hob er überall in seinen Landen ein zahlloses Heer aus und führte es nach Ungarn. Gewisse Meldungen besagen, dass das österreichische Heer an die 300.000 Mann zählt. Gleiche Stärke weist das russische Heer auf, und das Heer der Türken ist so stark wie das ihrer Gegner zusammen. Wer hat schon einmal solche Zahlen gehört? Bis zum heutigen 21. Juni soll das österreichische Heer bereits an die 60.000 Mann durch Krankheiten, Überläufer und fortwährende Kämpfe mit den Türken verloren haben. Wer wird je einmal feststellen können, wieviel Geld Kriegsrüstung, Nachschub, die Entlohnung der Soldaten und ihre Verköstigung verschlingen? Überall sammelt man bereits Geld, die Schulden aus den entlegensten Provinzen werden eingetrieben, freie Bürger und Hörige müssen darunter leiden, obwohl der eigentliche Krieg noch nicht einmal begonnen hat. Wie soll das noch werden? Die Millionen, die die Hand des Räubers aus den aufgehobenen Klöstern raubte und die der Kaiser persönlich zum Unterhalt der Religionsdiener zu verwenden versprach, verschlang bereits die Rüstung. Liegt darin etwa der tiefere Sinn des Krieges? Früher haben die Landstände, zumal die Äbte, oft ihren Namen für mehrere Millionen verpflichtet und überall ein offenes Ohr gefunden, womit es nun ein Ende hat. Ich glaube, das ist letzten Endes auch der Grund, warum der Kaiser jetzt mit einem Male alle Abteien -ausgenommen Frauen- und Bettelorden - wiederherstellen will, allerdings unter der Bedingung, dass er alljährlich eine bestimmte Summe Geld herausziehen kann. Siebeneinhalb Gulden von hundert sollen an die sogenannte Kasse für religiöse Angelegenheiten bezahlt werden. Auf diese Weise sind unseres Wissens Ranshofen, Reichersberg und Kremsmünster bereits wiederhergestellt. Das erste brachte 1300, das zweite 900, das dritte sogar 24.000 Gulden ein.


29. September

Der Abt von St. Salvator feierte heute sein Priesterjubiläum. Anwesend waren die infulierten Äbte von Fürstenzell, Vornbach, Asbach und ich aus Aldersbach, ferner der Ex-Propst aus dem Kloster Suben. Die Festpredigt hielt Freiherr von Schmidt von der Kanzel aus.


4. Oktober

Unser Serenissimus Karl Theodor verließ München. Er ist gekränkt darüber, dass die Landstände und der Magistrat von München die üble Lage des Landes recht deutlich herausgestellt haben. Er reiste nach Mannheim. In seinem Gepäck führte er viele wertvolle Dinge mit. Man weiß nicht, wann er zurückkommt und ob er überhaupt wiederkommt. Im Namen der Münchner Bürger überreichte ihm der Bürgermeister Reindl eine Schrift mit Vorwürfen, die in den Worten gipfelten: "Auch andere Landesherren haben Überschritte gemacht, aber nicht so kostbare, wie gegenwärtige, welche die Revenion des Landes übersteigen."

Diese und andere Vorwürfe beschleunigten die Abreise des Kurfürsten. Man spricht auch noch von anderen Gründen, die ihn dazu bewogen haben.

Nach dem Tode des Abtes von Speinshart in der Oberpfalz fand am 15. Oktober die fällige Wahl des neuen Abtes statt. Die anwesenden kurfürstlichen Kommissäre ließen verlauten, es sei der Wille des Kurfürsten, dass jeder mögliche Wahlkandidat schon vor der Wahl jährlich 100 Karlstaler, das sind 1100 Gulden, versprechen solle. Das Geld sei für den Fürsten von Isenburg bestimmt, der eine natürliche Tochter des Kurfürsten zur Frau hat und eine Generalsstelle innehat. Mit dem Geld solle ihm ein standesgemäßes Leben gewährleistet werden. Die Kanoniker waren über diese ungewöhnliche Forderung sehr erstaunt und lehnten sie ab. Die kurfürstlichen Kommissare reisten darauf nach München ab; ihnen folgten zwei Kanoniker als Abgesandte des Klosters. Wir warten nun, was mit ihnen geschieht und wie die Sache endet. Wir würden gewiss auch ähnlich handeln.

Ende Oktober begannen heftige Fröste, die bis März des kommenden Jahres mit solcher Heftigkeit anhielten, dass es niemand gibt, der sich an eine solche Kälte erinnern kann. Die Schneehöhe übersteigt alle bisher gewohnten Höhen. Die unerträgliche Kälte brach fast nie und hinterließ verheerende Zustände. Alle Bäume in den Wäldern und natürlich auch alle Obstbäume sind durch die Kälte eingegangen oder haben schwerstens gelitten. Die Obstbäume brachten kein Laub hervor, von Blüten gar nicht zu reden. Wir mussten sie bis auf die Wurzeln zurückschneiden, so dass wenigstens ein Nachwachsen von der Wurzel her möglich ist.


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1789

Heute am 19. April stehen alle Obstbäume noch da wie mitten im Winter, ohne ein Blatt und es besteht auch keine Hoffnung, dass noch Blätter kommen könnten. Wo gibt es jemand, der so etwas gesehen, gelesen oder gehört hat?


30. März

Auf die Fürsprache Kaiser Josefs II. wurde der Bischof von Passau, Josef Graf von Auersperg, von Papst Pius VI. zum Kardinal ernannt. Das Domkapitel zu Passau hat die Ernennung in einem gesonderten Schreiben dem Welt- und Ordensklerus mitgeteilt und es freigestellt, in welcher Weise die Ernennung gefeiert werden solle. Wir hielten am 14. Mai einen feierlichen Gottesdienst, der mit dem Ambrosianischen Lobgesang beendet wurde.


5. Mai

Wahl des neuen Abtes von St. Salvator. Abt Marianus ist freiwillig zurückgetreten. Die Wahl leitete der Abt von Neustift, Beisitzer war der Abt von Asbach Amandus, Zeugen waren unser Pater Theobald und Pater Innozenz aus Asbach. Als kurfürstliche Abgesandte erschienen ein Kanoniker, namens Hut und ein Herr von Pettenkofer aus München. Als neuer Abt wurde Pater Franziskus Fuchs gewählt.


1. Juni

Der neue Abt von St. Salvator erhielt vom Generalvikar von Passau, Graf von Thun, unter der Assistenz des Abtes von Asbach und Aldersbach die Weihe.


3. September

Der erlauchte Pfalzgraf und Herzog von Bayern, Wilhelm von Birkenfeld, der zurzeit mit seiner Gemahlin in Landshut weilt, stattete uns anlässlich einer Reise durch Niederbayern einen Besuch ab und erwies sich dabei von außerordentlicher Freundlichkeit und Güte. Er blieb einen ganzen Tag bei uns und besuchte die Bibliothek, die Klostergebäude und unseren Meierhof und zeigte sich sehr beeindruckt. Am dritten Tag reiste er gegen 8 Uhr über Vilshofen nach Griesbach. In seiner Begleitung befanden sich der Hofmarschall, Graf von Nijs, ferner sein Kämmerer und der Stallmeister mit drei Bediensteten. Zu seiner Begrüßung waren Graf Preysing, Graf von Berchem, Rentamtmann aus Burghausen, und Freiherr von Gugler aus Griesbach erschienen, ferner der Pfleger aus Vilshofen Mayr.


2. November

Reise nach Landshut, um dem Pfalzgrafen, der eben den Namen eines Herzogs Pfalz-Birkenfeld annahm, für seinen überaus freundlichen Besuch gebührend zu danken. Er lud mich zur Tafel und zeigte sich als sehr liebenswürdiger Gastgeber. Am folgenden Tag in aller Frühe sandte er seinen Hofmarschall und einen Boten nach Seligenthal zu mir. Letzterer überbrachte mir ein Bild - ein Portrait - mit eigenhändiger Widmung des Herzogs, die folgenden Wortlaut hat: "Erlauben Sie, mein werther Herr Prälat, daß ich ihnen, um Sie beständig an meine ihnen gewidmete Schätzung und Dankhbarkeit für die vielfältige zu Aldersbach genossene angenehme Höflichkeiten zu erinnern, mein Bildniß sende. Dies wäre schon eher geschehen, wenn bisher nicht auf die Verfertigung des Rahmens gewartet worden wäre. Um aber ihre Anwesenheit zu benuzen, überschicke ich es, wie es ist. Erhalten Sie mir indessen Ihre Freundschaft und zählen Sie auch stäts auf die Meinige. Wilhelm."

Aufschrift: "A Monsieur le Prélat d'Aldersbach au Seligenthal" NN. Das Originalschreiben ist in der Rahmung des Portraits in ein Schübel eingeschlossen.

Dieses Jahr war grausam und blutbefleckt durch den Türkenkrieg, den der römische Kaiser Josef II. und die russische Kaiserin mit sehr glücklichem Ausgang gegen den türkischen Sultan geführt haben und durch schreckliche Unruhen 111 weiten Teilen Europas. Die Franzosen haben ihre Monarchie, die in mehr als 1100 Jahren aufgebaut wurde, an einem einzigen Tage gestürzt. Ihrem König nahmen sie seine ganze königliche Macht und setzten an seine Stelle eine Aristokratie, vielmehr eine Volksherrschaft ein. Hierauf - die Nachwelt wird es kaum glauben können - zogen an die 1200 Frauen-Fischerweiber genannt - mit allerlei Waffen, die sie sich angeeignet hatten, von Paris nach Versailles und brachten von dort den König, die Königin und die ganze königliche Familie als Gefangene nach Paris zurück, wo sie sich jetzt noch in der Haft der sogenannten Nationalgarde befindet.

Den Franzosen machten es die unter österreichischer Herrschaft stehenden Belgier nach. Geführt von einem Advokaten namens van der Noot, der die Menge aufstachelte, schüttelten auch die Belgier das österreichische Joch ab. Sie verweigerten Kaiser Josef Il. jeglichen Gehorsam, sprachen ihm das Recht über Belgien ab und erklärten sich für frei. Sie unterwarfen sich in jüngster Zeit - bis zum Ende des Vorjahres - alle Provinzen und Städte mit Ausnahme Luxemburgs, das noch von österreichischen Truppen gehalten wird. Wie lange wohl noch? Wir können bestimmt darauf warten. Lange werden sie dem täglich stärker werdenden Heer der Belgier nicht mehr Widerstand leisten können, insbesondere deswegen, weil die österreichischen Truppen von den Belgiern schon geschlagen wurden und teilweise auch zu ihnen übergelaufen sind.

Unsere unmittelbare Nachbarschaft ist aber auch keineswegs vor Unruhen gesichert. In Passau rotteten sich am 30. Dezember über 400 Bauern aus der Passauer Herrschaft zusammen und zogen durch die Straßen der Stadt mit der Forderung, der Bischof, Kardinal von Auersperg, solle seine Anordnungen betreffs der Waldungen und der der Steuern, die erst kürzlich auch Bauernknechten und Mägden auferlegt wurden, widerrufen. Im Falle einer Weigerung würden sie am nächsten Tage mit 1000 Mann kommen und sich das mit Gewalt verschaffen, was sie auf gütlichem Wege nicht erreichen könnten. Der Kardinal gewährte ihnen ihre Forderungen aus Angst vor noch schlimmeren Aufläufen.

Das ist also die Frucht der Aufklärung, die unsere Philosophen oder vielmehr die verdammten Illuminaten, die Freimaurer und andere Windmacher über die ganze Menschheit verteilen wollen!


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1790


25. Januar

In Nußdorf in Österreich, in der Nähe von Wien, wo unser Kloster ein Haus mit einigen Nebengebäuden und einen Weinberg besitzt, ist ein Brand ausgebrochen, den vielleicht die Unachtsamkeit der Bediensteten verursachte. Die Dächer unseres Hauses, der Scheune und eines angebauten Gebäudes gingen in den Flammen unter. Die Mauern, die Weinpresse und der Keller mit 120 Eimern Nußdorfer Wein sind verschont geblieben. Der Schaden macht etwa 2200 Gulden aus. Österreich, welche Schläge versetzt du uns! Ich schlug dem Konvent vor, zu überlegen, ob es nicht besser sei, alle Nußdorfer Besitzungen zu verkaufen, da wir seit einigen Jahren davon keinen Gewinn mehr haben und jetzt neue Schulden machen müssen. Der Konvent aber war der Meinung, nicht zu verkaufen. Und in der Tat, solange der Krieg gegen die Türken dauert und da und dort Unruhen ausbrechen, hätte sich kaum ein Käufer gefunden, der auch nur 1000 Gulden gegeben hätte, während mein Vorgänger 5000 dafür bezahlt hatte. Wenn ich alles zusammenrechne, was in den letzten zehn Jahren für diesen Weinberg ausgegeben wurde, büßten wir 600 Gulden ein. Der österreichische Wein, den wir selbst gewinnen, kommt uns also höher im Preis, als wenn wir ihn kaufen.

Am Anfang des Jahres 1790 schlug die Hand des Herrn mit eiserner Rute Kaiser Josef II., der zuvor mit seiner Hand die Gesalbten des Herrn, besonders die aus klösterlichem Stand, schlug. Ober ein Jahr litt er bereits an einer schlimmen Krankheit (man erfuhr darüber nichts Näheres), bis er am 20. Februar, um sechs Uhr morgens unter heftigsten Schmerzen verschied. Kurz vorher wurde er noch von Schicksalsschlägen so heimgesucht, dass die Geschichte kaum Ähnliches von einem ähnlichen Fürsten zu berichten weiß. Der ungewisse Ausgang des Türkenkrieges, der Abfall Belgiens, das die österreichische Knechtschaft abschüttelte und sich die Freiheit erkämpfte, die Aufstände in Tirol, in der Lombardei, in Ungarn und Böhmen, Nachbarn und Vorläufer der Revolution, bedrückten den Kaiser in einem solchen Maß, dass er unter ihrem Gewicht zusammenbrach. Mag er auch die meisten seiner Verfügungen, die er überstürzt in seinen Besitzungen und Ländern getroffen hatte, vor seinem Tod widerrufen haben, die Königskronen, die er aus Ungarn und Böhmen nach Wien gebracht, den Ungarn und Böhmen wieder zurückgegeben haben, den Belgiern alle ihre Vorrechte wieder eingeräumt haben, die er ihnen vorher entzogen hatte: die so oft beleidigten Herzen der Menschen konnte er nicht mehr gewinnen. Die größte Betrübnis aber brachte dem bereits todkranken Kaiser der Tod der Erzherzogin Elisabeth, Prinzessin von Württemberg, Gemahlin des Erzherzogs Franz, eines Sohnes Leopolds, Großherzogs von Toskana, eines Bruders Josef II., die nach einer schweren Geburt, in der sie einer Prinzessin das Leben schenkte, am 18. Februar dem Kaiser in die Ewigkeit vorausging. Jener große Gerichtstag wird einmal beweisen, welche Begründung er vor dem Richterstuhle Gottes für die Zerstörung von Klöstern und Kirchen, für die Vertreibung von Mönchen und Nonnen und für den Raub von Kirchengütern geben wird. Nach dem Tode Josefs übernimmt jetzt Großherzog Leopold von Toskana die Regierung der österreichischen Länder.


6. April

An der feierlichen Huldigung der Stände Niederösterreichs nahm auch ich wegen unserer Besitzungen in Wien teil, da man mich dazu eingeladen hatte.

Was der unbeliebte Josef in Politik und Kirche auf den Kopf stellte, brachte Leopold wieder in die rechte Ordnung. Den Ständen gab er ihre früheren Rechte zurück, der Kirche die Freiheit. Geschlossene Gotteshäuser öffnete er wieder, alte Bräuche und Formen religiöser Handlungen ließ er wieder zu, aufgehobene Klöster ließ er wieder beziehen - als erstes Lilienfeld in Niederösterreich. Jetzt - im Juni -ist er gerade dabei, die bereits in alle Winde zerstreuten Mönche zurückzurufen, während der fromme Kaiser das Kloster bereits wiedererrichtet hat, den Besitz bestätigt und die Wahl eines neuen Abtes angekündigt hat. Sieben Mönche wollen aber nicht mehr ins Kloster zurückkehren, obwohl ihnen ihre jährliche Pension belassen würde. Was sind das für Mönche! Wahrlich, sie verdienen diesen Namen nicht mehr, da sie so ihren Glauben preisgegeben haben! Die Bürger von Lüttich rütteln am Joch und verweigern dem Bischof den Gehorsam, obwohl die kaiserliche Verwaltung für den Bischof eintrat und ihrer Meinung mit Hilfe des Königs von Preußen, des Pfalzgrafen und des Bischofs von Münster deutlichen Nachdruck verlieh. Sobald aber der König von Preußen seine Truppen zurückgezogen hatte, fingen die Lütticher wieder mit ihrer Aufsässigkeit an und wehrten sich gegen den Pfalzgrafen und den Bischof. Es bleibt abzuwarten, wie die Sache endet.


30. September

Leopold, König von Ungarn und Böhmen, wird zum Kaiser von Deutschland gewählt und am 9. Oktober gekrönt. Er war auf dem Wege nach Frankfurt mit einem großen Gefolge und einer Menge Geld durch Bayern gereist. Die erste Nacht verbrachte er in Plattling, einem kleinen Flecken sechs Stunden von Vilshofen gelegen, die zweite in Neustadt an der Donau, die dritte in der Nähe von Ingolstadt, in Neuburg, wo er von unserem Kurfürsten Karl und dem ganzen bayerischen Hof erwartet und mit großer Prachtentfaltung aufgenommen wurde. Im Gefolge König Leopolds befanden sich seine Gemahlin, seine vier Söhne, der König beider Sizilien (Ferdinand von Bourbon-Neapel) mit seiner Gattin, einer Schwester Leopolds (Maria Karoline), um nur die wichtigsten Persönlichkeiten zu nennen. Unsere Nachbarn (wir selbst sind nicht betroffen) mussten über dreihundert Pferde, eine gewaltige Menge Hafer, Heu und Stroh liefern. Um die gleiche Zeit bewegten sich auf dem gleichen Wege 8000 Soldaten nach Belgien, das noch immer vom Aufruhr bedroht ist. Man kann leicht errechnen, wie teuer Bayern der doppelte Durchzug zu stehen kam.


30. August

Durch ein Schreiben des Geistlichen Rates in München werden wir aufgefordert, die Ordensregel und unsere Statuten einzusenden.


28. September

Ein zweites Schreiben folgt, mit der Aufforderung, anzuzeigen, wer aus unseren Äbten beim Generalkapitel der letzte war und wie hoch die Ausgaben waren. Ich weiß nicht, was das heißen soll, werde es aber vermutlich bald wissen und gewiss nicht darüber erfreut sein.


15. November

Leopold wird in Preßburg feierlich zum König von Ungarn gekrönt und sein Sohn zum Palatin von Ungarn ernannt.

Nach dem Tode des Johannes Nepomuk Goder, Herrn in Walchsing, Kriestorf, Schönerting und Brombach, des letzten seines Geschlechts, kamen seine Allodialgüter an seinen nächsten Verwandten, eine Baronesse von Daxberg, eine geborene von Goder. Die Feudalgüter fielen an die kurfürstliche Feudalverwaltung. Der Serenissimus, Kurfürst Karl Theodor, wandelte die Feudalgüter in Allodialgüter um und überließ sie der Baronesse. Die drei Allodialgüter Walchsing, Kriestorf und Schönerting durften nach einem Erlass des Kurfürsten in den Besitz der sogenannten Toten Hand veräußert werden. Zu diesem Zweck erschien bei mir die Baronesse mit ihrem Gemahl und mit Baron von Aretin als Kommissär und bot mir jene drei Güter zum Preis von 60.000 Gulden an. Ich bin dagegen, weil der Vertrag, wie ich meine, aus verschiedenen Gründen, die ich hier nicht niederschreiben will, zu gegebener Zeit wieder hinfällig werden könnte und außerdem den Feinden des Klosters, von denen es ja genug gibt, keine Gelegenheit gegeben werden sollte, allerhand Machenschaften zu ermöglichen. Weil mir aber sowohl die Baronesse als auch der Güterkommissar eindeutige Beweise lieferten, dass es der erklärte Wille des Kurfürsten sei, dass diese Besitzungen in unsere Hand kämen, rief ich augenblicklich den ganzen Konvent zusammen da die Umstände keinen Aufschub duldeten. Lang und ausführlich erklärte ich, worum es gehe und wies auch auf die Gefahren hin, die mit dem Kauf verbunden seien. Aber es war alles vergebens. Niemand war dagegen, im Gegenteil! Alle verlangten, eine so günstige Gelegenheit nicht fahren zu lassen. Ich gab endlich nach und nach vielem Hin und Her kaufte ich die drei Güter Walchsing, Kriestorf und Schönerting um 58.000 Gulden. Die Verkäuferin wollte ursprünglich nicht einen einzigen Kreuzer von den geforderten 60.000 nachlassen! Die erste Hälfte des Kaufpreises bezahlte ich sofort, die andere Hälfte nach einigen Wochen, ohne eine Anleihe bei irgendjemandem zu machen.


9. September [Dezember?]

Der hochwohlgeborene Baron von Aretin belehnte im Schloss zu Walchsing in Gegenwart des Priors, Pater Theobald Rueland, Pater Emanuels und unseres Richters Anton Fürst, mich, Abt Otto, in feierlicher Form mit den neuen Gütern. Die darüber errichtete Urkunde wurde uns ausgehändigt und befindet sich in unserem Archiv und in der Registratur. Möge Gott uns seinen Segen dazu geben!


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[1791]


30. Januar

Der H.H. Abt von Salem teilte mir mit einem Brief mit, er habe ein Schreiben unseres Generalabtes erhalten, in dem dieser den elenden Zustand unseres Mutterklosters und des ganzen Ordens im Königreich Frankreich beklagt. 1200 Mitglieder der sogenannten Nationalversammlung zu Paris haben ihren König abgesetzt und sich selbst die höchste Gewalt übertragen, alle Güter der Kirche und der Krone durch eine feierliche Erklärung zum Verkauf ausgeschrieben, und wie wir aus der Zeitung erfahren, bereits mehrere Millionen aus dem Verkauf dieser Güter zusammengerafft. Schon vorher hoben sie die Niederlassungen aller Orden auf und schlossen alle Kollegienkirchen. Sie ließen nur die Bischofs- und Pfarrkirchen, allerdings unter der Bedingung, dass alle Bischöfe und Pfarrer den Bürgereid leisteten. Viele leisteten einem so ungerechten Befehl, der sich gegen die Freiheit der Kirche richtet, Folge. Zahlreiche Bischöfe und Pfarrer bewahren aber der katholischen Kirche die Treue, verlassen lieber ihre Bistümer und Pfarreien und begeben sich anderswohin. Rom schweigt bisher zu den unerhörten Vorgängen in Frankreich. In dieser verzweifelten Lage sucht unser Generalabt Hilfe und Rat von den deutschen Abteien. Da jetzt aber alles menschliche Planen zu versagen scheint, setzten wir unsere Hoffnung allein auf die Hilfe Gottes und suchten Hilfe im Gebet, das ich nicht nur für unsere Abtei anordnete, sondern auch allen Abteien unserer Provinz brieflich zur Pflicht machte. Wenn uns nicht der Himmel zu Hilfe kommt, der allein helfen kann, ist es um unsere Klöster so gut wie um alle anderen in Frankreich geschehen!

Das Jahr beginnt mit einem ganz merkwürdigen Wetterverlauf. Von Anfang Januar bis zum 30. des Monats gab es kaum ein Anzeichen für einen Winter. Häufig gibt es Nebel wie im Herbst. Zweimal regnete es so ausgiebig, dass es große Überschwemmungen gab. Dazwischen hatten wir Tage, die nach Frühling aussahen, so dass bereits Feldfrüchte und Bäume die ersten Triebe setzten. Endlich am dreißigsten Januar, heute, beginnt es heftig zu schneien.


7. Mai

Starker Reif, aber immerhin noch kein Schaden!


8. Mai

Der Reif war schlimmer als gestern und richtete bereits einigen Schaden an.


9. Mai

Der neuerliche Reif vernichtete alle Bäume in der Umgebung. Das Eis war bis Mittag zu sehen, kein Wunder also, dass es einen solchen Schaden anrichtete. Da es eine sehr trockene Kälte war, schadete sie den Saaten, die bereits auf dem Halm stehen, noch nicht, da die Blüten noch nicht angesetzt haben. Unsere Felder erlitten also keinen besonderen Schaden; in unserer Nachbarschaft sieht es unterschiedlich aus. Mancherorts ging ein Viertel, ein Drittel oder gar der ganze Weizen zugrunde. Von unseren Weinbergen wird das Gleiche berichtet. Auch in den Weinbergen am Rhein und in anderen Gebieten haben die blühenden Rebstöcke schwer gelitten.


29. Mai

Wir saßen gerade bei Tisch, als ein schweres Gewitter aus östlicher Richtung herankam. Ein Blitz schlug in die Scheune unseres Bauern Forster in Gumperting ein. Alle unsere Leute eilten hinzu, auch die Aidenbacher und Leute aus der Nachbarschaft. Wir setzten auch unsere Feuerwehr ein, aber das Feuer dehnte sich so rasch aus, dass das Wohnhaus, die Scheune und die Stallungen völlig verbrannten. Wenn nicht unermüdlich gelöscht worden wäre, hätte das Feuer auf das ganze Dorf übergegriffen. Gott sei ewiger Dank, dass das Feuer sich nicht weiter ausdehnte!

Nachdem durch ein Gesetz der Nationalversammlung Frankreichs alle Klöster aufgehoben, ihr Vermögen und ihre Besitzungen dem Volk übereignet wurden, erlitt auch unser Mutterkloster dasselbe Schicksal. Unser Generalabt Franziskus, ein beinahe neunzigjähriger Mann, zog sich zu seinem Neffen zurück und verzichtete gegenüber dem Papst auf seine Würde, der jedoch die Resignation nicht annahm und anordnete, die Befugnis eines Generalabtes dem Prälaten von Salem zu übertragen, solange die Wirren in Frankreich anhielten. Unser Vizegeneralabt teilte mir brieflich mit, dass im Mai kommenden Jahres ein nationales Generalkapitel sein werde. Ich sollte dazu meine Meinung äußern. Der Prälat teilte mir ferner mit, dass zwei Trappistenmönche, die aus Frankeich vertrieben wurden, in der Schweiz mit großer Herzlichkeit aufgenommen worden seien, der eine in Solothurn, der andere in Freiburg und dass beide im Ruf eines untadeligen, frommen und tugendhaften Lebens stünden.

Nach der Aufhebung aller Klöster in Frankreich und der Übertragung der Befugnisse eines Generalabtes an Abt Robert von Salem, richtete dieser mit Unterstützung des Abtes von Ebrach sein Bemühen darauf, dass die Verbindung der bayerisch-pfälzischen Provinz, die durch ein kurfürstliches Dekret des Jahres 1766 aufgehoben wurde, wiederhergestellt würde. Er richtete in dieser Sache einen Brief an mich, den ich an die anderen Klöster weiterleitete. Nur zwei Klöster, Waldsassen und Fürstenfeld gaben in ihrer Antwort zu erkennen, dass sie eine neue Verbindung wünschten, die übrigen ließen den Wunsch nach einer eigenen Provinz erkennen. Unser Kurfürst richtete eine Note an seinen Geistlichen Rat, dieser wandte sich an die Nuntiatur und diese an die höchste Stelle. Die Note stellt fest, dass die Zisterzienser Pfalz-Bayerns von jeder Verbindung zu Frankreich frei seien und alle Visitatoren aus den kurfürstlichen Gebieten zu bestimmen seien. Gegeben zu München am 1. Dezember 1791.


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1792

Abt Martin, der im Jahre 1779 eines plötzlichen Todes starb, belastete das einst sehr berühmte und reiche Kloster Fürstenfeld mit 222.000 Gulden, außerdem verkaufte er zwei auf 45.000 Gulden veranschlagte Hofmarken und forderte dazu die 25.000 Gulden zurück, die von seinen Vorgängern den Landständen ausgeliehen worden war. Auf Abt Martin folgte am 14. Juni desselben Jahres Tezelinus Kazmayr, ein frommer und gütiger Mann, der aber für die Leitung dieses Klosters in keiner Weise geeignet war. Er vermehrte zwar die Schulden nicht, verminderte sie aber auch nicht. Einige eifrige Mitbrüder baten ihn deshalb - sie machten mir davon Mitteilung - Rechenschaft über seine Verwaltung zu geben und dem Konvent Aktiva und Passiva, wie wir sagen, darzulegen. Ich selbst bat ihn brieflich wiederholt darum, aber ohne Erfolg. Ich begab mich schließlich selbst, um die drohende Gefahr abzuwenden, am 23. Januar auf die Reise und kam am 25. dort an. Ich fand die Verwaltung in einem so betrüblichen Zustand, dass es unmöglich war, Einnahmen und Ausgaben herauszufinden geschweige denn alle Aktiv- und Passivposten genau zu fixieren. Da nun der H.H. Abt seine Unfähigkeit einsah, wurde mit Zustimmung des gesamten Konvents die ganze Verwaltung oder Wirtschaft, die wir Universale nennen, Pater Guido Stattlmayr übertragen und als seine Gehilfen der Pater Prior und der Küchenmeister bestimmt um mit vereinten Kräften die Ordnung wiederherzustellen und hoffentlich mit gutem Erfolg, da es sonst um dieses angesehene Kloster geschehen ist. Der Abt, der von allen Dingen unterrichtet werden muss, erhält zur freien Verfügung 400 Gulden. Das übrige Geld wird in einer Kiste aufbewahrt, die mit drei Schlüsseln geschlossen wird. Einen Schlüssel erhält der Abt, den anderen der Pater Prior, den dritten der Verwalter. Gebe Gott seine Gnade und einen ausgiebigen Segen dazu!

Der Abt von Salem schickte seinen Sekretar, Pater Kaspar nach München, um mit Geld und Worten - über beides verfügt er mit reichem Maße - das Band seiner Provinz zur unseren fester zu knüpfen. Mehrere Wochen hielt er sich dort auf und bemühte sich nach Kräften die Nuntiatur mit goldenen Seilen, an denen sich niemand so leicht ziehen lässt wie die Italiener, auf seine Seite zu bringen. Da aber der Münchner Geistliche Rat auf den Anordnungen des Kurfürsten beharrt und den Versuchen des Reichsprälaten widerstrebt, ist bisher alles Bemühen umsonst. Jetzt aber, nach dem Tode des Abtes von Raitenhaslach, der in Wien, wo er sich seit einem Jahr und neun Monaten aufhielt, an der Wassersucht und an Leberschwund starb, wird es sich bald erweisen, ob die Nuntiatur oder der Geistliche Rat stärker war, d.h. ob der Abt von Salem bei der Wahl des Abtes von Raitenhaslach den Vorsitz führt oder nicht.

Die Nuntiatur hat gesiegt! Am 27. Juli dieses Jahres wurde dem Prälaten von Salem bei der erwähnten Wahl die Aufsicht mit folgenden Worten übertragen: "höchster ... orten ... will man dem Prälaten in Salem die nachgesuchte ordens Aufsicht auf Verspruch und Widerruf (man beachte die Worte!) gnädigst gestatten." So sind eindeutige Erlasse des Kurfürsten und in gleicher Weise Beschlüsse des Geistlichen Rates missachtet worden.

Hierauf erschien also am 22. August der Prälat von Salem zu der vom Geistlichen Rat in München bestimmten Wahl. Prior und Konvent luden mich zum Monatsgottesdienst ein, außerdem bestimmten sie mich zum Assistenten bei der Wahl. Ich lehnte ab. Kurz vorher hatte mir der Prälat geschrieben, er habe den Wunsch, mich zu sehen, um mit mir die Angelegenheiten des Ordens zu besprechen. Ich antwortete, dass das auch mein Wunsch wäre und Ort und Zeit ihm überlassen wolle. Am Vorabend der Wahl benachrichtigte mich der Prior von Raitenhaslach, dass die Unterredung in Raitenhaslach am Abend des Wahltages sein solle. Ich nahm also an und machte mich auf den Weg und war zur festgelegten Zeit in Raitenhaslach. Der Reichsprälat empfing mich sehr freundlich und in einer dreistündigen Unterredung besprachen wir die verschiedenen Ordensangelegenheiten. Am Anfang ging alles gut. Ich erschrak aber, als er mir sagte, er werde unser Kloster demnächst visitieren. Ich antwortete, dass diese Absicht im Widerspruch mit den Erlassen des Kurfürsten stehe, die alle auswärtigen Visitationen verbieten. Er antwortete, er habe das Recht der Visitation vom Kurfürsten selbst erhalten. Ich forderte einen Beweis dafür, den er aber nicht liefern konnte. Drei volle Stunden ging es so hin und her. Ohne dass wir zu einem Ergebnis gekommen wären, reiste er am 23. August nach Fürstenzell weiter. Am folgenden Tag führte ich den neugewählten Abt Emanuel III., den vorherigen Prior, unter Assistenz der Äbte von Asbach und Baumburg feierlich in sein Amt ein.

Am 26. August frühmorgens reiste ich aus Raitenhaslach ab und kehrte am 27. August nach Hause zurück.

Am Abend des nämlichen Tages empfingen wir den Abt von Salem in Aldersbach mit gebührender Aufmerksamkeit, aber nicht mit der gleichen, die einem Visitator zusteht. Ich geleitete ihn mit den Offizianten zu seinem Zimmer. Am folgenden Tag, nach der Messe, wurde er in mein Abtzimmer geleitet, in dem ich schon vorher das Dekret des Kurfürsten, das die Visitation durch Auswärtige (in diesem Falle sogar Ausländer) verbietet, bereitlegte. Er wollte keine Ruhe geben, beständig aufgestachelt von seinem Sekretär, um die reguläre Visitation doch noch zugestanden zu erhalten. Um dem Streit endlich ein Ende zu machen, erklärte ich dann kurz: "Hier ist das kurfürstliche Dekret und hier die anderen Entscheidungen des Geistlichen Rates." Er könne jetzt machen, was er wolle. Er gab zur Antwort, ohne mein Einverständnis würde er nichts tun und so wurde der ganze Streit freundschaftlich beigelegt. Anschließend gingen wir zum Frühstück und freuten uns im Herrn. Nachher besuchte er die Bibliothek, sprach mit dem Prior, Pater Theobald und mit dem Subprior, Pater Ambrosius, begab sich dann auf den Bernhardsberg, in die Landwirtschaft und in die Stallungen und reiste am 29. August morgens im sechsspännigen Klosterwagen nach Vilshofen. Das war dann die ganze Visitation, die manche auf verschiedene Weise ausgelegt haben.

Im Übrigen war der Prälat von Salem - Robertus, der aus Wembding (Schwaben) stammt -, ein durch und durch einzigartiger Mann, von tiefer Frömmigkeit und sittenstreng, stets bedacht auf den Glanz und das Blühen des Ordens. Unseren Bediensteten schenkte er viel Geld, unserem Kloster aber spendete er überreiches Lob.


11. August

Der Abt von Fürstenzell schrieb mir, dass er resignieren wolle und bat mich um meine Zustimmung. Nach zwei weiteren Tagen schrieben mir Prior und Konvent, meine Einwilligung zurückzunehmen und den Abt zu bewegen, nicht zu resignieren. Ob es die eine oder die andere Seite ehrlich meint, möchte ich jetzt nicht entscheiden, sondern noch abwarten. Nach dem Neubau unseres Weinkellers in Gneixendorf sind Haus und Keller in Weinzierl für uns wertlos geworden. Mit Einverständnis des Kapitels verkaufte ich den Besitz für 1000 Gulden und verwandte davon 700 Gulden für den Ankauf von Wein, die restlichen 300 Gulden zweigte ich für das Haus in Gneixendorf ab.


1. Oktober

Aus Waldsassen wurde mir der Tod des dortigen Abtes Wigand mitgeteilt und zugleich wurde ich gebeten, bei der kommenden Neuwahl nicht nur anwesend zu sein, sondern den Vorsitz zu führen. Es bleibt nun abzuwarten, ob sie die Erlaubnis zu einer Abtwahl in München überhaupt erhalten, da man sich erzählt, es gäbe viele, die eine Aufhebung des berühmten Klosters betrieben bzw. es auf den reichen Besitz des Klosters abgesehen hätten. Am 16. Oktober erhielt ich wieder einen Brief aus Waldsassen, in dem mir die Waldsassener mitteilten, dass sie die Erlaubnis zur Wahl bekommen hätten und zwar für die nächste Zeit, wenn nicht der Abt von Fürstenfeld, der sich seit langem um das Patronat über das Kloster bemüht - bisher immer vergeblich - einen Aufschub erreicht. Der Abt von Fürstenfeld schrieb mir ebenfalls, er solle im Auftrag des Geistlichen Rates Beweise vorlegen, mit denen er seine Ansprüche begründen könne und ersuchte mich um Hilfe. Ich sehe mich aber in keiner Weise in der Lage, eine Entscheidung zu treffen.


8. November

Der Abt von Fürstenzell, Otto Proscher, resigniert endgültig, nachdem er seinen Entschluss ein Jahr

lang überdachte. Der Pfarrer von Beutelsbach überbrachte mir die Resignation, die ich unverzüglich nach München weiterleitete. Nach der Annahme der Resignation durch den Kurfürsten reiste ich am 25. November nach Fürstenzell und gab dem Konvent den Amtsverzicht bekannt. Am 28. November fand die Neuwahl unter Assistenz des Abtes von St. Salvator, Franziskus, und des Abtes von Vornbach, Plazidus, statt. Beisitzer des Geistlichen Rates in München waren Herr von Engl und Herr von Praam. Die Neuwahl verlief sehr stürmisch, da die Mönche in zwei Lager gespalten waren. Drei Wahlgänge verliefen ergebnislos. Da keine Hoffnung bestand, mit Hilfe einer Wahl einen Kandidaten durchzubringen, musste man einen Kompromiss schließen. Zum neuen Abt wurde auf diese Weise Pater Edmund Bachmaier gewählt, Professor der Theologie und der beiden Rechte in Ingolstadt.


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1793

Nach dem Tode des Abtes in Waldsassen am 23. September des vorigen Jahres zog sich die Neuwahl bis zum 13. Mai dieses Jahres hin. In der Zwischenzeit schwankte das Kloster zwischen der Hoffnung auf eine Neuwahl und der Furcht vor einer Aufhebung. Vielleicht sollten auf diese Weise die Mönche dazu gebracht werden, sich leichter von ihren Schätzen zu trennen - die man in der Öffentlichkeit absichtlich übertrieb - und denen zu geben, die so taten, als wollten sie helfen. Deren einflussreichster Wortführer war Graf von Bettschart, der zu dieser Zeit das Herz des Kurfürsten einnahm und alles durchsetzen konnte, was ihm gefiel. Und tatsächlich, als man diesem in ganz Bayern wegen seiner Geldgier bekannten Manne 25.000 Gulden versprach - was für eine Riesensumme! - nahmen die Verhandlungen sofort ein anderes Gesicht an. Aber andere sehr harte Bedingungen kamen dazu: auch dem Kurfürsten mussten 25.000 Gulden bezahlt werden. Alle Mönche mussten sich außerdem schriftlich verpflichten, sie würden diese Willkür noch als eine reine Gefälligkeit betrachten. Unter solchen Vorbedingungen wurde endlich der 13. Mai für die Wahl des neuen Abtes bestimmt.

Am 1. Mai bekam ich einen Brief des dortigen Priors Pater Gerard Spitz mit der Bitte, die Wahl zu leiten und die Weihe zu vollziehen. Ich sollte die Reise sofort antreten, um neue Machenschaften zu verhindern. Da weder von Salem noch aus München oder der Regierung in Amberg das erforderliche Schreiben eingetroffen war, verschob ich die Reise auf den 4. Mai. Und siehe da! Gerade als ich den Wagen besteigen wollte, traf eine Eilstafette aus Vilshofen ein, die einen Brief des Abtes von Salem überbrachte, kraft dessen ich die Erlaubnis erhielt, den Vorsitz bei der Wahl zu führen und die Weihe zu vollziehen. Der Rechtsanspruch des Abtes in Fürstenfeld sollte dadurch nicht in Zweifel gezogen werden.

Mit diesen Vollmachten ausgestattet, reiste ich am 10. Mai nach Waldsassen. Am 13. Mai fand voller Einmütigkeit der Mönche die Wahl statt. Gewählt wurde Pater Athanasius Hettenkofer, derzeit Schuldirektor. Am 16. Mai, am Fest des hl. Johannes Nepomuk, setzte ich ihm feierlieh die Mitra auf. Am nächsten Tag reiste ich bereits wieder nach Hause.

Seit mehreren Jahren sind die Nischen in unserer Krypta voll, so dass einer, wenn er jetzt stirbt, dort nur begraben werden kann, wenn vorher die Gebeine eines anderen herausgenommen und nördlich unserer Kirche bestattet werden. Zudem verbreiten die Toten im Sommer einen unangenehmen und ungesunden Geruch, so dass die Teilnehmer der Frühmesse, die täglich in der Loretokapelle gefeiert wird, oft allerhand zu leiden haben; andere wagen sich wegen des üblen Geruches überhaupt nicht hinein. Nach einer Beratung mit dem Konvent ließ ich nördlich von der Kirche und der Loretokapelle einen Platz ummauern und als unseren Friedhof herrichten.

Der unheilvolle Krieg gegen Frankreich und die damit zusammenhängende Bedrohung aller deutschen Provinzen machten auch in unserem Lande eine Aushebung notwendig. Zu diesem Zwecke befahl unser Kurfürst, 7000 Mann zu rekrutieren. Die Provinzen mussten für die Soldaten aufkommen. Er wollte auf diese Weise der Bevölkerung auf dem Lande, die sich an Frankreich ein schlechtes Beispiel nehmen könnte, begegnen. Die Landstände mussten also die ganze Last auf sich nehmen. Sie bürdeten den Prälaturen eine dreieinhalbfache Standsteuer und dem Adel eine sechseinhalbfache Rittersteuer auf, mit der lächerlichen Begründung, dass zwei Steuerteile rechtlich erhoben würden, die restlichen aber in Form einer Schenkung gemacht werden müssten, allerdings mit dem Zusatz, wenn sie nicht im laufenden Jahre bezahlt würden, müssten sie im Folgenden zwangsweise eingetrieben werden. Unser Aldersbacher Kloster muss Stand- oder Prälatensteuer und Rittersteuer leisten, und da ein Steuerteil 732 Gulden und 40 Kreuzer beträgt, ergibt das eine Summe von 2546 Gulden, 20 Kreuzern. Ein Teil Rittersteuer macht 70 Gulden, das ergibt im Sechseinhalbfachen 455 Gulden. Dazu kommt eine Zusatzsteuer von 14 Gulden und endlich eine jährliche Biersteuer von 123 Gulden und 29 Kreuzern. Als letztes eine ergänzende Zehentsteuer von 222 Gulden. Insgesamt ergibt das eine Summe von 4490 Gulden, 49 Kreuzern. Mögen daraus unsere Nachfahren ersehen und bedenken, unter welcher Last unser Kloster und dazu auch die anderen seufzen und dass es nur dem Schutze und dem Segen Gottes zuzuschreiben ist, dass nicht schon weit mehr am Ende ihrer Kraft sind. Diejenigen, die schon unter den Schulden leiden und es sind viele, werden bald aufgeben und diejenigen, die jetzt noch ihr Leben fristen, werden bald folgen müssen.

N.B. Angeführt muss außerdem noch der jährliche "Schulbeytrag" werden, der jährlich 660 Gulden beträgt. Die Gesamtsumme beträgt also 5150 Gulden, 49 Kreuzer.

Die unglückseligen Zeiten Luthers scheinen zurückgekehrt zu sein. Die Religion wird dem Spotte preisgegeben und überall verwildern die Sitten. Zahlreiche Mönche suchen um Dispens nach oder verlassen heimlich ihre Klöster. Zu dieser Verderbnis ebnete niemand anderer den Weg als Josef II., jener unglückselige Erneuerer oder besser gesagt Zerstörer. Unter den Mönchen, die um Dispens baten und sie erhielten, ist auch Pater Hugo Deissenberger aus Fürstenfeld, der ohne Wissen seiner Oberen in Rom seine Dispens erhielt. Fürsprecher bei dieser Dispens war ohne jeden Zweifel der päpstliche Gesandte in München, Graf von Zoglio. Pater Joachim Schuhbauer aus Niederalteich lebt schon lange außerhalb seines Klosters und hat sein Ordenskleid abgelegt, man weiß nicht, mit oder ohne Erlaubnis. Zurzeit ist er in Passau Professor für Rhetorik, dieser verworfene Mensch, der durch seine schlimmen Ideen und Schriften die studierende Jugend in schändlicher Weise verdirbt. Im Vorjahr floh ein Benediktiner aus Michaelbeuern und ist jetzt Professor in Amberg. Ihm folgte aus Polling ein Prosper Gelder, der 6000 Gulden mit sich nahm; manche sagen sogar, es seien 10.000 gewesen. Ich will von anderen gar nicht mehr schreiben, da diese zur Genüge die Sittenverderbnis und die Verachtung der Religion beweisen können.


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1794


23. Januar

Ich erhielt den Auftrag des Kurfürsten, wonach zum Ende jeden Jahres ein Verzeichnis aller Mönche eingeschickt werden muss. Zu welchem Zwecke? Ich weiß es nicht.


8. Februar

Ein neuerlicher Befehl aus München ordnet die Aufnahme wenigstens eines Priesters aus Frankreich an, der wegen der Revolution geflohen ist. Das Kloster muss ihm dazu Kleidung und Essen gewähren. Kurz darauf, am 6. März kommt der Kanonikus an der Kollegkirche in Haussonville (in der Nähe von Nancy), namens Baily zu uns und wird aufgenommen. Am 8. April folgte Josef Grivolet, ehemaliger Vikar aus der Diözese Nancy, den wir auch aufnehmen mussten.


26. März

Unsere Hofmark Mamming ist vollkommen eingeäschert worden. Kein Haus, kein anderes Gebäude, kein Stall oder Scheune blieb stehen. Nur die Kirche und das Haus des Schulmeisters, die etwas abseitsstehen sowie die Wohnung des Kaplans blieben verschont. Den Brand verursachte ein zwölfjähriger Knabe, der die Stallung mit einem offenen Licht betrat, um die Rinder zu füttern. Auch das Haus unseres Amtsdieners und unser Getreidestadel verbrannten. Da es nun Sitte ist, den Hörigen auf drei Jahre die Steuer zu erlassen, beträgt der Schaden, den wir zu beklagen haben, viele tausend Gulden. Außer unserer Hofmark brannten neben kleineren Gebäuden 22 Häuser nieder.


12. Mai

Um zwei Uhr nachmittags brach in Vilshofen ein Riesenbrand aus, der durch die Unvorsichtigkeit der Sternwirtin entstand, die Schweinefett über das Feuer setzte und unvorsichtig hantierte, so dass Fett aus dem Gefäß lief und einen solchen Brand verursachte, dass die ganze Stadt innerhalb der Mauern, drei Häuser ausgenommen, mitsamt der Kirche in Schutt und Asche fiel. Nur zwei Vorstadtviertel blieben übrig. Es ist unglaublich, in welches Elend und in welche Armut die Einwohner gerieten.

Am folgenden Tag brannte der Pfarrhof in Grafendorf mit drei anderen Gebäuden nieder. Die Ursache dafür ist unbekannt.


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1795


3. Mai

Der Abt von Gotteszell Marianus feiert sein goldenes Priesterjubiläum und lud mich herzlich zur Mitfeier ein. Ich sagte zu und machte mich mit Pater Felicianus auf den beschwerlichen Weg. Am Vorabend des Festes kam ich dort an. Am Festtag fungierte ich als Erzdiakon, Pater Felicianus hielt die Festpredigt. Als Gäste waren zugegen der H.H. Abt von Metten, der Abt von Windberg und der Abt von Fürstenzell. Jetzt gibt es in unserer Provinz drei Äbte, die ihr goldenes Priesterjubiläum feiern: der Abt von Fürstenzell, von Fürstenfeld und Gotteszell.

In diesem Jahre gewährte Papst Pius VI. auf die inständigen Bitten unseres Kurfürsten ein Ablassjahr, das in unserer Diözese am 20. Mai begann und am 21. Juni endete. Ursache für den Ablass war die Revolution in Frankreich, die alles Heilige und Weltliche umstürzte und die Religion vernichtete. Damit Gott der geschlagenen Religion und dem Lande helfen wolle, ist dieser Ablass gegeben worden.


21. August

Um 12 Uhr mittags starb seine Eminenz Josef Kardinal Graf von Auersperg, Bischof von Passau nach einer langen und schweren Krankheit eines seligen Todes.


4. November

Der Dekan des Domkapitels, Thomas Graf von Thun, wird zum neuen Bischof von Passau gewählt.


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1796


22. Januar

Abt Marian von Gotteszell, Profess- und Priester-Jubilar, beendete den Weg allen Fleisches, ein wahrhaft rechter Mann, gütig und mild, der seinem armen Kloster reichen Nutzen brachte und mehr als die anderen Klöster Aldersbach ergeben war.


8. Februar

Sanft entschlief heute im Herrn die Äbtissin von Seligenthal Ida Märtlin an einer schweren Fußwunde und anderen Krankheiten, die in eine Wassersucht ausarteten.


12. April

Florinana Stegmiller, Müllerstochter aus Reisbach, wird mit Hilfe des Beichtvaters, Pater Bernhard, der in unermüdlichem Bemühen die meisten jungen und einige ältere Schwestern für sie gewinnen kann, zur neuen Äbtissin geweiht.


25. April

Amadeus Baur wird neuer Abt von Gotteszell. Bereits der erste Wahlgang war erfolgreich. Am Sonntag nach seiner Wahl wurde er von mir geweiht.


14. Juni

Der Abt von Fürstenfeld resigniert. Auf den Tag genau wurde er vor 17 Jahren dort zum Abt gewählt. Der beinahe Achtzigjährige ist körperlich und geistig am Ende seiner Kräfte. Als Tag der Wahl des neuen Abtes wurde der 18. Juli festgesetzt. Ich reiste deshalb mit meinem Sekretär Pater Stephan Wiest dorthin und kam am 18. Juli an. Beisitzer bei der Wahl waren der Abt von Andechs und sein Prior. Im zweiten Wahlgang wurde mit großer Stimmenmehrheit Pater Gerardus Führer, Professor der Theologie, ein glänzender Wissenschaftler, der allseits beliebt und geschätzt ist, zum neuen Abt gewählt. Am Sonntag darauf, am 24. Juli, setzte ich ihm nach den üblichen Feiern die Mitra auf. Assistenz leisteten der Abt von Andechs und der resignierte Abt Tezelinus.


14. August

Ein Dekret des Kurfürsten aus München verpflichtet alle französischen Emigranten und Deportierten, Bayern zum möglichst frühen Zeitpunkt wieder zu verlassen. Wir entließen in Gehorsam gegen diese harte Anordnung die Vier, die wir aufgenommen hatten, Pater Nikolaus Baily, Nikolaus Grivolet und die später Angekommenen, Johannes Franz Remigius aus der Familie des angesehenen Grafen von Türk, Abt des Zisterzienserklosters Freistorf in Deutsch-Lothringen zusammen mit Bruder Gaius und Johann Burtin, ebenfalls einem Zisterzienser. Ihre beklagenswerte Lage ist, dass sie nicht wissen, wohin sie gehen sollen. Die Rückkehr in die Heimat ist mit Lebensgefahr verbunden. Es bleibt ihnen nur Polen oder Russland in ihrer Verzweiflung. Gott allein, um dessen Willen sie heimatlos sind, kann ihnen helfen und wird ihnen helfen.


7. Oktober

Der Bischof von Passau stirbt ganz plötzlich. Er regierte nur elf Monate und zwei Tage und wurde von allen Seiten gelobt. Er stammte aus dem Haus der Grafen von Thun, sein Name war Thomas. Wie wandeln sich doch die Geschicke und die Urteile der Menschen! Das kurfürstliche Dekret, das den Emigranten aus Frankreich befahl, Bayern zu verlassen, ist zwar nicht widerrufen worden, aber soweit abgemildert, dass nach dem neuen Dekret vom 28. Oktober ihnen die Rückkehr zu ihren bisherigen Zufluchtsorten gewährt wird, wenn diese sie wiederaufnehmen wollen. Unverzüglich kehrten darauf unsere vier Emigranten aus Passau zurück und fanden bei uns Aufnahme.

Dieses Jahr brachte durch den verheerenden Krieg gegen die Franzosen und durch eine Tierseuche, die den größten Teil Bayerns und die angrenzenden Länder heimsuchte, außer einer gewaltigen Verteuerung aller Waren auch uns beträchtlichen Schaden. Die Landstände forderten von den Klöstern, den Kirchen und Kollegstiften, d.h. vom ganzen Klerikerstand ein Darlehen von 100.000 Gulden. Unser Haus musste 3772 Gulden und 12 Kreuzer steuern mit einem jährlichen Zins von 4 Gulden auf Hundert. Die übrigen beiden Stände, Adel und Bürger, mussten ebenfalls 100.000 Gulden aufbringen.

Der Getreidestadel in Mamming, der am 26. März 1794 mit der ganzen Hofmark niederbrannte, ist wiederaufgebaut. Die Neubaukosten betrugen 350 Gulden, 50 Kreuzer.


13. Dezember

Nach dem Tode des Bischofs von Passau, Thomas Graf von Thun, der nach einer Regierungszeit von knapp einem Jahre vom Tode ereilt wurde, wurde ein anderer Thun, nämlich Leopold, zum neuen Bischof gewählt, da Graf von Welzberg die Wahl ablehnte, die ihm das gesamte Domkapitel angeboten hatte. Er hatte auch schon bei der vorherigen Wahl die angetragene Würde abgelehnt.


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1797

Die Kurfürstin-Witwe Maria Anna Sophia, Tochter König Augusts von Polen, Witwe des verstorbenen Kurfürsten, starb in München eines seligen Todes. Ihr Tod hinterließ eine schwere Wunde, besonders bei den Armen und Hilflosen, denen sie eine wahre Mutter war und die sie oft so reichlich unterstützte, dass sie kaum das Notwendige für sich behielt. In dem Maße, wie ihr Mitleid den Armen galt, glänzte sie durch die Fülle ihrer Tugenden.





Vorwort

Ein klassizistischer Grabstein aus rötlichem Marmor vor dem Benediktusaltar der ehemaligen Klosterkirche zu Aldersbach berichtet vom Leben und Sterben des 46. und vorletzten Abtes des angesehenen Zisterzienserkonvents.

Otto Doringer wurde am 22. März 1728 zu Höhnhart im Innviertel geboren. Im Alter von 23 Jahren trat er ins Kloster Aldersbach ein und wirkte zunächst als Priester und Beichtvater in Sammarei, anschließend im Kloster Seligenthal in Landshut, wo er auch das Amt des Bibliothekars versah. Nach der Rückberufung in sein Kloster wurde er zum Prior gewählt und schließlich 1779 von seinen Mitbrüdern zur Würde des Abtes berufen. In seiner neuen Stellung war er "unermüdlich besorgt, wachsam und eifrig, gerecht und beharrlich, die Leuchte des Hauses, gastfreundlich und von gewinnender Rede. Eifrig und richtungweisend war er in den Wissenschaften ein umfassender Gelehrter und hervorragender Lehrer." Als gewissenhafter Verwalter der weltlichen und geistlichen Dinge erweist er sich in der Tat in seinem lateinisch verfassten Tagebuch, das erhalten ist. Es umfasst zwei Teile: der erste Teil hat 82 Seiten und ist in Leder gebunden, der zweite Teil ist lose und zählt 34 Seiten. Die Aufzeichnungen umfassen den gesamten Zeitraum seiner Regierungszeit (1779-1797). Das Format entspricht in etwa der heutigen DIN A4.

Das Buch gelangte auf ungeklärte Weise ins Kloster Zirez in Ungarn. Ein Frater Tiburtius Hümpfner verewigt sich dort auf der Innenseite des Bucheinbandes und vermerkt die Seitenzahl des Tagebuches. Von Ungarn kommt es 1880 an einen J. B. Kandlbinder, der auch seinen Namen auf die Innenseite des Buchdeckels setzt und es ein Jahr später dem Pfarrer von Aldersbach, Augustin Zitzelsberger, überlässt. Heute befindet es sich im Pfarrarchiv von Aldersbach, eine bemerkenswerte Quelle zur Geschichte der Aufklärungszeit in unserem bayerisch-österreichischen Südosten. [Michael Härtl (1802-1878), Pfarrer der ehemaligen Aldersbacher Klosterpfarrei Niederhausen, berichtet in seiner "Geschichte des Klosters Aldersbach", dass sich das Tagebuch zur Zeit der Veröffentlichung des Artikels (1870) in seinem Besitz befunden hat (Verhandlungen des historischen Vereins für Niederbayern 15, S. 85-104, hier S. 100).]

Bei der Übersetzung folgte ich mehr dem Grundsatz der Philologen, den Urtext durchscheinen zu lassen, um etwas von der Originalität zu bewahren. Die Übersetzung ist fast lückenlos, nur der Schlussteil, den Doringer unter dem Titel "Literaria" zusammenstellte und Buchbesprechungen, klösterliche Fragen, Berufungen von Lehrern und Ähnliches behandelt, ist weggelassen.

Für die freundliche Überlassung des Tagebuches und vielerlei Hilfe sei an dieser Stelle dem derzeitigen Pfarrherrn von Aldersbach, H.H. W. Hauer herzlich gedankt.


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