Kloster Aldersbach: Geschichte und Forschung


Über die Gründung des Ortes Aldersbach lassen sich in der Klostertradition verschiedene Erzählungen finden. Sicher ist allerdings, dass Aldersbach bereits lange Zeit vor Gründung des Zisterzienserklosters bestanden hatte. Eine mögliche Weihe der Peterskirche, der heutigen Friedhofskapelle, durch den Passauer Bischof Vivilo im Jahr 735 ist nicht belegbar. Mit großer Wahrscheinlichkeit kann man jedoch davon ausgehen, dass der Ort zu dieser Zeit bereits existierte. Bayernherzog Odilo (736-748) schenkte Aldersbach mit allem Zugehör an Grund, Boden und Bewohnern dem von ihm kurz vor seinem Tod gegründeten Kloster Mondsee. Diese Schenkung ist im sog. „Mondseer Traditionscodex“ überliefert. Gesichert ist die Weihe eines Altars in der Peterskirche während der Regierung von Bischof Engilmar von Passau (reg. 875-899).

Aus dem Jahr 1139 sind zwei Urkunden erhalten, die sich auf ein bereits länger bestehendes Augustinerchorherrenkloster in Aldersbach mit dem Patronat des hl. Petrus beziehen und die Rechte des Propstes Askuin bzw. der Gemeinschaft bestätigen. Die erste Urkunde wurde von Bischof Otto I. von Bamberg (reg. 1102-1139) im Jahr 1139 ausgestellt. Die Initiative zur Gründung des Chorherrenklosters, die um 1120 erfolgte, ging vermutlich vom Regionaladel aus und wurde in den Folgejahren durch den Bamberger Bischof gefördert. Aldersbach war nun Teil des Bamberger Eigenklosterverbandes. Bischof Reginbert von Passau (reg. 1139-1148) bestätigte im selben Jahr die Gründung und die Schenkung der Kirche St. Peter. Das junge Kloster wird im Jahr 1140 im Verbrüderungsbuch von St. Peter, Salzburg genannt. Die Aldersbacher Augustinerchorherren standen dem von Erzbischof Konrad I. von Salzburg (reg. 1106-1147) geförderten Kanonikerverband nahe. Aber auch die österreichischen Baben­berger schenkten der Gemeinschaft Weinberge und Besitzungen. Warum bereits nach wenigen Jahren ein Observanzwechsel erfolgte, ist nicht überliefert. Egon Boshof geht von politischen Beweggründen aus: Er vermutet eine direkte Beteiligung von König Konrad III. (1138-1152), dem Bamberger Bischof Egilbert (reg. 1139-1146) und Adam, erster Abt von Ebrach (reg. 1127-1167).

Am 2. Juli 1146 besiedelten zwölf Zisterziensermönche aus dem fränkischen Ebrach das Aldersbacher Kloster an der St. Peterskirche und verlegen kurze Zeit später den Klostersitz auf eine Anhöhe auf der rechten Seite des Aldersbachs. Die Chorherren mussten vermutlich ins nahe gelegene Reichersberg ausweichen. Bereits 1147 bestätigt Papst Eugen III. die Zisterzienserabtei, Papst Innozenz III. erneuerte diese Bestätigung in einem umfassenden Privileg aus dem Jahr 1214. Nach Streitigkeiten um die Vogteirechte mit den Herren von Kamm als Bamberger Hochstiftsvögte in Niederbayern, die diese Rechte in Aldersbach schon länger innehatten, nahm im Jahr 1199 König Philipp von Schwaben das Kloster unter seinen Schutz. Nach dem Tod des Nachfolgers Kaiser Ottos IV. im Jahr 1218 wählten die Aldersbacher Mönche Graf Heinrich I. von Ortenburg zum neuen Vogt. Vermutlich erst im Jahr 1283 gelangten in Form einer Schirmvogtei diese Rechte endüglig an die Wittelsbacher.

Die Grafen von Ortenburg spielten in der Geschichte des Klosters immer wieder eine wichtige Rolle. Abt Wolfang Marius bringt Graf Rapoto (I.) mit der Stiftung des Klosters in Verbindung. Richard Loibl sieht Aldersbach in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts als Ortenburger Hauskloster, auch wenn sich die Grablege der Familie im Passauer Dom befand. Im Bestand Aldersbach des Bayerischen Hauptstaatsarchivs sind einige Ortenburger Urkunden erhalten, nicht zuletzt eine Testamentbestätigung Graf Rapotos (IV.) für seinen verstorbenen Bruder Graf Diepold aus dem Jahr 1286 mit einer Schenkung von Leibeigenen an das Kloster. Aus der Urkunde geht auch hervor, dass Abt Heinrich I. (reg. 1280-1295) Beichvater Diepolds war. Im Aldersbacher Nekrolog wird dem Grafen am 15. August gedacht. Im Verzeichnis der Konventualen ist ein einziger Konverse mit dem Namen Diepold überliefert. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es sich hier um den unverheirateten und kinderlosen Grafen Diepold handelt, der kurz vor seinem Tod in das Kloster eingetreten war.

Am 24. November 1207 weihte der Passauer Bischof Manegold (reg. 1206-1215) die neue Klosterkirche, eine dreischiffige romanische Basilika, zu Ehren Mariens und des hl. Johannes des Täufers, später kam die hl. Ursula als Kirchenpatronin hinzu. Zur Zeit der ersten Kirchweihe scheinen größere Teile des Konventgebäudes schon errichtet gewesen zu sein, der erste Abt Sigfird wurde 1182 bereits im Kapitelsaal bestattet.

Durch umfangreiche Besitzungen in Niederbayern, Ober- und Niederösterreich scheint Aldersbach nach 1200 etabliert zu sein, gestützt von den Passauer Bischöfen Rüdiger von Bergheim (1233–1250) und Otto von Lonsdorf (1254–1265), dem bayerischen Herzog Heinrich XIII. (1253–1290), den Grafen von Hals und von König Rudolf I. (1278–1282). Deren Zoll- und Handelsfreiheiten trugen zum wirtschaftlichen Aufschwung bei und begünstigten die Gründung von drei Tochterklöstern in Fürstenfeld[bruck] (1258/63), Fürstenzell (1274) und Gotteszell (1297). Fürstenfeld und Füstenzell sind Zeugen des immer stärker werdenden Einflusses der Wittelsbacher Herzöge in Aldersbach. In einer Urkunde aus dem Jahr 1264 erhält Aldersbach de facto Hofmarksgerechtigkeit für die angrenzenden Besitzungen. Die Eingliederung des Vilstalklosters in den Wittelsbacher Territorialstaat nimmt seinen Lauf und erreicht zur Zeit Kaiser Ludwigs des Bayern einen Höhepunkt, Aldersbach ist nun endgültig ein landständiges Kloster.

Von Beginn an spielte für das Kloster die Ökonomie eine wichtige Rolle. So bewirtschaftete und verpachtete man zum Kloster gehörende Grangien wie den Swenthof (Bauhof) im nördlichen Klosterareal ebenso wie die in der unmittelbaren Umgebung liegenden Wirtschafshöfe in Atzenberg, Gumperting, Neustift, Weng, Wifling und Schwaig sowie den weit entfernten Lesehof in Gneixendorf bei Krems. Insgesamt lassen sich im hohen Mittelalter etwa 46 Aldersbacher Grangien nachweisen. Neben der Landwirtschaft spielte die Weinwirtschaft eine entscheidende Rolle. Die Brautätigkeit, die sich seit dem Jahr 1261 nachweisen lässt, spielte zuerst nur eine Nebenrolle, entwickelte sich jedoch im 17. und 18. Jahrhundert zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. Von ca. 1295 bis 1503 (mit einer Unterbrechung von 1429-1496) war der Markt Ruhmannsfelden sowie zahlreiche Güter in unmittelbarer Nähe im Besitz des Klosters und eine wichtige Einnahmequelle für das Armenspital. Vor allem zum Absatz von Waren dienten die Stadthäuser des Klosters in Passau, Straubing, Landau an der Isar und in Vilshofen. Ein weiterer bedeutender Handelsplatz war der in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstehende Markt im benachbarten Aidenbach. In Stadthäusern in Vilshofen und Passau sowie einer Taverne in Liessing wurden weitere Braustätten betrieben.

Bischof Rüdiger von Passau schenkte im Jahr 1257 die Pfarrei Niederhausen (bzw. Niederoberhausen) bei Landau an das Kloster, doch bereits am 13. Februar 1264 tauschte sein Nachfolger Bischof Otto von Lohnsdorf diese gegen die Pfarrei Tödling (Egglham). Der Grundstein für ein eigenes Pfarrnetz war damit gelegt. Ab 1287 wurde aufgrund der Schenkung der Kirche von Thaya (Waldviertel) durch Leutold von Kuenring ein wichtiger Außenposten des Klosters in Niederösterreich geschaffen. Durch einen Tausch gegen die Pfarrei Schönau (bei Eggenfelden) gelangte Thaya im Jahr 1349 jedoch an Bischof Gottfried von Passau. Im Streit Kaiser Ludwigs des Bayern mit dem Papst schloss sich Aldersbach Ludwig an und wurde im Jahr 1343 von ihm durch die Schenkung der Patronatsrechte der Kirche von Rotthalmünster (mit der Wallfahrtskirche Kößlarn zunächst als Filiale, ab 1518 als Pfarrei) belohnt. Die Pfarrei Geiersthal in der Diözese Regensburg kam im Jahr 1299 als Schenkung der Herzöge Otto und Stephan von Bayern an Aldersbach. Mit der Urkunde vom 18. Mai 1476 gewährte Papst Sixtus IV. dem Kloster die Inkorporation seiner Pfarreien und die Besetzung mit eigenen Vikaren. Die Kirche in St. Peter Aldersbach erlangte durch die Verleihung des Taufrechts erst 1478 vollständige Pfarrrechte. Die Marienkirche im benachbarten Weng bestand seit langer Zeit als Filiale.

Unter Abt Nikolaus (reg. 1216-1232) bestand bereits eine Schule für Knaben und Mädchen. 1295 wurde ein Armenspital errichtet und 1297 die Portenkapelle geweiht. Abt Hugo (reg. 1295-1308) baute den Kreuzgang neu, ließ im Chor der Kirche Fresken anbringen und förderte die Buchkunst. Eine zwiespältige Abtwahl 1361 brachte das Ende der ersten Blütezeit des Klosters. Zahlreiche Urkunden dokumentieren für die folgenden Jahrzehnte bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts eine wirtschaftlich schwierige Zeit, deutlich werden diese Probleme auch in der raschen Abfolge der Äbte, die in den Jahren von 1372 bis 1442 durch fünf Resignationen bedingt war. Abt Heinrich V. (reg. 1408-1422) ließ entgegen der Zisterzienserregel einen hohen Turm errichten, er wurde 1422 u.a. als „Verschwender“ abgesetzt, verbannt und im Kloster Heiligenkreuz im Wienerwald eingesperrt.

Eine neue Blütezeit begann mit den beiden Äbten Johannes II. Plüetl (reg. 1442-1448) und dem aus dem Mutterkloster Ebrach stammenden Johannes III. Plüer (reg. 1448-1463). 1444 erhielten die Äbte auf dem Konzil zu Basel das Recht der Pontifikalien. Die Zahl der Aldersbacher Konventualen war im Jahr 1469 mit 32 Mönchen auf einem sehr hohen Niveau. Abt Plüer wird in den Chroniken auch als zweiter Gründer des Klosters bezeichnet. Aus seiner Regierungszeit ist ein bemerkenswertes Zeugnis eines Einzelschicksals eines Aldersbacher Mönchs und Gelehrten überliefert. In einem Formelbuch des Zisterzienserstifts Wilhering ist eine Kopie eines Briefs erhalten, den ein P. Zacharias seinem Aldersbacher Abt geschrieben hatte. Zacharias befand sich bei Abfassung des Schreibens am 24. November 1455 in Stift Heiligenkreuz im Wienerwald. Zuvor führte ihn sein Weg mit über 400 km Fußmarsch in verschiedene Klöster, in denen er vergeblich um Aufnahme angesucht hatte, obwohl er ein Empfehlungsschreiben seines Abtes vorweisen konnte. So berichtet Zacharias von einem Aufenthalt in Stift Wilhering, wo er als Cantor, Schreiber und Prediger tätig war und vom Wilheringer Abt Johann Poley (reg. 1451–1459) anfangs freundlich aufgenommen worden war. Nach kurzer Zeit musste er das Kloster völlig schuldlos verlassen, da, wie Zacharias es ausdrückt, der Abt dem Wahnsinn verfiel und sich nicht mehr an seine Zusage erinnern konnte. Nach vergeblichen Versuchen in Engelszell und Fürstenzell fand Zacharias Aufnahme in Heiligenkreuz. Wie lange er in der Wienerwaldzisterze lebte, kann nicht mehr festgestellt werden, sein Name findet sich weder in den Heiligenkreuzer Nekrologien noch in Handschriften, in denen er sich als Schreiber hätte verewigen können.

Ein Blick in die Annales des Abtes Marius verdeutlicht die Beweggründe für Zacharias Reise und zeichnet ein Bild des impulsiven Charakters des renitenten Mönchs, das sich schon in der herabwürdigenden Darstellung des Wilheringer Abtes angedeutet hatte: Nach dem Tod von Abt Johannes II. Pluetl konnte sich der Aldersbacher Konvent auf keinen Nachfolger einigen. Der Wahlleiter, Abt Heinrich von Ebrach, setzte daraufhin den Ebracher Plüer als 20. Abt von Aldersbach ein. Diese Entscheidung stieß bei einigen Mönchen, darunter Zacharias, auf Widerstand und führte zu seiner Verbannung. Die Beweggründe Abt Plüers, Zacharias ausgerechnet nach Wilhering zu schicken, sind nicht nachvollziehbar, ein Scheitern scheint zumindest in Kauf genommen worden zu sein: Der „wahnsinnige“ Wilheringer Abt Poley und der Aldersbacher Plüetl stammten beide aus dem Mutterkloster Ebrach, auch Poley wurde auf Drängen des Ebracher Abtes Heinrich zum Vorsteher der Wilheringer Zisterze bestimmt. Mit gutem Grund kann man davon ausgehen, dass Poley mit dem „Asylsuchenden“ keine große Freude hatte.

Das Generalkapitel der Zisterzienser beauftragte Jahr 1488 Abt Simon von Aldersbach mit der Visitation der Zisterzienserklöster in Bayern und Österreich. Der bedeutendste Abt von Aldersbach, der hervorragende Vertreter des bayerischen Klosterhumanismus, Wolfgang Marius, regierte von 1511-1544. Er verfasste die Annalen des Klosters und schützte den Klostergeist gegen das Eindringen der Reformation. Ferner stellte er das Stift wieder auf eine solide wirtschaftliche Basis und erneuerte Teile der Konvents- und Wirtschaftsgebäude. Seine Nachfolger setzten diese Bautätigkeit fort, wodurch im Laufe des 16. Jahrhunderts die mittelalterliche Bausubstanz der Konventgebäude fast vollständig ersetzt wurde. Eine von dem gelehrten Abt Bartholomäus Madauer (reg. 1552-1577), Mathematiker und Astronomen, entworfene Sonnenbecheruhr wird heute im British Museum London aufbewahrt. In den 1550er Jahren hielt sich der Humanist, Poet und Geschichtsforscher Caspar Bruschius immer wieder zu Studienzwecken im Kloster auf. Hier verfasste er vermutlich seine Kurzchronik von Aldersbach. Zur Zeit Madauers lässt sich zum ersten Mal auch eine weltliche Musikpraxis im Kloster nachweisen. Im Jahr 1581 übernahmen Aldersbach die seelsorgerische Betreung des Zisterzienserinnenklosters Seligenthal in Landshut. Johann Dietmair (reg. 1587-1612) war (wie viele seiner Nachfolger) als Generalvikar Visitator der entstehenden bayerischen Zisterzienserkongregation. Er förderte die höheren Studien im Kloster und ließ den Gebäudetrakt bei der Pforte neu erbauen (u.a. Portenkapelle, Richterhaus und Wirtshaus).

Michael Kirchberger (reg. 1612-1635) ließ viele Gebäude erneuern oder neu erbauen, darunter der heute noch erhaltene Chor der Abteikirche (1617) und die zu Aldersbach gehörende Wallfahrtskirche in Sammarei (Isaak Pader, 1629). Aus der Zeit des Abbatiats Kirchbergers sind zwei Ansichten des Klosters erhalten. Seit dieser Zeit kann man in Aldersbach auch von einer mehrstimmigen, liturgischen Musikpraxis ausgehen. Abt Gerhard Hörger (reg. 1651-1669) gründete die Abteien Gotteszell und Walderbach neu, die während der Reformationszeit eingegangen waren. Zur Zeit dieses Abtes waren mehr als 600 Anwesen in 17 bayerischen Landgerichten von Dachau bis hinüber ins Innviertel und in Österreich zum Zisterzienserkloster Aldersbach grundbar. Dazu konnten im 17. und 18. Jahrhundert neben der alten Klosterhofmark noch die Herrschaftsrechte über sieben weitere Hofmarken und Edelsitze erworben und damit die Gerichtsherrschaft erweitert werden. Hörger war auch als Klosterchronist tätig. Er übersetzte Teile der Annalen des Abtes Marius ins Deutsche und schrieb die Klostergeschichte bis zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges fort. Abt Malachias Niederhofer (reg. 1669-1683) stärkte die klosterinterne Ausbildung und errichtete eine Lehranstalt für Theologie und Philosophie nach jesuitischem Vorbild. Zudem studierten zahlreiche Aldersbacher Mönche an den Universitäten Dillingen, Ingolstadt und Wien. Abt Engelbert Vischer (reg. 1683-1705) begann den barocken Neubau des Konventgebäudes (Ost- und Südosttrakt, Baumeister: Carlo Antonio Carlone). In der Klosteransicht von Michael Wening (Kupferstich, vor 1706) sind die durch Vischer neu erbauten Konventgebäude zu sehen.

Mit Abt Theobald I. Grad (reg. 1705-1734) begann das „goldene Zeitalter“ des Klosters. Er ließ durch den Baumeister Domenico Magzin von ca. 1717-1720 das Langhaus der Stiftskirche neu errichten und beauftragte u.a. die Brüder Cosmas Damian und Egid Qurin Asam mit der Ausstattung der Kirche. Unter Paulus Genzger (reg. 1734-1745) wurde die Loretokapelle angebaut, in der in den folgenden Jahren eine Wallfahrt entstand und die lauretanische Marienverehrung einen Aufschwung erfuhr. Der „Rokokoprälat“ Abt Theobald II. (reg. 1745-1779) vollendete die Kirche. Im Jahr 1746 beging man mit einer pompösen Feier das 600-Jahrjubiläum der Klostergründung. Mönche aus Aldersbach waren in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts als Professoren und Rektoren an der Universität Ingolstadt tätig. Die Bibliothek des Klosters umfasste mehr als 30.000 Bände, darunter etwa 300 mittelalterliche Handschriften, die zum Teil im eigenen Skriptorium angefertigt und mit wertvoller Buchmalerei ausgestattet worden waren. Die Musikpflege stand auf hohem Niveau, von einigen Mönchen sind eigene Kompositionen erhalten. In der barocken Kirche befanden sich drei Orgeln, eine große "Figuralorgel" auf der Westempore und je eine kleinere Orgel auf den Choremporen.

1803 brach das Unheil der Säkularisation über das blühende Kloster herein. 46 Mönche und 30 Studenten wurden heimatlos. Der letzte Abt Urban Tremel starb 1808 in Straubing. 1806 erhob man die Abteikirche zur Pfarrkirche. Orgeln, Glocken, Turmuhr, Beichtstühle, Leuchter und Paramente wurden verkauft, die Klosterbibliothek aufgehoben und die Klostergebäude privatisiert.

Nach 180 Jahren des Verfalls und der Bedeutungslosigkeit wurde 1983 die Renovierung der heruntergekommenen Konventgebäude in Angriff genommen und der "Förderkreis Kloster Aldersbach" gegründet. Mehrere Versuche einer Wiederbesiedelung des Klosters durch Zisterziensermönche schlugen jedoch fehl.






Überblick zur Forschungssituation


Die mittelalterliche Geschichte Aldersbachs ist nur teilweise erforscht. Einzig Egon Boshof hat sich mit der Frühgeschichte des Klosters intensiv auseinandergesetzt und konnte eine Vielzahl von Korrekturen am bis dahin gültigen Bild vornehmen. Die Ursache für das nur mäßige Interesse der Forschung an dieser Zisterze dürfte in der Tatsache begründet liegen, dass nur partiell Quellen im Druck vorliegen. Eine kritische Ausgabe der Urkunden und Traditionsnotizen, eines Amtsbuches oder anderer Quellen zur Aldersbacher Geschichte fehlte bis vor Kurzem völlig. Maßgeblich für jede Beschäftigung mit der Geschichte des Klosters sind daher nach wie vor die Annales siue Cronicon domus Alderspacensis aus der Feder Wolfgang Marius. Dieses Werk des berühmten Aldersbacher Abtes aus dem frühen 16. Jahrhundert bildet bis heute die einzige, aus den Quellen gearbeitete, übergreifende Darstellung zur Geschichte des Klosters bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts. Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass nahezu die gesamte danach entstandene Literatur zu großen Teilen auf seiner Arbeit fußt. Dies gilt beispielsweise für die Chronik von Abt Gerhard Hörger (1651–1669), der eine erste deutsche Übersetzung der Annales vornahm und sie bis in seine Gegenwart fortführte. Hörgers Chronik stellt allerdings für die Zeit nach Marius eine Quelle von hohem Wert dar. Auch Michael von Mannstorffs Epitome, 1746 anlässlich des 600jährigen Gründungsjubiläums erschienen, basiert für die Zeit Marius größtenteils auf dem Werk des Humanistenabtes. Ähnlich verhält es sich mit den Abhandlungen zur Klostergeschichte, die das 19. Jahrhundert hervorbrachte (Joseph Pamler und Michael Härtl) und den überwiegend von lokalen Historikern erstellten Arbeiten des 20. Jahrhunderts. Eine wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Gesamtdarstellung der mittelalterlichen Geschichte und eine kritische Edition aller archivalischen Quellen Aldersbachs steht bis heute aus und ist somit ein dringendes Desiderat der bayerischen Landesgeschichte.

Seit den 1980er Jahren haben sich verstärkt Forscherinnen und Forscher mit der Geschichte Aldersbachs beschäftigt. Herausragend waren hier die bereits erwähnten Arbeiten Egon Boshofs zur Frühgeschichte des Klosters und eine Dokumentation zur mittelalterlichen Klosterbibliothek von Donatella Frioli. Robert Klugseder konnte 1996 die Klostergeschichte des Abtes Wolfgang Marius herausgeben, die Hubert Karlhammer und Alois Kapsner ins Deutsche übersetzten. 2002 veröffentliche Klugseder zudem eine umfassende Studie zur Musik- und Liturgiegeschichte. Ein herausragendes mittelalterliches Denkmal der Artes liberales beschreibt u.a. Michael Bernhard in seiner Arbeit zur musiktheoretischen Handschrift München, Bayerische Staatsbibliothek Clm 2599.

Einen herausragenden Beitrag leistete 2009 Bernhard Lübbers mit einer kommentierten textkritischen Edition der Aldersbacher Rechnungsbücher des Zeitraums 1291–1373 und 1409, die von den mediävistischen Geschichtswissenschaften umfassend rezipiert wurde. Die Edition stellt eine weit über Aldersbach hinauswirkende und bedeutende Quelle der Mittelalterforschung dar. Zudem steht durch Lübbers Arbeit eine umfassende Ressource für die Rekonstruktion der Aldersbacher Klostergeschichte des genannten Zeitraums zur Verfügung.

Von einiger Bedeutung für die Kunstgeschichte sind die Veröffentlichungen zur Buchmalerei in mittelalterlichen Handschriften des Aldersbacher Skriptoriums von Elisabeth Klemm. In den letzten Jahren haben sich zudem verschiedene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Innschriften, vor allem mit denen der Aldersbacher Grabdenkmäler, auseinandergesetzt. Beachtenswert ist hier die Publikation von Ramona Baltolu und Christine Steininger. Mit Leben und Werk des Humanistenabtes Wolfgang Marius hat sich zuletzt Petra Hausschild in zwei Publikationen intensiv auseinandergesetzt.

Zusammenstellung: Robert Klugseder