Kloster Aldersbach: Geschichte und Forschung


Über die Gründung der Ortschaft Aldersbach lassen sich in der Klostertradition verschiedene Versionen finden. Sicher ist allerdings, dass Aldersbach bereits lange Zeit vor Gründung des Zisterzienserklosters bestanden hatte. Eine mögliche Weihe der Peterskirche, der heutigen Friedhofskapelle, durch den Passauer Bischof Vivilo im Jahr 735 ist nicht belegbar. Mit großer Wahrscheinlichkeit kann man jedoch davon ausgehen, dass der Ort 735 bereits existierte. Bayernherzog Odilo (736-748) schenke dem im Jahr 748 neu gegründeten Kloster Mondsee seine Besitzung (villa) mit Feldern, Wiesen und Wäldern in Aldarespah. Diese Schenkung ist im sog. „Mondseer Traditionscodex“ überliefert.

Aus dem Jahr 1139 sind zwei Urkunden erhalten, die sich auf ein bereits länger bestehendes Augustinerchorherrenkloster in Aldersbach mit dem Patronat des hl. Petrus beziehen und die Rechte des Propstes Askuin bzw. der Gemeinschaft bestätigen. Die erste Urkunde wurde von Bischof Otto I. von Bamberg (1103-1139) ausgestellt. Aldersbach wurde Bamberger Eigenkloster. Die Initiative zur Gründung des Chorherrenklosters, die um 1120 erfolgte, ging vermutlich vom lokalen Adel aus und wurde in den Folgejahren durch den Bamberger Bischof Otto (reg. 1102-1139) gefördert. Aldersbach war nun Teil des Bamberger Eigenklosterverbandes. Bischof Reginbert von Passau (reg. 1139-1148) bestätigte im selben Jahr die Gründung. Das junge Kloster wird im Jahr 1140 im Verbrüderungsbuch von St. Peter, Salzburg genannt. Die Aldersbacher Augustinerchorherren standen dem von Erzbischof Konrad I. von Salzburg (reg. 1106-1147) geförderten Kanonikerverband nahe. Aber auch die österreichischen Baben­berger schenkten der Gemeinschaft Weinberge und Besitzungen. Warum bereits nach wenigen Jahren ein Observanzwechsel erfolgte, ist nicht überliefert. Egon Boshof geht von politischen Beweggründen aus: Er vermutet eine direkte Beteiligung von König Konrad III. (1138-1152), dem Bamberger Bischof Egilbert (reg. 1139-1146) und Adam, erster Abt von Ebrach (reg. 1127-1167).

Am 2. Juli 1146 besiedelten zwölf Zisterziensermönche aus dem fränkischen Ebrach das Aldersbacher Kloster an der St. Peterskirche und verlegen kurze Zeit später den Klostersitz auf eine Anhöhe auf der rechten Seite des Aldersbachs. Die Chorherren mussten vermutlich ins nahe gelegene Reichersberg ausweichen. Bereits 1147 bestätigt Papst Eugen III. die Zisterzienserabtei, Papst Innozenz III. erneuerte diese Bestätigung in einem umfassenden Privileg aus dem Jahr 1214. Nach Streitigkeiten um die Vogteirechte scheint unter Graf Heinrich von Ortenburg um 1243 Rechts­sicherheit eingetreten zu sein, von österreichischer Seite gewährt durch Herzog Ottokar II. Přemysl.

Am 24. November 1207 weihte der Passauer Bischof Mangold (reg. 1206-1215) die neue Klosterkirche, eine dreischiffige romanische Basilika, zu Ehren Mariens und des hl. Johannes des Täufers. Zu diesem Zeitpunkt scheinen größere Teiles des Konventgebäudes bereits errichtet gewesen zu sein.

Durch umfangreiche Besitzungen in Niederbayern, Ober- und Niederösterreich scheint Aldersbach nach 1200 etabliert zu sein, gestützt von den Passauer Bischöfen Rüdiger von Bergheim (1233–1250) und Otto von Lonsdorf (1254–1265), dem bayerischen Herzog Heinrich XIII. (1253–1290), den Grafen von Hals und von König Rudolf I. (1278–1282). Deren Zoll- und Handelsfreiheiten trugen zum wirtschaftlichen Aufschwung bei und begünstigten die Gründung von drei Tochterklöstern in Fürstenfeld[bruck] (1258/63), Fürstenzell (1274) und Gotteszell (1297). Von Beginn an spielte für das Kloster die Ökonomie eine wichtige Rolle. So bewirtschaftete und verpachtete man zum Kloster gehörende Grangien in der unmittelbaren Umgebung von Aldersbach (Atzenberg, Gumperting, Neustift, Weng, Wifling und Schwaig) ebenso wie den weit entfernten Gutshof in Gneixendorf bei Krems. Insgesamt lassen sich im hohen Mittelalter etwa 46 Aldersbacher Grangien nachweisen. In der Neuzeit kamen mehrere Hofmarken hinzu, so zum Beispiel die in Abshofen bei Egglham (1612) und die in Rainding (1336). Neben der Landwirtschaft spielte der Weinbau eine entscheidende Rolle als lukrative Einnahmequelle. Die Brautätigkeit, die sich seit dem Jahr 1261 nachweisen lässt, spielte zuerst nur eine Nebenrolle und entwickelte sich erst im 17. und 18. Jahrhundert zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor.

Bischof Rüdiger von Passau schenkte im Jahr 1257 die Pfarrei Niederhausen (bzw. Niederoberhausen) bei Landau an das Kloster, doch bereits am 13. Februar 1264 tauschte sein Nachfolger Bischof Otto von Lohnsdorf diese gegen die Pfarrei Tödling (Egglham). Der Grundstein für ein eigenes Pfarrnetz war damit gelegt. Ab 1287 wurde aufgrund der Schenkung der Kirche von Thaya (Waldviertel) durch Leutold von Kuenring ein wichtiger Außenposten des Klosters in Niederösterreich geschaffen. Durch einen Tausch gegen die Pfarrei Schönau (bei Eggenfelden) gelangte Thaya im Jahr 1349 jedoch an Bischof Gottfried von Passau. Im Streit Kaiser Ludwigs des Bayern mit dem Papst schloss sich Aldersbach Ludwig an und wurde im Jahr 1343 von ihm durch die Schenkung der Patronatsrechte der Kirche von Rotthalmünster (mit der Wallfahrtskirche Kößlarn zunächst als Filiale, ab 1518 als Pfarrei) belohnt. Die Pfarrei Geiersthal in der Diözese Regensburg kam im Jahr 1299 als Schenkung der Herzöge Otto und Stephan von Bayern an Aldersbach. Die Kirche in St. Peter Aldersbach erlangte erst 1478 vollständige Pfarrrechte.

Unter Abt Nikolaus (reg. 1216-1232) bestand bereits eine Schule für Knaben und Mädchen. 1295 wurde ein Spital errichtet und 1297 die Portenkapelle geweiht. Abt Hugo (reg. 1295-1308) baute den Kreuzgang neu und ließ im Chor der Kirche Fresken anbringen. Er richtete eine Goldschmiedewerkstätte ein und förderte die Buchkunst. Eine zwiespältige Abtwahl 1361 brachte das Ende der ersten Blütezeit des Klosters. Zahlreiche Urkunden dokumentieren für die folgenden Jahrzehnte bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts eine wirtschaftlich schwierige Zeit, deutlich werden diese Probleme auch in der raschen Abfolge der Äbte, die in den Jahren von 1372 bis 1442 durch fünf Resignationen bedingt war. Abt Heinrich V. (reg. 1408-1422) ließ entgegen der Zisterzienserregel einen hohen Turm errichten, er wurde 1422 als „Verschwender“ abgesetzt und eingesperrt.

Eine neue Blütezeit begann mit den beiden Äbten Johann Plüetl (reg. 1442-1448) und Johann Plüer (reg. 1448-1463). 1444 erhielten die Äbte auf dem Konzil zu Basel das Recht der Pontifikalien, das Kloster stand kurz vor der Reichsunmittelbarkeit, was aber durch die Intervention der Bayerischen Herzöge verhindert wurde. Die Zahl der Aldersbacher Konventualen war im Jahr 1469 mit 32 Mönchen auf einem sehr hohen Niveau. Nach Streitigkeiten um die Besetzung der Vikariate in den Klosterpfarreien Egglham, Schönau, Rotthalmünster und Geiersthal verfügte Papst Innozenz VIII. 1485 deren Inkorporation in das Kloster. Die Visitation der Zisterzienserklöster in Bayern und Österreich wurde im Jahr 1488 Abt Simon von Aldersbach im Auftrag des Generalkapitels der Zisterzienser übertragen, was die wieder errungene Stabilität des Klosters am Ende des 15. Jahrhunderts zeigt. Mit dieser Verpflichtung zur Visitation wurden die Aldersbacher Äbte in den folgenden Jahrhunderten immer wieder beauftragt.

Der bedeutendste Abt von Aldersbach, der hervorragende Vertreter des bayerischen Klosterhumanismus, Wolfgang Marius, regierte von 1511-1544. Er verfasste die Annalen des Klosters und schützte den Klostergeist gegen das Eindringen der Reformation. Ferner stellte er das Stift wieder auf eine solide wirtschaftliche Basis und erneuerte große Teile der Konvents- und Wirtschaftsgebäude. Von Abt Bartholomäus Madauer (reg. 1552-1577), einem Mathematiker und Astronomen, existiert noch eine Sonnenbecheruhr im British Museum London. Johann Dietmayr (reg. 1587-1612) war Visitator der entstehenden bayerischen Zisterzienserkongregation.

Michael Kirchberger (reg. 1612-1635) baute den jetzigen Chor der Abteikirche und vermehrte den Kirchenschatz. Er ließ durch Isaak Pader 1629 die zu Aldersbach gehörende Wallfahrtskirche in Sammarei erbauen. Abt Gerhard Hörger (reg. 1651-1669) gründet die Abteien Gotteszell und Walderbach neu. Zur Zeit dieses Abtes waren mehr als 600 Anwesen in 17 bayerischen Landgerichten von Dachau bis hinüber ins Innviertel und in Österreich zum Zisterzienserkloster Aldersbach grundbar. Dazu konnten im 17. und 18. Jahrhundert neben der alten Klosterhofmark noch die Herrschaftsrechte über sieben weitere Hofmarken und Edelsitze erworben und damit die Gerichtsherrschaft erweitert werden. Unter Malachias Niederhofer (reg. 1669-1683) errichtete in Aldersbach eine Hochschule für Philosophie und Theologie mit Seminar. Die später in Aldersbach geplante zentrale Lehranstalt zum Generalstudium für den ganzen Ordensnachwuchs in Bayern konnte wegen der Säkularisation nicht mehr realisiert werden. Abt Engelbert Vischer (reg. 1683-1705) begann den Neubau des Konventgebäudes (Baumeister: Carlo Antonio Carlone).

Mit Abt Theobald I. Grad (reg. 1705-1734) begann das „goldene Zeitalter“ des Klosters. Er ließ durch den Baumeister Domenico Magzin vor 1720 das Langhaus der Stiftskirche neu errichten und beauftragte die Brüder Cosmas und Damian Asam mit der Ausstattung der Kirche im neuen Stil des Rokoko. Unter Paulus Genzger (reg. 1734-1745) wurde die Loretokapelle angebaut, in der in den folgenden Jahren eine bedeutende Wallfahrt entstand und die lauretanische Marienverehrung einen großen Aufschwung erfuhr. Der „Rokokoprälat“ Abt Theobald II. (reg. 1745-1779) vollendete die Kirche. Das Kloster entwickelte sich unter seiner Regierung zu einem Gelehrtensitz ersten Ranges. Mönche aus Aldersbach waren als Professoren und Rektoren an der Universität Ingolstadt tätig. Die Bibliothek des Klosters umfasste mehr als 30.000 Bände.

1803 brach das Unheil der Säkularisation über das blühende Kloster herein. 46 Mönche und 30 Studenten wurden heimatlos. Der letzte Abt Urban Tremel starb 1808 in Straubing. 1806 erhob man die Abteikirche zur Pfarrkirche. Orgeln, Glocken, Turmuhr, Beichtstühle, Leuchter und Paramente wurden verkauft, die Klosterbibliothek aufgehoben und die Klostergebäude privatisiert.

Nach 180 Jahren des Verfalls und der Bedeutungslosigkeit wurde 1983 die Renovierung der heruntergekommenen Konventgebäude in Angriff genommen und der "Förderkreis Kloster Aldersbach" gegründet. Mehrere Versuche einer Wiederbesiedelung des Klosters durch Zisterziensermönche schlugen jedoch fehl.






Überblick zur Forschungssituation


Die mittelalterliche Geschichte Aldersbachs ist nur bruchstückhaft erforscht. Einzig Egon Boshof hat sich mit der Frühgeschichte des Klosters intensiv auseinandergesetzt und konnte eine Vielzahl von Korrekturen am bis dahin gültigen Bild vornehmen. Die Ursache für das nur mäßige Interesse der Forschung an dieser Zisterze dürfte in der Tatsache begründet liegen, dass nur partiell Quellen im Druck vorliegen. Eine kritische Ausgabe der Urkunden und Traditionsnotizen, eines Amtsbuches oder anderer Quellen zur Aldersbacher Geschichte fehlte bis vor Kurzem völlig. Maßgeblich für jede Beschäftigung mit der Geschichte des Klosters sind daher nach wie vor die Annales siue Cronicon domus Alderspacensis aus der Feder Wolfgang Marius. Dieses Werk des berühmten Aldersbacher Abtes aus dem frühen 16. Jahrhundert bildet bis heute die einzige, aus den Quellen gearbeitete, übergreifende Darstellung zur Geschichte des Klosters bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts. Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass nahezu die gesamte danach entstandene Literatur zu großen Teilen auf seiner Arbeit fußt. Dies gilt beispielsweise für die Chronik von Abt Gerhard Hörger (1651–1669), der eine erste deutsche Übersetzung der Annales vornahm und sie bis in seine Gegenwart fortführte. Hörgers Chronik stellt allerdings für die Zeit nach Marius eine Quelle von hohem Wert dar. Auch Michael von Mannstorffs Epitome, 1746 anlässlich des 600jährigen Gründungsjubiläums erschienen, basiert für die Zeit Marius größtenteils auf dem Werk des Humanistenabtes. Ähnlich verhält es sich mit den Abhandlungen zur Klostergeschichte, die das 19. Jahrhundert hervorbrachte (Joseph Pamler und Michael Härtl) und den überwiegend von lokalen Historikern erstellten Arbeiten des 20. Jahrhunderts. Eine wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Gesamtdarstellung der mittelalterlichen Geschichte und eine kritische Edition aller archivalischen Quellen Aldersbachs steht bis heute aus und ist somit ein dringendes Desiderat der bayerischen Landesgeschichte.

Seit den 1980er Jahren haben sich verstärkt Forscherinnen und Forscher mit der Geschichte Aldersbachs beschäftigt. Herausragend waren hier die bereits erwähnten Arbeiten Egon Boshofs zur Frühgeschichte des Klosters und eine Dokumentation zur mittelalterlichen Klosterbibliothek von Donatella Frioli. Robert Klugseder konnte 1996 die Klostergeschichte des Abtes Wolfgang Marius herausgeben, die Hubert Karlhammer und Alois Kapsner ins Deutsche übersetzten. 2002 veröffentliche Klugseder zudem eine umfassende Studie zur Musik- und Liturgiegeschichte. Ein herausragendes mittelalterliches Denkmal der Artes liberales beschreibt u.a. Michael Bernhard in seiner Arbeit zur musiktheoretischen Handschrift München, Bayerische Staatsbibliothek clm 2599.

Einen herausragenden Beitrag leistete 2009 Bernhard Lübbers mit einer kommentierten textkritischen Edition der Aldersbacher Rechnungsbücher des Zeitraums 1291–1373 und 1409, die von den mediävistischen Geschichtswissenschaften umfassend rezipiert wurde. Die Edition stellt eine weit über Aldersbach hinauswirkende und bedeutende Quelle der Mittelalterforschung dar. Zudem steht durch Lübbers Arbeit eine umfassende Ressource für die Rekonstruktion der Aldersbacher Klostergeschichte des genannten Zeitraums zur Verfügung.

Von einiger Bedeutung für die Kunstgeschichte sind die Veröffentlichungen zur Buchmalerei in mittelalterlichen Handschriften des Aldersbacher Skriptoriums von Elisabeth Klemm. In den letzten Jahren haben sich zudem verschiedene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Innschriften, vor allem mit denen der Aldersbacher Grabdenkmäler, auseinandergesetzt. Beachtenswert ist hier die Publikation von Ramona Baltolu und Christine Steininger. Mit Leben und Werk des Humanistenabtes Wolfgang Marius hat sich zuletzt Petra Hausschild in zwei Publikationen intensiv auseinandergesetzt.