Jahrbücher oder Chronik des Hauses Aldersbach, herausgegeben von Bruder Wolfgang, Abt

Übersetzung der lateinischen Vorlage durch Hubert Kalhammer und Alois Kapsner.

Hauptquelle: Annales sive Chronicon domus Alderspacensis, abgefasst von Abt Wolfgang Marius (reg. 1514 - 1544), heute: Bayerische Staatsbibliothek München clm 1012.
Druckedition: Alois Kapsner und Hubert Kalhammer: Jahrbücher oder Chronik des Hauses (Klosters) Aldersbach, herausgegeben von Bruder Wolfgang, Abt, in: Klugseder, Robert (Hg.): 850 Jahre Zisterzienserkloster Aldersbach: Festschrift zur Feier der 850. Wiederkehr des Gründungstages des Zisterzienserklosters Aldersbach am 2. Juli 1996, Vilshofen 1996, S. 49-165.

Von den vereinzelt vorkommenden antisemitischen Äußerungen des Abtes Wolfgang Marius möchten wir uns klar distanzieren. Die dem damaligen Zeitgeist geschuldeten Einschätzungen werden in der Edition dennoch wiedergegeben, um eine wissenschaftliche Auseineindersetzung mit dieser bedeutenden Quelle zu ermöglichen.

Abt Marius bietet neben Informationen zum Kloster auch zahlreiche allgemeingeschichtlich relevante Daten (die er in den meisten Fällen bekannten Geschichtswerken entnahm). Die allgemeingeschichitlich relevanten Informationen wurden ausgeblendet, können durch einen Klick aber aktiviert werden.




Vorwort

Wenn wir die Taten der Vorfahren und die Denkmäler der Ahnen genau besehen, erkennen wir ohne weiteres, wie lange Zeit man schon darauf Mühe verwandte, den kommenden Generationen Geschichte zu vermitteln.

Schon vor Erfindung der Schrift hinterließ man in Standbildern, Grabdenkmälern und anderen Werken der Nachwelt ein unverfälschtes Bild von der Vergangenheit. Nachdem aber der Gebrauch von Schriftzeichen üblich wurde, stellte sich auf einmal eine ganze Anzahl von Geschichtsschreibern ein, die die Taten ihrer Vorfahren nicht nur in Prosa, sondern bei den Griechen, Römern und bei anderen Völkern auch in dichterischer Form niederschrieben. Bei eingehendem Studium bringen uns diese Werke bei, was wir zu vermeiden und was wir anzustreben hätten, zumal es uns Sterblichen gar wohl ansteht, unser Leben nach dem Vorbild der Väter einzurichten, damit wir ihre Fehler behutsam wie Klippen umgehen. Ihr gewissenhaftes und rechtschaffenes Tun sollten wir uns zur Nachahmung vor Augen halten. So können wir auf Grund gelungener oder auch missglückter Vorgänge bei anderen selbst manche Gefahren vermeiden. Wir verstehen dann auch, wie hinfällig die Großspurigkeit der Völker unter dem Himmel ist und wie wenig man ihr trauen darf, es sei denn, wir wären ausgemachte Dumm- und Dickköpfe.

Weil mir sehr viel daran gelegen ist, möchte ich, Bruder Wolfgang – Abt bin ich nur dem Namen nach – eine Kurzfassung von Aldersbacher Jahrbüchern erstellen. Andere haben das bisher versäumt. Manchmal habe ich mich deswegen schon über diese Nachlässigkeit unserer Vorgänger geärgert. Mit keinem Federstrich verzeichnen sie die Gründung und Entwicklung unseres Klosters, aber auch nicht die schweren Zeiten, von denen dieses Haus oft und oft schwer getroffen wurde und beinahe unterging. Ursache dafür waren einerseits kriegerische Auseinandersetzungen unter den Landesfürsten und schlimme Zeitverhältnisse, andererseits auch die Untauglichkeit amtierender Äbte.

So will ich darangehen, nicht in gewählten Worten, sondern schlicht und wahrheitsgetreu das zu berichten, was ich aus schriftlichen Quellen oder aus zuverlässiger mündlicher Überlieferung über unsere Geschichte in Erfahrung bringen konnte. Wir wissen ja, dass es in der Geschichtsschreibung mehr auf eine zuverlässige als auf eine elegante Darstellung ankommt. Erstere erbaut, letztere aber bereitet nur Freude und mischt unter dem Schein der Eleganz manchmal Falsches darunter.

Mein Anliegen also wird es sein, über die Bestellung unserer Äbte, über ihre Amtsführung und das wechselvolle Schicksal unseres Klosters zu berichten. Dabei gilt es, zur Ergänzung und Abrundung der Geschichte da und dort etwas über die Landesfürsten und die Bischöfe einzufügen. Wir werden das unter folgendem Leitgedanken tun. Es soll zu sehen sein, dass uns die Sorge um unser Haus dazu Anlass war. Damit wir uns aber nicht vorwerfen lassen müssen, wir hätten uns mit Nebensächlichkeiten befasst, so unterlassen wir es, von Dingen zu berichten, die nicht zur Sache gehören. Es gibt ja genügend ältere Geschichtswerke hervorragender Autoren. Ihnen noch etwas hinzuzufügen, hieße den Glanz der Sonne mit einer brennenden Fackel erhellen zu wollen. Zudem leben Geschichtsschreiber von vollendeter Bildung, die geistreiche Geschichtswerke verfassen und der Nachwelt vermitteln, auch in unseren Tagen, in einer Zeit, da die deutschen Lande überfließen an den Gaben der Minerva und sich mit den Italienern und Griechen auf allen Gebieten der Wissenschaft in der Arena des Geistes im Wettkampf messen können. Deswegen werde ich mich kurzfassen.




Kapitelübersicht: Kapitel 1 | Kapitel 2: Von der Gründung | Kapitel 3: Von den Schenkungen der Gründer | Kapitel 4: Vom Anfang des Zisterzienserordens | Kapitel 5 | Kapitel 6: Vom ersten Abt Sigfrid (1146-1182) | Kapitel 7: Vom 2. Abt Eberhard (1183-1199) | Kapitel 8: Vom dritten Abt Ludwig (1199-ca. 1220 | Kapitel 9: Vom 4. Abt Nikolaus (ca. 1221-1232) | Kapitel 10: Von Anshelm, dem 5. Abt (1232-1239)
Kapitel 11: Von Albert (Albrecht), dem 6. Abt (1253-1258) | Kapitel 12: Von Theoderich, dem 7. Abt (1258-1277) | Kapitel 13: Von kriegerischen Zeiten | Kapitel 14: Vom Abt Albert (1277-1280) | Kapitel 15: Von Heinrich, dem 8. Abt (1280-1295) | Kapitel 16 | Kapitel 17: Von Hugo, unserem 9. Abt (1295-1308) | Kapitel 18: Von der Wasserleitung (1303) | Kapitel 19 | Kapitel 20: Von Konrad, dem 10. Abt (1308-1330)
Kapitel 21: Von demselben (Abt) | Kapitel 22 | Kapitel 23: Vom Niedergang unseres Klosters | Kapitel 24 | Kapitel 25: Von Heinrich, dem 11. Abt (1330-1336) | Kapitel 26: Vom 12. Abt Christian (1336-1338) | Kapitel 27: Vom Abt Ulrich (1338-1340) | Kapitel 28: Vom 13. Abt Herold (1340-1343) | Kapitel 29 | Kapitel 30: Vom 14. Abt Konrad (1343-1361)
Kapitel 31: Abt Liebhard (1361-1367) | Kapitel 32: Von demselben (Liebhard) | Kapitel 33 | Kapitel 34 | Kapitel 35: Abt Heinrich (1367-1371) | Kapitel 36: Der 15. Abt Nikolaus (1371-1395) | Kapitel 37: Von den bayerischen Herzögen | Kapitel 38: 16. Abt: Andreas (1395-1398) | Kapitel 39: 17. Abt: Heinrich (1398-1408) | Kapitel 40: Heinrich, der Abgesetzte (1408-1422)
Kapitel 41 | Kapitel 42: Die Böhmen | Kapitel 43: 18. Abt: Jakob (1422-1431) | Kapitel 44: Abt Godehard (1431-1434) | Kapitel 45: Abt Johannes (1434-1442) | Kapitel 46: 19. Abt: Johannes Plüetl (1442-1448) | Kapitel 47: Das Konzil zu Basel | Kapitel 48: Über denselben | Kapitel 49: 20. Abt: Johannes Plüer (1448-1463) | Kapitel 50: Vom selben Abt
Kapitel 51: 21. Abt: Vitus (1463-1466) | Kapitel 52: Über den 22. Abt Georg (1466-1486) | Kapitel 53 | Kapitel 54 | Kapitel 55: Die Judenverbrennung in Passau | Kapitel 56: Über den 23. Abt Simon (1486-1501) | Kapitel 57: Über denselben | Kapitel 58: Über den 24. Abt Johannes Riemer (1501-1514) | Kapitel 59: Über denselben | Kapitel 60: Der Bayerische Krieg
Kapitel 61: Die Auffindung des heiligen Rocks | Kapitel 62: Abt Wolfgang (1514-1544) | Kapitel 63 | Kapitel 64: 1520 | Kapitel 65: Das Jahr 1529 | Kapitel 66 | Kapitel 67 (1541-1542) | Einführung und Kommentar von Alois Kapsner.




Kapitel 1

Beim Versuch, die Anfänge des Klosters Aldersbach aufzuzeigen, stellt sich wie ein unentwirrbarer Knoten die Frage, wem die Gründung rechtens zuzuschreiben sei. Der gängigen mündlichen Überlieferung nach, die sich bis in unsere Zeiten herein gehalten hat, haben einst die edlen Grafen von Aldersbach, die leiblichen Brüder Rudbert und Caloh, unser Kloster gegründet. Dem kann ich nicht ohne weiteres zustimmen aus Gründen, die ich nachher darlegen werde.

Für den eigentlichen Gründer unseres Hauses halte ich ohne Zweifel den heiligen Otto, den 7. Bamberger Bischof der als erster den Namen Otto trug. Das lässt sich sowohl aus seiner Lebensbeschreibung als auch aus weiteren Urkunden nachweisen. Denn im Jahr des Heils 1139 übereignete der genannte heilige und ehrwürdige Bischof Otto auf beständiges Bitten Askuins, des Propstes der Kanoniker von Aldersbach, und dessen Mitbrüder das Kloster, dessen Gründung er dort bereits begonnen hatte, Gott und dem heiligen Apostelfürsten Petrus als dem Titelheiligen, dazu auch die Kirche des heiligen Petrus, die Zehnten, die er vom Passauer Bischof Reginmar im Tausch gegen sieben andere Huben erhalten hatte, und einen Teil des Nordwaldes, der noch heute Hardt heißt. Dabei bestimmte er, dass die Brüder dort nach der Regel des hl. Augustinus leben sollten, und gewährte ihnen das Recht der freien Wahl des Propstes und des Vogtes. Näheres dazu findet sich in seinem Stiftungsbrief, der noch erhalten ist. Der heilige Mann aber starb noch im gleichen Jahr, bevor die Gründung unseres Klosters vollendet war. Aber auch der Passauer Bischof Regenbert, der dem Propst Askuin die Gründung und Stiftung des heiligen Otto bestätigte, nannte den ehrwürdigen Vater Otto in seiner Urkunde ausdrücklich unseren Gründer, ebenso auch die Bamberger Bischöfe Johannes und Berencho, die uns Weideland für unser Vieh in dem genannten Wald – allgemein Hardt geheißen – schenkten. Sie nennen unser Kloster bereits „ein stattliches Pflänzchen“ der vorher genannten Kirche [von Bamberg]. Diese unsere Aussagen über den Stifter werden noch stichhaltiger: Sie stimmen nämlich mit den Originalurkunden überein.

Wenden wir uns nun den Adeligen zu, denen ebenfalls die Gründung unseres Klosters zugeschrieben wird. Dass sie bei den Anfängen der Gründung irgendwie mitgewirkt haben, möchte ich nicht abstreiten. Es heißt, dass der oben erwähnte Askuin der dritte Propst unseres Klosters gewesen sei. Möglicherweise hat sich das, was uns da so vage überliefert ist, unter seinen Vorgängern bzw. in noch früherer Zeit zugetragen, dass zum Beispiel eine Burg, die in der Nähe unseres Klosters auf einer Anhöhe stand, abgebrochen und das Material zum Bau des Klosters verwendet worden sei. Dass auf der genannten Anhöhe jemals eine Burg gestanden sei, wage ich aber weder völlig zu verneinen noch zu bejahen, denn die Sage, die sich da so hartnäckig gehalten hat, mag vielleicht nicht ganz unbegründet sein. Jedoch sind die vorhandenen Beweismittel nicht so geeignet und klar, dass sie mich von der einstigen Existenz einer Burg überzeugen könnten. Freilich hat der Wald ganz in der Nähe seinen Namen, der auf eine Burg hinweist, bis heute bewahrt. Allerdings hat dort, wo der Sage nach eine Burg gestanden sein soll, unseres Wissens zur Zeit unseres 10. Abtes Konrad das Heer zum Schutze der Soldaten einen Schutzwall angelegt. Es herrschte damals Krieg zwischen Herzog Heinrich und dem Grafen von Hals, und das Heer des genannten Fürsten schlug über mehrere Tage bei uns sein Lager auf. Aber verlassen wir jetzt die Burg, von der wir keinerlei schriftliche Nachrichten besitzen. Jedenfalls befand sich auf der schmalen Anhöhe, auf der heute unser Kloster steht, einst das Dorf Aldersbach, das mindestens aus vier Hofstellen bestand. Diese kamen auf folgende Weise an unser Kloster: Die erste durch Rudbert von Aldersbach, von dem wir anschließend berichten werden, die zweite durch Alram von Cambe [Kamm], den Vogt des Klosters der hl. Margareta. Auf die Bitte des hl. Otto hin tauschte sie dieser den Brüdern für eine andere in Uluendorf ein. Die dritte Hofstelle schließlich erwarben die Brüder von Aldersbach in Gegenwart des Passauer Bischofs Reinbert im Tausch gegen zwei Anwesen in Limbach und Bärnthal. Graf Rapoto von Ortenburg aber schenkte unserem Kloster den Hof, der dem Heinrich von Helfau gehörte, an Stelle eines anderen in Egglham. Daraus ergibt sich eindeutig, dass jene Adeligen, denen die Sage die Gründung zugeschrieben hatte, in Aldersbach nur wenig Besitz hatten, den sie unserem Kloster schenken konnten.


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Kapitel 2: Von der Gründung

Wann aber die erste Errichtung dieses Hauses erfolgte, davon soll nun kurz berichtet werden. Trotz eingehender Nachforschungen in unseren Jahrbüchern konnte ich darüber nicht viel mehr herausbringen, außer dass der hl. Otto in seinem im Jahr des Herrn 1139 ausgestellten Stiftungsbrief das Kloster, mit dessen Gründung er bereits begonnen hatte, dem Propst Askuin und dessen Brüdern schenkte. Daher erfolgte die Gründung des Klosters wohl kurze Zeit vorher. Wenn man aber der Sage Glauben schenken darf, die Askuin bereits als dritten Propst des Ortes nennt – ich halte ihn jedenfalls für den ersten –, dann wird wohl unsere klösterliche Gemeinschaft um das Jahr 1120 nach Christi Geburt ihren Anfang genommen haben. Wahrscheinlich aber dienten dort Gott nur wenige Kanoniker, unter armseligen Verhältnissen durch fromme Almosen der Gläubigen unterstützt, bis sie durch die großzügigere Schenkung des hl. Otto besseren Lebensunterhalt fanden. Doch auch diese war nicht so reichlich, dass sie zur Errichtung von Gebäuden und zum nötigen Unterhalt der Brüder genügt hätte. Der Heilige hatte schon für ähnliche Werke große Opfer gebracht und außer einigen Mönchszellen, die er erneuerte, 15 Klöster gegründet und ausgestattet. Darunter wird das unsere für das 13. gehalten. Noch bevor er die Gründung vollendet hatte, schied er aus diesem Leben. Die Kanoniker, die unter den dürftigen Verhältnissen nicht leben konnten, verließen wohl deswegen bald danach den Ort und machten den Zisterziensern Platz, die damals von der [Hand]arbeit ihren Unterhalt bestritten und zu einem Leben in Armut verpflichtet waren.

Dass aber Kanoniker schon eine Reihe von Jahren vor der Stiftung des hl. Otto an dieser Stätte lebten, das wissen wir aus unseren Urkunden. So verzichtete der hl. Markgraf Leopold, der im Jahr des Herrn 1136 starb und [später] heiliggesprochen wurde, auf sein Zinsrecht an einem Weingarten in Krems, der dem Kloster des hl. Petrus in Aldersbach gehörte, zugunsten des hl. Apostels. Sein Sohn Leopold, der von Kaiser Konrad zum Herzog von Bayern eingesetzt worden war, ahmte dessen Güte nach, indem er an einem anderen Weingarten unserem Kloster das gleiche Recht einräumte. Dazu wird auch Rudbert von Aldersbach zusammen mit Gotpold von Sattelbogen in einer Urkunde, die im Kloster Windberg aufbewahrt wird, unter dem Jahr des Herrn 1104 als Zeuge angeführt. Damals erneuerte die Gräfin Adelhaid von Bogen, die Schutzherrin von „Mütterchen Tiberstadt“ – die eigentlich Regensburg heißt – zusammen mit ihren Söhnen dem Abt Egino von Windberg das verbürgte Recht der [freien] Abtwahl. Daher glaube ich mich kaum zu irren in der Annahme, dass unser Kloster um diese Zeit entstanden sei. Damals wurde nämlich ein Großteil der Klöster in unserem Land durch göttliche Fügung und durch den frommen Sinn der Gläubigen gegründet. Schließlich wird auch überliefert, dass die erste Kirche des Klosters Aldersbach an der Stelle gestanden sei, auf der jetzt die Kapelle der hl. Katharina für die Kranken errichtet ist. Aber auch die Vorratskammer bei der Küche, wo jetzt unsere Lebensmittel aufbewahrt werden, ist wohl einst ein gottgeweihter Ort gewesen, da von unseren älteren Mitbrüdern vor einiger Zeit Kreuze, die man an heiligen Orten zu malen pflegt, an den Wänden gefunden wurden. Daran schloss sich auch eine Begräbnisstätte an; denn dort, wo man gegen den Gastbau hinuntergeht, ist der Boden auf beiden Seiten überall mit Knochen von Toten durchsetzt. Deswegen muss dort einst eine Begräbnisstätte gewesen sein, ob aber für Gläubige oder Heiden, vermag ich nicht zu sagen. Man liest auch, dass die Kirche des hl. Petrus außerhalb der Klosterpforte, die wir durch die Schenkung des hl. Otto erhielten, schon 274 Jahre vor der Einführung des Zisterzienserordens in diesem Haus bestanden habe. Auch behaupten einige, dass dort Nonnen gelebt hätten. Die Kapelle der glorreichen Gottesgebärerin in Weng aber entstand etwa zur gleichen Zeit wie das Kloster; denn ich fand, dass deren Altar durch Adelige jener Siedlung im Jahr des Herrn 1134 errichtet und dotiert wurde. Unsere [Kloster]kirche aber, die ebenfalls der hl. Otto zu bauen begann, wurde schließlich am Tag nach dem Fest der hl. Märtyrerin Katharina im Jahr des Herrn 1207 durch den Passauer Bischof Manegold geweiht.


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Kapitel 3: Von den Schenkungen der Gründer

Wenn ich nun darangehe, über die Schenkungen der ersten Gründer zu schreiben, so muss ich den Leser wissen lassen, dass ich über Eberhard von Ekkenheim [Egglham], über Eberhard von Suntzing[en] und über Caloh von Aldersbach überhaupt nichts gelesen habe. Dennoch glaube ich (da ihre Namen in unserem Totenbuch aufgezeichnet und ihre Wappen bei uns erhalten sind), dass sie zu Anfang der Gründung unserem Kloster einiges geschenkt haben und dass die Legende davon nicht trügt. Es ist wohl der Nachlässigkeit der Mitbrüder zuzuschreiben, dass keine sicheren Spuren von ihren Schenkungen der Nachwelt überliefert sind.

Von Ratold jedoch, dem Zwillingsbruder (wie es heißt) des eben erwähnten Eberhard von Ekkenheim, finde ich, dass er unserem Kloster einige Besitzungen übereignet habe. Diese Adeligen hatten bei Mitterhag in der Nähe von Ekkenheim ihre Burg, die jetzt verödet ist, und die Herrschaft, die jetzt der Graf von Ortenburg besitzt, durch väterliches Erbe inne. Auch von Rudbert von Aldersbach berichtet das Buch unserer Schenkungen: „Zwei freie Männer, Bruno und Rudbert, erwarben in Aldersbach von Herbod und dessen Schwester ein Landgut, das Rudbert dann viele Jahre unbestritten in Besitz hatte und es mit aller Vollmacht zusammen mit seinen übrigen Gütern in Gegenwart des Königs und vieler Fürsten zu Bamberg auf dem Altar des hl. Märtyrers Georg zum Nutzen der Brüder, die in Aldersbach Gott dienen, übereignete.“ Die Urkunden dieser Schenkung mit den Zeugen sollen in Bamberg und in Passau aufbewahrt sein.

Dass aber die Güter, die unserem Kloster von den mehrfach genannten Männern übereignet worden sind, nur wenige und unbedeutend waren, geht daraus hervor, dass nämlich Papst Eugen, der für Aldersbach das erste apostolische Privileg ausstellte, darin nicht viele Besitzungen aufzählte. Innozenz III. aber, der für unser nunmehr unter einem glücklicheren Stern stehendes Kloster Vorsorge treffen wollte, führte bereits eine größere Anzahl von Gütern auf. Schließlich hätten die erwähnten Gründer, wenn sie dem Kloster Aldersbach großartige Schenkungen gemacht hätten, bei uns jedenfalls ein prächtiges Denkmal verdient, wie wir dies auch in anderen Klöstern sehen. Auch wären der Propst und die ersten Kanoniker nicht so undankbar gewesen, dass sie ihre Gründer nicht mit einem würdigen Denkmal geehrt hätten. So aber hat man sie nicht nur um ein solches Bauwerk gebracht, sondern man weiß nicht einmal, wo ihre Leiber bestattet sind. Einige behaupten zwar, sie seien im Kreuzgang beim Analogium, wo die Brüder nach dem Beten der Tagzeiten den Chor verlassen, unter einem wachsfarbigen Stein bestattet. Soweit möge das über die Gründer genügen.

Dass aber die erlauchten Herzöge von Bayern zu Beginn der Gründung unserem Kloster keine Schenkungen machten, so wie sie es andernorts im Lande häufig und großzügig getan haben, dafür glaube ich folgenden Grund angeben zu können. Damals herrschte nämlich über das Herzogtum jener überaus mächtige Fürst Heinrich mit dem Beinamen der Stolze zusammen mit seinem Bruder Welf, der dem Kaiser Lothar mit einer tapferen Schar nach Italien gefolgt war und Heldentaten gegen die Feinde des Reiches vollbrachte: Nach dem Tod Kaiser Lothars in einer Hütte unweit der Stadt Trient nahm Herzog Heinrich, der dessen Schwiegersohn war, die Reichsinsignien in Verwahr. Und weil er im Reich einen bedeutenden Namen und hohes Ansehen hatte, trachtete er nach der Kaiserwürde. Gewählt aber wurde zu Koblenz im Jahr 1139 Konrad von Schwaben. Dieser hielt bald darauf zu Bamberg einen Reichstag ab. Während alle erschienen waren, fehlte nur Heinrich, der die Reichsinsignien in Verwahrung hatte. Zu deren Auslieferung wurde ihm ein Tag zu Regensburg bestimmt. Dort übergab er zwar die Insignien, zog aber in kaiserlicher Ungnade ab. So wurde ihm bald danach durch Beschluss der Fürsten das Herzogtum Bayern abgesprochen und Leopold, dem Sohn des hl. Leopold, des frommen Markgrafen von Österreich, übertragen. Dieser überlebte nur wenige Jahre; während er unser Land bereiste, packte ihn zu Regensburg eine schwere Krankheit, und auf dem Rückweg nach Österreich starb er am 21. Oktober des Jahres 1141 im Gebiet von Passau. So kam das Herzogtum Bayern in die Hände seines Bruders Heinrich. Unser Heinrich der Stolze aber wurde von König Konrad mit der Reichsacht belegt. Er, der ehedem so mächtige Fürst, dessen Macht, wie er selbst prahlte, „von Meer zu Meer“ reichte, wurde in kurzer Zeit nach Gottes gerechtem Urteil gedemütigt und geriet in solche Bedrängnis, dass er, von fast allen Freunden verlassen, nur mit vier Begleitern nach Sachsen entkam. Dort beendete er nach wenigen Jahren sein Leben. Sein Bruder Welf aber führte um die Herrschaft in Bayern viele Kriege und fügte unserem Land durch Raub und Brandschatzung großen Schaden zu. So befand sich der Fürst unseres Landes zur Zeit der Gründung unseres Klosters in größter Bedrängnis und war aus der Heimat vertrieben. Er konnte sich selber nicht helfen, erst recht nicht anderen.


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Kapitel 4: Vom Anfang des Zisterzienserordens

Im Jahr des Heils 1098 am 21. März nahm unter der Regierungszeit des Papstes Urban II. und des Kaisers Heinrich IV. (nach anderen heißt er Heinrich III.) die Abtei Citeaux ihren Anfang. Es wird erzählt, dass es auf folgende Weise geschehen sein soll.

Im Bistum Langres im Herzogtum Burgund war ein durch Vermögen und Ordenseifer angesehenes Kloster namens Molesme. Mit Gottes gütiger Hilfe war dieses Kloster durch bedeutende Männer berühmt, und in kurzer Zeit gelangte es durch großen Besitz zu Reichtum. Dass aber zwischen Tugend und Reichtum keine lange Freundschaft bestehen kann, das erkannten einige vom Geist der Weisheit erfüllte Männer dieser Gemeinschaft, und sie verlangten mehr nach Himmlischem zu streben als sich in irdische Dinge verwickeln zu lassen. So fingen die Liebhaber der Tugenden an, ihren Sinn auf geistliche Armut zu lenken, die den Himmel als Erbe hat. Sie stellten fest: Wenn sie dort auch heilig und ehrbar lebten, dass sie die Regel des hl. Benedikt, auf die sie Profess abgelegt hatten, weniger beobachteten als sie es gelobt und ersehnt hatten. Sie besprachen sich untereinander und teilten sich gegenseitig mit, was sie alle bewegte, nämlich wie sie jenen Psalmvers erfüllen könnten: „Ich will dir meine Gelübde erfüllen, die meine Lippen ausgesprochen“ [Ps. 65, 13 f]. Es verließen also 21 Mönche zusammen mit ihrem Vater, dem hl. Robert, einmütig das Kloster und strebten eines Sinnes das zu erfüllen, was sie eines Geistes erkannt hatten. Nach langen Strapazen und vielen Versuchungen kamen sie endlich nach Citeaux, einen damals schauerlichen und öden einsamen Ort. Aber die Streiter Christi schreckte die Rauheit des Ortes von dem gefassten Entschluss nicht ab, sondern sie begannen ihn als willkommen und ihnen von Gott bereitet zu bewohnen. Voll Vertrauen auf den Rat des ehrwürdigen Erzbischofs Hugo von Lyon und des Bischofs Walter von Chalon und ermutigt durch die Autorität und Gunst Odos, des erlauchten Herzogs von Burgund, begannen sie also in der Einsamkeit mit dem Bau einer Abtei. Der vorher genannte Vater Robert erhielt vom zuständigen Diözesanbischof Hirtenamt und Hirtenstab, und die Mönche versprachen die Stabilität an jenem Ort.

Nach kurzer Zeit aber suchten die Mönche von Molesme dort ihren Vater auf und brachten den hl. Robert auf Geheiß des Papstes Urban und mit Zustimmung des Erzbischofs Walter von Chalon wieder in sein früheres Kloster zurück. An seine Stelle trat nun Alberich, ein heiligmäßiger und gottesfürchtiger Mann. Durch dessen Eifer und Umsicht kam das neue Kloster mit Hilfe Gottes zu großer Blüte im Ordensleben und erhielt Zuwachs an den notwendigen zeitlichen Gütern. Der Mann Gottes Alberich aber empfing im zehnten Jahr seiner Amtsführung den Siegespreis der himmlischen Berufung, um den er sich nicht vergeblich mühte. Ihm folgte Herr Stephan, der aus England stammte. Er war ein glühender Liebhaber klösterlicher Armut und regularer Disziplin. In seinen Tagen breitete sich der Weinberg des Herrn Sabaoth aus. Denn vorher klagte die Herde des Herrn in Citeaux nur darüber, dass sie klein war; sie fürchtete, ja verzweifelte fast daran, dass sie keine Erben ihrer Armut hinterlassen könne unter den Leuten ihrer Nachbarschaft. Diese achteten an ihnen zwar die Heiligkeit des Lebens, vor der Strenge aber schreckten sie zurück und wollten von der Nachahmung der Mönche nichts wissen, denen sie durch Verehrung doch nahestanden. Gott ist es ein Leichtes, aus Kleinem Großes und aus Wenigem Vieles zu schaffen. Er erweckte gegen alle Hoffnung die Herzen vieler zu ihrer Nachfolge, so dass in der Zelle der Novizen dreißig Kleriker wie Laien und selbst Adelige und Mächtige der Welt einmütig beisammen wohnten. Infolge dieser unerwarteten himmlischen Heimsuchung begann die Unfruchtbare, die nicht gebar, sich zu freuen, denn zahlreich wurden die Kinder der Verlassenen. Und Gott hörte nicht auf, die Schar von Tag zu Tag zu vergrößern und die Freude zu mehren, bis in Kürze die Mutter, glücklich über die große Schar, Kinder und Kindeskinder schauen konnte.


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Kapitel 5

Der seligste Vater Bernhard trat im Jahr 1113 seit der Menschwerdung des Herrn, im 15. Jahre seit der Gründung von Citeaux, ungefähr 22 Jahre alt mit mehr als 30 Gefährten unter Abt Stephan in Citeaux ein und beugte sein Haupt unter das süße Joch Christi. Von jenem Tag an schenkte der Herr seinen Segen, und, wie bereits oben erwähnt, jener Weinberg des Herrn Sabaoth brachte seine Frucht. Er breitete seine Zweige aus bis an das Meer und seine Setzlinge bis über das Meer. Denn der heilige Vater [Bernhard] übernahm bald darauf die Sorge über das Kloster Clairvaux. Wegen der Heiligkeit seines Lebenswandels und des Glanzes der durch ihn gewirkten Zeichen fing man an, ihn allseits zu verehren und besuchen. Wegen der Fülle seines unvergleichlichen Wissens und seiner Gelehrsamkeit war er bei Königen und Fürsten sehr beliebt. Seinen Rat und seine Leitung suchten auch die erlauchten Kaiser Lothar und Konrad in den schwierigen Angelegenheiten des Reiches. Den genannten Kaiser Konrad bewog er dazu, dass er zusammen mit den Königen von Spanien, Frankreich, England und vielen anderen Bischöfen und Fürsten das Kreuz gegen die Sarazenen nahm. Näheres davon berichtet Otto von Freising in seinem Geschichtswerk.

Dieser ehrwürdige Vater [Bernhard] ließ die Zisterzienserfamilie zu einem reichen Saatfeld heranwachsen; denn er gründete während seines Lebens mehr als 160 Klöster unseres Ordens. Ihm schreibe ich auch zu einem guten Teil den Ordenswechsel an diesem Ort [Aldersbach] zu. Denn im Jahr 1146, als Eugen III. den Stuhl des hl. Petrus innehatte (er war übrigens ein Schüler des heiligen Bernhard und als Erster unseres Ordens auf den Apostolischen Stuhl erhoben worden) und als Konrad III. (nach anderen II.) das Reich regierte, verließen die regulierten Chorherrn noch zu Lebzeiten des heiligen Bernhard diesen Ort und übersiedelten in das Kloster auf dem Berg des Richer, im Volksmund Reichersberg genannt. Daraufhin nahmen die Brüder aus dem Zisterzienserorden das Kloster Aldersbach in Besitz. Damals war der Zisterzienserorden noch jung, zählte seit seiner Gründung erst 48 Jahre und stand wegen seiner Reinheit und Einfachheit bei allen Völkern in hohem Ansehen; daher räumten ihm die anderen [Orden] ohne Umstände den Vorrang ein.

Zu Gunsten des heiligen Vaters Bernhard soll Kaiser Konrad (der erst im Jahr 1126 noch vor Erlangung der Kaiserwürde das Kloster Ebrach gegründet hatte) zu Bamberg bei Egilbert, dem Bischof der genannten Stadt und dem unmittelbaren Nachfolger des hl. Otto, den erwähnten Ordenswechsel [in Aldersbach] vollzogen haben. Ich muss allerdings gestehen, dass ich darüber in unseren Urkunden nichts gelesen habe. Im achten Jahr jedoch, nachdem der Zisterzienserorden in Aldersbach Einzug gehalten hatte, beendete der honigfließende Lehrer Bernhard im Jahr 1153 nach der Jungfrauengeburt im Verlangen nach dem Himmel die irdische Pilgerschaft, ungefähr 62 Jahre alt.

Meiner Meinung nach soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass mit dem Ordenswechsel das Patronat unserer Kirche geändert wurde. Denn während die Aldersbacher Kirche vorher dem hl. Apostelfürsten Petrus geweiht war, erhielt nachher die glorreiche und unversehrte Jungfrau Maria, die gemeinsame Patronin aller Kirchen unseres Ordens, zusammen mit Johannes dem Täufer das Patronat über unsere Gemeinschaft. Diesen wurde die hl. Märtyrerin und Jungfrau Ursula beigesellt, da ihr Arm im Jahr des Herrn 1351 durch die adeligen und ehrenwerten Frauen Ahamerin und Chornhauffin unserem Kloster aus Köln als Geschenk mitgebracht wurde. Auch haben die Zisterzienserbrüder das ihnen überantwortete Kloster nicht in einem lebensunfähigen Zustand übernommen. Es war mit Besitzungen aus früherer Zeit ausgestattet, welche Christgläubige und jene, von denen wir weiter oben gesprochen haben, Gott und dem hl. Petrus als Patron dargebracht haben.


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Kapitel 6: Vom ersten Abt Sigfrid (1146-1182)

Der erste Abt des Klosters Aldersbach aus der Familie der Zisterzienser war Sifrid aus Ostfranken, ein Professe [Mönch] des Klosters Ebrach, der mit einigen Brüdern und Konversen [Laienbrüder] hierzu bestimmt wurde. Über seine Amtsführung jedoch findet man sehr wenig in unseren Jahrbüchern. Er war, wie ich glaube, ein sehr gottesfürchtiger Mann und leitete in wachsamer Sorge dieses Kloster so viele Jahre, dass ihm darin kein Abt bis auf den heutigen Tag gleichkam. Auch der Besitzstand unseres Klosters wurde unter ihm beträchtlich vergrößert. Denn viele Grundholden, auch manche Besitzungen kamen unter ihm zu unserem Kloster hinzu. Schließlich wäre noch mehr dazugekommen, wenn er sich nicht hauptsächlich um die Errichtung der Konventgebäude hätte kümmern müssen.

Dieser Vater erlangte von Eugen III. das erste apostolische Privileg für unser Kloster. Darin werden uns die Orte Aldersbach, Gumperting, Liessing und Gundling und weitere Besitzungen, die unserem Kloster geschenkt wurden oder in Zukunft geschenkt werden sollten, bestätigt. Darin wird auch das Verbot ausgesprochen, dass niemand von unseren Erträgen und von den Feldern, die wir mit unseren Händen und auf eigene Kosten bewirtschaften, und vom Viehfutter von uns den Zehnt fordern darf. Unser Kloster wird auch unter den Schutz des hl. Petrus und des Apostolischen Stuhls genommen. So geschehen im Jahr 1147.

Der ehrwürdige Abt Herr Sifrid leitete unser Kloster 36 Jahre lang voll Tatkraft; er pflanzte mit Erfolg den Orden und das Leben der Zisterzienser an dieser Stätte ein und ging schließlich in hohem Alter am Fest der Empfängnis der glorreichen Gottesmutter Maria [08.12.] den Weg allen Fleisches im Jahr 1182 nach der Geburt des Erlösers. Wie unsere anderen ersten Äbte wurde er im Kapitelsaal ohne ein Marmordenkmal bestattet.


Kaiser Friedrich I.

Die Kaiserkrone trug damals Friedrich I., von den Italienern „Enobarba“ oder „Barbarossa“ genannt. Um das Jahr 1153 wurde er als Herzog von Schwaben in der Stadt Frankfurt von allen Fürsten zum römischen König erhoben. Er führte schwere Kriege in Italien, besonders aber gegen die insubrischen Städte Tortona, Cremona, Mailand und andere. Dessen Heldentaten feierte Gunther Ligurinus in einer überaus berühmten Dichtung. Nach Karl dem Großen übertreffe ihn kein Kaiser mehr durch den Glanz seiner Taten. Er wäre ganz und gar ein glorreicher Fürst gewesen, wenn er nicht die Päpste Hadrian IV. und Alexander III. und die Kirche von Rom so sehr missachtet hätte.

Zu Beginn seiner Herrschaft schlichtete er den Streit, der zwischen dem Sachsenherzog Heinrich, dem Sohn des vorher genannten Heinrich des Stolzen, und Heinrich, dem Bruder des Markgrafen Leopold von Österreich, um das Herzogtum Bayern ausgebrochen war. Dieses war, wie wir oben berichteten, Heinrich dem Stolzen durch Kaiser Konrad weggenommen und dem Markgrafen Leopold von Österreich übertragen worden. Deswegen gab es zwischen den genannten Fürsten ein großes Blutbad. Nachdem beide nahe Blutsverwandte König Friedrichs waren, beendete dieser, um weiteres Blutvergießen zu verhüten, in Regensburg, der früheren Hauptstadt Bayerns, den Streit. Der Sachsenherzog Heinrich (er war von überaus eleganter Gestalt und bemerkenswerter Klugheit, so dass man ihn die Krone der Fürsten nannte) verlangte vom König die Rückgabe des väterlichen Herzogtums. Markgraf Heinrich gab also das Herzogtum Bayern durch sieben Fahnen zurück, und der Kaiser übertrug es auf den Rat der Fürsten hin dem Sachsenherzog Heinrich. Fernerhin leisteten ihm die bayerischen Großen Mannschaft und Eid. Auch die Bürgerwurden durch Eid und durch Stellung von Geiseln gebunden, damit sie keine Möglichkeit hätten, wankend zu werden. Die Ostmark aber, die auch Oberpannonien und jetzt Österreich heißt, blieb mit ihren dazugehörigen Grafschaften dem Markgrafen Heinrich. Das Land oberhalb der Enns wurde durch Friedrich von Bayern abgetrennt und der genannten Mark hinzugefügt. Durch Beschluss der Fürsten wurde aus der so vergrößerten Mark ein Herzogtum gebildet und dieses von jeglicher Rechtsprechung des bayerischen Herzogs ausgenommen. So wurde durch jene Teilung Ehre und Macht der bayerischen Herzöge stark geschmälert. Denn vorher kamen die vier Marken, nämlich Österreich, Steiermark, Istrien und Cham, das auch den Namen Voburg hatte, zum Hoftag des Herzogs von Bayern. So geschehen um das Jahr des Herrn 1158. Auf demselben Reichstag in Regensburg wurde der Böhmenherzog Wladislaw, ein Mann von hoher Begabung und außerordentlicher Tüchtigkeit, vom Kaiser und den Großen des Reiches vom Herzog zum König erhoben.


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Kapitel 7: Vom 2. Abt Eberhard (1183-1199)

Der zweite Abt von Aldersbach hieß Eberhard. Er wurde bald nach dem Tod des Herrn Sifrid erwählt. Er war für dieses Ehrenamt gar wohl geeignet und förderte den Bestand unseres Klosters sowohl in zeitlichen wie geistlichen Belangen sehr.

Der glorreiche Kaiser Friedrich hielt im Jahr des Herrn 1183 zu Nürnberg einen Reichstag ab, und dort erhob unser Eberhard vor zahlreich versammelten Herzögen und Adeligen in Gegenwart der kaiserlichen Majestät Klagen gegen Alram von Chambe [Kamm], der sich das Vogteirecht über unser Kloster anzumaßen suchte. Gestützt auf die Hilfe Ottos II., des elften Bischofs von Bamberg, wies er zu Recht den Anspruch Alrams zurück und erlangte den Urteilspruch, dass jener von seiner ungerechten Forderung abstehe. Der erhabene Kaiser verlieh dem Kloster Aldersbach das Privileg, dass es dem Abt im Einvernehmen mit dem Bamberger Bischof freistehe, den zum Vogt zu wählen, den er für geeignet halte. Wenn dieser jedoch dem Kloster Schwierigkeiten bereite und ihm lästigfalle, so solle es dem Abt erlaubt sein, ihn abzusetzen und einen anderen zu wählen. So geschehen 1184.

Schließlich erteilte der vorher genannte ehrwürdige Bischof Otto von Bamberg ebenfalls im gleichen Jahr unserem Kloster ein ähnliches Privileg in derselben Angelegenheit, indem er den Gnadenerweis Kaiser Friedrichs billigte und vollends bestätigte.

Und weil sich die Besitzungen des Klosters zu jener Zeit bis nach Österreich zu erstrecken begannen, erwarb der ehrwürdige Abt Eberhard beim erlauchten Herzog Leopold folgenden Gnadenerweis, dass wir alles, was aus unseren Besitzungen in Österreich kam, frei in unser Kloster bringen können ohne alle Abgaben und Beschwerlichkeit. Ebenso können wir alles, was unser Hof in Österreich braucht, frei dorthin bringen. So geschehen 1193. Diesen Gnadenerweis bestätigten nach ihm noch Kaiser Friedrich II., Herzog Ottokar von Österreich, Kaiser Rudolf, Herzog Albrecht und noch viele andere nach ihnen. In gefährlichen Zeiten aber bleiben heiligen Orten solche Freiheiten nur schwerlich erhalten, so dass es den Klöstern kaum leichter fällt, Wein unter Berufung auf die Vergünstigung einzuführen, als den Kaufleuten, die Abgaben zu leisten haben. So hart und begierig sind die Steuerbeamten, dass sie sich mit den herkömmlichen rechtlichen Abgaben nicht mehr begnügen, sondern von Tag zu Tag neue Abgaben eintreiben.

Im letzten Jahr seiner Amtszeit erhielt dieser Abt auch vom römischen König Philipp II. auf einem weiteren Fürstentag in Nürnberg die Bestätigung des Privilegs von Kaiser Friedrich über die unerlaubte Anmaßung des vorher genannten Alram. Ein weiteres Privileg erlangte er von demselben Kaiser, dass es gemäß den Bestimmungen des Zisterzienserordens dem Abt freistehe, den Vogt zu wählen und ihn nach Gutdünken zu entfernen, wenn er Schwierigkeiten bereite und unnütz sei. So geschehen 1199. Ähnlich erhielt er von Papst Clemens III. einen Schutzbrief in dieser Angelegenheit, wobei den Bischöfen von Regensburg und Freising die Weisung erteilt wird, den Alram von unrechtmäßiger Plagerei abzuhalten und ihn unter Androhung kirchlicher Strafen zur Wiedererstattung des Schadens zu veranlassen, den er den Brüdern zugefügt habe. So geschehen 1189.

Nachdem aber Eberhard als gewissenhafter Abt 16 Jahre lang sein Amt als Klostervorstand ausgeübt hatte, schied er am Vigiltag des hl. Apostels Bartholomäus [23.08.] im Jahr 1199 nach Christi Geburt aus dem Leben.


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Kapitel 8: Vom dritten Abt Ludwig (1199-ca. 1220

Auf Eberhard folgte in der Leitung des Klosters Ludwig als dritter Abt dieses Klosters, ein Mann von ungewöhnlicher Gelehrsamkeit und von großer Erfahrung in geistlichen wie in zeitlichen Belangen, so dass er diesem Hause in Ehren vorstehen konnte. Die Rechte und Besitzungen des Klosters verringerte er keineswegs, sondern er förderte sie, indem er weitere Privilegien und zahlreiche Freiheiten erwarb.

Den Apostolischen Stuhl hatte damals Innozenz III. inne, von dem der genannte Abt ein für unser Kloster sehr vorteilhaftes Privileg erlangte. Darin werden uns unsere Grangien in Straß, Gumperting, Buffling, Atzenberg, Brennberg und Gneixendorf mit einigen anderen Besitzungen bestätigt und zugesichert. Schließlich gewährt und bestätigt der genannte Papst uns noch viele dem Zisterzienserorden im allgemeinen gewährte Gnadenerweise und Freiheiten im Besonderen. Sie einzeln aufzuzählen, würde zu weit führen. Wir verweisen den Leser auf das Original. So geschehen 1213.


Papst Innozenz

Dieser Innozenz war ein ruhmreicher und vor allem ein gelehrter Mann. Er verfasste das erlesene Werk „De conditione humana“ und viele andere. In allem brachte er der Kirche Nutzen. Im Jahr des Herrn 1215 hielt er unter zahlreicher Beteiligung der Prälaten und Fürsten bei der Laterankirche in der Stadt [Rom] ein Konzil. Dabei ordnete er neben anderem vieles für die Wiedergewinnung des Heiligen Landes an, so zum Beispiel allgemeine monatliche Prozessionen, Fasten, Almosen, tägliches Niederwerfen bei den Messfeiern unter Absingen des Psalms [78]: „Gott, die Heiden sind eingedrungen in dein Erbe“. Auch ließ er in den Kirchen Opferstöcke aufstellen, die die Almosen für die Kreuzfahrer aufnehmen sollten. Sein Leben wurde so hochgeschätzt, dass nach seinem Tode nichts was er gutgeheißen oderverworfen hatte, verändert wurde. Überhaupt war er sehr besorgt um das Ordensleben; denn vielen bestätigte er die Regel und die Art und Weise ihres Lebens. Während der Zeit seines apostolischen Amtes nahmen jene zwei hochberühmten Orden der Prediger und Minderbrüder ihren Anfang. Innozenz verwarf und exkommunizierte auch König Philipp als Rebell und öffentlichen Feind der Kirche und bestätigte Otto, den Herzog von Sachsen, der zuvor als Gegenkönig gewählt worden war.

Daraus entstand zwischen diesen beiden Königen ein großer Streit um das Reich, der schließlich durch die vornehmsten Fürsten des Reiches in der Weise beigelegt wurde, dass Otto die Tochter Philipps zur Frau nehmen, Philipp zu dessen Lebzeiten das Königtum überlassen und nach dessen Tod ohne neue Verhandlungen das Königtum erhalten solle. Nicht viel später, nämlich im Jahr 1208, wurde Philipp, der zum Aderlass in Bamberg weilte, von Pfalzgraf Otto von Wittelsbach in seinem Schlafgemach grausam ermordet. König Otto verhängte über diesen Pfalzgrafen samt den Komplizen auf dem Fürstentag zu Augsburg die Reichsacht, sprach ihm die [königliche] Gnade, das Amt und alle Güter durch kaiserliches Dekret ab und übertrug sie anderen.


Immer noch belästigte der berüchtigte Unruhestifter Alram von Chambe [Kamm], der Sohn Albrechts, unser Kloster auf das heftigste. Auf Grund des Vogteirechtes, das er vor der Klostergründung über die Güter in Gumperting und in Aldersbach ausübte, beanspruchte er dieses ohne weiteres auch nach der Klostergründung. Wie sehr ihm auch seine Rechtsverletzung nachgewiesen worden war und es ihm durch die Kaiser Friedrich und Philipp sowie durch den Papst und den Bischof von Bamberg strengstens untersagt war, die Brüder weiterhin zu belästigen, so fügte er trotzdem durch sein verwegenes Treiben dem Kloster beträchtlichen Schaden zu. Unser Abt Ludwig begab sich daher nach Würzburg, wo Kaiser Otto einen großen Fürstentag einberufen hatte; dort legte er den kaiserlichen Schutzbrief vor und ersuchte dringend um Gerechtigkeit. Nach eingehender Besprechung der Angelegenheit bestätigte der Fürst in seiner Güte den Schutzbrief [Kaiser] Friedrichs und schloss den genannten Alram endgültig von der angemaßten Vogtei aus. So geschehen 1209. Seitdem finden sich keine Anzeichen mehr dafür, dass dieser Unruhestifter die Brüder weiterhin belästigt hätte.

Zu dieser Zeit hatte der erlauchte Fürst Ludwig, der Sohn Ottos, der Kaiser Philipp ermordet hatte, das Herzogtum Bayern inne. Dieser begann, die Städte unseres Landes zu gründen, die vorher zum Teil unbedeutende Dörfer waren: So ließ er Landshut im Jahr des Herrn 1204 erbauen, Straubing im Jahr 1218, Landau 1224.

Aber auch Braunau, Dingolfing, Vilshofen und mehrere andere Städte sind, wie wir glauben, um diese Zeit entstanden. München jedoch wurde zur Zeit Ottos I. unter Herzog Ernst aus einem Dorf zur Stadt, die dann Kaiser Ludwig, genannt der Bayer, großartig erweiterte.

Doch kehren wir zu unserem Abt Ludwig zurück. Dieser vertauschte unter Bischof Manegold mit dem Passauer Kanoniker Herrn Eberhard Johannstorffer einige Höfe (die Urkunde darüber ist noch vorhanden). Ludwig aber hatte das Hirtenamt17 Jahre lang inne und legte am Tag vor den Iden des April [12.04.] im Jahr des Heiles 1216 die Last dieses Lebens ab.


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Kapitel 9: Vom 4. Abt Nikolaus (ca. 1221-1232)

Kurze Zeit nach dem Tode des vorherigen Abtes erlangte Nikolaus durch einmütige Wahl der Brüder die Abtwürde. Er wich in keiner Hinsicht vom Ordenseifer und der lobwürdigen Klosterleitung seiner Vorgänger ab.

Die Mönche waren damals regeltreu, bescheiden in Nahrung und Kleidung; sie strebten nach Gottgefälligkeit und ließen sich nicht von gottlosen Begierden leiten. Ihnen damals vorzustehen war daher vielleichter als in heutiger Zeit, in der diese [Tugenden] bei den Brüdern verloren gegangen sind. Schließlich erbauten sich selbst die Weltleute am vorbildlichen Lebenswandel der Brüder; deswegen unterstützten sie deren Bedürfnisse durch reiche Schenkungen in der Hoffnung, durch Schenkung zeitlicher Güter ewigen Lohn zu erlangen. Deswegen geschah es, so glaube ich, dass der erlauchte Bayernherzog Ludwig (dessen wir weiter oben gedachten), durch des Abts Nikolaus und der Brüder ehrbaren Lebenswandel und Regeltreue bewogen, den gesamten Zehnt aus den Erträgen bei der Burg Frammering aus herzoglicher Großzügigkeit dem Kloster Aldersbach schenkte (diese Burg lag in der Nähe von Landau, das damals noch keine Stadt war). So geschehen im Jahr 1224.

Überdies schmälerte Otto, der Sohn des vorher genannten Ludwig, den väterlichen Gnadenerweis keineswegs, sondern vermehrte ihn. Er übereignete uns den gesamten Getreidezehnt im [herzoglichen] Kasten zu Landau und Deggendorf und bestätigte diese Schenkung durch Urkunden im Jahr 1231. Einige Jahre lang erhielten die Brüder diese Zehnten, bis bei den Fürsten der fromme Sinn nachließ und der gute Eifer für die Ordensleute verlorenging. Was die Vorgänger nämlich gegeben hatten, das rissen dann die Nachkommen mit gieriger Hand wieder an sich. Schon seit vielen Jahren erhielten wir von diesen Zehnten nichts mehr. So begnügen wir uns bei diesen und anderen Schenkungen mit deren Urkunden, die noch ebenso wie die Bestätigungen der Nachfolger unversehrt vorhanden sind.

Unter diesem Fürsten Otto gelangte das Kloster Aldersbach unter die Herrschaft der bayerischen Herzöge, so dass uns trotz der Freibriefe der Päpste und des Ordens und der Privilegien der Kaiser weiterhin die freie Vogtwahl nicht mehr erlaubt ist ohne [Einverständnis des] Landesherrn, der jetzt von seinem Recht Gebrauch macht und über uns verfügt, als hätte er das Kloster von Grund auf errichtet.


Herzöge Ludwig von Bayern und Leopold von Österreich

Ungefähr um das Jahr 1225 unter Papst Honorius brachen die Herzöge Ludwig von Bayern und Leopold von Österreich mit Truppen ins Heilige Land auf und brachten die heilige Stadt [Jerusalem] und das Grab des Herrn wieder in die Verfügung der Christen. Aber nach seiner Rückkehr wurde Herzog Ludwig bei Kelheim am 16. September des Jahres 1231 in Gegenwart der Seinen von einem gottlosen Unbekannten mit dem Schwert durchbohrt und starb. Man munkelt, dass diese Freveltat auf hinterlistiges Betreiben Kaiser Friedrichs geschehen sei. Ludmilla, eine rechtschaffene Frau, die Tochter des Königs von Böhmen, die mit dem Grafen Albrecht von Bogen vermählt war, aber bald darauf Witwe wurde, heiratete Herzog Ludwig und erbaute um diese Zeit, im Jahr 1231, das Frauenkloster Seligenthal in Landshut. Doch genug damit. Kehren wir zu unserem Abt Nikolaus zurück. Dieser erwirkte unserem Kloster ohne Zweifel viele Vergünstigungen, auch wenn unsere Vorfahren sie nicht beachteten und nicht aufschrieben. Nachdem dieser ehrwürdige Vater in ähnlicher Weise 17 Jahre lang unserem Kloster seine äbtliche Sorge in Wachsamkeit und Klugheit gewidmet hatte, schied er am Fest des hl. Märtyrers Lambert [17.09.] im Jahr des Herrn 1232 aus diesem Leben.


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Kapitel 10: Von Anshelm, dem 5. Abt (1232-1239)

Nach dem Tode des [Abtes] Nikolaus wurde das Hirtenamt über dieses Kloster Anshelm, einem gottesfürchtigen Mann aus unserer Gemeinschaft, aufgebürdet. Ich bin mir völlig im Unklaren darüber, ob ich dessen Amtsführung mit Lob versehen darf oder nicht; denn über seine Tätigkeit konnte ich zu wenig in Erfahrung bringen. Doch hat er unserem Kloster folgende Vergünstigung erwirkt: Von Bischof Rudiger von Passau wurde ihm gestattet, dass wir alles, was für die Nahrung und Kleidung der Brüder notwendig ist, in der Stadt Passau ohne jegliche Abgabe und Zoll ein und ausführen können. So geschehen 1237. Schon vor Jahren hatte unser erster Abt Sifrid (wir haben das oben übersehen) von Bischof Rupert, der nur ein Jahr den Bischofstuhl innehatte, und von den Passauer Domherrn zwei diesseits der Donau liegende Grundstücke zum Bau eines Hauses für unsere Zwecke erhalten. Dieses Haus erklärte derselbe Bischof für frei von jeglicher Last und Abgabe. So geschehen 1164. Auch Albo, der Nachfolger des genannten Rupert, bestätigte diese Schenkung. Unser Anshelm veräußerte an einen gewissen Ulrich und dessen Söhne zwei Höfe in Rannersdorf und eine Hube in Kammer gegen eine jährliche Abgabe von 10 Pfund Regensburger Pfennige auf deren Lebenszeit. Dieses Geschäft bestätigten die Bischöfe von Bamberg, Passau und Regensburg mit ihren Siegeln im Jahr 1233. Ich finde, dass unser Kloster unter der Amtsführung dieses Abtes in Schulden geriet, da unser Haus bei der Einsetzung des Herrn Theoderich 400 Pfund Regensburger Pfennige an Schulden hatte. Doch ich glaube, dass die Ursache dafür die Spaltung, die damals zwischen Papst und Kaiser ausgebrochen war, und die Streitigkeiten der Fürsten bildete.


Streit der Fürsten

Damals war Friedrich, genannt der Streitbare, Herzog in Österreich, ein Empörer im Reich, gegen den der vorher genannte Herzog Otto von Bayern ein großes Heer ins Feld führte und die österreichischen Lande nicht wenig schädigte. Auch das Kloster Lambach ging in dieser unruhigen Zeit in Flammen auf. Im Jahr darauf zog Kaiser Friedrich mit einem starken Heer nach Österreich und zerstörte viele Burgen des Landes. Jener Bayernherzog Otto erwies sich anfangs als gottesfürchtiger Fürst und gewährte den gottgeweihten Stätten viele Vergünstigungen. Innerhalb des Klosters Formbach hatte sich eine Anzahl Geächteter eingenistet; sie vertrieben die Mönche und hausten wie die Räuber. Unversehens fiel Herzog Otto über sie her, ergriff sie und ließ 50 von ihnen töten. Schließlich aber verfiel jener Fürst in Gottlosigkeit und belästigte Geistlichkeit und gottgeweihte Stätten aufs Heftigste. Und da er sich nicht bessern wollte, erging ein strenges Gottesgericht gegen ihn. In Landshut trat ein gewisser Bauersmann auf, der behauptete, er sei vor den Richterstuhl Gottes entrückt worden und habe dort gehört, dass Herzog Otto und weitere Friedensstörer als Unterdrücker der Kirchen und der Armen zum Tode verurteilt seien. Dieser Mann schwor, ihm sei von den Heiligen befohlen worden, dass er den über den Herzog gefällten Urteilsspruch dem Herzog mitteilen müsse, auch wenn er mit dem Tode bestraft würde. Er verbreitete also überall seine Vision. Der Herzog kümmerte sich darum wenig und besserte sich nicht. So brach er in der Nacht des hl. Andreas [29./30.11.] unversehens zusammen und starb, nachdem er in Gegenwart seiner Dienstmannen ungewöhnlich ausgelassen war. So geschehen 1253.


Abt Anshelm leitete dieses Kloster nur wenig mehr als sechs Jahre und schied um das Jahr 1239 nach der Jungfrauengeburt aus dieser Welt. Der Tag seines Todes ist jedoch in unserem Totenbuch nicht aufgeschrieben, ebenso wenig wie der des Herrn Albert [Albrecht], des 6. Abtes. Ich möchte sagen, dass dies eher aus Unachtsamkeit als aus einem bestimmten Grund geschah. Deshalb entstand bezüglich der Anzahl und Reihenfolge unserer Prälaten der neueren Zeit ein nicht unbedeutender Fehler. Und in der Tat ist Abt Vitus das erste Opfer dieses Fehlers. Auf seinem Marmorgrabstein steht er als der 19. Abt dieses Klosters geschrieben; er ist aber nach richtiger Berechnung der 21. Abt, der im Amt verblieb. Diejenigen, die abgedankt haben oder abgesetzt wurden, werden nämlich auch im Äbteverzeichnis nicht geführt. Wenn man von Nikolaus an, dem zweiten mit diesem Namen (er war übrigens der 15. Abt, wie man auf seinem Grabmal und auf dem größeren Abtstab sehen kann), die weiteren Nachfolger zählt, die als Amtsinhaber ihre Tage beschlossen haben, so kommt man offensichtlich darauf, dass Vitus der 21. Abt gewesen ist. Nach Vitus wurden schließlich alle weiteren [Äbte] auf ihren Grabinschriften falsch gezählt. Nach dem Wort des Aristoteles folgen schließlich dem zuerst aufgetretenen Fehler weitere nach. Zur Bekräftigung dieses Irrtums trägt auch unser Totenbuch bei, da es in dieser Hinsicht so verderbt ist, dass derjenige, der vorher als 10. Abt betitelt wurde, jetzt als 8. eingetragen ist. Demgemäß sind auch bei den einzelnen Eintragungen zwei ausgeschabt, so dass der Fehler bei der Zählung der Äbte noch vergrößert wird.


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Kapitel 11: Von Albert (Albrecht), dem 6. Abt (1253-1258)

Nach meinem Dafürhalten haben die Brüder seit der ersten Verpflanzung des Zisterzienserordens an diesen Ort ein regeltreues Leben geführt, und es ist nichts Verkehrtes und Unrechtes bis zu diesem Zeitpunkt festzustellen. Ich weiß jedoch nicht, ob der Wechsel zwischen Theoderich und Albert nicht doch Anzeichen von Leichtfertigkeit und Ärgernis an sich trägt. Wer möchte ausschließen, dass diese Väter kleinmütig und unsicher waren und so ihre hohe äbtliche Würde ablegten? Oder wer möchte in Abrede stellen, dass die Brüder unbeständig waren und ihre Äbte aus dem Amt vertrieben, wenn sie sie nicht gar so sehr in die Enge trieben, dass diese es vorzogen abzudanken? In vielen Klöstern herrschen in unseren Tagen ähnliche Verhältnisse, so dass [die Mönche] nach Möglichkeit mit jeder Sonnenwende den Propst oder den Abt wechseln würden ohne Rücksicht auf das Ärgernis und den Schaden für die Klöster. Doch nun genug davon! Kehren wir wieder zur Sache zurück. Im Jahr unseres Heiles 1239 wurde Herr Theoderich mit der Leitung des Klosters beauftragt. Er hatte das Hirtenamt 13 Jahre lang inne und gab es dann wieder zurück. Ich vermag aber nicht sicher festzustellen, ob er wegen eines Fehltritts abgesetzt wurde oder ob er freiwillig abdankte. Ich konnte den Sachverhalt nicht klären, auch wenn ich unsere Quellen bis zum letzten Winkel durchsucht hätte. Während seiner ersten Amtszeit wurde unserem Kloster eine überaus vorteilhafte Vergünstigung zuteil; denn der hochwürdigste Vater in Christus und Herr Eberhard, würdigster Erzbischof von Salzburg (dessen Anerkennung und große Tüchtigkeit noch heute bei den Historikern weiterlebt), schenkte unserem Kloster, da er dessen Bedürftigkeit sah, ein halbes Pfund Fuder nacktes Salz, das jährlich an Pfingsten in der Stadt Hall frei übergeben werden soll. Dieser Gnadenakt erfolgte ausdrücklich unter Zustimmung des Domkapitels. Zum Zeugnis dieses Gnadenaktes und der Schenkung sind die Briefschaften des Erzbischofs und des Domkapitels noch heute unverletzt erhalten. So geschehen im Jahr 1246.

Abt Theoderich legte um das Jahr 1253 die Leitung dieses Klosters nieder. An seiner Stelle wurde als 6. Abt Herr Albert, vorher Prior in Raitenhaslach, bestellt. Dieser wäre unserem Kloster von nicht geringem Nutzen gewesen, wenn die grausame Schwester Atropos ihm weitere Lebensjahre zugestanden hätte. Dennoch verschaffte er in den wenigen Jahren seiner Amtsführung unserem Haus viele Vergünstigungen. Der erlauchte Herzog Heinrich von Bayern befreite in der Stadt Vilshofen unser Kloster von Abgaben und Zoll jeglicher Art bezüglich aller unserer Güter, die wir dort ein und ausführen, und bestätigte dies durch öffentliche Urkunde. So geschehen 1256. Papst Alexander IV. bestätigte durch apostolischen Gnadenerweis die Schenkung der Kirche in Niedernoberhausen, die vor Jahren Bischof Rudiger von Passau unserem Kloster vermachte. Geschehen 1257.

Abt Albert vertauschte einen Hof, der unserem Kloster gehörte, den aber der Edle Albert von Hals beanspruchte und gegen den Willen der Brüder an sich brachte, gegen einen anderen Hof in Cadling [Karling], den der genannte Albert von Hals einem Bürger Vilshofens namens Hartlieb verpfändet hatte, gegen Zahlung von 16 Pfund Regensburger Pfennigen an eben diesen Albert. So geschehen am 6. Juni 1258, als die Brüder Heinrich und Ludwig Herzöge von Bayern waren. Diese Fürsten waren Söhne des Herzogs Otto, den wir kurz vorher erwähnten; sie teilten das Land unter sich. Ludwig fiel die Rheinpfalz mit dem bayerischen Oberland zu, Heinrich aber das Unterland Bayern und Noricum [Teil des heutigen Oberösterreich]. So geschehen 1258. Der bereits erwähnte Ludwig wurde der Gründer unseres Tochterklosters Fürstenfeld. Die Grafen von Moosburg, die in jenen Jahren ohne Erben gestorben waren, hinterließen ihre Grafschaft Herzog Heinrich. Die Burg Teisbach wurde durch den genannten Otto zerstört und Dingolfing erbaut.

Kehren wir zu Abt Albert zurück! Zuverlässig trug er die Sorge um unser Haus nur wenig mehr als fünf Jahre und schied um das Jahr des Herrn 1258 aus dem Leben. Sein Todestag jedoch ist in unserem Totenbuch nicht verzeichnet. Deshalb suchten ihn die Späteren aus dem Äbteverzeichnis zu streichen, was ich für unverdient halte. Wenn nämlich dieser Albert und der erwähnte Anshelm ihren Platz unter den Äbten nicht behalten können, dann ist der spätere Abt Nikolaus keineswegs der 15. Abt (und dies kann man klar aus den Dokumenten herausfinden).


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Kapitel 12: Von Theoderich, dem 7. Abt (1258-1277)

Nach Alberts Tod am Fest der Heiligen Abdon und Sennen [30.07.] im selben Jahr 1258 wurde Herr Theoderich wiederum als Abt unseres Hauses eingesetzt. Von da an leitete er unser Haus 19 Jahre lang. Unter anderem geschah folgendes während seiner zweiten Amtszeit. Unsere Erstlingstochter, das Kloster Fürstenfeld, begann ihr Haupt zu erheben und bekam den Titel einer Abtei. Ihr Gründer, der erlauchte Herzog Ludwig, verdächtigte seine erste Gattin Maria, eine Tochter des Herzogs von Brabant, des Ehebruchs. In seiner Verblendung ließ er sie in Donauwörth von der Burg stürzen oder (wie andere meinen) enthaupten. Und weil er eine rechtschaffene und ehrenhafte Frau unschuldig hatte umbringen lassen, musste er nach den Bestimmungen des Kirchenrechts ohne Hoffnung auf eine weitere Ehe bleiben. Er ließ jedoch durch Gesandte beim Apostolischen Stuhl um Dispens für eine zweite Ehe nachsuchen. Unter anderem wurde ihm zur Sühne auferlegt, zur Ehre Gottes ein Kloster zu errichten. Als gehorsamer Sohn begann er alsbald mit der Gründung des Klosters Fürstenfeld, jedoch an einem anderen Ort und weit von dort entfernt, wo es jetzt steht. Die Brüder jedoch wechselten den Ort ein zweites Mal, bis sie einen besonders geeigneten Platz für die Gründung des Klosters fanden. Dieser Platz aber, auf dem heute das Kloster Fürstenfeld steht, hieß damals „Garten des Eberhard“. Zu Beginn der Gründung wurden von unserem Haus vier Mönche und zwei Laienbrüder geschickt. Zu deren Leitung wurde bald darauf Anshelm, unser Oberzellerar, als Abt bestellt. In großer Armut begannen sie das Ordensleben nach den Gewohnheiten der Zisterzienser und erstellten die Konventgebäude. Es wird erzählt, dass sie durch erbettelte Almosen die Kirche erbaut hätten. Abt Anshelm übte dort eine Zeitlang in wachsamer Sorge das Hirtenamt aus. Dann resignierte er und kehrte zu uns zurück.

Unter Abt Theoderich erfolgte durch Bischof Otto von Passau der Tausch der Kirche in Niederoberhausen gegen die Kirche des hl. Stephanus in Ekkenheim [Egglham]. Dabei verzichteten wir auch in die Hand des genannten Bischofs auf das Recht der Sammlung, das wir vorher bei der Kirche in Hartkirchen hatten. Der genannte Bischof aber behielt sich von der Kirche in Ekkenheim für den Chordienst der Passauer Domkirche ein Pfund Regensburger Münze vor, das alljährlich zum Fest der Auffindung des hl. Stephanus [03.08.] zu zahlen ist. So geschehen 1264. Weiterhin erwarb der genannte Abt vom bayerischen Herzog Heinrich die Freiheit, dass wir in unseren und unserer Güter Rechtsangelegenheiten nur vor dem Richter in Landau belangt werden dürfen. So geschehen 1264. Er kaufte auch von Magister Ulrich, Pfarrer in Hartkirchen, in der Stadt Passau ein Haus bei der St. Paulskirche, das sich von der Straße zur Donau hin erstreckt; zu dessen Bezahlung gab er 40 Pfund Passauer Pfennige aus. Dies geschah unter Bischof Petrus im Jahr 1266. Auch das darf nicht unerwähnt bleiben, dass unter unserem Theoderich Abt Valrad in Walderbach und der dortige Konvent wegen drängender Notlage ihres Klosters ihr Gut und weitere Besitzungen in Gattsdorf in der Nähe von Ybbs in Österreich zusammen mit der Übertragung der pfarrlichen Rechte um 80 Pfund Regensburger Pfennige an unser Kloster verpfändeten. So geschehen 1269. Weiterhin erlangte er vom Passauer Bischof Petrus und den Domherren das Recht, dass wir unseren Wein und unsere Lebensmittel ohne Zoll und weitere Abgaben in Passau frei ein und ausführen dürfen. Diesbezüglich hatte uns schon früher Bischof Rudiger einen Freibrief ausgestellt. So geschehen im Jahr 1273.

Schließlich erhielt im Jahr 1275 nach Christi Geburt am Tag des hl. Servatius [13.05.] unsere zweite Tochter Fürstenzell den Titel einer Abtei. Die Gründung wurde durch den Passauer Domherrn Magister Hertwig begonnen. Nachdem er aber das begonnene Werk nicht vollenden konnte, wurde er vom erlauchten Herzog Heinrich unterstützt. Der genannte Hertwig erwies zu seinem Seelenheil auch unserem Kloster viel Gutes, wie man in unseren Jahrbüchern nachlesen kann. Zum ersten Abt von Fürstenzell wurde Walter aus Wilhering gewählt. Der Grund dafür ist uns völlig unbekannt. Aus unserem Kloster hatte [Fürstenzell] etwa drei Jahre vorher drei Mönche erhalten, die dort von Anfang an ein frommes und gottgefälliges Leben führten. So begeisterten sie durch ihr Beispiel alsbald auch andere für das Ordensleben.

Der ehrwürdige Vater Theoderich aber starb am Tag nach St. Briccius [14.11.] im Jahr des Heiles 1277 und wurde im Kapitelsaal unter einem bescheidenen Marmorstein begraben, der sein Todesjahr und seinen Namen trägt. Meistens jedoch wird er, wie auch auf dem Grabstein, Dietrich genannt.


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Kapitel 13: Von kriegerischen Zeiten

Nun aber will ich etwas vom Thema abweichen und kurz zusammenfassend über die damalige unruhige kaiserlose Zeit berichten. Nach der Absetzung Friedrichs II. bis Rudolf stritten sich vier um das Reich, nämlich Heinrich, Landgraf von Thüringen, Wilhelm von Holland und die beiden in strittiger Wahl Erwählten: Alfons, König von Kastilien, und Richard, Graf von Cornwall, ein Bruder des englischen Königs. Keiner von ihnen jedoch erlangte die Kaiserwürde, und nur mit Mühe konnte das heilige Reich vor [größeren] Schäden bewahrt werden.

Im Jahr des Herrn 1246 wurde der Österreichische Herzog Friedrich am Tag des hl. Vitus [15.06.] vom Ungarnkönig im Kampf geschlagen und starb ohne männlichen Erben. Darauf bemächtigte sich Ladislaus, Markgraf von Mähren, des Herzogtums mit der Begründung, dass seine Gattin aus dem Haus Österreich sei. Nach dessen baldigem Tod beanspruchte Hermann, Markgraf von Baden, aus ähnlichem Grund Österreich für sich. Aber auch er wurde daran gehindert. Nachdem Ottokar, der König von Böhmen, von einigen Österreichern ins Land gerufen worden war, heiratete dieser Margarete, die Schwester des genannten Friedrich, die Witwe des römischen Königs Heinrich. Später aber verstieß er sie wieder. Mit Unterstützung seines Vaters und der Österreicher wurde er im Jahr 1253 Herzog von Österreich. In eben diesem Jahr gewährte er unserem Kloster ein Privileg. In jugendlichem Übermut rückte dieser Ottokar zwei Jahre später auf dem Weg durch die Stadt Passau mit einem großen Heer in Bayern ein. Er brüstete sich, dass er bis vor die Mauern Landshuts ziehen und dort militärische Übungen abhalten werde. Unter Gewalttätigkeit marschierte er durch den Künziggau (einst war Künzing eine befestigte Stadtnamens Quinciana), dann bog er zum Vilstal hinüber ab, verwüstete alles und rückte schließlich bis zur Burg Fraunhofen vor. Herzog Heinrich, der vom Aufmarsch des Königs kaum fünf Tage vorher erfahren hatte, rief die Seinen rasch zu den Waffen auch sein Bruder Ludwig stellte ihm eine geringe Anzahl von Hilfstruppen zur Verfügung und zog dem König entgegen. Als Ottokar die Beherztheit des Herzogs bemerkte, bat er um Waffenstillstand. Nachdem er diesen erlangt hatte, floh der Böhmenkönig nachts mit seinem Heer in Richtung Mühldorf. Herzog Heinrich folgte ihm. Als die Gegner in aller Eile in Mühldorf die Brücke zu überqueren suchten, stürzte diese unter der großen Belastung ein. Viele aus der Gefolgschaft des Königs stürzten in den Inn und kamen um. Die anderen hielten sich in der Vorstadt versteckt und starben durch das Feuer. So wurden nicht weniger als 400 Leute ein Opfer des Feuers und des Wassers. Noch ein weiteres Mal griff dieser König im Jahr 1266 gegen Bayern zu den Waffen und besetzte die Bischofstädte Salzburg, Regensburg und Passau. In diesen Städten errichtete er Verschanzungen und brachte schreckliche Verheerung über unser Land. Regenstauf und viele andere Burgen brannte er nieder. Schließlich aber musste er aus Mangel an Nachschub über Eger in sein Land zurückkehren. Herzog Heinrich wollte für dieses Unrecht Rache nehmen. Er rückte mit seinem Heer durch das Tal der Ilz vor und verwüstete die Stadt Felden und das Land im weiten Umkreis mit Feuer und Schwert. Schließlich öffnete er am 30. Oktober ein Tor der Stadt Passau mit einem nachgemachten Schlüssel, drang durch dieses mit den Seinigen ein und steckte den Neumarkt und einen Teil der Stadt mit dem Vorratshaus der Kanoniker in Brand, wobei auch einige Bürger ums Leben kamen. Leicht hätte der Fürst auch die ganze Stadt in seine Gewalt bringen können, wenn nicht die Nacht und das Auseinanderlaufen seiner Truppen dies verhindert hätten.

Nachdem das Reich ohne König auf diese Weise 23 Jahre lang in beständiger Unruhe gelebt hatte, trug Papst Gregor X. den Kurfürsten auf, sich auf einen Kaiser zu einigen und der Kirche einen Schutzherrn zu wählen. Also wurde im Jahr des Heiles 1273 im Monat Oktober zu Frankfurt Graf Rudolf von Habsburg, ein in der Kriegsführung erfahrener und kluger Mann, gewählt. Im folgenden Jahr hielt der zu Nürnberg eine glänzende Fürstenversammlung ab, bei der nur der Böhmenkönig Ottokar und der Bayernherzog Heinrich fehlten, weil sie mit der Wahl König Rudolfs nicht einverstanden waren. Bald darauf wurden sie nach Augsburg vorgeladen. Zwar unterwarf sich Heinrich dem König, Ottokar aber gab in keiner Weise nach und wollte selbst nach der dritten Vorladung keinen Gehorsam leisten. Nachdem aber der Böhmenkönig Ottokar, der damals die Herzogtümer Österreich, Steiermark, Kärnten, Krain und Pordenone mehr als 26 Jahre in seiner Gewalt hatte, als Rebell verurteilt worden war, kam König Rudolf mit einem gewaltigen Heer nach Regensburg und eilte nach dem Sieg über Herzog Heinrich, der ein Anhänger des Königs von Böhmen war, nach Österreich. Wenn auch die Österreicher Ottokar die Treue geschworen hatten und er von ihnen zahlreiche Geiseln in Händen hatte, so wurde doch Rudolf von ihnen in Ehren aufgenommen. Inzwischen hob Ottokar ein großes Heer aus und kam nach Österreich, während König Rudolf fünf Wochen lang Wien belagert hielt. Aber durch Schiedsrichter einigte man sich unter den Königen, ohne dass es zum Kampf kam, darauf, dass König Rudolf Ottokar mit Böhmen und Mähren belehnen und der Böhmenkönig auf die übrigen sieben Provinzen verzichten solle. So geschah es dann auch. Aber nach seiner Heimkehr reute es Ottokar. Ebenso war die Böhmenkönigin ungehalten und schalt ihren Gemahl beständig, dass er auf die genannten Länder verzichtet hatte. Dadurch veranlasst, sammelte Ottokar wiederum ein Heer und begann, ohne Kriegserklärung gegen König Rudolf Krieg zu führen. Umgeben von Österreichern, Steiermärkern und wenigen Schwaben traf Rudolf am 26. August des Jahres 1278 auf dem Feld namens Niedersburg mit dem Böhmenkönig zusammen und lieferte eine gewaltige Schlacht, bei der Ottokar von einem Schwerthieb getroffen wurde und starb. Nach dessen Tod übertrug Kaiser Rudolf das Herzogtum Österreich im Jahr 1282 seinem Sohn Albrecht.


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Kapitel 14: Vom Abt Albert (1277-1280)

Nach Theoderich, unserem 7. Abt, übernahm die Prälatenwürde Herr Albert, ein Sohn unseres Konvents, der unter dem erwähnten Abt das Amt des Oberzellerars versah. Nur wenig über drei Jahre leitete er das Kloster Aldersbach und gab dann freiwillig (ich weiß nicht, aus welchem Grund) das Amt des Abtes zurück. Deswegen wurde er – ebenso so wie die übrigen, die resignierten oder abgesetzt wurden, – nicht in die Liste der Aldersbacher Äbte aufgenommen. Nach seiner Abdankung übernahm er das Amt des Priors in Fürstenzell und beschloss dort seine Tage. Ich wundere mich überhaupt darüber, dass unser über alles geliebtes Tochterkloster Fürstenzell von den Gebräuchen unseres Ordens und den Gewohnheiten unseres Klosters im Gesang und manch anderem abweicht, obwohl es doch sehr oft zu seiner Erneuerung viele regeltreue Brüder, auch acht Äbte aus unserem Kloster erhielt. Aber in der Tat, es ist schwer, Altgewohntes aufzugeben, besonders bei denen, die sich nicht führen lassen wollen.


Allgemeines Konzil 1274 unter Papst Gregor X.

Im Jahr des Herrn 1274 hielt Papst Gregor X. zu Lyon ein allgemeines Konzil ab. Dort veröffentlichte er mehrere Dekrete zur Reform der Kirche, die freilich nicht von langer Dauer waren. Michael, der Kaiser der Griechen, war zusammen mit dem Patriarchen von Konstantinopel und vielen Gelehrten aus Griechenland dorthin gekommen und unterwarf sich dem römischen Stuhl. Zusammen mit den Lateinern bekannten die Griechen die Einheit des Glaubens, von dem sie oft abgewichen waren. Der Papst aber, der in frommem Eifer seinen Sinn auf die Wiedergewinnung des Heiligen Landes richtete, verlangte mit Einwilligung der Kardinäle und Bischöfe vom gesamten Klerus, ganz gleich welchen Standes und Ordens, für sechs aufeinanderfolgende Jahre den Zehent von allen Einkünften, damit die Gelder zusammenkämen, die gewissenhaft an die Streiter für das Heilige Land verteilt werden sollten. Aber was da im frommen Sinn zum Vorwand genommen wurde, das wurde zu einem Strick des Verderbens und zu einer bedauernswürdigen Fallgrube für die Seelen, wie aus Folgendem leicht zu ersehen ist. Niemand wurde von diesem Zehent ausgenommen außer dem Zisterzienserorden, der bei diesem Papst in besonderer Gunst stand. Auf dem Generalkapitel aber wurden vom ganzen Orden 80.000 Mark reinen Silbers zur Ablösung der Zehnten gegeben. Dabei musste unser Kloster in jedem dieser sechs Jahre vier Mark Silber bezahlen. In der Kirche Gottes entstand eine große Unruhe. In jeder Diözese wurden aus den Kanonikern zwei Einnehmer aufgestellt, die unter Androhung kirchlicher Strafen den gesamten Klerus und jeden Konvent anhalten sollten, den Zehent unter Eid auch für die verpfändeten Einkünfte zu leisten. Und wenn sie die Bezahlung nicht nachweisen konnten, wurden sie von den Sakramenten ausgeschlossen oder mit dem Schwert der Exkommunikation getroffen. Auch viele Große wurden unter dieser Last gedemütigt. Doch ein Jahr nach der Aufrichtung dieses Zehents starb Gregor. Die folgenden Päpste nach ihm ließen zwar den genannten Zehent fleißig einsammeln, aber es geschah damit nichts zum Nutzen der Kirche. Denn schon bevor die erwähnten sechs Jahre verstrichen waren, schieden fünf Päpste aus dem Leben. Nicht lange danach versuchte Papst Honorius etwas Ähnliches. Denn im Jahr des Herrn 1287 schickte er den Kardinalbischof Johannes von Tusculum als Legatus a latere nach Deutschland, der in Würzburg in Gegenwart König Rudolfs ein Konzil einberief und den Bischöfen und Kirchen hohe Kontributionen auferlegte. Er hatte überdies die Absicht, dem ganzen Klerus den vierten Teil aller Einkünfte für vier Jahre im Auftrag des Herrn Papstes [als Steuer] aufzuerlegen. Als er in der Hauptkirche in Gegenwart vieler Bischöfe und Prälaten seine Vollmacht eröffnet und deren Durchführung verlangt hatte, waren nahezu alle bestürzt, und der Protonotar des Kölner Erzbischofs stellte sich auf ein steinernes Gefäß und appellierte mit lauter Stimme für seinen Herrn an den Apostolischen Stuhl. Durch dessen Beispiel ermutigt, begannen auch die übrigen zu appellieren. Besonders einer, der Bischof von Toul, wagte es schließlich im Namen aller, Einspruch zu erheben. So kehrte der Legat unverrichteter Dinge und mit leerem Säckel in seine Heimat zurück. Es bewahrheitete sich aber auch an diesem Konzil das Wort des Horaz: „Es kreißen die Berge, und geboren wird eine lächerliche Maus.“


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Kapitel 15: Von Heinrich, dem 8. Abt (1280-1295)

In diesen Zeiten sorgten die Brüder mit solcher Aufrichtigkeit und Umsicht für dieses Kloster, dass sie bis heute in guter Erinnerung geblieben sind. Nicht sich selbst hielten sie für die äbtliche Würde geeignet, obwohl sie dafür vielleicht würdig und tauglich waren, sondern sie räumten bereitwillig Würdigeren diesen Platz ein. Sie beklagten sich nicht unbesonnen, wie es meistens geschieht, über die Erhebung Auswärtiger und über die Versetzung von Äbten, sondern wählten öfter einen von fremden Klöstern, um für ihr Kloster einen geeigneten Hirten zu besorgen, und postulierten solche, die an einem so bedeutenden Ort die Leitung in geziemender Weise übernehmen könnten. So geschah es auch, dass die Verhältnisse in Aldersbach sich unter solch guten und frommen Männern in Kürze über die Massen günstig entwickelten. Nachdem sich aber der Ehrgeiz, die Mutter aller Zwistigkeiten und des Verfalls, eingeschlichen hatte, gerieten unsere Verhältnisse schneller in Unordnung, als sie vorher aufgeblüht waren, und in Schnelligkeit wurde der Zustand unseres Hauses zu einem großen Trümmerhaufen. Davon soll in der Folge die Rede sein.

Nach der Abdankung des Herrn Albert also schritt man am Sonntag Invocavit des Heilsjahres 1280 zur Wahl eines neuen Abtes, und es wurde aus dem Konvent zu Ebrach Herr Heinrich, ein gebürtiger Bamberger, als achter Abt unseres Klosters bestellt. Er war ein gelehrter, reifer, kluger und geschäftsgewandter Mann, der sich in allem um unsere Gemeinschaft sehr verdient machte. Den Brüdern erwies er folgende Erleichterung: Während die Brüder früher nur an Festtagen, an denen zwei Messen gesungen wurden, Wein bekamen, ließ er jetzt täglich, und zwar nicht nur den Mönchen, sondern auch den Laienbrüdern, ein ungeschmälertes Maß Wein zukommen. Er vermehrte die Besitzungen unseres Klosters und wendete viel Geld auf zu deren Kauf. Unsere Zinseinnahmen vergrößerte er auf über hundert Pfund Regensburger Pfennige. Mit Recht schulden wir deswegen unserer verehrungswürdigen Mutter, dem Kloster Ebrach, besondere Ehrerbietung, dass sie uns so oft mit überaus tüchtigen Männern beschenkte, unter deren Leitung, wie man lesen kann, unser Kloster niemals erschlafft und heruntergekommen ist.

Durch die Tüchtigkeit und Klugheit dieses ehrwürdigen Vaters und Herrn Heinrich ließen sich schließlich sehr viele dazu bewegen, unserem Kloster großzügig Gunsterweise und Privilegien zu schenken. Besonders der edle Graf Gebhard von Hirschberg und sein Schwiegersohn Leutold von Kuenring, der Mundschenk von Österreich, wiesen unserem Kloster das Patronatsrecht über die Kirche in Thaya zu. Der Abt von Zwettl aber, der ebenfalls auf diese Schenkung gehofft hatte, behelligte deswegen Abt Heinrich nicht wenig. Um die Angelegenheit zu bereinigen, wurden von unserem Generalkapitel die Äbte von Kaisheim und Waldsassen als Schiedsrichter aufgestellt. Diese gaben den genannten Fall an Abt Hermann von Ebrach weiter. Dieser sprach auf die allgemeine Zustimmung durch den Rat der Weisen hin zusammen mit dem erwähnten Leutold die Kirche [in Thaya] unserem Kloster zu. Der Passauer Bischof Bernhard erklärte diese Schenkung für gültig und bestätigte sie. Auch die Päpste Nikolaus IV. und Bonifaz VIII. bestätigten diese großartige Schenkung. So geschehen 1291.

Überdies gewährte der erlauchteste Fürst Heinrich, der schon vorher erwähnt wurde, unter Zustimmung seiner Söhne Otto, Ludwig und Stephan unserem Kloster und den Leuten, die auf unseren Gütern wohnten, viele Gnadenerweise und Freiheiten, die auch die schon genannten jüngeren Herzöge bestätigten. Von den vielen will ich hier nur einige anführen. Der genannte Herzog befreite uns 1281 für den Transport von mehr als einem Pfund Fuder großen Gebinde Salzes jährlich vom Zoll in Burghausen und Schärding. Er gestattete uns auch, dass wir in den Angelegenheiten unserer Armen selbst richten dürften und diese nicht gezwungen würden, andere Richter aufzusuchen. [Geschehen] im Jahr 1283.


Heinrich und Ludwig von Niederbayern

Jener erlauchte Herzog Heinrich aber starb im Jahr 1290 in großer Ergebenheit und wurde bei den Nonnen zu Seligenthal in Landshut mit großer Feierlichkeit bestattet. Es lebte dort auch seine Tochter Elisabeth als gottgeweihte Jungfrau. Dieser Heinrich hatte mit seinem Bruder Ludwig einen schweren Streit um die Ehre der bayerischen Fürstenwürde. Er behauptete, diese sei damals durch Losentscheid aufgeteilt worden, als sie das Land unter sich geteilt hatten. Sein Bruder Ludwig behauptete das Gegenteil: Nur die Besitzungen und die Länder seien geteilt worden, aber nicht die Fürstenwürde und der Titel. So nannte sich jeder Pfalzgraf und Herzog von Bayern, und der Streit dauerte auch noch unter den Söhnen an. Doch Ludwig, der älter und mächtiger war als Heinrich, gewann die Oberhand, so dass die Kurwürde bei ihm verblieb.


Auch Otto, der spätere König von Ungarn und der Sohn des vorher genannten Heinrich, erteilte uns die Freiheit, dass wir unsere Güter in ganz Bayern ohne Zoll und Abgaben befördern dürfen. [Geschehen] im Jahr 1290. Auch schenkte er uns mit Zustimmung seiner Brüder den Gnadenerweis, dass wir jährlich drei Talente Salz vom großen Gebinde, aber auch 12 Talente vom kleinen Gebinde an den genannten Plätzen frei und ohne Abgaben einführen dürfen. Außerdem erhielt unser Abt Heinrich von den Grafen Bernhard und Heinrich von Schaunberg die Zollfreiheit in Aschach. [Geschehen] im Jahr 1284. Er erlangte auch die Erneuerung und Bestätigung der Privilegien von Seiten der Herzöge von Österreich. Er konnte noch zahlreiche andere herzogliche Privilegien gewinnen, die alle einzeln aufzuführen langweilig und zwecklos wäre, zumal sie in unserer Zeit als wertlos und unnütz angesehen werden.


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Kapitel 16

Meines Erachtens darf auch nicht übergangen werden, dass unter der Amtszeit dieses ehrwürdigen Abtes der Edle Heinrich Pfollinger unserem Kloster ein Landgut namens Droslach mit Mühle und Fischteichen mit vollem Recht schenkte, damit dort eine Zelle für zwei priesterliche Mitbrüder errichtet werde, die dem höchsten Gott nach der Art der Zisterzienser dienen sollten. Wenn jedoch mit der Hilfe Gottes die Einkünfte größer würden, sollte auch die Zahl der Ordensleute vermehrt werden. So begann im Jahr des Herrn 1285 die Gründung des Klosters Gotteszell. Heinrich, der Bischof der Kirche von Regensburg, bestätigte die Schenkung und änderte den Namen des Landgutes in Gotteszell um. Auch nahm er es aus der Zuständigkeit des Pfarrers von Geiersthal und erklärte es gemäß den Statuten der Zisterzienser für frei. Ebenso schenkte er der neuen Gründung den Zehnten in Ruhmannsfelden und in der Pfarrei Geiersthal, damit sich dort möglichst bald ein Konvent bilden könne. Dazu bestätigte auch der bayerische Herzog Otto, der spätere König von Ungarn, die vorhergenannte Gründung des Pfollinger durch Ausstellung einer Urkunde, in der er auch die vom Gründer dem Kloster Gotteszell geschenkten Besitzungen aufführt. Nicht lange danach wurde auf Veranlassung des genannten Herzogs Otto unsere Burg in Ruhmannsfelden gänzlich abgetragen. Deren Steine wurden nach Gotteszell gebracht und zu dessen Aufbau verwendet.

Was soll ich nun berichten von dem einzigartigen Wohlwollen des Herrn Reinhard zu uns? Denn dieser ehrwürdige Mann, Pfarrer an der St. Paulskirche zu Passau, war vom frommen Wandel unserer Brüder angetan und ihnen in Liebe und aufrichtiger Freundschaft verbunden und ließ ihnen und unserem Kloster viele Gnadenerweise zukommen. So bestimmte er von einem Hof in Wolferkofen für jeden Mönch an bestimmten Tagen drei Eier für die Mahlzeit. Er schenkte unserem Kloster auch einen Weingarten namens Wartberg und kaufte einen halben Hof in Gneixendorf. Für die genannten Besitzungen gab er so viel Geld aus, dass es nahezu die Summe von 145 Pfund Regensburger Pfennigen ausmachte. Auch das Haus für die Schneiderei ließ er auf eigene Kosten erbauen. Vom Wunsch beseelt, die Welt zu verlassen, begab sich der fromme und unbescholtene Mann von der Stadt Passau zu uns und bewohnte das Haus der Schneiderei, das er selbst hatte erbauen lassen. Als er das Ende seines Lebens herannahen sah, nahm er das Ordensgewand und beschloss im Vertrauen auf die Gebete der Brüder unter frommer Hingabe sein ehrenhaftes Leben unter der Barmherzigkeit unseres Erlösers und dem Schutz der gebenedeiten Jungfrau Maria. Er wurde in unserer Kirche vor dem Kreuzaltar unter einem Marmorstein bestattet, der seinen Namen trägt.

Auch der vortreffliche Mann Magister Engelschalk, Doktor der Rechte und Kanonikus zu Passau, schuf bei uns ein Werk, das bleibenden Gedenkens wert ist. Da er gemäß dem Wort des Evangeliums wünschte, sich mit dem ungerechten Mammon Freunde zu erwerben, die ihn einmal in die ewigen Wohnungen aufnehmen würden, ließ er bei unserem Kloster ein Hospital für zwölf Arme, die mit Nahrung und Kleidung versehen werden sollten, erbauen. Dieses fromme Werk legte er uns mit großer Eindringlichkeit ans Herz, da wir dafür vom strengen Richter Segen oder Strafe erlangen sollten. Für diese so ansehnliche Stiftung übergab er in die Hände des Herrn Abtes Heinrich 300 Pfund Regensburger Münze, zu denen der genannte Abt nach dem Vermögen unseres Klosters noch 100 Pfund hinzulegte und nahe bei der neuen Pflanzung Gotteszell von den erlauchten bayerischen Herzögen Otto, Ludwig und Stephan die Burg und den Markt in Ruhmannsfelden mit den zur Herrschaft gehörenden Gütern erwarb, damit von den Zinserträgen die erwähnten 300 Pfund für das Hospital sowohl baulich als auch zum Unterhalt der aufgeführten Armen aufgewendet würden, der Rest der genannten Zinserträge aber unserer Abtei zustehe. Unsere Vorgänger erwiesen sich in dieser Angelegenheit als sehr eifrig; denn unverzüglich wurde das Hospital ordnungsgemäß errichtet, und viele Jahre versah es ein Bruder, der für diese Aufgabe bestimmt war. Später aber während der bewegten Amtszeit des Abtes Liebhard verfiel dieses Hospital, und von da an ist nicht mehr die Rede davon. Mögen diejenigen zusehen, durch deren Nachlässigkeit und Schuld ein so großes Werk der Liebe zugrunde ging! Inzwischen hatten wir auch mit dem genannten Markt nur wenig Glück. Er war nämlich so oft verpfändet und verkauft worden, dass es nach dem gerechten Urteil Gottes zu Recht als eine Strafe für die Sünde angesehen werden mag, dass wir nach dem Verfall des Hospitals weder mit jenen Menschen jemals in Frieden leben noch über sie ordnungsgemäß die Herrschaft ausüben konnten.

Abt Heinrich, der erste dieses Namens, litt in den letzten Jahren seiner Amtszeit unter schlechter Gesundheit und verbrauchte nicht wenig vom Vermögen des Klosters für die Ärzte. Diese suchte er nicht nur in Deutschland auf, wie in Regensburg und Würzburg, sondern er begab sich sogar nach Paris, um Heilung zu suchen. Nachdem er aber unsere Abtei wenig mehr als 15 Jahre ehrenvoll geleitet hatte, starb er am 26. September im Jahr des Heiles 1295. Er wurde ebenfalls im Kapitelsaal bestattet unter einem Marmorstein mit folgender Inschrift: „Hier liegt Abt Heinrich, ein Liebhaber der Tugend“.


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Kapitel 17: Von Hugo, unserem 9. Abt (1295-1308)

Nach dem vorher genannten Heinrich übernahm hier auf Hugo als neunter Abt von Aldersbach am Tag der vier gekrönten [Märtyrer] die Leitung unseres Klosters.

Er stammte aus einer ehrenwerten Familie in Straubing, war zuvor 10 Jahre lang Abt in Fürstenzell und wurde schließlich durch die einhellige Wahl unserer Brüder in unser Kloster versetzt. Manche behaupten, Hugo habe vor seinem Fürstenzeller Abbatiat bereits 10 Jahre lang die Abtei Wilhering geleitet. Diesen schenke ich jedoch keinen Glauben. Ich muss die redliche Gesinnung unserer Brüder in jenen Zeiten loben. Denn damals erwogen die Ordensleute häufig in ihrem Herzen das Wort Leos, eines hochgelehrten und heiligen Mannes, das im Kanon Miramur, dis. 61 erklärt ist, dass nämlich die Unbescholtenheit der Vorgesetzten das Wohl der Untergebenen verbürgt. Deshalb erwählten sie sich rechtschaffene, fromme und ausgesuchte Männer als Vorsteher, durch deren eifrige Sorge und Unbescholtenheit sie ihre Seelen retten könnten. Ein solcher war auch dieser Hugo, ein reifer und kluger Mann voller Milde und Sanftmut, der in seinem Lebenswandel nicht wenig dem heiligen Moses glich. Daher wurde er von den Brüdern häufig (wie aus den schriftlichen Quellen hervorgeht) der Mildeste unter den Menschen genannt. Er besaß reiche Erfahrung in allen Belangen, so dass er auch bei schwierigen Angelegenheiten der Fürsten beigezogen wurde. An seine Stelle in Fürstenzell rückte Bruder Diemo, ein Mönch unseres Klosters. Dieser hatte dort sechs Jahre lang die Abtwürde inne; dann verzichtete er und kehrte zu uns zurück.

In Kürze aber will ich noch anfügen, welche Vergünstigungen uns dieser ehrwürdige Vater Hugo verschaffte. Er erlangte von den erlauchten bayerischen Herzögen Otto und Stefan das Patronatsrecht über die Kirche der heiligen Margareta in Geiersthal und erwarb vom ehrwürdigen Bischof Konrad und den Kanonikern der Kirche von Regensburg die Bestätigung der genannten Schenkung. So geschehen 1299. Überdies gestatteten uns laut Urkunden der Bamberger Bischof Arnold und dessen Nachfolger Berencho, dass wir unsere Rinder zusammen mit dem Vieh der Grundholden der Bamberger Kirche in dem Forst, genannt der Hardt, weiden, der nahe beim Kloster liegt. Auf diesen Forst erheben jetzt die Herzöge Anspruch, und wir halten dort nur noch wenig Vieh. So geschehen 1295. Auch befreite der erlauchte Herzog Stefan auf Drängen dieses Hugo unser Kloster von der Aufsässigkeit der Jäger und Vogelsteller, indem er verbot, dass sie uns weiterhin belästigten. [So geschehen] 1307.

Schließlich übertrug Engelschalk, der oben erwähnte Gründer unseres Hospitals, Güter in Eholfing zusammen mit der dortigen Mühle unserem Kloster. Er wurde nach seinem Tod als besonderer Wohltäter auch zu uns überführt und vor dem hl. Kreuzaltar bestattet. Doch nach dem Tod des Magisters Engelschalk bekam Herr Hugo große Anfeindungen durch den Propst von Reichersberg zu verspüren, zu dessen Kloster die genannten Güter einst gehörten, aber durch Verpfändung in andere Hände gekommen waren. Schließlich zogen die bayerischen Herzöge Otto und Stefan unter Berufung auf das Eigentum und Vogteirecht die Besitzungen an sich. Um diese Misshelligkeit endlich zu beenden, zahlte der Abt den genannten Herzögen 100 Pfund, den Notaren aber 28 Pfund Regensburger Münze. So geschehen 1302. Noch zahlreiche weitere Einkünfte, die ich der Kürze halber hier übergehe, erschloss Herr Hugo unserem Kloster.


Herzog Otto, König von Ungarn / Papst Bonifaz VIII.

Jener [Herzog] Otto, der so oft Erwähnung fand, wurde um das Jahr 1302 zum König von Ungarn gekrönt. Nach dem Tode des Ungarnkönigs Andreas konnten sich nämlich die Großen des Reiches nicht auf einen künftigen König einigen; denn die einen begünstigten einen gewissen Karl aus der königlichen Verwandtschaft, die anderen aber Wenzeslaus, den Sohn des Königs von Böhmen. Dieser aber erlangte die Krone erst später. Der Vater aber führte den Sohn schnell zusammen mit der Krone nach Böhmen zurück. Inzwischen brachten einige Große des Reiches mit Zustimmung von Wenzeslaus den Bayernherzog Otto ins Spiel. Er war nämlich ein vortrefflicher Fürst, der die übrigen Herzöge an Großherzigkeit, Weisheit und Würde weit überragte. Er kam, hatte die ihm von Wenzeslaus übergebene Königskrone bei sich und wurde von Benedikt, dem Bischof von Veszprem, und von Antonius, dem Bischof von Csanad, gesalbt und gekrönt. Dann kam er nach Buda und zog an einem Festtag gekrönt in die Stadt ein. Doch kurze Zeit später bemächtigte sich Ladislaus, der Woiwode von Siebenbürgen, seiner und setzte ihn in seiner Burg gefangen. Von dort entkam er später und kehrte ohne Königtum in seine Heimat zurück. Um das Jahr 1311 verschaffte sich König Otto von den Landständen eine große Summe Geldes, indem er ihnen bestimmte herzogliche Rechte verkaufte. Aber bald darauf starb er. Er hinterließ einen Sohn, Heinrich den Natternberger.

Im Jahr des Herrn 1300 ließ Bonifaz VIII. ein Jubiläumsjahr, das alle 100 Jahre gefeiert werden soll, ausrufen; dabei verlieh er denen einen vollkommenen Nachlass aller Sündenstrafen, die die Gräber der Apostel besuchten.


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Kapitel 18: Von der Wasserleitung (1308)

Was ich nun aufschreiben werde, ist nicht der kleinste Dienst des Abtes Hugo für uns. Mit der Hilfe Gottes und der hochgebenedeiten Jungfrau Maria beschaffte er nämlich in seiner Rührigkeit eine Wasserleitung bzw. eine Waschmöglichkeit und ließ diese mit nicht geringen Kosten erstellen. So geschehen im Jahr 1303. Da diese bisher fehlte, musste der Konvent wie auch heute wieder große Unannehmlichkeiten ertragen. Zwar bemühten sich bereits die Vorgänger des Herrn Abtes Hugo eifrig in dieser Angelegenheit; aber ihre Bemühung war vergeblich, und das Werk gelang ihnen nicht nach ihren Wünschen. Noch heute kann man in der Nähe des Ortes Wifling entsprechende Spuren sehen, wo unsere Laienbrüder von einer Quelle, Metelsprun genannt, in Richtung auf das Kloster gegraben haben, um jene Quelle in unser Kloster zu leiten. Aber die Schwierigkeit des Unternehmens brachte die Arbeit schließlich zum Stillstand, und man gab unverrichteter Dinge wieder auf. Es wird erzählt, dass einige Laienbrüder, die unvorsichtig bei ihrer Arbeit waren, von der Erde verschüttet wurden und ums Leben kamen. Herr Abt Hugo führte seine Wasserleitung (wie ich selbst durch das Aufsuchen von Leitungen feststellen konnte) aus dem Ort Gumperting herbei. In der Tat wäre dies eine nützliche Arbeit gewesen, wenn sie nur von Dauer gewesen wäre. Ich halte nämlich dafür, dass diese Leitung kaum 70 Jahre Bestand hatte. (Davon, was ich da von der Zuleitung des Wassers berichtet und in unseren Jahrbüchern vorgefunden habe, kann ich mir allerdings keinen genauen Begriff machen. Ich halte nämlich dafür, dass man sich unter der Wasserzuleitung eher den Bach, der durch das Kloster fließt, vorzustellen hat als eine Quelle). Den Kreuzgang ließ dieser Abt im ganzen Geviert mit einem Gewölbe versehen und ausschmücken und die Mauer um das Kloster vom Gästehaus bis zur Infirmerie erbauen.

Während [der Amtszeit] des [Abtes] Hugo stürzte das Chorhaus der St. Peters-Kirche außerhalb des Klosters wegen seines hohen Alters ein. Dieses ließ er zusammen mit dem Hochaltar wieder ordentlich Instand setzen. Dabei wurden in diesem Altar Reliquien gefunden, die das Siegel des einstigen ehrwürdigen Passauer Bischofs Engelmar trugen. Seit dessen Amtszeit sind (so geht es auch aus dem Passauer Bischofsverzeichnis hervor) bis zum Jahre 1306, als sich das zutrug, 434 Jahre vergangen. Nach zuverlässiger Berechnung wurde also die St. Peters-Kirche, die jetzt Pfarrkirche für unsere Bediensteten ist, um das Jahr des Herrn 872, zurzeit Ludwigs II., der nach Karl dem Großen der dritte Kaiser war, von Grund auf errichtet. Außer dem Erwähnten haben wir über deren Ursprung nichts gefunden.

Um seinen Namen zu verewigen, stattete dieser ehrwürdige Vater Hugo neben anderen großzügigen Diensten unsere Bibliothek mit zahlreichen Büchern aus, indem er mehr als vierzig Bände, die noch erhalten sind, auf Pergament schreiben ließ. Auch kamen noch weitere Besitzungen während seiner Amtsführung an unser Kloster. Auch unser überaus wertvolles Kreuz, das beinahe fünf Silbermark wiegt und mit Edelsteinen verziert ist, wurde unter Abt Hugo von einem jungen Mönch (namens Konrad) angefertigt. So geschehen im Jahr 1302. Am Fuße hat es folgende Inschrift in Versform: „Dieses Kreuz sei dir Richtschnur des Lebens. Hugo hat es gestiftet, und Konrad hat es angefertigt.“ Zu Regensburg im Kloster St. Emmeram befindet sich ebenfalls ein kostbares Kreuz, das über und über mit Edelsteinen verziert ist. Es wurde im Jahr des Herrn 1367 an den Abt jenes Klosters verkauft. Es heißt, dass es aus dem Kloster Aldersbach stamme, und es wurde wahrscheinlich damals unter Abt Liebhard veräußert.


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Kapitel 19

Es ist der Mühe wert, dass wir uns auch mit der vor bildlichen Tüchtigkeit unserer Vorfahren befassen, damit sich die Nachkommen ein Beispiel nehmen können und um nicht den Anschein zu erwecken, als wären sie von deren vorbildlichem Wandel abgewichen. Wovon ich jetzt berichten will, ist keine erfundene Geschichte, sondern hat sich so zugetragen, wie ich berichte.

Im Jahre 1300 nach der Jungfrauengeburt am Fest Kreuzerhöhung kehrte der Bayernherzog Stephan mit seiner Gemahlin, der Tochter des erlauchten Polenherzogs Pulko, unerwartet in Begleitung eines stattlichen Gefolges beiderlei Geschlechts und vieler Adeliger in unserem Kloster ein. Er hatte sie schon vor längerer Zeit aus ihrer Heimat geholt und zog nun zum Zeitvertreib in seinem Herzogtum umher und widmete sich der Jagd. Während nun der Konvent bereits den feierlichen Gottesdienst begonnen hatte, betrat jener mit seiner Gattin und dem genannten Gefolge heimlich die Klausur und drang bis zu den Stufen des Presbyteriums vor. Durch dieses ungewohnte Ereignis bestürzt, war der Konvent in Verlegenheit, was er tun solle. Die jüngeren Brüder aber in ihrem übergroßen Ordenseifer löschten vor deren Augen die Lampe in der Kirche und die übrigen Lichter. Sie entblößten die heiligen Altäre und wirbelten durch ihr Hin und Herlaufen im Kloster den Staub auf. Auch der Priester, der bereits das Gloria angestimmt hatte, stieg von den Stufen des Altares, legte die Gewänder ab und brach die Messfeier an diesem Tag ab. Als der erlauchte Herzog, der die Ordensbestimmungen nicht kannte, dies bemerkte, begann er sich zu ärgern und war ungehalten. Er eilte mit seiner Gattin und seinen Adeligen durch den Kreuzgang hinaus, kehrte erregt wieder zurück und brach in furchtbaren Zorn aus. Und wenn er nicht durch den Rat der einflussreicheren Adeligen bis zum Eintreffen des Abtes Hugo (der damals gerade nicht da war) beruhigt worden wäre, hätte unser Kloster wegen dieses Wutausbruchs vielleicht großen Schaden und Unglück erlitten. Als ihn aber hinterher Hugo mit ruhigen Worten aufgeklärt hatte, ließ er nicht nur vom Zorn ab, sondern zollte den Brüdern Anerkennung, weil sie, vom Ordenseifer getrieben, so mutig gehandelt hatten. So lobte auch Kaiser Theodosius den heiligen Ambrosius, aus dessen strenger Gesinnung er gelernt hatte, welche Ehre er den Priestern Gottes erweisen müsse und welcher der für ihn gebührende Platz in der Kirche sei. In unserer Zeit aber ist solcher Eifer bei den Ordensleuten ein seltener Vogel auf der Welt und wie ein schwarzer Schwan. Denn auch Frauen von gewöhnlichem Stand werden nicht nur nicht von der Klausur der Klöster ausgesperrt, sondern sie werden an vielen Orten zugelassen, und man begegnet ihnen bei geöffneten Türen.

Ich weiß nicht, welche Notlage damals den Zisterzienserorden heimsuchte, da wir eine Mark reinen Goldes, das wir um 12 ½ Pfund Regensburger Münze kaufen mussten, an das Generalkapitel zu leisten hatten. Sogeschehen im Jahr 1303.


Papst Clemens V.

Im Jahre 1305 wurde Clemens V. – zuvor Bischof von Bordeaux – auf Betreiben des französischen Königs zum Papst gewählt. Er musste aber dem König Frankreichs einiges versprechen, was der Freiheit der Kirche widersprach, nämlich die Zehnten von ganz Frankreich für fünf Jahre und vieles andere, was von ihm mit großem Unrecht beibehalten wurde. Im folgenden Jahr brach er mit seinem ganzen Hofstaat nach Bordeaux [sic] auf und ließ sich dort nieder. So hatten viele Päpste nach ihm unter Hintanstellung der Stadt Rom ihren Sitz bei den Franzosen. Er selbst ließ nicht viel später auf dem Konzil von Vienne die Clementinischen Konstitutionen veröffentlichen. Unter diesem Papst wurde der Templerorden, der seit seiner Gründung 184 Jahre bestanden hatte, plötzlich unter der Anklage der Gottlosigkeit aufgehoben und seiner großartigen Besitzungen beraubt. Man behauptet, sie hätten ein Götzenbild gehabt, das mit Menschenhaut überzogen war, vor dem jene, die in den Orden eintraten, ihre Gelübde ablegten. Noch viele weitere Schandtaten wurden über sie verbreitet. Die eigentliche Ursache ihres Untergangs war jedoch unter anderem, dass durch ihre Schuld die Herrschaft über Jerusalem an die Türken verlorenging. Ihr Großmeister verfiel zu Paris dem Feuertod. Es gibt jedoch wieder andere, die behaupten, dass sie zu Unrecht unterdrückt wurden, und zwar auf Veranlassung des Königs der Franzosen, der auf ihre Reichtümer begierig war. Doch dieser musste daraufhin zusammen mit seinen Söhnen viel Leid hinnehmen.


Unser Herr Abt Hugo hatte unser Kloster fast 13 Jahre lang gewissenhaft verwaltet und seine Rechte und Besitzungen nicht nur bewahrt, sondern vielmehr erweitert. Auf dem Rückweg vom Generalkapitel in Citeaux erlitt er in der Nähe des Klosters Heilsbronn einen Schwächeanfall, an dem er ebendort am 16. Oktober im Jahr des Heiles 1308 verstarb. Dort wurde er im Kloster in der Fremdengrabstätte beerdigt. Er hätte es wegen seiner vielen Leistungen um unser Haus wahrlich verdient, dass er bei uns seine Grabstätte gefunden hätte.


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Kapitel 20: Von Konrad, dem 10. Abt (1308-1330)

Noch im gleichen Jahr wurde am Fest des hl. Martin aus unserer Gemeinschaft Herr Konrad, der aus Budweis stammte, zum 10. Abt von Aldersbach gewählt und bestätigt. Fürwahr, kein unbrauchbarer, sondern vielmehr ein sehr gelehrter und kluger Mann, der wegen seiner Erfahrung in den zeitlichen Dingen auch seine Vorgänger übertrifft und den Zustand unseres Klosters in nicht geringem Umfang mehrte, indem er ihm weitere Einkünfte, Besitzungen und Rechte verschaffte und zum Ankauf von Gütern eine Summe von mehr als 545 Pfund Regensburger Pfennigen ausgab. Kriege im Land und verschiedene Unbilden der Zeit jedoch überschatteten seine lobenswürdige Amtszeit und ließen es nicht zu, dass sich alles so entwickelte, wie er es beabsichtigte. Zu dieser Zeit, so möchte ich sagen, befand sich das Kloster Aldersbach auf einem Höhepunkt, erfreute sich frommer und rechtschaffener Männer und hatte höhere Erträge und jährliche Einkünfte als je zuvor.

Besonders die Einkünfte aus Österreich schienen damals den Wohlstand erheblich zu fördern. Jährlich wurden 80 Fass (die man Dreilinge heißt) mit Wein heraufgebracht, die uns aus unseren Besitzungen zukamen. Die Brüder sahen sich sogar gezwungen, den Überschuss an Wein zum Verkauf nach Regensburg und Landshut zu schaffen. Wir hatten dort auch ein großes Aufkommen an Getreide, so dass bisweilen in einem einzigen Jahr zwei bis drei mit Getreide beladene Schiffe heraufgebracht wurden. Später aber wurden unsere dortigen Weinberge und Besitzungen veräußert, auch die Pfarrei Thaya wurde vertauscht und eine weitere in Gattsdorf mit ergiebigen Besitzungen verkauft. Es ist nur noch wenig, was wir heute unter Aufwand großer Mühen und Steuern aus Österreich zu uns bringen, und den für unser Kloster notwendigen Wein können wir billiger als durch Eigenerzeugung kaufen.

Nicht übersehen werden darf, dass dieser Abt auch einige Gebäude unseres Klosters aufführen ließ. Vor allem das Heiligtum der seligen Jungfrau in Weng ließ er erneuern und in gefälligerer Bauweise herstellen. So geschehen im Jahr 1312. Die Kapelle des hl. Johannes auf der rechten Seite unserer Klosterkirche ließ er auf Rechnung des Edlen Konrad Ekkartinger erbauen. So geschehen im Jahr 1324. Auch erwarb er um 29 Pfund Regensburger Pfennige eine große Schale für das Brunnenhaus und die Wasserzuleitung des Hugo und ließ sie zusammen mit einer Kapelle dort aufstellen. Damals war auch unser Dormitorium schadhaft und vom Einsturz bedroht. Zu dessen Erneuerung wurden 275 Balken geschnitten und hergerichtet. So geschehen 1329. Ebenso ließ er den Küchenbau vollständig neu herstellen. Unser Kloster hatte damals einen eigenen Ofen zum Kalkbrennen, von dem wir jedoch bis heute keine Spur mehr finden konnten. Wir stellen uns jedoch vor, dass solche Arbeiten nicht in großer Entfernung vom Kloster geschahen und dass der Bruch aus dem Berg hinter der Infirmerie herausgeschlagen wurde. Damit wurden offensichtlich auch die früheren Gebäude unseres Klosters zum größten Teil gebaut. Auch ließ der Edle Alram von Rottau den Altar und die Kapelle des hl. Benedikt bei uns errichten. So geschehen im Jahr 1331. Durch Schenkung von Besitz an uns stiftete er dort eine tägliche Messe durch einen Konventualen und stattete diese Stiftung mit einem Ewigen Licht, mit einem Kelch und mehreren Ornaten aus. Herr Konrad beschaffte ein silbernes Rauchfass um 7 Pfund Regensburger Pfennige. Ein Schreiber namens Perchtold aus Basel schrieb während der Amtsführung dieses Abtes ein großes Graduale. Er schaffte das „Speculum [historiale]“ des Bruders Vinzenz [von Beauvais] und viele weitere Bücher an. Auch wurde unter ihm in der Kirche eine Uhr aufgestellt und um 39 Goldmünzen gekauft. Noch viele Dienste ähnlicher Art erwies uns Herr Konrad, der 10. Abt. Sie einzeln aufzuzählen würde zu weit führen und langweilen. Wenn der Leser sie gerne wissen will, so suche er in unseren Jahrbüchern nach. Solche wurden während der Amtszeit dieses Abtes und seiner beiden Vorgänger mit überaus großer Sorgfalt zusammengestellt, was man weder vorher noch nachher findet.


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Kapitel 21: Von demselben Abt

Was aber dieser ehrwürdige Abt unserem Kloster an Freiheiten und urkundlichen Verbriefungen erwarb, das wollen wir noch der Feder anvertrauen. Vor allem brachte er unsere Pfarrei in Geiersthal, über die das Kloster früher nur das Patronatsrecht erworben hatte, mit allen Rechten an uns und inkorporierte sie mit Umsicht und mit nicht geringen Kosten dem Kloster. Wiederholt suchte er in dieser Angelegenheit Herrn Nikolaus, den Bischof von Regensburg, und die Kanoniker auf, bevor er die Zustimmung zu dieser Schenkung erhielt. Der letzte Bittgang, bei dem er die Kanoniker für sich gewann und wobei er vom genannten Bischof das Privileg erlangte, verschlang noch 70 Pfund Regensburger Pfennige, ganz abgesehen von anderen Aufwendungen vorher und hinterher. Geschehen im Jahr 1325. Der gleiche Bischof veranlagte die erwähnte Pfarrei auf 16 Pfund Regensburger Pfennige, die von dem Rektor derselben auf zwei Fristen an das Kloster zu zahlen waren. Bischof Friedrich, der Nachfolger des Nikolaus, bestätigte schließlich wenige Jahre später die genannte Schenkung und fügte noch das Recht hinzu, dass wir die Pfarrei mit ordensangehörigen Mitbrüdern besetzen dürfen. Geschehen im Jahr 1354. Seine Urkunde und die des Kardinals Pileus, der den Papst in dieser Angelegenheit vertrat, sind noch erhalten. Dazu kommt auch noch die Bestätigung durch Papst Johannes XXII. unter Konrad, dem 14. Abt. So geschehen im Jahr 13[16]. Auch von den bayerischen Herzögen Heinrich, Otto und Heinrich erlangte Herr Konrad zahlreiche Privilegien. So bestätigten die genannten Fürsten alle und jede einzelne der Freiheiten der vorhergehenden Herzöge in zwei Urkunden; die eine wurde in lateinischer Sprache, die andere in der Volkssprache verfasst Und sie schützten unsere Grundholden dahingehend, dass sie nicht von weltlichen Richtern zur Rechenschaft gezogen oder von sonst jemand bedrückt werden dürften. Zudem bestätigten sie das Privileg, dass unsere Mitbrüder in unseren eigenen Angelegenheiten als Zeugen auftreten dürfen. Herzog Heinrich gewährte uns auch die jährliche Zuweisung von drei Hirschen durch seinen Jäger. So geschehen im Jahr 1327. Schließlich gaben uns die genannten Herzöge zusammen mit Agnes, der Königin von Ungarn, unsere Zehnten in Landau und Deggendorf, die die Brüder seit einigen vergangenen Jahren nicht mehr bekommen hatten, auf die großen Bemühungen des Abtes hin wieder zurück und bekräftigten sie durch Urkunden. Damit man aber den Wert der genannten Zehnten einzuschätzen vermag, bedarf es einer kurzen Erläuterung: Im Jahr des Herrn 1329 erhielt unser Kloster an Getreide 30 Choren oder Schaff Landauer Maßes, auch nachfolgend mehr oder weniger je nach jährlichen Ernteerträgen. Doch auch diese zweite Schenkung der Zehnten dauerte nicht lange. So unbeständig ist nämlich die menschliche Natur, besonders bei den Mächtigen, dass sie morgen schon wieder wegnehmen, was sie heute anscheinend gegeben haben. Du kannst also, geneigter Leser, erkennen, dass sich das Kloster Aldersbach einst Privilegien erfreuen durfte, die heute wegen der schlechten Zeiten wertlos und ohne jede Bedeutung sind.

Und damit du die Beherztheit dieses Abtes genauer einschätzen kannst, sei noch berichtet, was er im Jahr des Herrn 1323 gegen Herzog Heinrich zu unternehmen wagte. Denn dieser Fürst wurde wegen einer Eintreibung (gemeinhin Steuer genannt), die er unseren Hintersassen widerrechtlich und im Widerspruch zu ihrer Freiheit auferlegt hatte, exkommuniziert. Nachdem Herr Abt Konrad den Fürsten wegen dieser Eintreibung mehrmals in Güte aufgefordert hatte, das Unrecht zu beseitigen, dabei aber nichts erreichen konnte, schleuderte er den Bannstrahl gegen ihn. Allerdings erwirkte er hinterher vom Passauer Bischof wieder den Freispruch (ob freiwillig oder unter Zwang, vermag ich nicht zu sagen). Schau dir die Standfestigkeit dieses Mannes an! Heutzutage werden die Prälaten von zunehmend größeren Schwierigkeiten geplagt, und sie alle miteinander können und getrauen sich nicht, was damals ein einziger gegen einen Fürsten unternahm. Unter diesem Abt Konrad erhielt auch Gotteszell den Titel einer Abtei. Nachdem es nämlich seit den Anfängen der Gründung über 35 Jahre hin langsam aufgeblüht war, erhielt es endlich im Jahr des Herrn 1320 am Fest des heiligen Märtyrers Georg mit Zustimmung des Herrn Ordensgenerals von Citeaux den ehrenwerten und von vielen schon lange ersehnten Titel einer Abtei. Die Wahl des ersten Abtes erfolgte in unserem Kloster unter Leitung des Herrn Konrad im Beisein der ehrwürdigen Väter Herrn Friedrich, Abt in Ebrach, und der Äbte von Wilhering und Raitenhaslach. Gewählt wurde Herr Perchtold, der dort schon seit einer Reihe von Jahren dem Kloster vorgestanden hatte.


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Kapitel 22

Wir sehen, dass es für die Späteren nützlich ist, die Tugenden und die vortrefflichen Taten der Vorgänger ins Gedächtnis zu rufen, damit sie den höheren Gnadengaben der Vorfahren nacheifern, in deren Fußstapfen treten und sich so bemühen, den Weg der Heiligkeit an heiliger Stätte einzuschlagen. Es ziemt sich nämlich für die Söhne, die Werke der heiligen Väter zu üben, sonst würden sie ihre Wohnstätte vergeblich einnehmen gemäß dem Wort des hl. Hieronymus in dis. 40, c: „Es ist nicht leicht“, wo er sagt: „Nicht die sind Söhne der Heiligen, die die Plätze der Heiligen einnehmen, sondern jene, die deren Werke ausführen.“ Deshalb möchte ich für die Nachfahren noch ein einziges Beispiel der Tugend unserer Vorfahren aufzeichnen:

Im Jahre 1323 nach der Menschwerdung des Herrn besuchte die Ungarnkönigin, die Herrin Agnes, die Witwe König Ottos, zusammen mit Herzog Otto und mitzahlreichem männlichen und weiblichen Gefolge unser Kloster und nahm dort drei Tage lang Aufenthalt. Dabei nahm sie jeden Winkel der Abtei, des Schlafsaales, des Krankenhauses und der übrigen Konventräumlichkeiten in Augenschein. Die regeltreuen Brüder aber, streng bedacht auf die Anordnungen der Väter und ungehalten über die Anwesenheit von Frauen, feierten keine Gottesdienste; sie unterließen das Glockenläuten, hielten keine öffentlichen Messen und entblößten die Altäre wegen des ungeziemenden Geschehens. Als die Königin dies bemerkte, beklagte sie sich über die ihr zugefügte schwere Beleidigung. Herr Abt Konrad aber, der ein mutiger und beherzter Mann war, soll angeblich der Königin furchtlos geantwortet haben: „Königin“, sagte er, „der fromme Sinn der Brüder und ihr guter Eifer für das Ordensleben dürfen dich nicht erregen. Den Frauen ist bei uns der Zutritt nicht gestattet und durch päpstlichen Erlass untersagt. Wenn du deswegen weiterhin auf uns zornig bist, so scheint es uns doch sicherer zu sein, dass wir augenblicklich deinem Zorn verfallen sind, als dass wir uns eine päpstliche Strafe zuziehen und die Ordensvorschriften verletzt hätten.“ Daraufhin zog die Königin am Tag des heiligen Märtyrers Georg voller Unwillen und Drohungen ab und versprach, den Brüdern einen Brei zu kochen, den sie wegen seiner Bitterkeit nicht verdauen könnten. Aber der gütige Gott beschützte seine Diener und Eiferer für die Ordensvorschriften und ließ nicht zu, dass ihnen daraus etwas Schlimmes erwuchs.

Während der Amtszeit dieses Abtes Konrad verlangte Papst Clemens V. auf dem Konzil von Vienne im Jahr des Herrn 1312 vom ganzen Klerus und den Ordensleuten erneut auf sechs Jahre hin einen allgemeinen Zehent. In der Diözese Passau wurde Herr Meingot, der dortige Dekan, bestellt, der den besagten Erlös innerhalb der Diözese einheben sollte. Da er in dieser Sache unserem Kloster und den übrigen Ordenshäusern der Zisterzienser stark zusetzte und den besagten Zehent durch Androhung von Kirchenstrafen von ihnen forderte, kamen die Ordensvorstände der ganzen Salzburger Kirchenprovinz zusammen und bestellten unseren Abt Herrn Konrad und Abt Otto von Fürstenzell zu Prokuratoren in dieser Angelegenheit. Diese nahmen sich schnell mit Eifer der Sache an, hielten sich und die anderen Klöster unseres Ordens klug in der Sache zurück und appellierten schließlich wegen schwerer Unterdrückung an den Apostolischen Stuhl. Zu welchem Ende diese Sache jedoch gekommen ist, entzieht sich unserer Kenntnis.

Im Laufe der Zeit zählte auch das Kloster Aldersbach sehr viele Laienbrüder, auch Konversen genannt. Es geschah aber, dass zurzeit kriegerischer Auseinandersetzungen (von denen gleich die Rede sein wird) Weltleute ihre Sachen des Schutzes halber hinter Klostermauern brachten. Der Bayernherzog Heinrich hatte nämlich während ähnlicher kriegerischer Auseinandersetzungen dem Kloster und seinen Hintersassen Schutz zugesichert, und niemand wagte es, weder uns noch unseren Besitz zu behelligen. So erhielten die Brüder nicht wenig Geld für den Schutz, den sie Auswärtigen gewährten. Zwei unserer Konversen begingen an dem Eigentum der Auswärtigen einen Diebstahl. Als die übrigen Konversen dies in Erfahrung gebracht hatten, warfen sie die besagten Übeltäter, um nicht selbst in den Verdacht der Mitschuld zu geraten, heimlich und ohne Wissen des Abtes und Konvents in den Kerker und blendeten sie. Obwohl sie deswegen exkommuniziert wurden, beteiligten sie sich weiterhin am Gottesdienst. Die Konventualen aber, die sie nicht von der Teilnahme am Gottesdienst ausschlossen, wurden ebenfalls suspendiert und für irregulär erklärt. Um deren Freispruch wurde ein Bruder namens Bipito zweimal in die Ewige Stadt geschickt. Er erreichte endlich durch Berengar, den Bischof von Tusculum und Primarius des Papstes Johannes XXII., für die Brüder den Freispruch. So geschehen im Jahr 1321.


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Kapitel 23: Vom Niedergang unseres Klosters

Anscheinend aber sank der hohe Stand unseres Klosters unter Abt Konrad etwas, und wir halten es für angebracht, den Grund dafür aufzuzeigen. Wer wüsste nicht, welch großes Ungemach sehr oft Kriege über heilige Stätten bringen? Man schont weder Klöster noch Geistliche, sondern zieht sie über das Maß mit der Stellung von Waffen, Wagen und Reitern in den Krieg hinein. Aus diesem Grund erlitt meiner Meinung nach unser Kloster damals einen Niedergang. Tatsächlich wurden zu damaligen Zeiten zahlreiche verworrene Kriege geführt, und viele Jahre wurde von den bayerischen Herzögen gegen Österreich und Böhmen gekämpft.


Krieg der bayerischen Herzöge gegen Österreich und Ungarn

Mit den Ursachen für diese Kriege wollen wir uns ein wenig befassen. Im Besonderen herrschte große Spannung zwischen den bayerischen und österreichischen Herzögen wegen einer Schenkung, die durch Kaiser Rudolf dem Bayerherzog weggenommen wurde und die der Fürst mit dem Schwert wiedergewinnen wollte. Außerdem ließ der Ungarnkönig Otto kurz vor seinem Tod Bürger von Landshut und Straubing zu sich kommen und nahm ihnen das eidliche Versprechen ab, dass sie nach seinem Tod seinen Sohn Heinrich, der noch unmündig war, Herzog Ludwig von München zur Vormundschaft anempfehlen sollten. Sie gaben dazu das Treuwort und versprachen es. Nach dem Tode des Königs jedoch trafen die Adeligen Vorbereitungen, für den jungen Heinrich den Herzog von Österreich als Vormund zu bestellen. Eingedenk ihres Eides widersetzten sich aber die Bürger und schickten Heinrich heimlich zu Ludwig nach München. Die Adeligen des bayerischen Unterlandes waren darüber erzürnt, vereinigten sich und griffen mit Unterstützung der Truppen des Herzogs von Österreich Herzog Ludwig (den späteren Kaiser) und die besagten Bürger an. Nahe Gammelsdorff stießen sie mit Ludwig zusammen. Es kam zu einer Schlacht, und auf beiden Seiten kamen viele ums Leben. Schließlich behielt Ludwig die Oberhand und ließ viele Adelige gefangen nehmen und in den Kerker werfen. So geschehen am Tag des Märtyrers Theodor im Jahr 1313. Im gleichen Jahr war auch König Otto gestorben, der seinem Bruder Stephan gefolgt war, der ebenfalls wenige Jahre vorher gestorben war und zwei Söhne, Otto und Heinrich, hinterließ.


Wahl Ludwig des Bayern

Im bereits erwähnten Jahr 1313 starb der römische König Heinrich VII., der am Fest Mariä Himmelfahrt [15.08.] in frommer Gesinnung kommunizieren wollte und von Frater Jakobinus aus dem Predigerorden statt des Sakraments, wie es heißt, Gift empfing. Im folgenden Jahr am Fest des heiligen Lukas [18.10.] kamen die Kurfürsten zusammen und vollzogen die Wahl des römischen Königs in Uneinigkeit. Die einen nämlich wählten Ludwig den Bayern, die anderen Friedrich von Österreich. Da jeder der Herzöge sein Recht durchzusetzen suchte, besetzten sie die Reichsstädte und suchten die Bürger auf ihre Seite zu ziehen. Der König von Böhmen und der Erzbischof von Trier kamen Ludwig zu Hilfe. Pfalzgraf Rudolf aber, der Bruder Ludwigs, hielt zu Friedrich. Sie sammelten ihre Truppen, trafen am Neckar in der Nähe von Esslingen aufeinander, und beide Heere erlitten schwere Verluste. Jener Streit um das Reich ging bereits ins achte Jahr, als man erneut Truppen zusammenzog und sich am Tag vor dem Fest des heiligen Michael [29.09.] des Jahres 1323 auf einer Wiese bei Ampfing eine Schlacht lieferte. Der Kampf dauerte von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, und dabei wurde so erbittert gekämpft, dass auf beiden Seiten mehr als 4000 Ritter ums Leben kamen. Ludwig ging schließlich als Sieger hervor, und Friedrich und dessen Bruder Heinrich gerieten mit vielen Adeligen in Gefangenschaft. So wurde Friedrich drei Jahre auf einer Burg im Kerker gehalten, Heinrich aber wurde an den König von Böhmen übergeben. Leopold aber, der Bruder des besagten Friedrich, hörte nicht auf, Ludwig zu belästigen. Zwischenzeitlich wurde über die Freilassung Friedrichs verhandelt. Er erhielt diese auch unter der Bedingung, dass er auf das Reich verzichtete. Dazu musste er die schriftliche Versicherung abgeben, den Widerstand gegen den Bayernherzog aufzugeben. Dieser Vertrag wurde jedoch von Leopold missachtet. Dieser suchte vielmehr beim Papst zu verhindern, dass Ludwig die Krone des Reiches bekam. Es ist eine lange Geschichte. Wer sie genau wissen will, der schlage bei Nauclerus nach. Dieser Ludwig der Bayer, wie er genannt wurde, war ein sehr menschenfreundlicher und vornehmer Fürst und des Reiches nicht unwürdig. Weil er aber die lateinische Sprache zu wenig beherrschte, geriet er infolge ihrer Unkenntnis in große Gefahr. Er hatte den Magister Ulrich von Augsburg zum Kanzler, dem er großes Vertrauen schenkte. Dieser aber nützte seine Machtstellung dazu aus, dem Kaiser zu schaden. Es heißt, dass er Ludwig durch seine Schreiben bei Papst Johannes in Ungnade brachte. (Davon wird später die Rede sein.)


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Kapitel 24

In der Zwischenzeit führten auch die späteren Herzöge des bayerischen Unterlandes, nämlich Heinrich der Ältere, Otto und Heinrich der Jüngere, untereinander Kriege und verheerten, wie es im Krieg üblich ist, das Land nicht wenig mit Brand und Raub. Kaiser Ludwig zitierte sie daher nach Nürnberg und stellte unter ihnen in Gegenwart des Königs von Böhmen und des Burggrafen von Nürnberg den Frieden her, und zwar so, dass Heinrich der Ältere [die Landgerichte] Landshut, Straubing, Schärding und Pfarrkirchen erhielt, Otto Burghausen, Ötting, Traunstein, Hallein, Heinrich der Jüngere Dingolfing, Landau, Deggendorf, Vilshofen, Cham, Kelheim mit den dazu gehörigen Gebieten. Diese Aufteilung geschah im Jahr des Herrn 1327. Kurze Zeit später starben alle besagten Fürsten: Heinrich der Jüngere 1333, Otto 1335; Heinrich der Ältere hatte die Tochter des Böhmenkönigs Johann zur Frau, mit der er den Sohn Johann hatte. Als diese beiden gestorben waren, fiel das bayerische Unterland an Ludwig.


Schon allzu lange befassten wir uns mit der Geschichte und mit Kriegen, so dass wir nun zu der Ursache zurückkommen, warum sich unter Abt Konrad der Zustand unseres Klosters verschlechterte. Durch Beherbergungen und weitere Belastungen, die meist in Kriegszeiten auf die Klöster zukommen, erlitt es großen Schaden. Während der Belagerung der Feste Neuburg in der Nähe von Schärding übernachtete Herzog Heinrich in der Pfingstwoche mit 1500 Reitern bei uns. Obendrein weilte der Viztum Eucharius mit 700 Reitern vom Fest Elisabeth [19.11.] bis Katharina [25.11.] auf Kosten des Klosters bei uns und verursachte unserem Haus großen Schaden, der auf mehr als 140 Pfund Regensburger Pfennige geschätzt wurde. Als teilweisen Ersatz gab uns Herzog Heinrich 60 Pfund gleicher Münze zurück. Eine große Last für unser Kloster bedeutete damals der Mauerbau in Vilshofen, wo wir jährlich einen Teil nach dem anderen auf eigene Kosten zu bauen genötigt waren. Dabei mussten wir in einem Jahr über 100 Goldmünzen ausgeben. Als Herzog Heinrich jedoch bemerkte, dass es zu viel sei, den Belasteten neue Lasten aufzuerlegen, unterstützte er uns auf die Bitte Konrads hin beim besagten Mauerbau, damit die Belastung etwas gemildert wurde, und befreite uns schließlich ganz davon im Jahr 1320. Im Jahr des Herrn 1314 jedoch gab Abt Konrad den Herzögen und Adeligen 32 Fass Wein und 320 Maßeinheiten (die landläufig Schäffl heißen) an Weizen und Hafer zum Geschenk, um unser Haus vor den Plünderungen durch die Feinde zu schützen. Deswegen also, wegen derartiger Beschwernisse, wegen der Ungunst der Zeit und der vielen Kriege ist unser Kloster in Schuldenlast geraten, deren Summe sich damals auf 200 Pfund Regensburger Pfennige und darüber belief. Während der Amtszeit dieses Abtes finde ich erstmals auch Ausgaben für einen Schulmeister. Damals war auch Bruder Landgraf Friedrich Professe unseres Klosters. Es heißt auch, dass damals das Kloster Niederalteich vielleicht in Anbetracht des Fortschritts und Aufschwungs unseres Klosters unter seinem Abt Bernhard, der dort auch die Klosterkirche erneuerte, zur Observanz der Zisterzienser überwechselte und von unserem Kloster freiwillig die Reform übernahm, auch wenn die späteren Mönche Niederalteichs davon keine Kenntnis haben oder nichts davon wissen wollen, um ihre Vorgänger nicht des Leichtsinns zu beschuldigen. Aber genug davon.

In der Tat scheinen dieser unser Konrad und seine beiden unmittelbaren Vorgänger unser Kloster in großen Aufschwung gebracht zu haben. Sie waren jedenfalls unbescholtene, gelehrte, gewissenhafte und kluge Männer, so dass ich nicht wüsste, welchem ich den anderen gegenüber den Vorzug geben sollte. Ihre Leistungen für uns, die bis heute in Erinnerung blieben, sind so zahlreich, dass ich sie nicht genau aufzählen könnte. Abt Konrad leitete unser Kloster etwas über 21 Jahre lang. Im letzten Jahrseiner Verwaltung begann er nach der Rückkehr von der Weinlese aus Österreich sich über seinen schlechten Gesundheitszustand Sorge zu machen. Und obwohl er Ärzte herbeiholen ließ, blieb es ihm versagt, die Gesundheit wiederzuerlangen. Und er war schwer krank bis zum Donnerstag vor Ostern, an dem er bei Anbruch der Nacht von seinem Leiden erlöst wurde und starb. Der Konvent hielt bis zum dritten Tag mit Psalmengesang und Gebet vor dem Leichnam Wache. Man rief die Äbte von Fürstenzell und Gotteszell und bestattete ihn in ihrem Beisein im Kapitelsaal unter einem eigenen Marmorstein am Tag des heiligen Tiburtius [14.04.] im Jahr 1330 nach der Jungfrauengeburt.


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Kapitel 25: Von Heinrich, dem 11. Abt (1330-1336)

Sechs Wochen betrauerte unser Kloster das schwere Los seiner Witwenschaft. Endlich, am Tag des heiligen Papstes Urban [25.05.], schritten die Brüder zur Wahl eines neuen Hirten unter Vorsitz des Herrn Albert, Abt von Ebrach. Gewählt und zu uns versetzt wurde Herr Heinrich, Abt in unserm Tochterkloster Fürstenzell. Er hatte dort bereits seit drei Jahren die Abtei inne und stammte aus Vilshofen.

Er erhielt von den österreichischen Herzögen Albrecht und Otto folgenden Gnadenerweis, dass wir nämlich ein Pfund Salz vom größeren Gebinde jährlich auf dem Inn bei der Burg Neuburg und auf der Donau überall bis Wien zollfrei befördern dürfen. So geschehen 1333. Auch vom bayerischen Herzog Heinrich erlangte erfolgendes Privileg, dass die Grundholden unserer Höfe in Gumperting, Atzenberg, Wifling und Weng und die Bediensteten des Klosters keine Abgabe, landläufig Steuer genannt, zu leisten haben. Viel ist mir nicht begegnet, was ich über die Verwaltungstätigkeit dieses Abtes berichten könnte. Der Zustand unseres Klosters hat sich unter ihm jedenfalls verschlechtert, möglicherweise nicht durch menschliches Fehlverhalten, sondern eher durch die Ungunst der Zeit.

Der kriegerischen Auseinandersetzung war kein Ende, und die Kämpfe wurden zunehmend härter. Im Jahr des Herrn 1331 gab es eine gewaltige Auseinandersetzung zwischen unserem Herzog und dem Grafen von Hals. Der Graf aber, der dem Herzog mit ungleichen Kräften entgegengetreten war, wurde leicht besiegt. Der Herzog von Bayern warf ihm an die zwanzig Burgen ab und verwüstete sie. Auch Kaiser Ludwig führte im besagten Jahr Kriege gegen König Johann von Böhmen wegen des Herzogtums Kärnten. Obwohl der Kaiser nach dem Tode des Herzogs Heinrich von Kärnten das Landkraft kaiserlicher Autorität den Herzögen von Österreich verlieh, suchte es der König von Böhmen für seinen Sohn Johann unter seine Gewalt zu bringen. Deswegen gab es zwischen den Bayern und Böhmen eine gewaltige Auseinandersetzung. Unser Kloster musste für das Unternehmen gegen Böhmen drei Raiswägen stellen, die zusammen mit den Pferden in die Hände der Feinde fielen und ausgeplündert wurden. Und so erlitt unser Kloster erheblichen Schaden. Bei den Weltleuten bestand damals keine oder nur eine sehr geringe Wertschätzung für die Ordensleute, die man mit Gewalt und Macht zu unterdrücken suchte. Unser Abt Heinrich musste sich mit verschiedenen Mächtigen unseres Landes und auch mit den Herzögen auseinandersetzen und wurde genötigt, ihnen 1333 etwa zweihundert Pfund Regensburger Pfennige zu zahlen. Überdies musste man auch nach Citeaux mehr als gewohnt an Abgaben leisten. Auch dem Papst wurden jährlich 6 Goldmünzen an Zehent gezahlt. So häufte sich von allen Seiten das Unglück über unser Haus. Außerdem war ein überaus unfruchtbares Jahr, so dass unser Haus nur einen geringen Ertrag an Weizen und Wein hatte und der Abt für die Bedürfnisse den für die Brüder notwendigen Weizen und Wein um teures Geld kaufen musste. Obgleich wir damals große Besitzungen in Österreich hatten, so herrschte eine solche Unfruchtbarkeit, dass im Herbst nur10 Fass Wein unsere Kelter füllten. Davon wurden acht auf dem Transport vom österreichischen Herzog weggenommen und im Krieg erbeutet. Auch gingen in einem Jahr 400 Schafe an einer Seuche ein, und auch anderes Vieh wurde davon hinweggerafft. Diese und andere Unglücksfälle suchten damals das Kloster Aldersbach schwer heim und brachten es in so große Not, dass der Abt nicht nur die früheren Schulden nicht mehr begleichen konnte, sondern sie noch um 400 Pfund Regensburger Pfennige vermehrte. Auch einige Besitzungen bei Ruhmannsfelden hat er an jemanden von Gotteszell verpfändet. Wenn du weiteres über die Amtszeit dieses Abtes erfahren willst, so schlag die Jahrbücher nach, und du wirst es schwarz auf weiß finden und bestätigen können, dass ich wahrheitsgemäß berichtet habe.

Herr Heinrich aber verwaltete diese Abtei etwas mehr als sechs Jahre; dann wurde er am Vorabend des heiligen Apostels Bartholomäus [23.08.] durch den Tod aus dem Leben gerissen, während die Welt seit der Geburt des Erlösers sich im 1336. Jahr drehte.


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Kapitel 26: Vom 12. Abt Christian (1336-1338)

Nun kommen wir auf die Amtszeit unseres 12. Abtes zu sprechen. Es war dies Herr Christan, ein Sohn unseres Klosters, der am Fest des heiligen Evangelisten Lukas [18.10.] nach einmütiger Wahl der Brüder durch Herrn Albert, Abt von Ebrach, eingesetzt und bestätigt wurde.

Dieser Christan war ein tauglicher Mann mit großer Erfahrung, da er lange Zeit das Amt des Oberzellerats bekleidete und manch schwierige Aufgaben des Klosters bewältigte. Auch wenn er nur kurze Zeit unser Kloster leitete, so war er ihm doch ein großer Nutzen, und er wäre ihm noch von längerem Nutzen gewesen, wenn nur Gott, der Erhalter aller Dinge, seine Lebenstage verlängert hätte, da man größte Hoffnung auf ihn setzte. Denn wer möchte von guten Männern nicht das Beste erhoffen? Es kann nämlich nach dem Wort des Evangeliums ein guter Baum keine schlechten Früchte bringen oder überhaupt unfruchtbar bleiben. So tilgte und beglich dieser ehrwürdige Vater, obwohl er nur (wie gesagt) wenige Jahre das Amt des Abtes innehatte, zum größten Teil die vorher angefallenen Schulden. Auch ließ er für unsere Abtei eine Hauskapelle einrichten und dem Gedächtnis der Apostel Philippus und Jakobus, des Sohnes des Alphäus, weihen. Überdies ließ er das Chorgestühl erneuern, wo die Brüder die kanonischen Tagzeiten und das göttliche Offizium verrichten. Vom Bayernherzog Heinrich erlangte dieser Prälat die folgenden Privilegien, nämlich, dass vor den weltlichen Gerichten für uns die gleichen Gesetze wie für die Weltleute in Anwendung kommen und die gleiche Prozessordnung wie bei ihnen eingehalten werde. Auch dass es uns gestattet sei, Verbrecher und Übeltäter gegen uns selbst in Haft zu nehmen. Wenn sie dagegen Widerstand leisten und ihnen dabei Unrecht oder eine Verletzung zugefügt wird, sollten wir niemand verantwortlich sein. So geschehen im Jahr 1338. Sollte dieser ehrwürdige Vater noch weitere Leistungen für uns und unser Kloster getätigt haben, so sind sie jedenfalls nicht überliefert. Dieser Herr Christan leitete dieses Kloster fast zwei Jahre lang und schied am 27. Juli 1338 nach Erlösung der Welt aus dem Leben. Auch er wurde im Kapitelsaal bestattet, jedoch der Kürze seiner Amtszeit wegen wohl ohne Marmorgrabdenkmal; doch hätte ihm dies durch die Brüder nicht nur seiner Abtwürde wegen, sondern auch wegen seiner Verdienste um unser Kloster nach unserem Dafürhalten gebührt.


Hostienfrevel in Deggendorf und Brunnenvergiftung

In diese Zeiten fiel auch jene denkwürdige Untat, die jenes den Sabbat feiernde Volk der Juden in der Stadt Deggendorf gegen das göttlichste Sakrament gewagt hat. Denn zur Schmähung unseres Herrn Jesus Christus ist das hochheilige Sakrament der Eucharistie denselben von einer gewissen christlichen Magd verkauft worden; die beschnittenen Hebräer durchstachen es mit Stacheln von Dornen, schlugen es alsdann auf einem Amboss mit Hämmern und warfen es in einen angeheizten Backofen. Das Sakrament hob sich in der Glut des Ofens aus eigener Kraft empor, flog heraus durch die Luft, so wird berichtet, und legte sich schließlich bei einem gewissen Handwerker auf den Pelz (mit dem dieser bekleidet war). Hartmann von Degenberg, der damals Pfleger in Natternberg war, erfuhr von der Angelegenheit, umzingelte zusammen mit den übrigen christlichen Bürgern die Häuser der Juden und ermordete viele beiderlei Geschlechts aus besagtem Volk. So geschehen im Jahr 1337. In besagter Stadt werden in der Kirche zum Grab des Herrn einige Stückchen des göttlichen Sakraments aufbewahrt, die seinerzeit bei den Juden gefunden wurden. Sie sind jedoch, obwohl sie an einem sehr feuchten Platz hinterlegt waren, so viele Jahre hindurch aufgrund eines göttlichen Wunders vollkommen unversehrt geblieben. Dazu ist ein Dorn, mit dem der verehrungswürdige Leib des Herrn durchstochen wurde, so von grüner Farbe überzogen, als wäre er eben erst vom Stamm abgetrennt worden. Dies alles wird dem christlichen Volke, das zum Fest des heiligen Hieronymus in hellen Scharen dort zusammenströmt, neben den anderen Reliquien von Heiligen vorgewiesen.

Besagtes Volk der Beschnittenen beging kurze Zeit später in ganz Deutschland ein furchtbares Verbrechen. Indem es daranging, zur Vernichtung der Christen überall die Brunnen zu vergiften, brach in ganz Europa eine so furchtbare Pest aus, wie wir sie vorher in der Geschichte nicht finden. Vielerorts wurden die Juden als Urheber dieser gewaltigen Seuche infolge der Brunnenvergiftung entlarvt und überall in ganz Deutschland von den wütenden Volksmassen hingerichtet. Und so soll der größte Teil von ihnen durch den Feuertod das Leben verloren haben, während man die übrigen überall aus dem Land vertrieb. So geschehen 1348.


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Kapitel 27: Vom Abt Ulrich (1338-1340)

Viele werden vielleicht glauben, dass wir da Ammenmärchen erzählen, wenn wir das, was Anderen über die Geschichte Aldersbachs unbekannt ist, ans Licht bringen und so die Nachlässigkeit unserer Vorgänger zu ergänzen suchen. Es stimmt aber, was Vergil, wohl der gewandteste unter den Dichtern, in seinen „Hirtengedichten" ausspricht: „Einen jeden reißt seine Lust hin." Der eine huldigt dem Müßiggang, der andere hat Zeit zum Schlafen. Der eine trinkt sich voll mit Wein, der andere reizt seinen Schlund mit ständigem Essen, und das gilt so für alle anderen, die aufzuzählen zu weit führen würde und auch unnütz wäre. Jedenfalls trachten die einzelnen nach Erfüllung ihrer Wünsche, und wenn sie sich nicht darum bemühen, ihre Geisteskräfte zu stärken, verfallen sie aus angeborener Neigung leicht derlei Lastern zum Opfer, um nicht zu sagen, sie werden davon angelockt. Es gibt aber auch andere, die sich vom guten Geist leiten lassen. Sie befassen sich mit den Musen und bewährten Schriftstellern und richten ihren Geist gänzlich nach guten Grundsätzen aus. Die wissen wohl, was den weiter oben Genannten unbekannt geblieben ist: Ausdauernde Lektüre bringt großen Nutzen, und gemäß dem göttlichen Boethius wird die Stumpfsinnigkeit in einer Sache durch Sorgfalt überwunden. Soviel davon.

Um aber mit dem Begonnenen fortzufahren, ist jetzt darüber zu berichten, wer unserem Christan im Amt des Abtes nachfolgte. Nach dessen Hinscheiden aus diesem Leben wurde Herr Ulrich, genannt der Stettinger, aus unserer Gemeinschaft gewählt und als Leiter dieses Klosters durch den bereits genannten Abt Albert von Ebrach bestätigt. Er hatte das hohe Amt des Abtes zwei Jahre lang inne und verzichtete dann auf diese Würde oder wurde möglicherweise wegen seiner Unfähigkeit abgesetzt. Keines von beiden wage ich jedoch zu behaupten. Aber wegen gewisser Hinweise möchte ich vermuten, dass er dem Kloster nicht von großem Nutzen war. Er war schon vor seinem Eintritt in den Orden Priester und von begüterter und adeliger Abstammung.

Die heiligen Weihen hatte er wohl mit Hilfe seines väterlichen Erbgutes erworben. In unseren Zeiten erleben wir es selten, dass solche, die nicht im Orden heranreiften, für diesen von großem Nutzen sind. So geht es gewöhnlich auch bei denen, die nicht von Kindheit an, sondern erst später lesen und schreiben lernen. Selbst wenn sie sich als Könner vorkommen, so merkt man doch die Unsicherheit und Unausgewogenheit. Ich möchte jedoch nicht in Abrede stellen, dass nicht gerade beste, schon im Greisenalter stehende Männer, die einst in den Dingen der Welt Erfahrung sammelten, nach ihrem Ordenseintritt ein vorbildliches Leben führten und der Klosterfamilie zur Zierde und zum Nutzen gereichten. So kommt es andererseits heute häufig vor, dass gerade Jüngere, denen man das Ordensleben anempfahl, ermatten und gleichsam in der ersten Blüte zugrunde gehen, bevor sie als Mönche ihr Ziel vollständig kennengelernt haben. So wirbelt das Schicksal alles im Kreise, so dass kaum etwas den gleichen Verlauf nimmt. Aber nun genug davon.

Da nun die Erinnerung an besagten Abt Ulrich bei den Nachfahren fast gänzlich verlorenging, werden wir klar aufzeigen, dass er unsere Abtei innehatte, damit man nicht argwöhnt, wir hätten Falsches berichtet, und damit man uns auch weiterhin leichter glaubt. Es existieren schriftliche Urkunden darüber, dass er im Jahr des Herrn 1338 am Fest der hl. Jungfrau Katharina mit Herrn Ulrich, dem Vikar unserer Kirche in Egglham, eine Einigung erzielte. Dieser hatte durch den Brand des Pfarrwidums großen Schaden erlitten, und so einigte er sich vor dem Schiedsgericht der Passauer Kanoniker mit unserem Herrn Abt Ulrich. Er erwarb sich als Priester die Ehre, dass er bei den Äbten im Kapitelsaal beerdigt wurde. Nach seinem Rücktritt jedoch lebte Abt Ulrich noch viele Jahre; denn er wird noch erwähnt bei der Wahl des Abtes Liebhard, die in Uneinigkeit erfolgte doch davon später. In unserem Konvent hatte er auch den Platz des Seniors inne, wenn ich auch nichts von einer ihm zugewiesenen Versorgung vorfinde. Er erhielt jedoch von seinem Bruder aus dem väterlichen Erbe jährlich eine Unterstützung. Im Verzeichnis der Äbte jedoch ist er nicht eingetragen (wie auch die übrigen, die vorzeitig aus dem Amt schieden).

 


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Kapitel 28: Vom 13. Abt Herold (1340-1343)

Herold, der 13. Abt dieses Klosters, erlangte nach der Resignation des Herrn Ulrich am Fest des heiligen Laurentius im Jahr des Herrn 1341 während der Visitation durch den schon öfter genannten Herrn Albert die Leitung des Klosters Aldersbach. Er war ein gereifter Mann, jedoch schon ziemlich alt, zumal er vorher über 35 Jahre hin wichtige Ämter unseres Hauses innehatte.

Herold, der 13. Abt dieses Klosters, erlangte nach der Resignation des Herrn Ulrich am Fest des heiligen Laurentius im Jahr des Herrn 1341 während der Visitation durch den schon öfter genannten Herrn Albert die Leitung des Klosters Aldersbach. Er war ein gereifter Mann, jedoch schon ziemlich alt, zumal er vorher über 35 Jahre hin wichtige Ämter unseres Hauses innehatte. Er wäre unserem Kloster kein unnützer Verwalter gewesen, wenn ihm eine längere Amtszeit gegönnt gewesen wäre. Aber die göttliche Vorsehung leitet alles nach ihrem Plan und setzt allem Irdischen ein Ende.

Während der Amtszeit dieses [Abtes] im Jahr1343 nach der Geburt aus der Jungfrau verschaffte Ludwig IV., von den lateinischen Geschichtsschreibern „der Bayer" genannt, unserem Kloster aus kaiserlicher Güte und Freigiebigkeit einen überaus großen Gnadenerweis und schenkte ihm das Patronatsrecht über die Pfarrei Münster in der Nähe von Asbach. Diese Schenkung bestätigte dann der Passauer Bischof Gottfried im achten Jahr nach dem Tode des Kaisers auf Bitten Ludwigs, des Markgrafen von Brandenburg, und Stephans, des Herzogs von Bayern, beide Söhne des Kaisers Ludwig, und inkorporierte die genannte Pfarrkirche unserem Kloster, indem er deren jährlichen Ertragswert auf 24 Pfund Regensburger Pfennige festsetzte. So geschehen im Jahr 1351.

Zu dieser Zeit hatte Benedikt XII. den Apostolischen Stuhl inne. Er war einst Zisterziensermönch und ein unbescholtener und überaus gelehrter Mann, von Gott zu dieser Würde ausersehen, den man sogar wegen seiner hervorragenden Taten zu den Heiligen zu zählen pflegt. Es faseln manche davon, dass 17 römische Päpste aus dem Zisterzienserorden zu dieser Würde aufgestiegen seien. Wenn ich aber bei Platina und weiteren Historikern, die das Leben der Päpste beschrieben, nachschlage, so finde ich außer Eugen III., einem Schüler des heiligen Bernhard, und Benedikt XII. keinen oder vielleicht nur ganz wenige. Denn einige, die aus unserem Orden auf den Apostolischen Stuhl gelangt sein sollen, lebten lange vor der Errichtung des Zisterzienserordens, so Bonifaz IV., Leo V., Johannes XX. und viele andere. Einige haben nicht einmal in das Verzeichnis der Päpste Aufnahme gefunden, so Fabian IV. und Pelagius IV. Es gab zwar einen Fabian, und der war Märtyrer, und zwei [mit dem Namen] Pelagius; einer davon amtierte nicht lange nach Gregor dem Großen. Die weiteren aber, die aus dem Zisterzienserorden auf den Apostolischen Stuhl gelangt sein sollen, waren entweder Weltpriester oder Angehörige anderer Orden. Diese offene Lüge stammt meines Erachtens von der Zahl der Päpste her, die unserem Orden erstrangige Privilegien gewährten, die dann irgendein Schwätzer (ob in betrügerischer Absicht oder aus Einfalt, vermag ich nicht zu entscheiden) dem genannten Orden zurechnete.

Der vorher erwähnte Benedikt suchte zwar Kaiser Ludwig von der Exkommunikation, mit der er einst durch Johannes XXII. belegt worden war, loszusprechen. Die Könige von Frankreich und Apulien jedoch leisteten Widerstand. So schickte er die kaiserlichen Gesandten, die deswegen nach Rom (!) gekommen waren und die Lossprechung erbaten, unverrichteter Dinge zurück. Der besagte Papst Johannes hatte um die Geschichte doch etwas genauer darzustellen im Jahr des Herrn 1323 auf einem öffentlichen Konsistorium zu Avignon Ludwig exkommuniziert, weil er dem Galeazzo, der Mailand mit Gewalt besetzt hielt, Hilfstruppen sandte und weil er sich vor seiner Bestätigung [durch den Papst] die Führung des Reiches angemaßt habe. Auf Zuraten seiner Anhänger hin appellierte er an den Papst, der besser zu informieren sei, und an ein allgemeines Konzil. Nachdem er schließlich die Verhältnisse in Deutschland geordnet hatte, zog er 1327 nach Italien. Er kam nach Mailand und wurde am Pfingstfest der Sitte gemäß vom Erzbischof der Stadt mit der Eisernen Krone gekrönt. Dann machte er sich auf den Weg nach Rom. Dort wurde er von Senat und Volk der Römer mit großer Freude prunkvoll empfangen, und im Lateran wurde Ludwig zusammen mit seiner Gattin Margareta von Stephan Colonna mit der Kaiserkrone gekrönt.

Sofort versuchte er, Papst Johannes durch Beschluss des Senates der Römer zu stürzen, indem er einen gewissen Petrus von Corbaria zum Gegenpapst erhob, der sich Nikolaus V. nannte. Während sich Ludwig zwei Jahre lang in Rom aufhielt, gebar seine Gattin den Sohn Ludwig, den man den Römer nannte. Sobald der Kaiser in die Heimat zurückkehrte, setzte Papst Johannes den Petrus wieder ab, schleuderte den Bannfluch gegen Ludwig und bezichtigte ihn der Häresie. Ebenso ging er gegen seine Gönner und Anhänger vor. Wegen all dieser Dinge appellierte Ludwig. Diese Prozesse wurden von manchen genau beachtet, von anderen aber als unwirksam beurteilt. Näheres darüber kannst du bei Nauclerus auf Seite 248 nachschlagen.


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Kapitel 29

Welch großen Schaden aber die Gemeinschaft der Christenheit dadurch erlitt, dass gerade die beiden Oberhäupter der katholischen Kirche in Streit miteinander lagen bzw. sich gegenseitig verfolgten, das weiß wohl jeder. Ziehe die Geschichtsschreiber zu Rate, und du wirst augenblicklich erfahren, welch zahlreiche Ärgernisse und Gefahren aus jener Wurzel erwuchsen! Gemäß der Rechtskraft der heiligen Canones verfügt der Papst über zwei Schwerter. Eines davon verleiht er jedoch dem Römischen Kaiser zur Verteidigung der Kirche. Wenn dieser damit Missbrauch treibt, wer wollte dann leugnen, dass der Papst dem undankbaren Kaiser wegnehmen kann, was er [ihm] verliehen hat? Nicht aber darf der Kaiser dem Papst das Schwert entreißen, dass dieser nicht von ihm, sondern von einem anderen empfangen hat. Das aber hat jener Ludwig, ebenso wie Friedrich I. und viele andere, zu Unrecht versucht. Obwohl auch Otto I., jener ruhmreiche und überaus tüchtige Kaiser, Johannes XII. absetzte, so lag doch dafür ein anderer Grund vor, warum jener gottesfürchtige Fürst dies getan hat. Deswegen verfügte auch Leo VIII., um die Hinterlist der Römer zu unterbinden, die damals immer wieder einen ihrer Parteigänger [als Papst] einschleusten, dass ohne ausdrückliche Zustimmung des Kaisers es niemand wagen dürfe, den Apostolischen Stuhl zu besteigen. Aber diese Bestimmung hat im Wechsel der Zeiten ihre Wirksamkeit verloren, und dem Kaiser werden keinerlei Rechte mehr bei der Papstwahl zuerkannt. Man behauptet jedoch, Ludwig der Bayer habe diese ungemeine Frechheit infolge schlechten Einflusses anderer begangen. Unter diesen waren überaus gelehrte Männer aus dem Minoritenorden wie Wilhelm Ockham und andere, die auf seiner Seite standen und die Sache des Kaisers verteidigten. Ihrem Einfluss wohl folgte der Kaiser bei diesem Schisma und stürzte sich und ganz Deutschland in zahlreiche Gefahren. Nachdem nun Ludwig auch durch den Nachfolger des Johannes, durch Benedikt XII., die Lossprechung nicht erlangte, verharrte er bis zu seinem Lebensende in seinem Starrsinn. Während er einmal in der Nähe von Fürstenfeld der Jagd nachging, wurde ihm von der Herzogin von Österreich ein Becher mit einem Mischgetränk gereicht. Er nahm den Trank, stürzte sogleich von dem Pferd, auf dem er saß, und beendete sein Leben in den Armen eines Bauern. Die Brüder des genannten Klosters aber holten den Leichnam heimlich zu sich und verbargen ihn über dem Gewölbe der Kirche. Sie betrachteten ihn nämlich als ihren Gründer. Als aber seine Gefolgsleute jeden Winkel des Klosters eingehend durchstöberten, fanden sie ihn, brachten ihn nach München und bestatteten ihn ehrenvoll in der Kirche der heiligen Jungfrau. So geschehen im Jahr 1347. Damit wir uns aber nicht länger mit Dingen befassen, die außerhalb liegen, wenden wir uns wieder den Angelegenheiten unseres Klosters zu.

Während des bereits erwähnten Schismas standen der Abt und unsere Brüder auf der Seite Ludwigs, weil sie in ihm ihren Wohltäter und ihren Landesherren sahen. Es ist sogar nachzulesen, dass er einmal zusammen mit seiner Gattin in unserem Kloster genächtigt hat und die Brüder sich ihm in größtmöglicher Höflichkeit und Liebenswürdigkeit widmeten. Wegen dieses vertrauten Umgangs also verfielen die Brüder den kirchlichen Strafen. Da sie diesen Sachverhalt in seiner ganzen Tragweite wahrscheinlich nicht richtig einschätzten, gerieten sie in großen Schaden für ihre Seelen und erkannten diese Gefahr erst sehr spät. Denn mehr als 20 Jahre lang feierten sie Gottesdienst, obwohl sie mit der Kirchenstrafe belegt waren. Aber schließlich schickten sie im Jahr des Herrn 1361 nach der Wahl des Abtes Liebhard während des Pontifikates Innozenz VI. einen Boten an die Kurie. Dieser erhielt von Franziskus, Kardinal von San Marco und Pönitentiar des Römischen Pontifex, für die Brüder die Lossprechung von den genannten Strafen und die Dispens von der Irregularität. Da kann man sehen, welche Gefahren die Gleichgültigkeit der Äbte für die Untergebenen nach sich ziehen kann, wenn sie mehr als recht den irdischen Dingen nachjagen und die geistlichen Belange und das Heil der Seelen für nichts erachten. Darüber werden sie einmal vor dem Gericht des unbestechlichen Richters genaueste Rechenschaft ablegen müssen.

Unser Herold leitete unser Kloster fast drei Jahre lang. Als er sich jedoch aus gesundheitlichen Gründen in Passau bei den Ärzten aufhielt, endete sein Leben dort am Tag vor St. Lukas. Sein Leichnam wurde in unser Kloster überführt und im Kapitelsaal unter einem Marmorstein, der seinen Namen trägt, bestattet, als das Jahr 1343 den Erdkreis durcheilte.

 


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Kapitel 30: Vom 14. Abt Konrad (1343-1361)

Den Hirtenstab des Klosters Aldersbach übernahm hernach Herr Konrad als 14. Abt dieses Hauses. Er war ein Sohn unseres Konventes und stammte aus der Stadt Landau. Am Tag des heiligen Papstes Damasus im genannten Jahr wurde er einmütig und durch den schon mehrmals genannten Abt Albert bestätigt. Er war ein weltmännischer Herr, in weltlichen Angelegenheiten bewandert und, wenn ich mich nicht täusche, sogar ein wenig verschwenderisch. In der Zeit seiner Verwaltung wurde der Besitz des Klosters etwas vergrößert, auch zahlte er einigen Gläubigern die Schulden zurück und löste verpfändeten Besitz wieder ein. Wie er aber Schulden vorgefunden hat, so hat er letztlich auch wieder solche hinterlassen. Bei den Weltleuten war er beliebt, und mit dem Landesherrn pflegte er vertrauten Umgang. So hob er dem Herzog Stefan einen Sohn aus der Taufe und übergab dem Sprössling 32 Goldmünzen als Angebinde. Dies jedoch berichte ich nicht, um seine wohltätige Gesinnung, sondern um sein weltmännisches Benehmen aufzuzeigen. Da er selbst, mehr als recht ist, zum Vorwitz neigte (wie aus dem Folgenden hervorgeht), ließ er dies auch den Mönchen angehen.

Damit ich aber dem Leser nicht durch lange Umschweife lästig falle, möchte ich noch kurz auf die Verdienste eingehen, die sich dieser Mann um uns erworben hat. Zunächst vollzog er das Tauschgeschäft bezüglich unserer Pfarrei in Thaya. Da nämlich die genannte Kirche weit vom Kloster entfernt und deswegen für uns nur von geringem Nutzen war, erreichte er durch beständiges Bitten vom Passauer Bischof Gottfried, dass sie gegen die Kirche des heiligen Johannes in Schönau, die sich in unmittelbarer Nähe unseres Klosters befindet, vertauscht und diese uns mit allen Rechten inkorporiert wurde. So geschehen 1349. Schließlich erlangte er, wie wir zuvor schon kurz erwähnt haben, von dem erwähnten Bischof Gottfried die Bestätigung des von Kaiser Ludwigverliehenen Patronatsrechtes über die Kirche in Münster. So geschehen 1351. Außerdem erlangte er beim Bayernherzog Stephan das Privileg, dass wir fortan von jeder Belästigung und Drangsal durch die Vogelsteller und Jägerfrei sein sollten. Diese hätten künftig zum Kloster keinen Zutritt mehr mit ihren Hunden und Vögeln. Freilich wurde diese Vergünstigung nicht umsonst gegeben, aber sie war für unser Kloster von großem Nutzen. Es müssen nämlich dem Fürsten jährlich 6 Pfund Regensburger [Pfennige] von unserem Kloster gereicht werden, damit wir von dieser Last befreit sind. So geschehen im Jahr 1359.

Um aber die weitere Reihenfolge der bayerischen Herzöge im Auge zu behalten, müssen wir uns kurz damit befassen. Nachdem Niederbayern durch den Tod des Herzogs Heinrich an Kaiser Ludwig gefallen war, teilten dessen Söhne nach seinem Tod die Provinzen folgendermaßen unter sich: Ludwig der Ältere, dem der Vater noch bei Lebzeiten die Mark Brandenburg übertragen hatte, erhielt bei dieser Teilung nichts. Ludwig dem Jüngeren, dem Römer, und Otto fiel Oberbayern zu, Wilhelm aber, Stephan und Albrecht Niederbayern mit den Provinzen Holland, Seeland, Friesland usw. Nach Verlauf weniger Jahre teilten die drei Brüder am Tag des heiligen Märtyrers Oswald im Jahr 1353 auch Niederbayern: Stephan erhielt Landshut, Albrecht Straubing und Wilhelm Holland usw.

Herr Albert von Closen, Vitztum an der Rott, ließ im Kreuzgang einen Altar mit einer Kapelle errichten. Hier wurde er mit seinem Bruder Ulrich begraben. Albert hatte eine Gattin, welche eine Schwester des Ebo von Moos war.

Während der Verwaltungszeit jenes Abtes wurde unser Dormitorium erneuert und im Zeitraum von drei Jahren vollendet. Außer dem, was damals vorhanden war, wurden zu dessen Erbauung 45 Pfund Regensburger Pfennige ausgegeben. Schließlich ließ er die damals sehr schadhafte Wasserleitung des [Abtes] Hugo erneuern. Dazu ließ er den Fischteich im Klausurbereich des Klosters, der sich in der Nähe der Pforte befand, zusammen mit einem weiteren außerhalb der Klostermauer hinter dem großen Vorplatz anlegen. Noch eine ganze Reihe solcher kleineren Arbeiten ließ Herr Konrad - er war der zweite mit diesem Namen - mit einer gewissen Großzügigkeit ausführen. Er stand unserem Haus 17 Jahre lang in großer Würde vor. Schließlich aber schied er am Oktavtag der heiligen Agnes [28.01.] im Jahr 1361 seit Erlösung der Welt aus diesem Leben. Bestattet wurde er im Kapitelsaal unter einem Marmorstein, der eine ihm gewidmete Inschrift trägt.


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Kapitel 31: Abt Liebhard (1361-1367)

Nun müssen wir den Schiffbruch aufdecken, den das Kloster Aldersbach unter Abt Liebhard und seinem Gegner, Bruder Heinrich Liebunch, erlitten hat. Diese zwei stritten fünf ganze Jahre hindurch hitzig miteinander um unsere Abtei, zum schwersten Schaden unseres Klosters, unter größter Gefahr für die Seelen und zum schlimmsten Ärgernis für sehr viele. Und da keiner dem anderen weichen wollte, wäre es um unsere Gemeinschaft bald so geschehen, wie jene verruchte Frau vor Salomons Richterstuhl ausrief: Weder mir noch dir [soll es gehören], sondern es soll geteilt werden. Durch diesen Streit geriet unser Haus in solchen Verfall, dass es selbst nach 100 Jahren kaum in den früheren würdigen Zustand gebracht werden kann.

O welch große Last haben diese Männer sich selbst auferlegt! Indem sie sich eifersüchtig um eine vergängliche Würde streiten, verlieren sie die des ewigen Lebens und müssen ihre Schuld in der Hölle unter schweren Strafen büßen. Ich muss mich nur sehr wundern, da doch die Leitung [eines Klosters] in unserer stürmischen Zeit eine so schwere Sorge ist, voll von vielen Gefahren, warum dann so viele so sehr danach verlangen. In der Tat, weil sie nur an die Ehren denken, an ein Leben in Prunk und mit allen Vergnügungen, wie es bei vielen Prälaten heute der Fall ist. Deshalb schieben sehr viele die Last völlig zur Seite und streben ehrgeizig nach der Prälatur und nach hoher Würde.

Unser seliger Vater Bernhard hat darüber klar an Heinrich, den Erzbischof von Sens, geschrieben: „Die Ehren schmeicheln, aber die Lasten gereichen denen, die denken, zum Ekel und zur Furcht. Denn viele würden nicht mit solcher Zuversicht und Eifer zu den Ehrenstellen rennen, wenn sie auch von den Lasten wüssten. Sie würden die Lasten fürchten und nicht unter solcher Mühe und Gefahr nach der Würde der Infula haschen. „Man sagt auch, dass ein gewisser König, als ihm vom Volke das Diadem angeboten wurde, bevor er es nahm, es lange betrachtete und dann sagte: „O kostbares und glückliches Kleid; wenn es jemand erkennen könnte, mit wie vielen Ängsten und Sorgen es beladen ist, er würde es freiwillig nicht nehmen, auch wenn es auf dem Boden liegt." Und so ist es in der Tat.

Wer nämlich in Besorgnis vorstehen und nach dem Apostelwort ein Vorbild der Herde sein will, der wird sehen, wie wahr dieses Wort ist. Wenn aber einer ohne sich überhaupt um die Sorge zu kümmern - lieber über die Brüder herrschen und sich auf dem weiten Feld des Stolzes und der weltlichen Eitelkeit tummeln will, wird er zwar inzwischen diese Last leichter tragen. Doch müssen wir auf das Ende schauen. Denn die Welt und ihre Herrlichkeit vergehen. Der Herr aber zeigt bei Lukas den Prälaten nicht den Vorrang, sondern den Weg der Demut. „Wer bei euch der Größere sein will", sagt er, „werde wie der Kleinste, und wer der Herr ist, werde wie der Diener“ [Lk. 22, 26].

Auch nach der Überlieferung des heiligen Benedikt muss der Abt den Eigenheiten der vielen dienen und sich dem Charakter der Brüder anpassen. Er übernimmt nämlich die Leitung von Seelen und muss eine strenge Rechenschaft ablegen, wie der Herr auch beim Propheten droht: „Ich werde seine Seele von deiner Hand fordern.“ Würden doch die Hirten dieses Wort gewissenhaft beachten! Dann würden sie gewiss nicht derartig nach Ehren haschen und über sie nicht im Geringsten streiten. Doch in Bezug auf diese Ehrgeizlinge um die übrigen Übel zu übergehen. Oft stecken sie in der Schande ihrer Verwirrung. Sie gehören nicht in die Zahl der Diener Gottes. Höre Os aureum dis. 40 c. Multi sacerdotes: „Wer immer", sagt es, „einen Vorrang auf Erden ersehnt, wird im Himmel Beschämung finden." Wir werden die nicht unter die Diener Christi zählen, die um den Vorrang streiten. Doch wie viele Ärgernisse und Gefahren hat beim Apostolischen Stuhl und bei anderen Kirchen der Bischöfe und Prälaten diese Pest hervorgebracht! Jeder weiß davon. Aber dieses Thema wollen wir für jetzt hintansetzen und zu unserem Vorsatz zurückkehren.


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Kapitel 32: Von demselben (Liebhard)

Nachdem nun das Jahr 1361 vorübergegangen war, wurde am Fest des heiligen Papstes Gregor [12.03.] unter dem Vorsitz des Abtes Otto von Ebrach mit Assistenz der Äbte von Fürstenzell und Gotteszell die Wahl vorgenommen. Doch sie stand unter einem völlig ungünstigen Vorzeichen und endete in größter Zwietracht. Nachdem nämlich nach der Gewohnheit des Zisterzienserordens die Wahlmänner aufgestellt waren, beschritten diese während der Wahl den Weg des Skrutiniums [Wahl durch Wahlzettel]. Nachdem die elf Stimmen der Wahlmänner gezählt waren, zeigte es sich, dass sie sich auf mehrere Personen verteilten (wie der Visitator bekanntgab), so dass sich keine kanonische Wahlentscheidung ergeben hätte. Auf die Mahnung des Herrn von Ebrach, der erklärte, dass das Recht der Wahl nun in seinen Händen liege, wichen sie nun vor der Bekanntgabe des Skrutiniums vom genannten Weg der Wahl ab. Um der Uneinigkeit zuvorzukommen und um das Kloster vor Streit zu bewahren, gingen sie von neuem den Weg des Kompromisses ein. Alle versprachen einmütig dem Herrn Visitator, ohne dass damals jemand widersprach, dass sie jenem (wie es bei einer solchen Wahl Sitte ist) die volle und freie Gewalt erteilen, wen immer er selbst aus dem Schoße unserer Gemeinschaft ernenne, und den würden sie ohne Zögern als ihren Abt annehmen und ihm Gehorsam leisten.

Der erwähnte Herr Otto holte den Rat der Assistenzäbte ein; dann ernannte und erwählte er den genannten Bruder Liebhard Milt, damals Bursarius unseres Klosters; ihm leisteten in Bälde alle Brüder aus dem Konvent gutwillig Gehorsam bis zum Tod. Seine Bestätigung jedoch verschob er mit der Erklärung, dass wegen Ludwigs des Bayern (der sich zu seinen Lebzeiten als römischen König betrachtete; obwohl er vor Jahren durch den Papst gebannt worden war, hatten ihm die Brüder Gefolgschaft geleistet und waren mit ihm in Verbindung gewesen) unser Kloster den kirchlichen Strafen unterliege. Er halte es für sich gefährlich, der so geschehenen Wahl die Bestätigung zu erteilen und riet, dass diese für diesmal lieber vom Apostolischen Stuhl erbeten werde, was auch später so geschah. Aber ein anderer Bruder, Heinrich Liebunch mit Namen, erster Zellerar unseres Hauses, widersprach der Wahl des Liebhard mit der Behauptung, dass er von den elf Wahlmännern sieben Stimmen erhalten habe. Er erklärte, wenn die so über ihn erfolgte kanonische Wahl nicht angenommen würde, geschehe ihm großes Unrecht. So forderte er dringend vom Visitator die Bestätigung seiner Person. Der Herr von Ebrach gebot ihm Schweigen und erteilte Otto, dem damaligen Prior des Hauses, den Auftrag, wenn Heinrich das Recht seiner Wahl weiterhin zu verfolgen suche, ihn in strenge Kerkerhaft einzuweisen. Nachdem die Angelegenheit auf diese Weise unvollendet geblieben war, verabschiedete sich der Visitator und reiste ab. Heinrich Liebunch aber nahm den Auftrag des Oberen nicht ernst und ergriff heimlich die Flucht, nachdem er nicht wenig Geld und zwei Pferde mitgenommen hatte. Damit begab er sich auf schnellstem Weg unter Papst Innozenz VI. zur Kurie in Avignon und brachte seine Klage wegen des ihm geschehenen Unrechts vor, indem er auf dem Recht seiner Wahl bestand. Bevor er aber die Bestätigung seines Anliegens erhalten hatte, brach in der Kurie eine furchtbare Seuche aus, die auch dem genannten Papst das Leben nahm. Aus diesem Grund kam damals Heinrich mit leeren Händen zurück. Während er unvorsichtig in der Nähe des Klosterbezirkes umherschweifte, wurde er durch den Adeligen Albert von Nussberg in Straubing ergriffen und in die Burg Hilgartsberg gebracht, wo er zehn Wochen lang gefesselt in harter Haft gefangen war.

Endlich wurde er durch die Intervention des Herrn Liebhard (der auch die Gefangenschaft bei jenem Adeligen verfügt hatte) von seinen Fesseln gelöst und in Freiheit gesetzt; doch musste er zuvor den Eid leisten, dass er von nun an auf den Anspruch der Wahl völlig Verzicht leiste und er weder den Abt noch das Kloster selbst weiterhin mit dieser Angelegenheit beunruhige.

Nachdem er 100 Pfund Regensburger [Pfennige] als Unterpfand gegeben hatte, wurde er aus unserem Kloster fortgeschickt. Was jedoch in dieser Angelegenheit weiter geschehen ist, werden wir im folgenden Kapitel darlegen.


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Kapitel 33

Die Menschen irren heftig, wenn sie mehr als billig auf ihre Gefühle vertrauen, weil sie ihre Kräfte nicht kennen und über ihre Kräfte hinaus Schwieriges auf sich nehmen und sich so in Gefahr bringen. Diese Anmaßung stürzte den ersten Engel von der Himmelshöhe und vertrieb unsere Stammeltern aus den Freuden des Paradieses. So schleuderte sie auch unseren Heinrich aus der Stille des Klosters in die Verbannung. Als er wieder frei war (wie oben erwähnt), dachte er nicht mehr an Versprechen und Eid, sondern begab sich wiederum zur römischen Kurie und brachte vor Urban V. seine Angelegenheit vor; seine Gefangenschaft, seine Entlassung [aus dem Kloster], alle ihm zugefügten Beleidigungen klagte er in höchsten Tönen an, handelte in grober Weise gegen Liebhard. So erlangte er leicht, seinen Wünschen entsprechend, ein päpstliches Schreiben. Darin wurden für die Behandlung seiner Angelegenheit als Richter benannt Herr Friedrich, Propst von St. Nikola, und Gundakar, Dekan der Passauer Kirche. Diese führten den päpstlichen Auftrag sorgfältig aus, wobei sie Abt Liebhard und die Wähler mehr als ein ganzes Jahr heftig beunruhigten und unser Kloster mit verschiedenen Zensuren heimsuchten. Heinrich, noch kühner geworden, dem während des Prozesses infolge eines päpstlichen Reskripts von unserem Kloster die nötigen Ausgaben zuerkannt worden waren, betrieb mit Energie seine Sache. Inzwischen stellte Abt Liebhard zur Verteidigung seines Rechts einen Bruder namens Christannus, damals Bursarius, als Prokurator auf, den er in ähnlicher Weise ein zweites Mal zur Kurie nach Avignon schickte. Dieser war in dieser Angelegenheit nicht unerfahren und verteidigte gewandt das Anliegen Liebhards. In einer Gerichtssitzung des Papstes beschuldigte er Bruder Heinrich Liebunch eines schweren Vergehens, weil er nämlich, ohne an sein Heil zu denken, ohne die Erlaubnis der Oberen erbeten noch erhalten zu haben, heimlich das Kloster verließ, unser Haus um mehr als 300 Gulden betrog; dieses Geld habe er durch Diebstahl fortgenommen, dazu andere Besitzungen des Klosters sich angeeignet und verkauft. So erlangte Christannus bei seinem ersten Besuch die Absolution von der Exkommunikation und den Zensuren, denen unser Kloster verfallen war. Auch erreichte er, dass Liebhard unser Kloster verwaltete, solange der Streit in der Schwebe war.

Aber noch war die Geschichte nicht zu Ende. Bei den Passauer Richtern ging die Untersuchung weiter. Auf beiden Seiten häuften sich die Kosten auf unbeschreibliche Weise. Im Jahre 1365 endlich gewann der oft erwähnte Bruder Heinrich gegen Liebhard im Passauer Konsistorium die Oberhand und erlangte mit Hilfe des päpstlichen Auftrags seinen endgültigen Urteilsspruch, dass seine Wahl zu ratifizieren und zu bestätigen sei. Doch der Prokurator des Herrn Liebhard appellierte nach diesem unglücklichen Ausgang so schnell wie möglich an den Apostolischen Stuhl. Inzwischen verfolgte er die Angelegenheit vor Papst Urban V. und gewann gegen Heinrich, der nirgends sich zeigte, und erlangte für Liebhard die Abtwürde und seine Bestätigung. Heinrich aber wurde als unverschämter Mönch, als Trunkenbold und Verschleuderer unseres Besitzes zu entsprechenden Strafen verurteilt. Da Heinrich weiter keinen Widerstand leisten konnte, ließ er einen Notar kommen und verzichtete am 20. November des genannten Jahres auf sein Recht.

Der ganze Vorgang dieses Prozesses ist noch schriftlich vorhanden; darauf verweisen wir den Leser, der noch Näheres wissen will. Wir selbst haben die ganze Angelegenheit kurz zusammengefasst. Heinrich wurde aus unserem Kloster von neuem fortgeschickt. Wohin er sich begab, konnten wir nicht völlig ausfindig machen. Doch nicht viel später leitete er unseren Hof in Gneixendorf. Irgendeinmal, um das Jahr 1372, fand ich, dass er aus dem Amt des genannten Hofes eine Rechnung geschrieben hat. Aber vielleicht wurde er nach der Resignation Liebhards von neuem in unserem Kloster aufgenommen.


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Kapitel 34

Herr Liebhard hatte die Abtwürde ein wenig mehr als sechs Jahre inne. Der größere Teil dieser Zeit verging während dieses Streites. Am Oktavtag des Geburtsfestes des heiligen Vorläufers Johannes [01.07.] im Jahr unseres Heiles 1367 verzichtete er auf das Amt. Aber ich könnte nicht mit Sicherheit sagen, ob er wegen eines Vergehens abgesetzt worden ist oder ob er aus eigenem Antrieb resigniert hat. In der Tat nimmt das, was schlecht begonnen hat, nur mit Mühe ein gutes Ende (dis. 61 c. Miramur). So verdiente auch dieser Mann, weil er vielleicht nicht besonders gut begonnen hatte, nicht bis zum Lebensende die Leitung der Abtei innezuhaben. Er empfing eine recht magere Versorgung von unserem Kloster. Denn er hatte für sich eine entsprechende Wohnstätte, ganz nahe bei der Wohnung des Abtes. Zu seinem Lebensunterhalt erhielt er jährlich vom Bursarius des Klosters ein Pfund Regensburger [Pfennige].;

Aber während Liebhard noch das Kloster leitete, erhielt er von Friedrich, dem Bischof von Regensburg, die Vollmacht, alle Untertanen unseres Klosters, die geistlichen wie die weltlichen, auch in unseren Tochterklöstern, von der Exkommunikation und den übrigen Zensuren zu absolvieren und völlig zu dispensieren, die sie sich wegen Ludwigs des Bayern und seines Sohnes Albrecht zugezogen hatten. Liebhard selbst erlangte von Papst Urban V. das Privileg, die verkauften Güter unseres Klosters wieder zurückzugewinnen. Schließlich erhielt er von Herzog Albrecht von Straubing das Privileg, in dem viele Freiheiten früherer bayerischer Herzöge aufgeführt, erneuert und bestätigt werden. Geschehen 1365. Auch von den Brüdern Stephan dem Jüngeren und Friedrich, ebenfalls bayerischen Herzögen, gewann er im Jahre 1367 die Steuerfreiheit in Burghausen für unser Salz (das zum Gebrauch für unsere Küche einst durch Erzbischof Eberhard von Salzburgberühmt in der Erinnerung geschenkt worden war) am Samstag nach Mariä Reinigung [07.02.]. Wenn es noch andere Wohltaten dieses Liebhard gegen unser Kloster gibt, muss ich sie als mir unbekannt übergehen. In welchen Gefahren aber unter seiner Leitung unser Kloster schwebte und in welche Unglücksfälle es verwickelt wurde, muss ich noch kurz erzählen. Denn das Ordensleben, auf das es doch ankommt und das bisher in Aldersbach geblüht hatte, war beinahe ausgelöscht worden. Die Brüder waren in alle Richtungen zerstreut, der Konvent bestand nur noch aus wenigen Personen. In den zeitlichen Dingen musste er in Armut leben, die klösterlichen Observanzen standen auf einem Tiefpunkt. Aber abgesehen von diesen mehr inneren Schwierigkeiten geriet unser Kloster in äußerste Bedürftigkeit. Denn bevor der zuvor besprochene Prozess [strittige Abtwahl] zum Ende kam, kostete er auf beiden Seiten, nämlich Liebhards und Heinrichs, 600 Regensburger Pfund. Daher gerieten die Zinse unseres Hauses in die Hände von Gläubigern; viele Güter wurden verpfändet und verkauft, die auch heute noch nicht in die Verfügung unseres Klosters zurückgekehrt sind. Damit nun der Leser die Geschichte klarer erkennt, will ich kurz offenlegen, in welcher Lage Liebhard das Geschick unseres Klosters hinterlassen hat. Das Kloster Aldersbach musste damals an verschiedene Leute ein Leben lang pro Person jährlich 60 Regensburger Pfund zahlen. Dazu kamen noch als Zinsen ungefähr 306 Regensburger Pfund, für die Verpfändung von Besitzungen und Gütern 663 Regensburger Pfund. Wegen der schlimmsten Not an allen Dingen und der Schuldenlast wurde unser Gästehaus, wie ich meine, damals ganz baufällig. Es konnte bisher bis zum heutigen Tag, da ich dies am 0ktavtag des heiligen Märtyrers Laurentius [17.08.] schreibe, nicht wiederhergestellt werden. Und wenn auch unser Kloster durch die Güte des hilfreichen Gottes unter den folgenden Äbten (von denen hernach die Rede sein wird) sich eines sehr guten Schicksals erfreut hat, so wurde dennoch inzwischen von keinem etwas für die Wiederherstellung des Gästehauses unternommen. Ähnlich war auch die sehr hilfreiche Wasserleitung, die seit Abt Hugo bis zu dieser Zeit gelaufen war, unter unserem Liebhard zugrunde gegangen. Die herzoglichen Zehnten in Landau und Deggendorf wurden uns wiederum weggenommen und standen nach den schriftlichen Aufzeichnungen nicht mehr zu unserer Verfügung.

Du siehst, gütiger Leser, wie schnell und geradezu gründlich all das zusammengestürzt und zugrunde gegangen ist, was früher in langer Zeit durch die treue und wachsame Sorge der vorausgegangenen Äbte gewachsen und zusammengebracht worden war.

Nicht sehr verschieden von diesem unserem Schicksal geschah es vor kurzem jenem so bedeutenden Kloster Admont, wo in ähnlicher Weise von zwei Brüdern desselben Hauses der eine, Michael, zwar erwählt und bestätigt wurde, und ein anderer von vornehmer Herkunft namens Kaindorffer mehr als zehn Jahre um die Abtei stritten. Als keiner sich der Leitung des anderen fügte, kam das Kloster in die Hände des Bischofs von Lavant.

Es konnte schließlich nur unter größten Kosten zurückerworben werden. Möchten doch die Nachfahren auf solche Geschicke achten und es lernen, sich vor solchen Gefahren zu bewahren! Soviel von dieser Geschichte.


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Kapitel 35: Abt Heinrich (1367-1371)

Damit nun der aufmerksame Leser nicht meint, dass er allzu sehr belastet werde, werden wir uns nun von auswärtigen Geschichten fernhalten und kurz zusammenfassen, was über die Amtstätigkeit der übrigen folgenden Äbte noch zu sagen ist. Im schon erwähnten Jahr, nämlich 1367, wurde am l. Juli nach der Resignation des Herrn Liebhard ziemlich einstimmig und einmütig Herr Heinrich zum Abt des Klosters Aldersbach gewählt; er war damals Zellerar, Professe unseres Klosters. Die Wahlleitete der oben erwähnte Herr Otto, Abt von Ebrach. Herr Konrad von Fürstenfeld assistierte bei der Wahl.

Dieser Heinrich verwaltete mit wachsamer Sorge unsere Abtei. Aber vielleicht durch die früheren Schulden und den Verkauf der Besitzungen allzu niedergedrückt, gab er die allzu große Last auf und verzichtete aus freien Stücken auf die äbtliche Würde. Da er ein wohlverdienter Abt war, wurde ihm nach den Möglichkeiten unseres Hauses in unserem Hof in Gneixendorf bei Krems eine entsprechende Versorgung zuteil, nämlich zwei Pfund Wiener Münzen, die ihm jährlich von unserem Kloster gezahlt werden mussten. Doch geschah es unter der Bedingung, dass, wenn der Abt die Weinberge und die übrigen Besitzungen in Österreich, die damals auch verkauft waren, zurückerwerbe, er freiwillig den Hof verlasse und für diesen Verzicht von unserem Kloster 24 Gulden erhalten solle; und so könne er nach seinem Wunsch sogar in unser Kloster zurückkehren oder auf jeden Fall ein anderes Kloster als Wohnstätte wählen.

Weil aber unser Zisterzienserorden damals ziemlich ins Wanken zu geraten schien, versammelten sich im Jahr 1371 die Äbte in Citeaux und richteten ihren Sinn auf die glorreiche, allzeit jungfräuliche Gottesgebärerin Maria als auf die einzige und eigentliche Patronin unseres Ordens. Um den Zisterzienserorden vor den Gefahren und drängenden Nöten zu bewahren, beschlossen sie einmütig, dass man von nun an die Stundengebete (die man allgemein „cursus" nennt) täglich in allen Klöstern beiderlei Geschlechts auf der ganzen Welt im Chor stehend, fromm und feierlich beten solle und dass sie aus keinem Grund unterlassen werden dürften. Bisher wurden sie von einigen privat gebetet. Sogleich wurde in allen Provinzen das so heilsame und ruhmvolle Werk verbreitet und begonnen. Es ist kein Zweifel, dass bis heute die mildeste Herrin wegen dieser Andacht durch den Schild ihres Schutzes unseren Orden liebevoll verteidigt und vielen Gefahren entrissen hat.

Höre, was in einer ähnlichen Sache in einem Kloster geschah! Da die Brüder dort aus Trägheit und Nachlässigkeit eine Zeitlang die Stundengebete der unversehrten Jungfrau unterlassen hatten, gerieten sie in viele Schwierigkeiten und verloren sehr viele Besitzungen. Nachdem sie aber auf die Mahnung und den Rat des Petrus Damiani begonnen hatten, diese wiederum zu singen, kehrte sehr schnell die gewünschte Stille wieder ein, die nicht nur die verlorenen Besitzungen wiederherstellte, sondern sogar neue hinzugab. Darauf mögen die Äbte und Ordensleute achten, die sich nur mit dem Zeitlichen beschäftigen und sich um das göttliche Offizium keine Sorge machen. Und wenn sie einmal Widriges erdulden, sollen sie wissen und erkennen, dass ihnen dies durch ihre Nachlässigkeit zugestoßen ist. Denn unser Herr und Erlöser befiehlt bei Matthäus [6. 33], dass wir zuerst das Reich Gottes suchen sollen und seine Gerechtigkeit, damit uns umso leichter das übrige hinzugegeben wird.

Ungefähr in jenen Jahren belagerte Albrecht, Herzog von Straubing, den Ritter Peter von Egk auf der Burg Natternberg. Eine Zeitlang konnte sich Peter auf der Burg halten und durch den Herzog nicht zur Übergabe gezwungen werden. Ihm kam schließlich Karl, der böhmische und römische König, zu Hilfe und zwang Albrecht, die Belagerung aufzugeben. 1357. Unter diesem Albrecht und mit dessen Beistand wurde durch einen Bürgernamens Stainhauffen der Bau des Karmeliterklosters in Straubing begonnen.


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Kapitel 36: Der 15. Abt Nikolaus (1371-1395)

Nachdem die Resignation des oben erwähnten Heinrich angenommen worden war, wurde im Jahr des Herren 1372 Herr Nikolaus zum Abt dieses Klosters eingesetzt. Es ist nicht gewiss, ob er aus unserer Gemeinschaft stammt oder anderswoher genommen wurde. Der Zustand unseres Hauses war damals so verworren und dunkel, dass über ihn in den schriftlichen Dokumenten wenig oder gar nichts für die Nachwelt überliefert ist. Daher dürfte es kaum einer zu beurteilen vermögen, unter welcher Mühsal und mit wie vielen Nachtwachen ich unsere Urkunden und die weniger wertvollen Papiere unserer Abtei nachgelesen und sie, die in alle Winkel zerstreut waren, wieder hervorgeholt habe, um die Reihenfolge und Einsetzung unserer Äbte vor allem um diese Zeit zu beschreiben.

Seit Beginn seiner Amtstätigkeit war Herr Nikolaus sehr gewissenhaft und ein nichtwenig gebildeter Mann, der in unseren Tochterklöstern nach der Bestimmung des Ordens jährlich aufs genaueste die Visitation durchführte. Von Gregor XI. erhielt er ungefähr um das Jahr unserer Erlösung1376 durch je eine Urkunde die Inkorporation und Bestätigung von vier unserer Kirchen. Dennoch befand sich unter seiner Leitung unser Haus infolge der erdrückenden Schuldenlast in einem dürftigen Zustand. (Anmerkung des Marius: Im Jahre des Herrn 1392 stellte Abt Nikolaus am Tag des heiligen Sixtus [06.04.] eine Berechnung an. Dabei belief sich die Summe der Schulden auf ungefähr 2060 Pfund Regensburger [Pfennige]). Um zur Erleichterung des Klosters zu Geld zu kommen, verkaufte er auf vielen Gütern Leibgeding. Erdrückt von der allzu großen Armut, nahm er von verschiedenen Leuten Geld zur Leihe, oft eine nicht geringe Summe. Auch verpfändete er einige Besitzungen, z. B. zwei Höfe in Klafterding an Sifrid von Puchberg; er erhielt von ihm acht Pfund Regensburger [Pfennige]. Doch unter den Wohltaten, die er unserem Kloster erwies, hinterließ er vor allem eine, die für die Nachkommen bedeutend ist: Denn er ließ einen größeren Hirtenstab im Wert von 18 Mark anfertigen. An ihm sind wertvolle Edelsteine angebracht, deren Namen ich der Kürze halber übergehe. Auch dürfen nicht die vortrefflichen Werke unserer Wohltäter mit Stillschweigen übergangen werden. Zu dieser Zeit schenkte der ehrenwerte Ritter Heinrich Tuschl, freigebiger und frommer Gründer der Kollegiatkirche zu Vilshofen und anderer frommer Stätten, für das Heil seiner Seele unserem Kloster 100 Pfund Regensburger [Pfennige] für einen Jahrtag, der bei uns zu feiern ist. Er war ein kriegserfahrener Mann, der auf einer langen Pilgerschaft das Heilige Land besuchte und den Sohn des Sultans in diese unsere Gegenden mit sich führte, wobei er als sein Beschützer auftrat. Nach einigen Monaten schickte er ihn wohlbehalten wieder zu seinem Vater nach Syrien zurück. Er selbst starb im Jahr des Heiles 1388. Auch der wackere Herr Heinrich Johanstorffer von Gutteneck hatte Erbarmen mit dem elenden Zustand unseres Klosters. Acht Höfe, die vorher von unserem Kloster an ihn verkauft worden waren, gab er daher zurück und bestätigte dies auf dem Sterbebett, aber unter der Bedingung, dass sie künftig von unserem Haus nicht mehr hergegeben werden dürften unter Androhung des Verlustes dieser Besitzungen. Für diese Wohltat setzte er am 5. November einen Jahrtag ein mit einem Almosen für die Armen und bestellte für immer an jedem Mittwoch eine Wochenmesse am Altar des heiligen Nikolaus. Geschehen 1383. Er wurde bei uns vor dem Eingang zum Auditorium im Kreuzgang bestattet. Die Namen aber der Höfe sind folgende: Loch bei der Kirche der heiligen Maria, eine Mühle daselbst, Gassenhub in Kalchsdorf, ein Hof in Obergrafendorf, Gundeihub in Freundorf, Altmannskinden und Wald.

Auch beim Apostolischen Stuhl standen damals die Verhältnisse nicht günstig. Denn die Kurie des Papstes, die einst unter Clemens V. nach Frankreich verlegt worden war, blieb dort 74 Jahre im Exil und wurde erst durch Gregor XI. im Jahr des Herrn 1376 nach Rom zurückgeführt. Als dann derselbe Papst die widrige Lage der Römer, die diese wegen der Abwesenheit des Papstes bedrängte, in seinem Herzen erwog und wieder an eine Rückkehr dachte, blickte er unverhofft einen Bischof an (der selbst von seiner Kirche abwesend war) und sprach ihn mit folgenden Worten an: „Warum bist du denn so lange von deiner Braut getrennt? Es verrät", sagte er, „keinen guten Hirten, länger von seiner Herde weg zu sein." Jener aber antwortete dem Papst sehr energisch: „Und du, der höchste Bischof, der du den übrigen durch Wort und Beispiel vorangehen sollst, warum bist du von deiner Kirche, die in Rom ist, so lange weg?" Dieses Wort erregte Gregor, so dass er seine Angelegenheiten heimlich ordnete und sich so schnell wie möglich mit seiner Kurie nach Rom aufmachte. Doch im folgenden Jahr schied er aus dem Leben. Nun folgte in der Kirche das unter allen vorausgehenden schlimmste und so verworrene Schisma, dass 39 Jahre hindurch stets zwei sich für den Papst hielten; auch von den Gelehrten konnte nicht leicht entschieden werden, wer der wahre Papst sei. Endlich wurde im Jahr 1415 auf dem Konstanzer Konzil das Schisma beendet. Siehe die Historiker, wenn du es ausführlicher wissen willst; wir wollen uns kurzfassen.

Unter Urban VI., der Gregor nachfolgte, wurde die Universität von Wien in Oberpannonien gegründet und das Fest der Heimsuchung zur Wiedergewinnung der Einheit eingeführt.


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Kapitel 37: Von den bayerischen Herzögen

Ich weiß nicht, ob damals unser Kloster im Markt Aidenbach eine sogar schon von alters her eingeführte Jurisdiktion hatte. Denn wenn einer gegen einen Bauern unseres Klosters oder sie selbst untereinander Klagen hatten, die der Abt durch freundschaftliche Beilegung nicht beenden konnte, dann wurden in diesem Ort durch ein richterliches Aufgebot und durch einen Prozess derartige Streitigkeiten durch den Richter unseres Abtes mit Bewohnern des Ortes als Beisitzern und anderen Auswärtigen, die durch den Abt berufen worden waren, in öffentlicher Sitzung entschieden. So versah ein Brudernamens Christannus im Jahr 1391 am Fest des heiligen Blasius [03.02.] öffentlich das Richteramt und löste den Streit, der um ein Pferd ging, zwischen Liebhard Harder von Wifling und Johannes Chorndl nach dem allgemeinen Recht.

Zu dieser Zeit geschah in der Stadt Straubing ein sehr wunderbares Ereignis. Denn ein Blitzschlag vom Himmel zündete die Stadt an und verwandelte sie fast ganz in Asche. Aber ein Mann namens Jordan, der den heiligen Petrus sehr verehrte, stellte in dieser Bedrängnis ein Bild des Apostels, das er zu Hause hatte, mitten im Haus auf, empfahl sein Haus dem heiligen Petrus, verschloss den Eingang und ging hinaus. So wurde durch den Glauben des Mannes und den Schutz des Apostels das Haus mitten in der Feuersbrunst unversehrt bewahrt. Geschehen 1383. Bei diesem Brand ging auch unser Haus, das wir damals in Straubing hatten, zugrunde.

Nun müssen wir auch die bayerischen Fürsten und ihre Nachfolge kurz berühren. Nachdem nämlich Albrecht von Straubing und dessen Brüder Ludwig und Otto, dem Oberbayern untertan war, gestorben waren, erlangte Stephan von Landshut das ganze Land Bayern. Er zeugte mit der Tochter des Königs von Sizilien die Söhne Johann, Friedrich und Stephan, die sich nach dem Tod ihres Vaters das Land in drei Teile teilten. Johann erhielt München, Friedrich Landshut und Stephan Ingolstadt. Friedrich und Stephan hatten Schwestern zu Gattinnen, die beiden Töchter des Mailänder Herzogs Galeazzo [Visconti]. Friedrich zeugte Heinrich [den Reichen]. Weiterhin wurde von Heinrich Ludwig der Reiche, von Ludwig aber Georg [der Reiche] gezeugt. Von Stephan in Ingolstadt, der von kleiner Gestalt war, weshalb er von manchen spaß halber Herzog „Kneussl" genannt wurde, wurde Ludwig gezeugt, genannt der Bärtige. Als dieser noch im jugendlichen Alter war, begab er sich zusammen mit seiner Schwester Margarete, die sich mit dem König von Frankreich vermählte, zum Hof des genannten Königs, wo er gut und freundlich behandelt wurde. Man erzählt, dass er eine Zeitlang Frankreich regiert habe. Vom König und seiner Gattin mit prächtigen Geschenken ausgestattet, kehrte er in die Heimat zurück.

In der Frauenkirche zu Ingolstadt wird noch ein wertvolles Bild der Jungfrau Maria aufbewahrt, die von einigen Engeln und vom König und der Königin Frankreichs umgeben ist, ferner auch ein Bild des heiligen Michael, aus bestem Gold verfertigt und mit wertvollsten Edelsteinen geschmückt, so dass wir bezeugen müssen, nichts Schöneres und Wertvolleres gesehen zu haben. Auch in den Schatzkammern des Herzogs Georg in Burghausen wurden vordem der Erlöser und die zwölf Apostel mit einigen anderen Kleinodien solcher Art aufbewahrt; im Vergleich zu diesen gibt es in ganz Deutschland nichts Wertvolleres.

Das alles soll der genannte Ludwig aus Frankreich mitgebracht und in den bayerischen Schatzkammern hinterlegt haben. Dieser Ludwig zeugte mit der Enkelin des Königs von Frankreich Ludwig den Buckligen, der gegen seinen alten Vater schließlich einen gottlosen Krieg unternahm. Davon später.

Kehren wir nunmehr zu unserem Kloster zurück! Abt Nikolaus hatte ungefähr 22 Jahre lang die Sorge für unser Kloster inne. Im Jahr des Heiles 1395 gab er seine Regierung auf. Ob er aber im selben Jahre gestorben ist, daran zweifeln wir etwas. Denn sein Grabstein gibt an, dass er im Jahr des Herrn 1407 gestorben ist, als Herr Heinrich unsere Abtei leitete. Zwischen beiden war Herr Andreas aus Gotteszell. Daher ist die Inschrift auf der Marmortafel falsch, oder Nikolaus hat aus Altersschwäche sein Hirtenamt aufgegeben und die übrigen Jahre noch im Ruhestand verbracht. Denn nach dem Jahr 1394 konnte ich weiter nichts mehr über seine Amtstätigkeit in Erfahrung bringen. Am Vigiltag des heiligen Andreas [29.11.] dieses Jahres verkaufte er nämlich mit Einverständnis des Egloff Schermer, der von Herzog Albrecht zum Verwalter für unser Haus eingesetzt worden war, das Leibgeding in Gumperting am Hof mit Namen Brauerhof an Heinrich Saussen. Daher glauben wir, dass er im folgenden Jahr am 14. September aus dem Leben geschieden ist, oder, wie wir schon oben gesagt haben, auf die Abtei resigniert hat.


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Kapitel 38: 16. Abt: Andreas (1395-1398)

Du wirst kaum glauben, aufrichtiger Leser, unter welcher Vereinsamung die Gemeinschaft von Aldersbach zu dieser Zeit gelitten hat. Sie war so sehr heruntergekommen, dass unter den Brüdern niemand war, der unserer Abtei vorstehen konnte und wollte. Denn unter dem genannten Nikolaus schrumpfte der Konvent, der noch vor Jahren 40 Ordensleute zählte, auf fünf Brüder zusammen. (Anmerkung des Marius zu diesem Satz: Frater Bittigo, Oberzellerar unseres Hauses, der im Jahr des Heiles 1340 über die ihm anvertrauten Weine Rechnung führte, erwähnte, dass damals täglich in unserem Refektorium 50 Ordenspersonen gewesen seien). So schreibt es der genannte Bruder Cristannus in einer Appellationsurkunde, und in den Bullen Gregors XI. über die Inkorporation von Pfarreien heißt es, dass wegen der Not kaum der vierte Teil der Mönche in unserem Haus ein armseliges Leben führen kann. Daher geriet auch wegen der geringen Zahl und der Unbrauchbarkeit der Brüder unser Kloster mit der Zeit in immer größere Schwierigkeiten, und es fand sich keiner, der es davon hätte befreien und wieder retten können.

&Wegen dieser Untauglichkeit der Brüder von Aldersbach wurde also um das Jahr 1395 Herr Andreas, Abt von Gotteszell, in unser Kloster versetzt. Doch war auch er weder ein gewissenhafter noch für unsere Verhältnisse hinreichend geeigneter Mann. Daher ist über seine Einsetzung bei uns und über seine Amtstätigkeit wenig oder fast nichts der Nachwelt überliefert. Was ich je nach Herr Andreas unser Kloster ungefähr drei Jahre geleitet. Man hat ihm aber weder seine Macht noch seinen Willen gelassen. Denn der Fürst unserer Heimat, der erlauchte Herzog Albrecht, setzte in Anbetracht des Verfalls und der Armut unseres Hauses im Jahr des Herrn 1394 zum Zweck seiner Wiederherstellung einen weltlichen Verwalter ein, nämlich den adeligen Herrn Egloff Schermer von Marklkofen, der vier Jahrelang die zeitlichen Güter unseres Hauses verwaltete, indem er alle Einkünfte und Zinse, sei es in Geld oder auch in Getreide, einsammelte und zum Nutzen unseres Klosters verwendete. Ob aber auch dieser für unser Kloster von solchem Nutzen war, wie er sich einsetzte, weiß ich nicht. Denn es wurde auch unter seiner Verwaltung mit unserem Haus nicht besser. Doch war er ein redlicher Mann, der auch für seine Mühen, die er für uns auf sich nahm, nichts verlangte. Doch glaube ich, dass man ihm deshalb bei uns einen Jahrtag eingesetzt hat. Dieser Abt Andreas verkaufte das Leiherecht an einem Hof mit Mühle und einem kleinen Wohnhaus in Waldzell jenseits des Inn um einen sehr geringen Preis 1398 an Bernhard Zärtl, seine Gattin und seine Kinder. Aber wozu zwingt nicht der Mangel an Vermögen? In der Tat, um sich davon zu befreien, bietet er alles Mögliche auch um einen geringen Preis zum Verkauf an. Inzwischen sind seit 100 Jahren die erwähnten Besitzungen nicht mehr in unsere Hände zurückgekehrt. Die Inhaber hatten eine Urkunde über den eben erwähnten Verkauf, die ungeschickt ausgefertigt worden war und kaum auf unsere Vorteile Rücksicht nahm. Und nun unser Kloster vor Streitigkeiten zu bewahren, musste ich dem Johannes und Christoff Zärtl, solange sie leben, das Leibrecht auf diese Besitzungen gewähren, während sie selbst das Erbrecht auf die genannten Güter für sich beanspruchten.

Aber schließlich musste Herr Andreas nach wenigen Jahren der Regierung bei uns - er war inzwischen schon ein hochbetagter Mann - dem Ruf Gottes folgend am 25. September aus dieser Welt scheiden. Man zählte das Jahr 1398 nach Christi Geburt. Er wurde bei uns im Kapitelsaal bestattet. Wohl wegen der ungeheuren Armut des Klosters erhielt er keinen Grabstein. Als dieser Andreas noch die Abtei Gotteszell leitete, scheint er dieses Kloster in den zeitlichen Dingen nicht wenig gefördert zu haben. So borgte er dem Herrn Nikolaus im Jahr des Herrn 1390 200 Regensburger Pfund für unsere Besitzungen in Ruhmannsfelden. Ich möchte daher glauben, dass er wegen seiner Erfahrungen in wirtschaftlichen Dingen in unser Kloster versetzt worden ist.


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Kapitel 39: 17. Abt: Heinrich (1398-1408)

Die Gelegenheit ist günstig, dass ich auf die Zeit derjenigen unserer Äbte zu sprechen komme, unter deren Regierung das Kloster Aldersbach in einen traurigen Zustand geraten ist. Doch möge niemand deshalb glauben, dass ich ihre Lebensführung tadle. Vielleicht wurden sie infolge der unfruchtbaren Zeiten, durch ihr Missgeschick und die überkommenen Schulden auch gegen ihren Willen in eine solche Lage gezwungen. Überdies darf man die Taten eines Hirten nicht mit dem Schwert der Zunge treffen, obwohl sie mit Recht tadelnswert erscheinen könnten. Und weil ja auch ich ohne mein Verdienst unter ihre Schar geriet, meine ich, dass ich in dieser Sache nachsichtiger vorgehen muss, damit nicht von unseren Nachfolgern das rauere Licht des Mondes auf mich fällt. Denn mit Recht sagt der Dichter: „Halte in allem Maß! Mäßigung ist die schönste Tugend." Auch die Theologen erlauben über fremde Taten nur dann ein Urteil, wenn wir Taten, deren Grund wir nicht kennen und bei denen es nicht offensichtlich ist, in welcher Gesinnung sie geschehen, zum Besseren auslegen. Offensichtliche aber und Ärgernis erregende Taten und solche, die nicht in guter Gesinnung geschehen können, richten sich selbst. Doch aus brüderlicher Liebe muss man etwas nachsichtig davon sprechen. Von derartigem Verhalten müssen die Prälaten frei sein; die anderen nicht nur durch ihre gesunde Lehre, sondern auch durch einen rechten Lebenswandel vorangehen müssen. Deshalb werden sie ja „Praepositi" [Vorgesetzte] genannt. Wenn sie aber ihre Untergebenen durch einen ehrbaren Wandel und die Heiligkeit des Lebens vorangehen lassen, wie könnte man sie mit Recht „Prälaten" [Vorgezogene] nennen? Daher ziemt sich für Prälaten ein keusches Leben und eine gesunde Lehre, die die Schüler zu allem Besseren antreibt.

Höre auf Claudian, der darüber feinsinnig sagt: „Erfülle du die Pflichten eines Bürgers und eines Vaters, sorge du für alle, nicht für dich! Nicht deine Wünsche sollen dich bewegen, sondern die der Öffentlichkeit. Für die Gemeinschaft befiehlst du, woran man sich halten soll. Befolge als erster die Gebote! Dann gehorcht das Volk leichter dem, was billig ist, und weigert sich nicht, es zu tragen, wenn es sieht, dass der Urheber [der Gebote] auch ihm gehorcht. Nach dem Beispiel des Königs richtet sich das Land, und Edikte vermögen nicht den Sinn der Menschen so zu beugen wie das Leben des Regierenden. Das schwankende Volk ändert sich immer mit dem Fürsten usw.“

In unserem Kloster gab es mehr solche unbescholtenen und erfolgreichen Äbte, die eine reiche Ernte in die Scheunen des Herrn gesammelt haben. Wenn es nun aber welche gegeben hat, die anders handelten, so müssen sie selbst das Urteil über sie tragen. Unsere Aufgabe ist es nicht, sie zu verurteilen. Doch ihre schlechten Taten und ihr ungebührliches Leben werden von uns deshalb vermerkt, damit sich die Nachfolger fürderhin vor ihnen wie vor Meeresklippen zu hüten lernen, da man nach dem Philosophen [Aristoteles] ein Übel nicht meiden kann, wenn man es nicht kennt.

Doch, um unser Vorhaben fortzusetzen, wollen wir uns beeilen, die Leitung unseres 17. Abtes darzulegen. Dieser war Herr Heinrich von Eggerting, ein Professe unseres Hauses. Sogleich nach dem Tod des Herrn Andreas wurde er im Jahr 1398 gewählt. Durch volle 10 Jahre leitete er als Abt unser Kloster. Sein Erfolg war aus den vorher erwähnten Ursachen nur mäßig. Ich glaube, dass auch unter ihm unser Haus nur wenig vorwärtsgekommen ist. Doch erlangte er im Jahre 1404 von Herzog Heinrich die Erneuerung und Bestätigung der Privilegien der Landesfürsten von Bayern. Auch löste er einige vor Jahren verpfändete Besitzungen vom Abt von Fürstenzell und einem Bürger der Stadt Landau namens Stockhamer ab und kaufte sie zurück. Aber um diese zurückzukaufen, verpfändete er vielleicht andere. Im ersten Jahr seiner Regierung nämlich um das Fest der Darstellung Mariens [21.11.] verpfändete er an Konrad Oberhuber aus Niedermünchen bei Mattighofen ebendort ein Gut. Wir besitzen nämlich in diesem Dorf das Recht, dass, wenn einmal ein Amtmann des Abtes oder sonst ein Bote zum Abholen des Zinses dorthin geschickt wird, die Bauern verpflichtet sind, für ihn ein zweites Mal für die Ausgaben zu sorgen. Ähnlich verpfändete dieser Abt an Heinrich Guntzkofer von Haidenburg unsere zwei Güter in Haidendorf und zwei andere in Grastorff. An Hartbert Haunperger verkaufte er die Höfe in Schöfbach und Rockan und an gewisse Personen Güter in Puch. Dem Abt in Osterhofen überließ er 12 Regensburger Schillinge, die aus der Klosterkasse zu zahlen waren. Schließlich gab er den Zechpröpsten der seligen Jungfrau in Weng siebeneinhalb Regensburger Schillinge, nachdem er von ihnen 21 Pfund Regensburger [Pfennige] erhalten hatte. Auch gewährte er sehr vielen Bauern auf unseren Höfen Leibrecht.

Es gibt noch mehr solcher Handlungen, die von diesem Heinrich vollbracht wurden, aber es verdrießt, diese im Einzelnen zu beschreiben. Für jetzt möge das dem Leser genügen. Nachdem dieser unser Abt Heinrich ein wenig über 10 Jahre seine Abtsorge unserem Kloster gewidmet hatte, schied er am 2. Dezember im Jahr 1408 nach der Menschwerdung Gottes aus diesem Leben und wurde in der Grabstätte der Prälaten, doch ohne die Ehre eines Marmorsteins bei uns bestattet.


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Kapitel 40: Heinrich, der Abgesetzte (1408-1422)

Schließlich übernahm die Würde eines Abtes des Klosters Aldersbach Herr Heinrich, geboren in Osterhofen, nachdem er am Tag des heiligen Silvester [31.12.] von unserem Konvent gewählt worden war. Wenn er auch nicht als Mensch, so ist doch seine Amtstätigkeit meiner Meinung nach sehr zu verurteilen. Denn unter ihm erlitt unser Kloster so schwere Schäden und geriet in so viele Gefahren, dass ich behaupten kann, dass keiner von unseren Äbten ihm mehr geschadet hat. Während seiner Regierung könnte ich überhaupt nichts Lobenswertes finden, dass so viel Unrecht einigermaßen entschuldigen könnte. In der Tat war unser Kloster in die äußerste Notlage gekommen, und zwar so sehr, wie öfter unsere Senioren zu erzählen pflegten, dass die Brüder im gemeinsamen Refektorium weder Schüsseln noch Teller, aber auch keine Tücher, um die Tische damit zu bedecken, im gemeinsamen Gebrauch hatten. Deshalb waren die Brüder gezwungen, sich selbst damit zu versorgen. Und wenn die Erntezeit kam oder andere Arbeiten drängten, war kein Geld da, um die Tagelöhner auszuzahlen. Fast täglich musste man bei unseren Nachbarn in Aidenbach und anderswo abwechselnd betteln. Und je mehr geborgt wurde, desto weniger wurde in unserer Finanzkammer gefunden. Ich habe auch nicht herausbringen können, was denn mit diesem Geld geschah, das von überallher gesammelt wurde, außer dem wenigen, von dem ich gleich sprechen werde. Meiner Auffassung nach war er, wenn ich mich nicht täusche, ein Verschwender und ein ausgesuchter Verschleuderer des Besitzes unseres Klosters.

Doch zu Beginn seiner Amtstätigkeit erschien er mir einigermaßen nutzbringend. Denn er tilgte die Zinsen etlicher Gelder und löste sehr viele Zinse, die früher verpfändet worden waren, aus und gewann sie wieder zurück. Überdies ließ er zu unserer Kirche einen Glockenturm bauen. Auch ließ er in unserer Kirche eine Orgel aufstellen und errichtete einige andere kleine Bauten. Doch vielleicht wurde das meiste von all dem durch die Brüder während dessen Abwesenheit ausgeführt. Es ist nämlich überliefert, dass Abt Heinrich im zweiten Jahr seiner Amtstätigkeit (1410) sehr viele Talente Geld angesammelt hat. Mit diesem wollte er sich zur Römischen Kurie begeben, wobei er versprach, für unser Kloster irgendwelche Privilegien zu erlangen. Er gelangte aber nur bis Bologna und nahm dort in weltlicher Kleidung einen ziemlich langen Aufenthalt (wie das Gerücht erzählt). Er war bei jenen Bürgern, mit denen er zusammenlebte, beliebt, aber wohl wegen des Geldes, wie ich glaube. Die Brüder aber warteten über ein Jahr auf die Rückkehr des Abtes. Da er nicht erschien, kamen ihnen allerhand unheilvolle Gedanken. Sie schickten einen Boten (er hieß Krämelinus) hinter ihm her; dieser traf Heinrich in Bologna an. Der Abgesandte zögerte nicht lange, er stellte den erschreckten und verblüfften Abt zur Rede und teilte ihm die durch den Orden aufgetragene Botschaft genau mit. Dadurch brachte er den Mann so weit, dass er die Rückkehr versprach. Vorher aber ließ er sich vom Boten das Treuwort geben, dass er nach seiner Rückkehr niemand die Geschichte offenbare.

So kehrte nicht lange nach dem Boten der Abt ins Kloster zurück, bettelarm, nachdem er das Geld verbraucht hatte. Meiner Meinung nach war er ungefähr zwei Jahre lang unter solchen Umständen vom Kloster fern gewesen. Aber wen sollte der Leichtsinn eines Menschen nicht in Verwunderung versetzen? Gewiss, als er noch in Amt und Würden war, hat der hohe Herr es nicht erkannt; er wollte lieber in den Zelten der Sünder wohnen als in der Gemeinschaft seiner Brüder. Was sollte da nicht ein einfacher Mönch tun, wenn sich ein Abt solches anmaßt? Hätte doch dieser Mannjenes Wort Gregors gelesen und beachtet, das in der 11. quaestio Kapitel 3 ausführlich behandelt wurde: „Die Prälaten müssen wissen, dass, wenn sie jemals Verkehrtes treiben, sie so oft den Tod verdienen, wie sie ihren Untergebenen ein verkehrtes Beispiel geben." So heißt es in jener Satire des Juvenal: „Jeder Charakterfehler trägt eine umso offensichtlichere Schuld in sich, je höheren Rang einer hat, der fehlt." Wenn das auch die Prälaten unserer Zeit gut beachteten, dann wäre wohl der Lebenswandel vieler Leute keuscher und rechtschaffener, und sie würden jenes Wort fürchten, das die Stimme des Evangeliums dem Menschen androht, durch den ein Ärgernis entsteht; auch würden sie lernen, dieses Ärgernis mit allen Kräften zu meiden. Wenn nämlich (wie unser seliger Vater Bernhard in seinem Buch De praecepto et dispensatione schreibt) „so sehr die Ärgernisse an den Kleinen verhütet werden müssen, um wieviel mehr jene der Prälaten, die Gott irgendwie sich gleichzumachen geruht." Und wenn der honigfließende Lehrer dort über das erlittene Ärgernis zu reden scheint, dann gilt dies erst recht vom aktiv gegebenen.


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Kapitel 41

Von Italien zurückgekehrt, setzte unser Heinrich die „lobenswerte" Art und Weise seiner Amtsführung fort, indem er von Tag zu Tag unser Elend vermehrte. Immer wieder verkaufte und verpfändete er viele Landgüter. Durch ein verzinstes Darlehen erhielt er reichlich Geld; schließlich verschacherte er viele Jahreszinse (die man allgemein precarie nennt). Mit diesen Geschäften belastete er unser Kloster über die Maße. Und damit man nicht meint, ich würde Falsches erzählen, möchte ich aus vielen Beispielen nur ganz wenige anfügen. Er verschacherte dem Grafen Oswald von Ortenburg unter dem Titel des besagten Jahreszinses 12 Ungarische Golddukaten, die ihm von unserem Kloster jährlich gegeben werden mussten, einem Egid Kräl 26, die nach Burghausen zu geben waren, einem Passauer Bürgernamens Sumer 50 und einem Professen in Reichersberg 8. Zwei anderen, deren Namen ich der Kürze halber übergehe, gab er 50 der genannten Goldmünzen. Auch verschacherte er vom besagten Zins an die 60 Pfund Regensburger [Pfennige], die jährlich an verschiedene Leute auszuzahlen waren. Außerdem verkaufte er dem Ulrich Kamerauer bestimmte Besitzungen um 130 Pfund Wiener [Pfennige]. Anderen verpfändete er gewisse Güter für 500 Ungarische Golddukaten. Ähnlich verkaufte er an Matthäus Egker alle unsere Besitzungen in Eholfing um 600 Pfund Wiener [Pfennige]. Die geliehenen Gelder aber sind fast nicht zu zählen. Von einem Gläubiger borgte er 40 Dukaten auf einmal. Schließlich verkaufte er an Andreas Gruber, Kanoniker in Vilshofen und Pfarrer in Birnbach, und an seine Kinder 11 Höfe mit nicht unbedeutender Prekarie und empfing von ihm eine große Menge Geld geliehen, worüber später unter Abt Johannes von Fürstenzell ein Prozess mit den Erben war. Solcherlei Geschäfte gäbe es noch sehr viele, wenn ich sie einzeln aufzählen wollte.

Schließlich geriet unser Kloster in eine solche Armut, dass er, als keine Zinse und Besitzungen mehr übrigblieben, die er noch rechtlich hätte verkaufen können, Codices aus unserer Bibliothek den Gläubigern als Pfand gab. So verpfändete er jene vier großen Bände des Speculum unseres Bruders Vinzenz an den Abt von Wilhering um 13 Pfund Regensburger [Pfennige]. Diese konnte schließlich Herr Johannes Plüer unter großen Schwierigkeiten zurückkaufen. Doch in alldiesen Dingen trifft - meiner Meinung nach - die Schuld nicht nur den Abt, sondern ebenso die älteren Brüder; denn ohne deren Zustimmung hätte er auf keinen Fall solche Geschäfte machen können. Das gleiche Urteil trifft, wie die Rechtskundigen sagen, den Täter und den, der einwilligt (794. omnes). Ich weiß auch nicht, ob wegen einer solchen Vergeudung unseres Klostergutes allein die Äbte schuldig geworden sind und nicht auch die Brüder, die zu solchen Schäden manches beigetragen haben. Denn damals gab es in unserem Kloster außer dem Abt selbst mindestens 10 Offizialen, die alle die Verwaltung der zeitlichen Güter innehatten, nämlich den Bursarius [Geldverwalter], den ersten Zellerar, den Pistrinarius [Mühlen und Bäckereiverwalter], Custos [Aufseher über die Kirche], den Infirmarius [Beauftragten für die Kranken], den Gastmeister, den Magister curiae [Hofaufseher], den Krankenbruder, den Coriarius [Gerber], den Vestiarius [Verwalter der Kleiderkammer] und den Granator [Verwalter der Kornkammer]. Diese alle oder jedenfalls der größere Teil von ihnen besaßen und verfügten über die Geldzinse, Getreide, Tiere und anderes auf Grund ihrer Ämter und verwalteten es. Wenn diese ihre Aufgabe zuverlässig betrieben, kam unser Kloster durch sie nicht wenig vorwärts, wie es unter Heinrich I., unter Hugo und Konrad und einigen anderen Prälaten offensichtlich der Fall war.

Höre nun, was damals geschah! Ein Konverse namens Andreas leitete 17 Jahre die Schusterei und Gerberei und versorgte so viele Jahre hindurch das ganze Haus mit Schuhen und dem notwendigen Leder. Und alle waren damit zufrieden. Das alles tat er ohne Ausgaben unseres Hauses, von dem für die Knechte notwendigen Brot abgesehen, das er von unserem Bäckereiverwalter erhielt. Eben dieser Bruder übergab in den genannten Jahren in die Hände des Abtes und des Bursarius 150 Pfund Regensburger [Pfennige], die er durch sein Handwerk und seine Arbeit zusammengebracht hatte. Damals gab es viele redliche Brüder, die durch ihre Gewissenhaftigkeit und ihre Arbeiten unser Kloster förderten.

Doch unter diesen Äbten, von denen eben die Rede ist, gingen die Offizialen vielleicht einer anderen Beschäftigung nach und kümmerten sich um ihren eigenen Vorteil. So förderten sie den Ruin unseres Klosters. Denn wo ein Teil nach dem anderen von einem Gemeinwesen verschleudert wird, muss notwendig es selbst geschwächt werden und zusammenbrechen. So scheint es damals mit unserem Haus geschehen zu sein. Anlässlich dieses Ereignisses wurde vor Jahren unter Johannes Plüer das Amt des Bursarius bei uns abgeschafft und die ganze Verwaltung der zeitlichen Güter dem Abt anvertraut. Wie sehr aber inzwischen unser Kloster wieder aufgeblüht ist, erkennt man leicht, wenn man den gegenwärtigen glücklichen Zustand mit dem früheren vergleicht.

Kehren wir wieder zu unserem Heinrich zurück! Nachdem er 14 Jahre lang unser Vermögen nachlässig verwaltet, um nicht zu sagen vergeudet hatte, sorgte Gott, der Vater allen Trostes, dafür, dass unser Kloster nicht ganz verödet würde. Da es seine schweren Verfehlungen forderten und er es verdient hatte, wurde er von Brüdern des Konvents ergriffen und in den Karzer gesperrt. Bald darauf wurde er von Herrn Heinrich aus Ebrach abgesetzt und aus dem Kloster verstoßen. Zuvor musste er, wie es Gewohnheit ist, einen Eid schwören, sich auf keine Weise für die Verhaftung, Absetzung und Entlassung irgendwie zu rächen und fortan deswegen niemand Schwierigkeiten zu machen. Trotzdem brachte er seine Angelegenheit vor die Väter des Ordens und erlangte eine Bestätigung. Aber er konnte sich mit seinem Begehren nicht durchsetzen. So wurde er nach Ungarn verschlagen und tauchte niemals mehr auf.


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Kapitel 42: Die Böhmen

In diese Zeiten fiel die verderbenbringende Torheit der Böhmen. Sie begann unter ihrem König Wenzeslaus, nachdem er seine Herrschaft verloren hatte, und konnte auch bis heute kein Ende finden. Die Universität von Prag, die ungefähr im Jahr des Herrn 1360 unter Karl begonnen hatte, wurde von den Deutschen geleitet. Darüber ärgerten sich die Böhmen sehr. Aus ihren Reihen war ein Mann adeliger Herkunft, dessen Name nicht bekannt ist, in Oxford, einer englischen Stadt, als er sich den Schriften des Johannes Wicliff widmete, auf Bücher gestoßen, an denen er großes Vergnügen fand. Als er in die Heimat zurückkehrte, nahm er Exemplare davon mit. Die handelten vom bürgerlichen Recht, von Gott, von der Kirche und von verschiedenen Streitfragen gegen den Klerus. Mehrere Bände brachte er wie einen kostbaren Schatz in seine Heimat. Das Gift verbreitete er unter der Bevölkerung und empfahl derlei Schriften auch anderen, die bereit waren, Unfrieden zu stiften. Unter ihnen war Johannes Hus, ein Mann von unbekannter Herkunft, doch er zeichnete sich durch einen sehr scharfen Verstand und durch Beredsamkeit aus. Gierig machte er sich die fremde Lehre zu eigen und begann mit ihrer Hilfe die Deutschen in Unruhe zu versetzen; dabei hoffte er, sie würden dadurch verwirrt und würden die Schulen verlassen. Auch König Wenzeslaus gab den Befehl, das Gymnasium nach Art der Universität von Paris zu leiten. So wurde die Leitung der Schule den Deutschen genommen. Diese, mehr als 2000, verließen beunruhigt an einem einzigen Tag Prag und eröffneten in Leipzig, einer Stadt in Meißen, von Prag eine Dreitagereise entfernt, eine Schule.

Bald galt nun Johannes Hus bei den Pragern als ihr Oberhaupt. Sobald er das Amt des Predigers erlangt hatte, konnte er das Gift, das er im Verborgenen eingesogen hatte, in aller Öffentlichkeit verbreiten. In Kürze sammelte er viele nichtsnutzige Schüler um sich und wandte sich den Irrlehren der Waldenser zu, die vor Jahren schon verurteilt worden waren. Damit der Leser diese gottlose Sekte kennenlernt, möchte ich deren Dogmen hier erwähnen. „Der römische Bischof sei den übrigen Bischöfen gleichgestellt, unter Priestern sei kein Unterschied, nicht die Würde verleihe einen höheren Rang, sondern das Verdienst des Lebens; die Seelen, die aus dem Körper scheiden, kämen entweder sofort zur ewigen Strafe oder erlangten die ewige Seligkeit, ein Fegfeuer gebe es nicht; es sei vergeblich und eine Erfindung der Habsucht der Priester, für die Toten zu beten; die Bilder Gottes und der Heiligen seien zu vernichten; die Weihe des Wassers und der Palmzweige sei lächerlich; die Orden der Bettelbrüder seien Erfindungen der bösen Geister; die Priester müssten arm sein und nur von Almosen leben; jedem stehe es frei, das Wort Gottes zu verkündigen; keine Todsünde dürfe geduldet werden, um ein größeres Übel zu vermeiden; wer einer schweren Schuld angeklagt ist, dürfe weder ein weltliches noch ein geistliches Amt innehaben, und man dürfe ihm nicht gehorchen; Firmung und letzte Ölung gehörten keineswegs zu den Sakramenten der Kirche; die Ohrenbeichte sei ein Possenspiel; es genüge, wenn einer seine Sünden vor Gott in seinem Kämmerlein bekenne; die Taufe müsse mit Flusswasser, ohne Beimischung von geweihtem Öl, empfangen werden; der Friedhof sei ein überflüssiger Brauch und nur des Gewinnes halber erfunden. Es sei kein Unterschied, mit welcher Erde die Leichen von Menschen zugedeckt würden; die Welt selbst sei ein Tempel Gottes, der überall zu finden sei.

Wer Kirchen, Klöster und Kapellen baue, der würde Gottes Majestät einengen. Priesterliche Gewänder, Altarschmuck, Fallen, Korporalien, Kelche, Patenen und derartige Geräte hätten keinerlei Wert. Ein Priester könne an jedem Ort und zu jeder Zeit den heiligen Leib Christi konsekrieren und denen, die darum bitten, darreichen; es genüge, wenn er nur die sakramentalen Worte spreche; mit dem Singen und Sprechen der kanonischen Stundengebete werde nur die Zeit umsonst vertan; an keinem Tag dürfe man von der Arbeit ablassen außer an dem, der jetzt Sonntag heißt; die Feste der Heiligen seien abzuschaffen; auch in den von der Kirche eingeführten Fasttagen wohne kein Verdienst.“

Der Bischof von Prag wollte diesem Unheil einen Riegel vorschieben und ließ nach dem Rat der Gelehrten alle Bücher Wicliffs verbrennen. Dem Johannes Hus verbot er die Predigt. Darauf verließ dieser Prag und fuhr fort, in dem Dorf, aus dem er stammte, das Volk zu belehren, indem er die Diener der Kirche mit vielen Feindseligkeiten überhäufte. Darauf brachte Petrus Trezenensis (Peter von Znaim?), der aus seiner Heimatvertrieben worden war, neues Unheil. Dieser griff Jacobellus von Mies, Prediger in der St. Michaelskirche, mit folgenden Worten an: „Er wundere sich, dass ein gelehrter Mann jenen Irrtum über die eucharistische Kommunion unter nur einer Gestalt nicht bemerkt habe, da doch bei Johannes die Kommunion unter beiden Gestalten von Brot und Wein befohlen sei gemäß den Worten des Erlösers: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht essen und sein Blut nicht trinken werdet, werdet ihr das Leben nicht in euch haben [Jo 6, 54].

Jacobellus gingen diese Worte nahe, und als er dazu beim heiligen Dionysius und beim heiligen Cyprian gefunden hatte, dass die Kelchkommunion gelobt werde, begann er nun öffentlich das Volks dazu zu bewegen, künftighin die Kelchkommunion nicht mehr zu unterlassen, ohne die niemand gerettet werden könne. Ihm stimmten alle Häretiker voller Freude zu, dass sie einen im Gesetz des Evangeliums begründeten Artikel gefunden hätten, durch den der Römische Stuhl widerlegt werden könne. Siehe bei Nauclerus! Dieser verfolgt die Geschichte ausführlicher.

Im Jahre des Herrn 1412 am Fest der heiligen Katharina wütete jener furchtbare Wirbelsturm, der schon bei unseren Vorfahren sehr häufig war und ,,Wind der heiligen Katharina" genannt wurde, so schrecklich, dass er sogar ganze Wälder niederriss, in unserer Gegend schlimmste Schäden verursachte und es fast drei Tage lang im Freien keinen Ort gab, an dem man sich ohne Gefahr aufhalten konnte. Im Jahr 1414 trat auf Grund größter Anstrengungen von Kaiser Sigismund das Konzil von Konstanz zusammen, wo die drei Päpste abgesetzt wurden und ein einziger, nämlich Martin V., eingesetzt wurde. Die böhmische Irrlehre wurde verurteilt; ihr Anführer Johannes Hus und sein Anhänger Hieronymus wurden während dieses Konzils dem Feuertod übergeben. So wurde das Konzil im Jahr 1418 nach vielen lobenswerten Beschlüssen nach vier Jahren abgeschlossen.


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Kapitel 43: 18. Abt: Jakob (1422-1431)

Indem wir die Reihe der Aldersbacher Äbte fortsetzen, kommen wir zur Beschreibung der Regierungszeit des 18. Abtes. Denn nachdem der genannte Heinrich abgesetzt war, folgte ihm Herr Jakob nach, der damals die Verwaltung unserer Besitzungen in Österreich besorgte. Er wurde am Fest des heiligen Ulrich [04.07.] im Jahr 1422 seit der Erlösung gewählt und von Herrn Heinrich, Abt von Ebrach, der den Vorsitz bei der Wahl hatte, bestätigt. Diesem wurden seit Beginn seiner Amtstätigkeit wegen des Ruins unseres Klosters (der ja weit und breit bekannt war) vom erlauchten bayerischen Herzog Johann in München weltliche Administratoren beigegeben, nämlich die adeligen und gestrengen Herren Georg Aichberger aus Söldenau und Wilhelm Fraunberger von Weinting. Ohne deren Wissen und Zustimmung durfte Herr Jakob vor allem in der Verwaltung der zeitlichen Dinge nichts unternehmen. Mehr als drei Jahre dauerte diese Oberaufsicht über unser Haus; schließlich wurde uns die freie Verfügung wieder zugestanden. Als Abt Jakob so die Freiheitwieder erhalten hatte, verkaufte und veräußerte er nach dem Vorbild seiner Vorgänger viele Besitzungen unseres Klosters. Damit man die Lage deutlicher erkennt, lasse ich hier einfließen, wie der Zustand unseres Hauses im Jahr des Herrn 1426 war. Unser Kloster erhielt an Jahreszinsen und anderen Einkünften alljährlich 133 Pfund Regensburger [Pfennige], an Getreide175 Scheffel; davon ausgenommen sind die Einnahmen aus der eigenen Landwirtschaft. Das Kloster schuldete aber verschiedenen Gläubigern 6611 Ungarische Golddukaten, von denen es jährlich als Zinsen 600 Gulden genannter Münze abzahlte. Ähnlich leistete es alljährlich vom Getreide 82 Scheffel an die Gläubiger. Sehr vielen Leuten verpfändete es schließlich ohne Zinsen 1251 Golddukaten, zum Lebensunterhalt der Leute aber musste es 335 Gulden jährlich zahlen. Überdies steuerte es von bestimmten Besitzungen, die an einige auf Lebenszeit verpfändet waren, ungefähr 43 Regensburger Pfund bei.

Aus alldem erkennt der Leser leicht, in welcher Bedrängnis das Schifflein unseres Hauses dahinsegelte. Denn die Ausgaben übertrafen die Einnahmen um mehr als das Vierfache. Doch Herr Jakob hat viele Gläubiger zufriedengestellt und wäre, wenn er nicht in eine so unglückliche Zeit unseres Klosters geraten wäre, wohl als ein recht brauchbarer Verwalter befunden worden. Aber von übermäßiger Armut bedrängt, musste er das eine verkaufen, um das andere zurückzukaufen. So verkaufte er von unseren Höfen in Atzenberg die 7 Pfund Regensburger [Pfennige], die jährlich zu zahlen waren. Dem Brauer Andreas in Deggendorf verschacherte er in unserem Weiler Gumperting 40 Ungarische Golddukaten, nachdem er 600 von ihm erhalten hatte. Ähnlich verpfändete er Höfe in Heft an den Adeligen Putzner um 60 Golddukaten. Auch in Österreich verkaufte er Besitzungen um 400 Gulden. Dazu verpfändete er im Jahr 1429 den Markt Ruhmannsfelden an den Adeligen von Degenberg um 600 Pfund Regensburger [Pfennige]; er kehrte schließlich unter Abt Simon unter großen Aufwendungen und Mühen zu unserem Kloster zurück.

Derartige Dinge gäbe es noch sehr viele zu schreiben; doch ich glaube, meine Feder davon zurückhalten zu müssen. Deshalb zweifle ich nun sehr daran, ob dieser Abt Jakob zu den wohlverdienten Prälaten zu zählen ist oder nicht. Doch wenn wir alles gleichmäßig abwägen, nämlich die zeitlichen Umstände, dazu die Bedrängnis infolge der vorausgegangenen Schulden und Zinsen, dann ist er vielleicht nicht allzu sehr zu tadeln. Dieser Herr Jakob erlangte im Jahr 1429 vom Fürsten Heinrich eine sehr vorteilhafte Bestätigung der Privilegien, die unserem Kloster von den bayerischen Herzögen gewährt worden waren. Unter ihm wurde auch der Dachstuhl unserer Kirche zusammen mit anderen Bauten erneuert.

In jenen Jahren wurde unter Papst Martin V. und Kaiser Sigismund zum zweiten Male ein starkes Heer gegen die Böhmen in den Krieg geschickt; dabei waren auch viele christliche Fürsten und Bischöfe. Es sollen mehr als 40.000 Reiter gewesen sein, an Fußvolk waren es aber weniger. Doch bevor die Unseren eine Feindberührung hatten, wurden sie von Furcht gepackt und entkamen in schändlicher Flucht. Der Feind bemächtigte sich der riesigen Beute und verfolgte mit großer Zuversicht die Deutschen durch den Böhmerwald, wo es nicht leicht ein Entrinnen gab.

Herr Jakob hatte neun Jahre lang das Hirtenamt in unserem Kloster inne, und als die Schicksalsgöttin den Faden abschnitt, schied er am 28. Februar des Jahres nach der Menschwerdung des Herrn 1431 aus dieser Welt. Er wurde bei uns in der gemeinsamen Grabstätte der Äbte bestattet, doch ohne ein Grabmal aus Marmor.


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Kapitel 44: Abt Godehard (1431-1434)

Nachdem nur kurze Zeit nach dem Tod des Herrn Jakob verflossen war, beeilte man sich, einen neuen Abt von Aldersbach aufzustellen. Als der Herr Visitator Hermann, Abt von Ebrach, herbeigeholt worden war, erfolgte die Wahl nach dem Brauch des Ordens. Als Hirte unseres Klosters wurde aus unserer Gemeinschaft Herr Godehard gewählt und eingesetzt. Er war ein tüchtiger und gelehrter Mann, wenn er sich nur sonst in einer glücklichen Lage befunden hätte. Denn, wie es gemeinhin zu geschehen pflegt, konnte er sich nicht sehr lange der Prälatenwürde und der körperlichen Gesundheit zugleich erfreuen. Denn sogleich nach seinem Amtsantritt fiel er in eine schlimme Krankheit, und zwar in eine ansteckende und unheilbare, in die Lepra nämlich, die ihn ekelerregend und des anvertrauten Amtes unwürdig machte. Aber wer kann sich gegen ein widriges Schicksal wehren? Oder wer könnte die Wechselfälle des unerbittlichen Schicksals vermeiden? In der Tat, niemand unter der Sonne. Die mächtigsten Kaiser und Eroberer der ganzen Welt haben das nicht vermocht. Höre, was die Heilige Schrift von jenem verruchten und hochmütigen Tyrannen Antiochus berichtet! Denn obwohl er kurz vorher sehr glücklich war und meinte, die Gestirne des Himmels zu berühren, über die Fluten des Meeres zu gebieten und die Gipfel der Berge auf der Waage zu messen, wurde er von Gott gedemütigt und von einer unheilbaren Krankheit der Gedärme heimgesucht, so dass Würmer aus ihm hervorkrochen. Er verfaulte, dass nicht einmal er selbst seinen Gestank ertragen konnte und er so auf den Bergen elend umkam [2 Makk. 9]. Was soll ich weiter von Alexander erzählen? In der kurzen Zeit seiner Herrschaft unterwarf er sich ganz Asien und die übrigen Erdteile, doch von einer leichten Krankheit erfasst, sank er dahin. Was [soll ich sagen] über Pompejus den Großen? Nachdem er, wie Orosius berichtet, über 22 Könige ruhmreicher Sieger geworden war und er oft im Triumphzug in die Stadt Rom eingezogen war, traf ihn noch im hohen Alter ein solches Unglück, dass er auf dem weiten Erdkreis keine sichere Bleibe mehr hatte. Von ihm sagt Lukan im achten Buch seiner Pharsalia: „Aus dem ganzen Erdkreis war er nunmehr vertrieben. Nachdem keine Hoffnung auf Änderung der Verhältnisse geblieben war, suchte er ein Volk, bei dem er sterben könnte usw." Auch Konstantin der Große, wenn auch sonst ein sehr erfolgreicher Fürst, wurde dennoch von einer tödlichen Krankheit befallen und musste schlimme Schicksalsschläge ertragen. Doch wurde ihm von Papst Silvester zur Stärkung der Hoffnung der Gläubigen die Gesundheit wiedergeschenkt. Die ganze Schrift ist voll von solchen Dingen.

Damit ich aber nicht sehr vieles umsonst erzähle, kehre ich zu unserem Godehard zurück. Als dieser rechtschaffene Mann seine Krankheit und Hinfälligkeit wahrnahm, wollte er niemand beschwerlich sein und verzichtete freiwillig auf die Abtwürde. Nur drei Jahre hatte er unser Kloster geleitet. Er resignierte aber in die Hände des Herrn Johannes, Abtes von Heiligenkreuz, des damaligen Generalkommissars des Ordens. Damit nun niemand glaube, er habe umsonst gearbeitet und sei umsonst gelaufen, wenn er auf diese Weise abtrete, wurde für ihn von unserem Hause durch die Vateräbte mit Zustimmung des neuen Abtes und des Konvents eine entsprechende Versorgung bestimmt. Vor allem wurde er, wie es sich gehörte, von allen Chordiensten befreit. Auch wurde ihm eine Wohnung zugewiesen, die erst vor kurzem von Herrn Jakob erbaut worden war.

Dazu wurde für ihn und seinen Diener ein angemessener Unterhalt von Speise und Trank festgesetzt, zusammen mit vier Golddukaten, die ihm jährlich zu reichen waren, um so einigermaßen seine Krankheit lindern zu können. Wie viele Jahre er aber noch weiterhin gelebt hat, habe ich nicht in Erfahrung bringen können. Als er schließlich verschieden war, wurde seine Leiche zwar auf dem Friedhof der Brüder bestattet, aber nicht an jenem Platz hinter unserem Chor, sondern unter Bäumen neben der Kapelle des heiligen Johannes. Schuld daran ist die Unwissenheit der Brüder, die der Meinung waren, dass, wenn einer bei Lebzeiten wegen einer ansteckenden Krankheit von ihnen getrennt war, er auch nach dem Tod in einem von ihnen getrennten Grab bestattet werden müsse.

Auch die Herzöge Bayerns waren in jenen Jahren untereinander sehr uneins. Als nämlich damals während des Konzils von Konstanz um das Fest des Gallus [16.10.] Ludwig von Ingolstadt vom Augustinerkloster zu seiner Herberge zurückkehrte und gerade unterwegs war, lauerte ihm Heinrich von Landshut auf, ging mit gezücktem Schwert auf ihn los und brachte Ludwig eine schwere Wunde bei. Dann ergriff Heinrich auf der Steile die Flucht. Auf kaiserlichen Befehl verfolgten ihn mehrere; doch entkam er den Händen aller. Geschehen 1417. In die Heimat zurückgekehrt, begannen sie Krieg zu führen. Dem Herzog von Landshut kamen Johann, Herzog von München, mit den Söhnen Ernst und Wilhelm und einige Bischöfe zu Hilfe. Und dann nahm Heinrich dem Ludwig einige Burgen und Städte weg. Ich weiß nicht, aus welcher Ursache Herzog Ludwig, der durch einen Kropf und einen Buckel entstellt war, auch gegen seinen alten Vater Ludwig einen frevelhaften Krieg unternahm, außer vielleicht wegen der ungetreuen Mutter, die der Vater wegen des Verdachts auf Ehebruch in den Kerker geworfen hatte. Dafür wollte der Sohn Rache nehmen; er begann den offenen Krieg, verfolgte den Vater und belagerte eine Zeitlang die Stadt Neuburg, wohin sich der greise Vater als Flüchtling zurückgezogen hatte. Schließlich wurden Belagerungsmaschinen herbeigebracht; die Stadt wurde erstürmt und mit Gewalt genommen. Und so setzte der Sohn den Vater gefangen und warf ihn in den Kerker. Doch der Himmel forderte Rache für ein so großes Verbrechen: Der Sohn wurde, bevor er den Vater umgestimmt hatte, von Fieber erfasst und kam im Jahr 1445 elend um.

Später besiegte Albrecht, Markgraf von Brandenburg, Ludwig den Älteren mit Waffengewalt und führte ihn gefangen mit sich nach Ansbach. Doch dieser weigerte sich sehr, sich aus der Gefangenschaft loszukaufen. Schließlich löste ihn Herzog Heinrich aus Landshut mit 32000 Gulden aus. Ludwig blieb in der Gewalt Heinrichs, wurde nach Burghausen gebracht und hier in Haft gehalten, wo er nur noch kurze Zeit lebte. Er starb ohne Empfang der Sakramente und wurde in Raitenhaslach bestattet. So fiel Ingolstadt mit seinem ganzen Gebiet an Heinrich. Doch Heinrich begann schon vor dem Tod Ludwigs Städte anzugreifen. Lange Zeit belagerte er Schärding. Geschehen 1447.

Ernst, Herzog von München, hatte von seiner Gemahlin Elisabeth aus Mailand den Sohn Albrecht, der der Fromme genannt wurde, ein angenehmer Mensch, leidenschaftlicher Jäger und besonderer Liebhaber der Musik. Dieser liebte in Straubing unglücklich ein Mädchen, eine Badeaufseherin, so sehr, dass er sie in der Hoffnung auf eine Ehe zu sich nahm. Der Vater war darüber sehr ungehalten und kam mit einer bewaffneten Schar in die Stadt, um die Schmach zu rächen. Er ließ das Mädchen, das von wunderbarer Schönheit war, ergreifen, ihr die Hände auf den Rücken binden und sie in die Donau werfen. Nachdem sich Albrecht über den Tod seiner Freundin getröstet hatte, heiratete er schließlich Anna von Braunschweig und erhielt von ihr die Söhne Johann, Ernst, Sigismund, Albrecht, Christoph, Wolfgang und drei Töchter.


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Kapitel 45: Abt Johannes (1434-1442)

Nun müssen wir den Nachfolger unseres Godehard behandeln. Dieser war Herr Johannes, Professe von Fürstenzell. Wie ich glaube, wurde er nicht eigentlich von den Brüdern gewählt, sondern vielmehr ihnen aufgezwungen. Während nämlich Herr Johannes, Abt von Heiligenkreuz, als Generalkommissar des Ordens mit seinen Assistenten, den Äbten Herrn Nikolaus von Engelszell, Thomas von Fürstenzell und Johannes von Gotteszell, visitierte, erfolgte die Resignation des oben erwähnten Herrn Godehard. Dann schritt man schnell zur Neuwahl. Da nun die Brüder bei der Wahl vielleicht ein wenig von der Wahlordnung abwichen, wurde dieser Herr Johannes, Sekretär des Abtes von Fürstenzell, in die Mitte gerufen, zum Abt des Klosters erklärt und sogleich bestätigt. Das geschah am 6. Mai im Jahr des Heiles 1434.

So erhielt unser Kloster wider aller Erwarten einen Abt von auswärts. Aber ob dies das Gesetz des Herrn ist und der Königsweg, den man bei einer so schwierigen Aufgabe beschreiten muss, darüber mögen andere urteilen. Doch aus dem Ausgang einer Handlung lässt sich meistens ermessen, wie der Anfang war. Das gilt auch von jenem Abt Johannes (der bald darauf abgesetzt wurde). Da dieser ja nicht durch den Eingang hereingekommen war, sondern auf andere Weise, blieb er auch nicht bis zum Ende Hirte. Doch dabei scheint mir die Schuld bei den Zeitumständen zu liegen. Denn bei den Patres des Ordens waren die religiöse Kraft und der Seeleneifer in Verfall geraten.

Während nämlich früher Äbte, die sich durch eine gute Lebensführung und unbescholtene Sitten auszeichneten, an die Spitze der Klöster gestellt wurden, unter deren Leitung die Klöster in geistlichen wie in zeitlichen Dingen aufblühten, werden jetzt all überall auch solche aufgestellt, die weder sich selbst noch andere leiten und fördern können, die vielmehr nach ihrer Laune ein ausgelassenes Leben führen und das Elend der Elenden noch vermehren. Ach, würden doch solche Prälaten gewissenhaft jene Verse unseres seligen Vaters Bernhard, die er für Papst Eugen gedichtet hat, beachten! „Eine ungeheuerliche Sache", sagt er, „ist es: Die höchste Rangstufe und die niedrigste Gesinnung, der höchste Sitz und das niedrigste Leben, eine großsprecherische Zunge und eine müßige Hand, viel Geschwätz und keine Frucht, ein ernstes Gesicht und leichtsinniges Handeln, ungeheures Ansehen und schwankende Festigkeit." In der Tat, wenn die Vorgesetzten auf ihre Würde achteten, wenn in ihnen nicht jeder Funke der Ehrbarkeit völlig erloschen wäre, so würden sie sich mehr als gewohnt vor einer leichtsinnigen und unwürdigen Handlung hüten. Aber davon nun mehr als genug!

Damals war in unserem Kloster die Zahl der Brüder gering, und vielleicht ließ sich unter ihnen keiner finden, der hinreichend geeignet gewesen wäre, das Amt eines Abtes zu übernehmen. Deshalb war man gezwungen, einen Fremden zuzulassen. Wegen dieses schwachen Personalstandes wurden auch die Vigilien und die übrigen kanonischen Stundengebete bei uns durch Rezitieren verrichtet. Daher wurde damals durch den oben genannten Visitator auch bestimmt: Wenn einmal der Konvent mehr als zehn Mitglieder zähle, sollten sie die Vigilien und die übrigen Stundengebete durch Singen vollziehen. Bei einer geringeren Zahl der Brüder aber würden sie durch Rezitieren ihrer Pflicht genügen.

Die Weinstube, die damals innerhalb des Klosterbereichs lag, musste nun außerhalb gebaut werden, damit Frauen keine Gelegenheit fänden, die Klausur zu betreten. Gewiss, eine fromme und löbliche Bestimmung, die auch inzwischen bei uns nach der Bestimmung des Ordens seit vielen Jahren unvermindert beobachtet wurde. Möchte sie auch in Zukunft mit solcher Gewissenhaftigkeit eingehalten werden! Es ist ja allgemein bekannt, wie sehr der Eifer im Ordensleben durch den häufigen Besuch der Frauen gestört und in Verruf gebracht wird. Darüber lässt Sulpicius in seinem Dialog c. 14 den heiligen Martin so sprechen: „Eine Frau soll das Feldlager der Männer nicht betreten; die Schlachtreihe der Soldaten stelle sich abgesondert auf; die Frau halte sich ferne und bleibe in ihrem Zelt. Es macht nämlich ein Heer verächtlich, wenn sich zu den Kohorten der Männer eine Weiberschar hinzugesellt."

Dieser Herr Johannes hat unsere Besitzungen in Waldzell an Georg Murhammer und dessen Bruder für wenig Geld auf Lebenszeit als Leihe ausgetan. Auch stritt er vor Gericht mit Herrn Andreas Gruber, Pfarrer in Birnbach, und dessen Erben, ebenso mit Katharina Guntzingerin aus Vilshofen um bestimmte Güter und die Rückgabe von Zinsen. Darüber erlangte er im Jahr 1435 vom Basler Konzil eine Bestätigung. Dieser Herr Johannes leitete unser Kloster ungefähr 8 Jahre. Da er in seiner Regierungszeit nicht nur nichts zum Besseren erzielt, sondern in noch größerem Maße abgewirtschaftet hatte, verzichtete er auf seine Würde und kehrte an den Ort zurück, woher er gekommen war. Und dort beschloss er seine letzten Tage.


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Kapitel 46: 19. Abt: Johannes Plüetl (1442-1448)

Schon waren 80 Jahre vergangen, seitdem das Kloster Aldersbach in Verfall geraten war, und bis heute litt es ohne Unterbrechung unter großem Mangel an allem. Auch wenn inzwischen viele tüchtige und kluge Prälaten das Kloster geleitet hatten, war es nicht möglich, wegen der zeitlichen Umstände und der schweren Schuldenlast das Kloster wieder in jenen früheren Zustand zurückzuversetzen. Doch unter der Regierung unseres 19. Abtes begann es sich wieder ein klein wenig aufzurichten und nach einem besseren Schicksal auszublicken. Schließlich wurde es nach Verlauf weniger Jahre durch die Umsicht und Klugheit der Äbte zur früheren Blüte und vielleicht auch zu einer besseren erneuert. Den Anfang dieser Erneuerung machte Herr Johannes mit dem Beinamen Pluetl, von Hofkirchen abstammend. Dieser wurde im Jahr des Herrn 1442 am Tag des heiligen Felix [30.05.] aus unserer Gemeinschaft unter dem Vorsitz des Herrn Heinrich, Abtes von Ebrach, gewählt. Er war ein sehr kluger Mann, noch im besten Alter, aber nicht besonders beredt. Er war Verwalter unseres Hofes bei Krems gewesen. Nachdem er die Abtwürde erlangt hatte, widmete er sich mit allen seinen Kräften den irdischen Geschäften und plagte sich mit größtem Eifer um die Erneuerung unseres Hauses. Deshalb hatte er größeres Glück. Er fing an, die Gläubiger zu befriedigen, sehr viele schon längst verpfändete Zinse löste er aus und versuchte, das Joch der Zinsschulden abzuschütteln. Auch soll er sich besonders um unsere Weinstube gekümmert haben. Er verkaufte alljährlich so viel Wein, dass er von dem Gewinn die Weingärten kultivieren und dem Konvent eine tägliche Ration Wein reichen konnte. Aber die Bürger in den Nachbarorten wurden allmählich unwillig und beklagten sich bei seiner Durchlaucht Herzog Heinrich über das Geschäft des Abtes. Der Abt wurde durch den Fürsten herbeigeholt, um auf diese Klagen zu antworten, und getadelt, dass er seinen Mitbürgern so lästigfalle und er sich zu sehr um das Geschäft kümmere. Als nun der Fürst fragte, wie sich die Sache verhalte, antwortete ihm der Abt: „Erlauchter Fürst, unser Kloster ist so sehr heruntergekommen, dass es meine Hilfe braucht, um nicht völlig unterzugehen. Die Untertanen Eurer Hoheit halte ich aber keineswegs von ihrer Arbeit ab, auch hindere ich keinen Menschen, ihre Weinstuben zu betreten. Ich aber habe hier den Brauch, dass ich unsere Weine billiger verkaufe und uns auf diese Weise eine Menge Kunden schaffe. Wenn auch deine Bürger so handeln würden, ginge es ihnen in der Tat genau so gut wie mir."Als der Fürst, der ein sehr kluger Mann war, dies vernahm, sagte er: „Geh, Abt, du handelst recht, nütze dein Glück! Keiner soll dir mehr in dieser Angelegenheit Schwierigkeiten machen."

Dieser unser Abt hat auch in unseren Gebäulichkeiten manches erneuert. Er ließ die beiden Seitenschiffe unserer Kirche einwölben. Unseren Viehhof in Straß umgab er auf allen Seiten mit einer Mauer. Auch andere Gebäude errichtete er am selben Ort in anerkennenswerter Weise. In welchem Zustand aber er unser Haus nach seinem Tod zurückgelassen hat, möchte ich hier kurz anführen, damit auch die, die nach uns leben, seine und der nachfolgenden Äbte Gewissenhaftigkeit kennenlernen. So erhielt unser Kloster an jährlichem Zins und anderen Einkünften, woher auch immer, ungefähr 1700 Pfund Wiener Münze. Für Zinsen aber und Leibrecht gab es jährlich ungefähr 125 Pfund des genannten Geldes aus.

Schließlich schuldete unser Haus bestimmten Gläubigern und Klosterangehörigen 424 Pfund. Unsere verpfändeten Höfe und Besitzungen waren mit 4137 Pfund Wiener Münzen belastet. Dazu besaß unser Kloster in den Vorratsräumen eine genügende Menge von Getreide, nämlich an Roggen 86 Scheffel, an Weizen 48, an Gerste 4, an Hafer jedoch 67. An Tieren hatte das Kloster einen nicht unbedeutenden Bestand, nämlich 120 Schweine auf der Weide und 7 Mastschweine, 57 Kühe, 51 Kälber, 60 Schafe und Lämmer, 4 Reitpferde, 16 Zugpferde, Stuten und Fohlen ungefähr 40. Dazu 10 Weinfässer oder Dreilinge.

An anderer kostbarer Ausstattung, nämlich Juwelen und silbernen Gefäßen, besaß das Kloster Aldersbach damals ein größeres und zwei kleinere silberne Kreuze, einen vergoldeten Arm, zwei kleine Silbergefäße, die man „monstratilia" nennt; ein Kopfreliquiar des heiligen Johannes des Täufers, ein silbernes Weihrauchgefäß, zwei Ölgefäße, eine Pontifikalmitra mit einem Hirtenstab und neun Ringe, von denen einer aus Gold ist mit einem Topasedelstein, ein Brustkreuz, 17 Kelche; von den Trinkgefäßen einen Becher aus Serpentin, ein Strauß-Ei in Gestalt eines Pokals, aus Silber verfertigt, einen Becher aus Silber mit Vergoldung, sechs hölzerne mit Silber geschmückte, neun silberne Becher, die man gewöhnlich „picaria" nennt, sechs Schalen, sechs silberne Löffel, 35 hölzerne mit Handgriffen aus Silber. Das alles war im Jahr 1448 vorhanden. Wenn man das mit dem jetzt vorhandenen Hausrat vergleicht, den wir nun durch die Güte des Gebers alles Guten besitzen, wird man deutlich erkennen, um wieviel ihn die nachfolgenden Äbte vermehrt haben.


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Kapitel 47: Das Konzil zu Basel

Auch die Privilegien, die dieser ehrwürdige Vater unserem Kloster durch seine Umsicht erlangt hat, dürfen nicht übergangen werden. Während er selbst auf dem Konzil zu Basel weilte, erlangte er für uns folgendes Vorrecht, dass der Abt von Aldersbach Mitra, Ring und die übrigen Pontifikalinsignien verwenden dürfe. Auch habet er das Recht, die heiligen Gewänder und die Altarwäsche für den Gebrauch in unserem Kloster zu weihen und in unseren Kirchen und in den uns unterstehenden Klöstern nach dem feierlichen Gottesdienst den feierlichen Segen zu erteilen. Geschehen im Jahr 1444. Er erhielt aber das eben genannte Privileg auf fremde Kosten. Denn er überführte gerichtlich auf dem erwähnten Konzil einen Passauer Bürger mit dem Beinamen Volkel, der unser Kloster ungebührlich bedrängt und mit Zinsforderungen nicht wenig belästigt hatte; daher wurde er dazu verurteilt, dem Abt die verursachten Kosten und Schäden zu ersetzen. Damit konnte Herr Johannes für unsere Kirche die Inful erwerben.

Dieses feierliche Mitratragen ist heute bei den Äbten schon so allgemein, dass auch einer, der unter seinem Hirtenstab kaum vier Mönche zählt, bereits die Pontifikalien gebrauchen will. Es ist zwar ein Schmuck und eine Zierde, aber es bringt keinen Nutzen und widerstrebt völlig dem klösterlichen Leben und der Demut der Prälaten. Inzwischen nämlich werden die Äbte ungewöhnlich oft durch neue Forderungen, sei es vom Bischof oder vom Fürsten, belästigt. Es ist offensichtlich, wie die Mächtigen in der Welt über dieses stolze Auftreten der Prälaten urteilen, da man doch tagtäglich den Fürsten in die Ohren bläst: ,,Dieser Abt ist prunksüchtig, er trägt den Namen eines Fürsten, ist mit bischöflichen Ehren ausgezeichnet, er ist mächtig und reich." Mit solchen und ähnlichen Einflüsterungen bemühen sich die schlimmsten Ohrenbläser, die Fürsten gegen die Prälaten und die gottgeweihten Orte einzunehmen. Daher kommt es, dass man sehr schnell eine neue Art der Geldforderung sucht und ein Abt, der zuvor nichts gegeben hatte oder kaum 100 Gulden, nun dem Herzog 800 Gulden abliefern muss. Der Bischof schließlich, der dem Abt die Weihe umsonst erteilen musste, der ihm zuvor nur den Hirtenstab überreichte und mit den freiwillig gespendeten 10 Gulden zufrieden war, fordert jetzt, da er ihm auch die Pontifikalmitra aufsetzt, 100 Gulden. Was aber der heilige Bernhard, der arme und demütige Abt (den Hacke und Pflug mehr ergötzten als Mitra und Ring), im Brief an den Erzbischof Heinrich von Sens meint, wollen wir an dieser Stelle hören: „Ganz offen", sagt er, „zeigen manche Prälaten, was sie denken, wenn sie unterviel Mühe und um viel Geld päpstliche Privilegien erlangt haben und dann mit diesen die bischöflichen Insignien für sich beanspruchen. Dann gebrauchen sie nach Art der Bischöfe Mitra, Ring und Pontifikalschuhe. Wenn man aber die Würde dieser Dinge bedenkt, ist das Mönchsgelübde damit nicht zu vereinbaren, da es offensichtlich ist, dass der Dienst allein den Bischöfen zusteht. In der Tat haben sie das Verlangen zu sein, was sie zu scheinen suchen. Was wäre es, wenn die Kraft der Privilegien ihnen auch den Titel verleihen könnte? Um wieviel Gold, meinst du, würden sie es erkaufen, dass sie Bischöfe genannt würden? Wohin führt das, o Mönche? Wo bleibt die Furcht des Herzens, wo das Erröten des Gesichts? Wer von den erprobten Mönchen hat jemals solches mit Worten gelehrt oder ein solches Vorbild hinterlassen? Zwölf Stufen der Demut zählt euer Lehrer auf und unterscheidet sie in eigenen Bestimmungen. In welcher, bitte, wird darin gelehrt oder ist darin enthalten, dass sich ein Mönch über diesen Hochmut freuen, solche Würden zu suchen soll?" Soweit Bernhard.

So hat dieser ehrwürdige Vater Abt Johannes durch seinen Eifer für unser Kloster zwar eine hohe Ehre erworben, aber es ist eine Ehre, die ihm mehr zum Schaden gereicht als zum Vorteil. Überdies erlangte auf dem genannten Konzil Herr Johannes Pluetl für den Abt und die von unseren Mönchen, die außerhalb des Klosters weilen, hinsichtlich des Genusses von Fleisch die Erlaubnis: Wo Fische und die üblichen klösterlichen Speisen nicht zur Verfügung stehen, können sie Fleisch essen, aber das nur an jenen Tagen, an denen es nach dem Kirchenrecht erlaubt ist (1446).

Sechs Jahre und ein wenig darüber leitete dieser ehrwürdige Vater Herr Johannes unser Kloster. Eine Zeitlang lag er krank bei unserer Pforte darnieder. Schließlich gab er am 10. März des Jahres 1448 seinen Geist auf. In der Tat hatte er sich um unser Kloster verdient gemacht. Ja, er hätte es mit noch weit größeren Wohltaten überhäuft, wenn nicht jene schreckliche Schwester, die man Atropos nennt, seinen Lebensfaden vorzeitig abgeschnitten hätte. Doch, weil sie streng und unerbittlich ist, schont sie niemanden, niemand gewährt sie Sicherheit für den morgigen Tag. Darüber klagt Flaccus trefflich im vierten Buch seiner Gedichte: „Wohin sind der fromme Aeneas, wohin der reiche Tullus und Ancus gegangen? Staub und Asche sind wir. Wer weiß, ob die Himmlischen dem Heute noch ein Morgen hinzufügen?"


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Kapitel 48: Über denselben

Weil nun schon öfter der Versammlung der Väter in Basel Erwähnung geschah, sei es erlaubt, darüber einiges zu berichten. Sie kam auf Betreiben des Kaisers Sigismund und wenn auch unter Schwierigkeiten unter Papst Eugen im Jahr des Herrn 1434 zusammen; nach der Überlieferung anderer hat sie schon früher begonnen. Dazu wurden auch die Böhmen vorgeladen, die sich wegen ihrer Irrtümer verantworten sollten. Als aber Eugen nach dem Tod des Kaisers Sigismund bemerkt hatte, dass die Väter der Kirche wenig Bereitschaft für eine Reform hätten, sondern dazu neigten, dass alle Entscheidung ihnen anvertraut werde, schickte er ausgezeichnete Redner nach Basel; unter ihnen war ein sizilianischer Abt aus Palermo. Diese mahnten die Versammlung, von ihrem Vorhaben abzustehen. Und weil ihm die päpstliche Autorität fehle, sei alles Bemühen umsonst. Inzwischen hatte Eugen schon längst das Konzil von Basel um das Jahr des Herrn 1436 nach Ferrara verlegt. Aber die Konzilsväter achteten keineswegs darauf, sondern nahmen es sich heraus, Papst Eugen zur Versammlung nach Basel zu zitieren. Als dieser nicht erschien, setzten sie ihn durch ein öffentliches Dekret ab und ernannten Amadeus, der einst Herzog von Savoyen gewesen und dann Einsiedler geworden war und im Ruf hoher Heiligkeit stand, als Felix V. zum Papst. So war in der Kirche wiederum ein großes Schisma entstanden. Darauf verlegte Eugen das Konzil von Ferrara im Jahr 1439 nach Florenz, wo der Patriarch von Konstantinopel mit dem griechischen Kaiser und vielen anderen Griechen zusammengekommen war; dort verhandelten sie mehrere Tage mit den Lateinern viel über den römischen Glauben.

Auf der Seite des Felix stand vorzugsweise die deutsche Nation, bis Eugen gestorben und im Jahr 1447 Nikolaus V. zum römischen Bischof gewählt wurde und allgemeine Zustimmung fand. Als Felix sah, dass sein Anhang immer mehr abnahm, verzichtete er auf die Papstwürde, und so kehrte zur großen allgemeinen Freude die vollständige Einheit der Kirche wieder zurück. Deshalb meinen sehr viele, dass die Bestimmungen und Zugeständnisse, die auf dem Basler Konzil gemacht worden waren, von geringem Wert seien, besonders seit der Zeit, als das besagte Konzil von Eugen aufgelöst und nach Ferrara verlegt worden war. Darüber siehe Antoninus pars 2, ty. 3 c. 11. Dennoch bestätigte nach diesen Ereignissen am 21. Juni 1449 Nikolaus die Akten des Konzils von Basel durch ein offenes Schreiben.

Im Jahre des Herrn 1440 wurde Friedrich III., der Sohn des österreichischen Herzogs Ernst, in einmütiger Wahl zum Kaiser bestimmt und empfing in der Stadt Aachen die Krone des Deutschen Reiches. Dieser war vor kurzem nach Jerusalem gepilgert und hatte in frommer Andacht die heiligen Stätten unserer Erlösung besucht. Er war ein frommer, friedliebender und in allem ruhmwürdiger Kaiser. Er weigerte sich, solange das Schisma währte, die Kaiserkrone zu empfangen. Nachdem nun die Einheit wiederhergestellt war, empfing er sie mit aller Feierlichkeit von Nikolaus V. zusammen mit seiner Gattin Leonora, der Tochter des Königs von Lusitanien und Aragonien. Von Anfang seiner Regierung an musste er mit den Böhmen Krieg führen, gegen Ende auch mit dem Ungarnkönig Matthias. Darüber befrage die Historiker! Der überaus bescheidene Mann herrschte 53 Jahre; viele Jahre kostete er keinen Wein. In seinem letzten Lebensjahr musste er sich ein Bein, das vom Krebs infiziert war, abnehmen lassen. Er starb 1493.

Unter diesem Friedrich entstand in Mainz, einer Stadt am Rhein, um das Jahr des Herrn 1440 die Kunst des Buchdrucks mittels bleierner oder eherner Buchstaben und nahm ihren Anfang. Es war in der Tat ein göttliches Geschenk und die beste Gabe, die vom Vater des Lichts herabkam, die nützlichste Erfindung, die jemals ersonnen werden konnte. Damit scheinen auch die Deutschen alle Nationen zu übertreffen. Diese Kunst ist nunmehr zu solcher Vollkommenheit entwickelt, dass sie die Handarbeit weitaus zu übertreffen scheint. Wegen dieser Erfindung schulden die übrigen Völker den Deutschen Lob und ewigen Dank, weil sie durch ihre Begabung der Welt eine solche Zierde schenkten. So viele gute Schriftsteller und so viele Werke des christlichen Glaubens sind durch diese Kunst bereits erschienen, die sonst verlorengegangen wären. Aber auch die Gelehrsamkeit ist nun so preiswert zu haben, dass einer verrückt oder ein Oedipus sein müsste, der bei so viel Licht nicht ein Gelehrter würde.

Unter Nikolaus V. (der durch seine Freigebigkeit und Wohltätigkeit die Gelehrten förderte) wurden vor kurzem auch griechische Schriften gefunden, die mehr als 600 Jahre in einem finsteren Loch verkommen waren und erst unter dem erwähnten Papst ihren Glanz wiedererhielten. Denn damals gab es viele Philosophen, wie den Historiker Blondus, Laurentius Valla, Guarinus von Verona, Petrarca und viele andere, die ausgezeichnet Griechisch verstanden und sehr viele griechische Werke ins Lateinische übersetzten. Auch in unserer Zeit gibt es überall in Alemannien so viele dreier Sprachen überaus kundige Gelehrte, die auch öffentlich lehren, so dass einer, der die genannten Sprachen nicht versteht, nicht unter die Gelehrten gezählt wird.

Überdies werden die Deutschen wegen der Erfindung einer neuen Art von Geschossen empfohlen und gerühmt, die allgemein nach dem Geräusch „bombardae" genannt werden. Sie ist weitaus älter als die Kunst des Buchdrucks. Diese Waffe war schon unter Kaiser Maximilian so wirksam, dass für sie geradezu nichts für unüberwindlich gehalten wird.


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Kapitel 49: 20. Abt: Johannes Plüer (1448-1463)

Nun wenden wir uns wieder der Geschichte des Klosters Aldersbach zu und beschreiben die Regierung unseres 20. Abtes. Dieser war Herr Johannes Plüer, den man einen Franken genannt hat. Er wurde von Herrn Heinrich, Abt von Ebrach, am 10. April des Jahres des Herrn 1448 für unser Kloster eingesetzt. Während der Sedisvakanz in unserer Abtei wurde der schon erwähnte Vaterabt zur Wahl herbeigerufen; gerufen wurden auch als Beisitzer die Herrn Achaz und Johannes aus Fürstenzell und Gotteszell sowie der den Visitator begleitende Doktor Petrus Wegel von Heilsbronn. So schritt man am genannten Tag zur Wahl eines neuen Abtes. Alle Brüder aus dem Konvent waren zur Wahl zugelassen. Es waren freilich nur 13 an Zahl. Obwohl man bei der Wahl mittels Stimmzetteln vorging, kam man in gleicher Weise zu keinem Ergebnis, so dass nach den Rechtsbestimmungen wegen der Uneinigkeit der Stimmen keiner rechtmäßig gewählt war. Der Vaterabt teilte darauf das negative Ergebnis den Brüdern mit und ermunterte sie mit vielen Worten zur Eintracht. Die Brüder schlossen also aus den bisherigen Versuchen leicht auf die künftigen; deshalb waren sie mit den Ratschlägen des Visitators zufrieden und kamen einmütig darin mit ihm überein, und zwar auf folgende Weise: Wen immer er zum Abt wähle und ernenne, den würden sie ohne alle Ablehnung als ihren Hirten annehmen. Herr Heinrich, Abt von Ebrach, nahm also diese Verantwortung auf sich. Er besprach sich mit den Assistenten und erwählte, ernannte und bestätigte dann Herrn Johannes Plüer, einen Professen von Ebrach (den er deswegen mitgenommen haben soll). Gemäß ihrem Versprechen weigerten sich die Brüder nicht, ihn anzunehmen, da die göttliche Vorsehung es zweifellos so füge.

Er war in der Tat ein reifer Mann, klug und in seinen Handlungen wachsam und vorsichtig. Er erwies unserem Kloster so viele und so große Wohltaten, dass ihm unter unseren Äbten vielleicht kein einziger vorgezogen werden kann. Nicht zu Unrecht darf man ihn als den zweiten Gründer unseres Hauses betrachten und ihn so nennen. Mit wachsamer Sorge leitete er unser Kloster in geistlichen und zeitlichen Dingen; in beidem förderte und verschönerte er unser Haus nicht wenig, wie wir nachher noch klarer zeigen werden. Doch seit Beginn seiner Amtseinsetzung erfuhr er den Widerstand mehrerer Brüder. Da sie sich nämlich gezwungen sahen, Gewohnheiten aufzugeben, suchten sie schnell einen Anlass zu Groll und Unwillen gegen den Abt. Als jedoch die nächste Visitation kam, wurden die drei Rädelsführer dieser Partei vom Visitator zurechtgewiesen. Sie mussten für ein Jahr in die Verbannung gehen, damit während ihrer zeitweiligen Abwesenheit die entstandene Missstimmung zwischen ihnen und dem Abt gemildert würde und zur Ruhe käme. So gestraft, sollten sie lernen, sich nicht mehr gegen den Befehl des Abtes zu sträuben.

Wie nun Herr Johannes voll glühenden Eifers im Ordensleben sowohl bei seiner eigenen Person wie bei anderen nach einem guten und frommen Leben strebte, so bemühte er sich auch mit großem Ernst um die Reform unserer Tochterklöster. Er nahm dem Herrn Paulus, Abt in Fürstenfeld, der sich einer Visitation widersetzt hatte, wegen seiner Vergehen die Abtwürde und entsetzte einige Brüder ihrer Ämter. Diese erhoben deswegen bei den ersten Vätern des Ordens Klage und verursachten Abt Johannes großen Ärger. Daher stand er bei ihnen in schlechtem Ruf und wurde verwünscht. Da er aber großmütig und selbstlos war, kümmerte er sich recht wenig um das Verhalten der Brüder. Er legte vor den Vätern einen ausführlichen Rechenschaftsbericht über sein Vorgehen ab. Daraufhin blieb alles, wie er es angeordnet hatte, in Kraft.

Im Jahr des Herrn 1450 feierte Nikolaus V. beim Apostolischen Stuhl ein sehr festliches Jubiläum. Nach dessen Abschluss schickte er im Jahr darauf Nikolaus [von Kues], Kardinalpriester von Sancti Petri ad vincula mit allen Vollmachten nach Deutschland. Als dieser in Salzburg angekommen war, ließ er die Väter des Ordens zusammenrufen, legte ihnen die ihm vom Papst erteilten Vollmachten dar und verlangte mit gebührendem Nachdruck, dass die einzelnen Klöster unseres Ordens reformiert werden sollten; andernfalls drohte er, er werde alle dem Orden gewährten Privilegien widerrufen. Daraufhin versprachen die Väter die Reform. Drei von ihnen, nämlich Hermann von Rein, Gerhard von Viktring und Godehard von [Wiener] Neustadt wurden dazu bestimmt, die ganze Salzburger Provinz mit ihren Bistümern zu besuchen und die einzelnen Häuser des Ordens zu reformieren. Sie sollten alle Brüder in die klösterliche Klausur zurückbringen und keinem gestatten, außerhalb der Klausur zu leben; sie sollten die Beichte hören, von allen schweren Vergehen und Kirchenstrafen lossprechen und allen, die entschlossen waren, die heilige Regel zu beobachten, den vollkommenen Jubiläumsablass zu erteilen. Die Äbte führten zwar den Auftrag aus, was sie aber bei der Reform erreicht haben, das weiß ich freilich nicht genau. Vor Jahren wurde auch auf dem Konstanzer Konzil Abt Angelus von Rein, ein frommer und bei den Seinen für einen Heiligen gehaltener Mann, für einen ähnlichen Auftrag bestimmt. Dieser besuchte drei Jahre lang die verschiedenen Provinzen und Klöster, visitierte sie und war aufs eifrigste um eine Reform bemüht.

Der Passauer Bischof Ulrich hatte vor Kurzem Benefizien bei der Kirche der seligen Jungfrau in Kößlarn errichtet, damit unsere Brüder dort wohnen könnten. Vielleicht weigerte sich wegen der genannten Reform durch die Väter Abt Johannes spontan, die angebotenen Benefizien anzunehmen, indem er dem Bischof antwortete, seine Brüder würden sich sicherer in der Klausur als in der Welt aufhalten. Es war aber dieses Heiligtum vor noch nicht langer Zeit erst gebaut worden und schon durch viele Wunderzeichen berühmt, welche die glorreiche Gottesgebärerin von Tag zu Tag mit ihren frommen Verehrern bewirkte. Auf wunderbare Weise blühte es in kurzer Zeit durch das überaus häufige Zusammenströmen von Menschen auf und erreichte den heutigen glücklichen Zustand. Die ersten Anfänge des Heiligtums gehen ungefähr auf das Jahr 1441 zurück.


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Kapitel 50: Vom selben Abt

Nun müssen wir die weiteren Verdienste dieses höchst würdigen Vaters aufzählen. Er war ein fleißiger Mann, der Tag und Nacht auf unsere Sache bedacht war. Er gewann unsere allenthalben verkauften und verpfändeten Güter zurück, zahlte viele Gläubiger aus, befreite unser Kloster von der Zinsenlast und gewann seine Besitzungen fast alle zurück mit Ausnahme des Ortes Ruhmannsfelden. Den kleinen Zehnten von Tieren und anderen Lebensmitteln auf vielen Höfen verwandelte er zum Nutzen unseres Hauses in eine Geldzahlung. Auch verpachtete er einige Güter zu einem höheren Zins. Bei seiner geistigen Gewandtheit ordnete er alles zum Besseren. Doch ist er auf unsere Empfehlung nicht angewiesen, da noch heute sein vorzüglicher Ruf im Munde vieler Leute weiterlebt und die Taten seine Tüchtigkeit klar beweisen. Von Herzog Heinrich erlangte er 1448 die Bestätigung unseres Privilegs (das die Freiheit des Salzhandels zum Inhalt hat).

Auch um die Errichtung von Gebäuden bemühte er sich nicht wenig. Die Kirche in Weng ließ er ganz neu bauen. Das neue Haus hinter der Abtei, das sich an den Garten der Krankenabteilung anschließt, errichtete er von Grund auf neu. Dessen Obergeschoß wurde aber unter Abt Johannes Riemer durch Feuer zerstört. Denn als der Diener des Abtes glühende Asche unter einer hölzernen Stufe verstreut hatte, fraß sich das Feuer allmählich durch das benachbarte Gebälk und vernichtete das Gebäude. Das Gästehaus ließ er höher bauen und gewissermaßen erneuern. Auch die meisten anderen Gebäude verschönerte er in lobenswerter Weise nach fränkischer Art. Allgemein bekannt ist, welchen Eifer er darauf verwandte, für unsere Kirche Wertgegenstände anzuschaffen. So besorgte er silberne Kelche und viele andere Gefäße, die wir zur Aufbewahrung von Reliquien der Heiligen verwenden. Doch von den Nachfolgern wurde manches verkauft oder eingeschmolzen. Überdies schaffte er auch kostbare Ornamente in verschiedenen Farben an, die man als Bursaria verwendet.

Vor kurzem, im Jahr des Herrn 1447, wurde der wackere Ritter Barmund von Rottau, der für die Bürger der Stadt Nördlingen als öffentlicher Feind galt und geächtet war, als er in Ortenburg das Bad verließ, durch einen Hinterhalt der genannten Stadt bei der Kapelle der seligen Jungfrau gefangen und getötet. Und weil die Adeligen von Rottau zu jener Zeit ihre Grabmäler häufig in unserer Kirche hatten, wurde der Leichnam des Barmund zu uns gebracht und vor dem Altar des heiligen Benedikt bestattet. Für ihn wurden die feierlichen Exequien in Anwesenheit vieler Adeliger gehalten. Nach Verlauf einiger Monate einigten sich die Bürger von Nördlingen mit den Erben des erwähnten Barmund in Gegenwart des Bayernherzogs Heinrich, und sie wurden zur Sühne für ein so schweres Verbrechen unter anderem zur Bezahlung von 1000 Gulden verurteilt. Damit sollte bei uns für das Heil seiner Seele eine tägliche und immerwährende Messe gestiftet werden. Abt Johannes erhielt aber von den genannten Bürgern lediglich 880 Gulden, die er für den Erwerb obiger Ornamente ausgab.

Um das Jahr des Herrn 1462 führte unser Herzog Ludwig einen denkwürdigen Krieg mit Reichsstädten, deren Anführer Albrecht, Markgraf von Brandenburg, war. Nachdem Ludwig durch Plünderungen und Belagerungen die Feinde eine Weile beunruhigt hatte, besiegte er sie schließlich beim ersten Zusammenstoß, trieb den Markgrafen in die Flucht und errang einen ruhmvollen Sieg über die Feinde. Herzog Ludwig verlangte nun für den genannten Feldzug von unserem Kloster eine Kontribution von 1000 Goldgulden, da er sah, dass es in kurzer Zeit einen großen Aufschwung genommen habe. Als aber Abt Johannes mit passenden Entschuldigungen den Fürsten von seiner Forderung nicht abbringen konnte, soll er ihm geantwortet haben: „Erlauchtester Fürst, das Geld, das du von uns forderst, ist nicht vorhanden. Was wir nämlich an Geld zusammenbringen konnten, haben wir schon längst zum Nutzen unseres Klosters ausgegeben. Wenn du uns aber zur Zahlung zwingst, müssen wir wiederum unsere Güter verkaufen. Das werde ich um keinen Preis tun. Da ich aber in diesem deinem Land ein Fremdling bin, will ich mich lieber in meine Heimat zurückziehen, als dass ich das mir anvertraute Kloster in eine so schwierige Lage bringe." So soll er die Zahlung des Geldes abgelehnt haben. Sein Nachfolger jedoch, Herr Vitus, zahlte im zweiten Jahr seiner Amtsführung dem Herzog die erwähnte Summe Geldes, die Abt Johannes so geschickt verweigert hatte. Dieser ehrwürdige Vater leitete unser Kloster 15 1/2 Jahre lang. Gegen Ende seiner Regierung suchte ihn eine Zeitlang ein schweres Magenleiden heim. Als er sich dem Tod nahe glaubte, rief er den Konvent zu sich in die Abtei und ermunterte alle Brüder väterlich und besorgt zu einer einmütigen Wahl eines Nachfolgers, damit sie nicht, wenn sie wiederum gespalten wären, einen Auswärtigen zulassen müssten. „Seht", sagt er, „geliebte Brüder, ich habe mich zwar um das Kloster Aldersbach wohl verdient gemacht, auch wenn ich mir häufig den Vorwurf machen lassen musste, dass ich ein Fremder gewesen sei. Wahrlich, nicht jeder und auch kein Fremder wird tun, was ich getan habe. Darum bemüht euch, nach meinem Tod einen von euch einmütig zu wählen!" So nahm er Abschied und ließ den Konvent weggehen. In der folgenden Nacht zum Fest der Kreuzerhöhung [14.09.] starb er gottergeben, als er gegen Morgen das Warmbad aufsuchen wollte. Im Jahr der jungfräulichen Geburt 1463 fand er sein Grab vor dem Altar des heiligen Jakobus. Sein Grab schmückt ein Marmorstein mit seiner Inschrift.

In jenem Herbst litt das Menschengeschlecht an einer unglaublichen Epidemie. Sie brachte ein so großes Dahinsterben der Menschen, dass fast die Hälfte der Menschen dahingerafft worden sein soll, und man möchte glauben, dass sie in den letztvergangenen Jahrhunderten kaum einmal so schrecklich aufgeflackert ist.


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Kapitel 51: 21. Abt: Vitus (1463-1466)

Die meisten Prälaten kennen ihre Pflichten nicht oder tun in der Tat so, als ob sie sie nicht wüssten. Wenn sie sich nämlich als Verwalter betrachteten, würden sie sich mit mehr Wachsamkeit um den Fortschritt ihrer Untergebenen und Klöster bemühen und sich in der Tat für beide Bereiche mehr einsetzen. Viele widmen sich nur der Sorge um das Zeitliche, und zwar so sehr, dass ihnen das Geistliche Ekel und Schauder einflößt. Andere aber wollen sich nur mit dem Geistlichen abgeben und kümmern sich zu wenig um das, was zum zeitlichen Unterhalt der Klöster nötig ist. Keine von diesen beiden Haltungen dürfen wir loben. Doch wenn einer inmitten der Wechselfälle der Zeiten es verstünde, sich beiden Bereichen zu widmen, wäre der in der Tat ein guter Verwalter, der sich durch seinen guten Dienst nach dem Wort des Apostels ein hohes Ansehen erwirbt und das anvertraute Talent mit Gewinn zum Tisch des Herrn trägt. Diesem wird auch einst vom Herrn gesagt werden: „Wohlan, du guter und getreuer Knecht!" Welcher Verlust aber beim Tod solch guter Prälaten für die Klöster entsteht, ist weit und breit bekannt. Daher ist auch verdientermaßen ihr Tod von den Untergebenen zu beklagen. Ein solcher war unser Johannes Plüer, der auf lobenswerte Weise unser Kloster in geistlichen wie in zeitlichen Dingen mit Klugheit verwaltete, und nicht nur bei Lebzeiten, sondern auch nach seinem Tod unser Kloster leitete und uns Wohltaten erwies. Denn er bildete gute und geeignete Männer heran, die auch nach ihm unserem Kloster zum Segen und Gedeihen vorstehen konnten, wie der Leser von den nachfolgenden Herrn Georg und Simon leicht einsehen kann. Doch inzwischen folgte dem Herrn Johannes Vitus als unser 21. Abt in der Klosterleitung nach. Er wurde im erwähnten Jahr am Fest des heiligen Dionysius [09.10.] aus unserer Gemeinschaft gewählt. Er war damals Verwalter unserer Besitzungen in Österreich, und ihn hatten sich vor Jahren, wie es allgemein geschieht, bei der Wahl seines Vorgängers Johannes die Klosterleute als Abt gewünscht. Er war ein redlicher und für die Aufgaben unseres Hauses sehr geschickter Mann, allein bereits vom hohen Alter so geschwächt, dass er unserem Kloster nicht viele Jahre hätte dienen können. Vielleicht, wenn er lange in seinem Amt geblieben wäre, wenn er nicht unser Kloster in einen ziemlich schlechten Zustand gebracht hätte. Man entdeckte nämlich nicht geringe Schulden, die er in wenigen Jahren zusammengebracht hatte. Doch deren Ursache war, wenn wir es vermuten dürfen, die Menge jenes Geldes, das er, wie oben erwähnt, an Herzog Ludwig zahlen musste. Im Übrigen erlangte er von demselben Fürsten folgenden Gunsterweis: Wenn in unseren Pfarreien ein Vikar oder Hirte starb, dann musste nur ein einziger herzoglicher Beamter, zusammen mit den Dienern des Herrn Abtes, die Aufsicht über das Kirchenvermögen übernehmen. Das geschah, um die Habe zu schützen und sie nicht der Plünderung preiszugeben. Geschehen im Jahr 1465. Er ließ auch den unteren Fischweiher in der Nähe unserer Wiesen mit einer Größe von zwei Joch neu ausgraben und vollenden. Er war vernachlässigt und bis in diese unsere Zeit herein niemals gesäubert worden. Weil er von Schlamm fast angefüllt und von Schilf und wertlosem Gras überall zugewachsen war, so dass er völlig unnütz war, ließen wir ihn schon zu Beginn unserer Amtstätigkeit säubern.

Herr Vitus leitete das Kloster Aldersbach zweieinhalb Jahre lang. Er fiel in jene schreckliche Krankheit (die man griechisch apoplexis [Schlaganfall] nennt), durch die er, von den Kräften des Geistes und des Körpers verlassen, in einen solch hilflosen Zustand geriet, dass er, fast ganz betäubt, als nutzloser Verwalter unseres Klosters betrachtet werden musste. In Anbetracht seines schlimmen Zustandes überlegte er, auf die Abtei zu resignieren, und entschloss sich dazu fest. Nachdem man um den Herrn Visitator geschickt hatte, der diesen Wunsch von ihm entgegennehmen und ihn von der unerträglichen Last befreien sollte, da, genau an dem Tag, an dem der Herr von Ebrach kommen wollte, beschloss Abt Vitus mit Gottes Fügung in seiner Würde seine letzten Tage am Fest des heiligen Märtyrers Florian [04.05.]. Es war im Jahr des Heiles 1466.

Als unser Visitator Burchard nicht weit von unserem Kloster bei seiner Anreise unsere Glocken laut läuten hörte (wie es Sitte ist bei Begräbnissen), vermutete er schon den Tod des Abtes und sagte zu seinen Begleitern: „Seht, der Abt, der vor uns zu resignieren beabsichtigte, hat unsere Ankunft nicht mehr abgewartet, sondern sein Amt dem obersten Hirten zurückgegeben." Herr Vitus wurde im Kapitelhause begraben, sein Grab mit einem Denkmal aus Stein gekennzeichnet. Doch hat sein Grabmal, wie wir schon zuvor sagten, die Nachfolger in einen Irrtum geführt; denn er war der 21. Abt von Aldersbach, dort aber ist er fälschlich als der 19. bezeichnet worden. Daher sind auch die Gräber der drei folgenden Äbte mit diesem Fehler beschriftet worden.


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Kapitel 52: Über den 22. Abt Georg (1466-1486)

Der 22. Abt des Klosters Aldersbach war Herr Georg, geboren in der alten Stadt Osterhofen, ein Sohn unseres Konvents. Am 9. Mai 1466 wurde er unter dem Vorsitz des Herrn Burkard, Abtes von Ebrach, gewählt und bestätigt. Er übte damals die Ämter eines Subpriors, Infirmars und Pfarrers bei St. Peter aus. Während er noch jünger war, hatte er unter mancherlei Gegnerschaft zu leiden. In Heilsbronn und vielen anderen Klöstern hielt er sich eine Zeitlang in der Verbannung auf; doch war dies zur Zierde und zum Fortschritt unseres Klosters, indem er anderswo lernte, was er nachher die Brüder lehren sollte. Sobald Herr Georg die Abtwürde erlangt hatte, passte er sich unseren Verhältnissen in aller Fürsorge an. Er war ehrbar und fromm in seinem Lebenswandel, gewissenhaft in der Verwaltung der zeitlichen Dinge, er sorgte für vieles und übersah sehr wenig oder gar nichts. Beharrlich übte er die Aufgabe des guten Hirten aus und förderte nicht nur durch sein Wort, sondern auch durch sein lebendiges Beispiel die Brüder zum Besseren. Er besaß einen guten Eifer für die Ordensdisziplin, war häufig im Chor, er trug die gleiche raue Kleidung und benützte dasselbe Bett.

Unsere modernen Prälaten meinen, dass sie, seitdem sie die Abtwürde erlangt hätten, von allen körperlichen Beschwerlichkeiten frei sein müssten. Es fällt ihnen schwer zu fasten, es ist ihnen lästig, am Körper wollene Kleidung zu tragen; sie behaupten, dass die Chorpflicht sie in keiner Weise angehe. Aber Tag und Nacht tragen sie weiche Kleider wie diejenigen, die an den Höfen der Könige sind. Während der täglichen Mahlzeiten und langdauernden Erholungszeiten suchen sie das ihre, nicht die Sache Jesu Christi oder ihrer Untergebenen.

Nicht so darf man handeln, ihr Gottlosen, nicht so! Ihr solltet an das Wort der Schrift denken, in dem es heißt: „Sie haben dich als Führer aufgestellt, sei wie einer von ihnen! Und ertrage das Gesetz, das du auf dich genommen hast!" Sonst wird auf dich zurückfallen, was der Herr bei Matthäus c. 23 von den Schriftgelehrten und Pharisäern gesprochen hat: „Auf den Stuhl des Moses sind sie gestiegen, sie reden, aber handeln nicht danach.

Sie legen schwere und unerträgliche Lasten auf die Schultern der Menschen, wollen aber selber mit keinem Finger daran rühren." Wie absurd das ist, wird jeder einsehen, der bei Verstand ist. Denn Wahnwitz und Weichlichkeit wird einem Führer zum Vorwurf gemacht, wenn er, der anderen im Krieg vorangehen und sie durch sein Beispiel für den Kampf tapfer vorbereiten und ermutigen soll, sich ohne Waffen dem Müßiggang und den Vergnügungen hingeben will. So setzt er sich selbst und seine Mannschaft der Gefahr aus und führt sie ins Verderben. O Abt, der du dies lesen wirst, verstehe das Gleichnis und nimm die Lehre an, damit du immer deinen Namen und dein Amt beachtest! So wirst du leicht abwägen können, dass du von der Beobachtung der Ordensregel nicht nur nicht ausgenommen, sondern in gleicher Weise, wenn nicht sogar stärker als die Untergebenen verpflichtet bist. Denn je größer der Vorzug ist, den du vor den anderen genießt, desto bereitwilliger musst du auch zu jeder Tugendübung sein, damit deine Schüler deine guten Werke sehen und den himmlischen Vater preisen. So und nur so wirst du bei Gott Gefallen finden und auch allen Brüdern nützlich und liebenswert sein.

Unser Abt Georg verschmähte, wie wir vorher kurz angedeutet haben, die Genüsse des Lebens, und indem er seinen Brüdern entschlossen in der Beobachtung der Regel voranging, nahm er zuerst selbst mannhaft die Last auf seine Schultern, die er anderen auferlegen sollte. Was er von den Brüdern verlangte, zeigte er selbst durch das Beispiel seines Lebens. Dieser sein ehrbarer Lebenswandel erwarb ihm bei allen einen guten Ruf, der noch heute im Munde aller fortlebt. Darum wurde· auch seine Regierungszeit von größerem Glück und vom Frieden begünstigt. Denn ihm lächelte das Glück freudiger zu, das unserem Kloster nicht nur eine Fülle von allen Gütern, sondern auch einen gewissen Reichtum gebracht zu haben scheint. Dieses Glück war ihm so hold, dass nämlich ihm, was seinem Vorgänger versagt geblieben war, das früher versteckte Geld verraten wurde, wie man im folgenden Kapitel besser verstehen wird.


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Kapitel 53

Oft hörten wir unsere älteren Brüder Folgendes erzählen: Als vor Jahren Herr Johann Plüer an einer längeren Lebenszeit zweifelte, versteckte er eine nicht unbedeutende Menge Geld in einer Mauer und verschloss sie mit Steinen und Mörtel. Nur einem einzigen älteren Bruder mit Namen Stephan teilte er den Sachverhalt mit und beschwor ihn, dieses Geld an keinen nachfolgenden Abt zu verraten, ehe er nicht klar dessen rechtschaffene Amtsführung erkannt hätte, damit nicht, wenn vielleicht ein Verschwender ihm nachfolge, das, was er selbst mit Fleiß angehäuft habe, dieser schändlich verschleudere. Bevor nun dieser Senior die Verwaltung des Herrn Vitus genügend beurteilen konnte, wurde Abt Vitus bereits aus unserer Mitte genommen. Daher kam bald darauf durch einen Hinweis des Seniors die Geldmenge in die Hände des Herrn Georg, der diese auch für unser Kloster in rechter Weise verwendete. Er erwarb viele Besitzungen und Zinse für unser Haus. Auch sehr viele andere, die bisher verpfändet waren, löste er wieder ganz aus. Schließlich bemühte er sich mit großer Fürsorge um den Rückkauf des Marktes Ruhmannsfelden beim edlen Baron von Degenberg. Aber der Herr von Degenberg ging auf keinen Rückkauf ein. Da Abt Georg kein Geld besaß außer jenen länglichen Regensburger Münzen (der Ort war nämlich um 600 Pfund Regensburger an jenen verkauft worden) und es sich auch in der Schatzkammer des Herzogs Ludwig, die der Fürst seinetwegen hatte durchsuchen lassen, nicht in so großer Menge vorfand, sah er sich gezwungen, den Ort länger bei seinem fremden Besitzer zu belassen. Als schließlich Herr Georg viel Geld hatte, lieh er in den letzten Jahren seiner Regierung heimlich, ohne jede Beiziehung eines Bruders, 1600 Gulden einem Adeligen aus, nämlich Lukas Regnalt auf der Burg Engelberg bei Hofkirchen und den dazu gehörigen Höfen. Doch sein Nachfolger, Herr Simon, der die Dokumente über diesen Vorgang in den Papieren fand, musste das gesamte Geld unter viel Mühe von den Erben zurückholen. Auch einige Gebäulichkeiten ließ Herr Georg erneuern, nämlich mehrere gewölbte Kammern im Auditorium gegen das Krankenhaus hin und den Vorratsraum, wo das Obst aufbewahrt wird. Auch das große Haus, das unsere Bauern bewohnen, von alters her Swenthoff genannt, und die Weinschenke baute er von Grund auf neu. Dazu umgab er die beiden Kirchen der seligen Jungfrau in Weng und von St. Peter außerhalb des Tores mit einer festen Mauer. Seine übrigen Bauten übergehe ich, um nicht zu weitschweifig zu werden. Auch unsere Reliquien ließ er schön fassen, ferner ließ er Bilder der seligsten Jungfrau Maria, des Täufers Johannes, des Bernhard, der Katharina und der Barbara mit einigen anderen silbernen Gefäßen verfertigen. So vermehrte er die Wertgegenstände unseres Hauses überaus mit jenen wertvollen Schätzen. Wenn auch jener ehrwürdige Vater gewissenhaft in seiner Amtsführung war und eifrig in seinen Werken, entging er dennoch nicht der Missgunst seiner Brüder. Denn der Feind, der auf die brüderliche Liebe neidisch ist, säte Unkraut dazwischen und brachte einige aus dem Konvent gegen den Abt auf. Diese begannen (ich weiß nicht, auf Grund welcher Verdächtigungen, wie es oft geschieht), den Abt herabzusetzen und ihm Verdruss zu bereiten. Aber ihr Treiben wurde all sogleich zunichtegemacht.

Um diese Zeit war im Königreich Ungarn die klösterliche Observanz in den Häusern unseres Ordens sehr in Verfall geraten, und der Glanz des Ordenslebens hatte gelitten. Auf Ersuchen des Ungarnkönigs Mathias wurden aus allen Klöstern Deutschlands viele Mönche ausgewählt und dorthin geschickt. Sie sollten das Ordensleben erneuern und den Ungarn das Vorbild eines bewährten Lebenswandels bieten. Aus unserem Kloster wurden zwei nicht ungeeignete Männer mitgeschickt. Aber wir mussten hören, dass die Hilfe dieser großen Schar von Brüdern sehr wenig Nutzen brachte. Denn da die Ungarn grobe und den Pflichten der Menschlichkeit abgeneigte Leute sind, behandelten sie die zu ihnen geschickten Brüder schlecht und achteten in keiner Weise auf deren Reformwillen. Eher wollten sie sich von ihren Gewohnheiten treiben als sich vom guten Beispiel jener Brüder mitreißen lassen. So kam es bald dazu, dass die meisten von den genannten Förderern der Erneuerung nicht lange danach wieder in ihre Klöster zurückkehrten. Andere aber starben dort frühzeitig. Das geschah 1480 oder um diese Zeit.

Im Jahre 1473 war ein glühend heißer Sommer, und die Trockenheit war so stark, dass in manchen Gegenden Brände wüteten und man sehen konnte, dass die Gipfel mancher Berge in Flammen standen. Auch ganze Wälder gingen wegen mangelnder Feuchtigkeit zugrunde. In der Erde bildeten sich so große Spalten, dass sich darin leicht ein Mann hätte verstecken können. Im darauffolgenden Jahr 1474 wütete am Fest der heiligen Apostel Petrus und Paulus [29.06.] ein sehr heftiger Sturm, der überall in Bayern schwere Schäden an Gebäuden und an Bäumen anrichtete. Wegen seiner Besonderheit lebt er bis heute in der Erinnerung der Menschen fort.


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Kapitel 54

Damals bereiteten die auf den Pfarreien residierenden Vikare unserem Kloster großen Verdruss. Da diese fest angestellt waren und durch Abt und Konvent nicht entfernt werden konnten, kümmerten sie sich oft nicht um Abt und Konvent und betrogen unser Kloster um den geschuldeten Teil der Einkünfte, zu dem sie von ihren Kirchen verpflichtet waren. Dadurch entstanden zwischen den Äbten und diesen Vikaren häufig Prozesse und Streitigkeiten. Wenn nämlich bei ihnen irgendein Schaden oder ein Unfall eingetreten war, suchten sie diesen auf Abt und Konvent abzuwälzen und unterließen es, dem Kloster, wie es sich gehörte, den vollständigen Anteil an den Erträgen abzugeben. Auch verfielen die Gebäude der Widumgüter, weil niemand da war, der Abhilfe schaffen und Hand anlegen wollte. Nachdem der Rat von Gelehrten eingeholt war, schickte Abt Georg unter Papst Xistus [Sixtus] IV. den Bruder Andreas Kumbschier nach Rom. Dieser fiel dem Papst zu Füßen, trug die erwähnten Beschwerden vor und erbat von ihm die Aufhebung bzw. Beseitigung der „vicariae perpetuae" und die volle Inkorporation der Kirchen, so dass wir in Zukunft selbst, ohne den Diözesanbischof oder sonst irgendjemand anderen ersuchen zu müssen, unsere Pfarreien durch geeignete Brüder oder Weltpriester leiten könnten, die nach dem Willen von Abt und Konvent ein- und abgesetzt werden. Das Privileg erschien in diesem Jahr 1476. Nicht viel später, 1485, erhielt derselbe Bruder Andreas (der in diesem Anliegen fünfmal Rom aufsuchte) von Innozenz VIII. die Bestätigung des erwähnten Privilegs. Deshalb erlangten wir sogleich in drei Pfarreien [Egglham, Rotthalmünster und Schönau] die Wirkung des Privilegs. Denn nach Abzug der unabsetzbaren Vikare rückten aus dem Kloster unsere Brüder an deren Stelle nach und begannen um das Jahr 1480 kraft des erhaltenen Privilegs die Pfarreien zu leiten. Obwohl ich finde, dass auch viele Jahre vorher in unseren Pfarreien Schönau und Geiersthal Brüder residiert haben, so wurde ihnen doch nicht erlaubt, die Leitung der Pfarreien wie vorher fortzusetzen. Ich weiß nicht, ob man ein solches Leben von Mönchen unter Weltleuten loben soll oder nicht. Auch geschah es nicht immer zum Vorteil unseres Hauses, wenn sie Pfarreien leiteten, wie wir von mehreren wissen, die dem Abt die jährlichen Abgaben nicht nur verweigerten, sondern sogar Schulden machten und unserem Kloster und dem Abt großen Schaden verursachten. Dazu wichen sehr viele, verführt von der Schwachheit des Fleisches, von der Reinheit des Ordenslebens ab und ließen sich zu den Sitten der Weltleute herab, indem sie in fast allen Bereichen ein gemeinsames Leben unter ihnen führten. Häufig entstanden dadurch schwere Ärgernisse.

Inzwischen sind manche Brüder der Meinung: Wenn sie die Leitung einer Pfarrei oder sonst eine Stellung übernommen haben, könnten sie, von der Ordensregel befreit, ein glänzendes Leben führen. Sie tragen statt der wollenen Kleidung weiche, gewöhnen sich allmählich an Gespräche und Besuche von Frauen, achten Nachtwachen und Fasten gering und beobachten überhaupt keine Regel. Mögen diese zusehen, wenn sie so ohne Ordnung leben wollen, dass sie nicht jenen Ort verdienen, wo es keinerlei Ordnung mehr gibt, sondern immerwährenden Schrecken. Wohlan, liebster Bruder, siehe, was du treibst, damit dich nicht deine Neigung zur Sinnlichkeit täuscht! Erhebe deinen Geist und erkenne, dass du verpflichtet bist, dich wo auch immer, außerhalb des Klosters nicht weniger als innerhalb, nach den Vorschriften deines Ordens und den wesentlichen Bestimmungen der Regel zu verhalten, von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen, von denen Herr Antoninus in seiner Summa sagt, was auch unter Weltleuten ein Mönch nicht leicht beobachten kann. Wenn aber ein Bruder die Statuten seines Zisterzienserordens genauer beobachten will, dann ist er auch von all den Dingen nicht befreit, von denen Antoninus einen Mönch unter Weltleuten für befreit hält. Siehe c. Recolentes über den Stand der Mönche, was Alexander III. über uns Zisterzienser sagt: „Für beide, meine ich, ist es weitaus nützlicher, sowohl für die Klöster als auch für die Brüder, wenn die Mönche in ihren Klöstern bleiben, als wenn sie sich bei Weltleuten aufhalten." Das ist schließlich auch vom Recht bestimmt 1691 c. Monachus und c. placuit, wo es folgendermaßen heißt: „Der Mönch sei mit seinem Kloster zufrieden; denn wie ein Fisch nicht ohne Wasser leben kann, so auch nicht ein Mönch ohne Kloster." Darüber schrieb auch Hieronymus an den Mönch Rusticus einen ganzen Brief. Wir wollen aber nicht leugnen, dass wohlverdiente und gelehrte Mönche Säkularpfarreien leiten und die Seelsorge ausüben können. Denn auch darüber spricht der heilige Ambrosius in c. doctos 1691. Wir erleben doch in der Gegenwart, dass häufig Brüder unter schwerer Gefahr für sie Säkularpfarreien leiten und dass dadurch die Klöster nicht geringen Schaden erleiden. Denn wenn immer die Fähigeren und, wie es sich gehört, die Gelehrteren in die Pfarreien hinausgeschickt werden, bleiben die weniger Geeigneten im Konvent zurück. So leidet ein Kloster bisweilen unter einem nicht geringen Mangel an fähigen Personen. Aber auch wenn jeder beliebige Bruder es wünscht, auf den Pfarreien draußen zu leben, schwindet die Frömmigkeit bei den Brüdern, und der Eifer im Ordensleben wird lau. Wenn aber die Brüder einsähen, wie ernst eine derartige Sorge ist, würden sie in der Tat nicht so sehr danach verlangen. Im Übrigen mag das darüber genügen.


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Kapitel 55: Die Judenverbrennung in Passau

Die Bewohner von Passau litten zu dieser Zeit unter nicht geringer Bedrängnis. Es geschah dort ein denkwürdiges Verbrechen, das auch bis in die fernsten Gegenden bekannt wurde. Denn jenes Sabbatvolk lebte bis zum Jahr des Herrn 1477 am Fuß der bischöflichen Burg, wo jetzt die Kirche unseres Erlösers steht. Aber wegen des unbeschreiblichen Verbrechens, das im erwähnten Jahr von ihm gegen den Leib des Herrn begangen wurde, vertrieb man es aus ihren Häusern.

Ein ganz verkommener Christ namens Christofer schloss vertraute Freundschaft mit den Juden und fragte sie, ob sie das Sakrament der Eucharistie, wenn er es ihnen einmal brächte, kaufen würden. Als diese es bejahten und einen Gulden dafür versprachen, brach jener Gauner im Dunkel der Nacht in eine Kapelle der heiligen Jungfrau im Ort Freyung ein, vier Meilen von der Stadt Passau entfernt, und raubte dort acht Partikeln des heiligsten Sakraments. Er berührte sie mit seinen gottlosen Händen, hüllte sie in ein leinenes Tüchlein, brachte sie den Juden und verkaufte sie um den genannten Preis. Die ruchlosen Henker wollten das Sakrament auf die Probe stellen und durchstießen es auf einem Marmorstein mit einem Messer. Sofort welch ein Wunder! flossen Blutstropfen heraus. Durch dieses Wunderzeichen wurden die unseligen Juden stutzig gemacht, doch ließen sie nicht von ihrem Vorhaben und der Beleidigung Gottes ab, sondern schickten nach kurzer Beratung sechs Partikeln an Juden, die in anderen Städten lebten. Zwei aber behielten sie bei sich. Am folgenden Tag machten sie im Ofen Feuer und legten das hochheilige Brot hinein. Sogleich zeigte sich den Juden im Feuer ein Kreis und in dessen Mitte ein schöner Knabe; weiter flogen zwei weiße Tauben aus dem Herdfeuer heraus. Inzwischen erschütterte auch ein schrecklicher Sturm die Häuser der Juden so sehr, als wenn das Unterste zuoberst gekehrt werden sollte. Durch dieses Geschehen wurden die gottlosen Feinde Christi verwirrt und übermäßig von Angst gepackt. Diese Vorgänge blieben vom Monat September des erwähnten Jahres bis zum Februar des Jahres 1478 gänzlich unbekannt. Denn damals entweihte der nämliche gottesräuberische Christofer von neuem eine andere Kapelle, wo er aber von den Landbewohnern ergriffen und auf die Passauer Burg gebracht wurde. Unter der Folter gestand er jedes Verbrechen. Alle Einwohner waren wie vom Donner gerührt, alle waren durch das furchtbare Geschehen voller Schrecken. Und kein Verzug, Soldaten umringten die Häuser der Juden, und alle Urheber der Gottlosigkeit wurden gefangengenommen. Während der Verhöre leugneten sie eine Zeitlang das beklagenswerte Verbrechen, aber schließlich wurden sie durch die bitteren Strafen zum Bekenntnis gezwungen. Der ehrwürdige Oberhirte Ulrich, ein frommer Fürst, befahl, das Verbrechen mit der gebührenden Strenge zu sühnen. Von den Juden ließen sich lediglich vier Männer zum christlichen Glauben bekehren; nach Verlassen des heiligen Taufbrunnens wurden sie enthauptet. Die übrigen verharrten im jüdischen Glauben; sie wurden am 10. März auf einem Scheiterhaufen zusammen mit ihren Frauen, die noch dazu auch ihre Kinder mitnahmen, verbrannt. Doch zwei von ihnen mit den Namen Veidl und Vetterl, die noch schlimmer gegen die heilige Eucharistie ihre Wut ausgelassen hatten, mussten auch noch die glühenden Zangen erleiden, bevor sie den Scheiterhaufen bestiegen. Jener Gauner Christofer aber wurde mit einem Wagen durch die Stadt gefahren und mit einem glühenden Schwert zerfleischt. Durch die härteste Folter geprüft, wurde er schließlich dem Feuer übergeben. Doch erwies sich dieser während der Folter als so geduldig, dass seine Ausdauer bei vielen Anerkennung und Mitleid verursachte.

Auch eine zweite Heimsuchung folgte nicht lange danach für die Passauer, und vielleicht als Strafe für die frühere. Denn sobald der erwähnte Bischof Ulrich das Zeitliche verlassen hatte, kam es um den Bischofstuhl wegen des Streits um die Wahl zum Krieg. In unseren Tagen besteht ja nur selten die Möglichkeit einer freien Bischofswahl, da sich überall die weltliche Macht einmischt und ihre Kandidaten aufdrängen will. So geschah es damals auch beim Bischofsitz von Passau. Damals wurden vielleicht wegen der Parteien auf Seiten der Fürsten und auf Grund einer schweren Uneinigkeit der Kanoniker zwei gewählt oder vielmehr postuliert, nämlich Kardinal Doktor Georg Häsler, den Kaiser Friedrich begünstigte, und Doktor Friedrich, Kanzler des Herzogs Georg von Bayern, auf dessen Seite dieser Fürst stand. Die Bürger von Passau aber bevorzugten die Partei des Kaisers. Der größere Teil der Kanoniker jedoch war dem schon genannten Fürsten von Bayern zugeneigt. Da also jeder seine Partei verteidigte, kam es zum bewaffneten Kampf. Ich weiß nun nicht, auf wessen Betreiben Fürst Georg das Oberhaus in Passau besetzte. Von dort ließ er Tag und Nacht Felsstücke hinabrollen und feurige Kugeln schleudern. So bedrängte er die Stadt Passau eine Zeitlang nicht wenig. Dieser Sturm dauerte fast zwei Jahre, und man hätte nicht auf zu kämpfen, bis jeder der beiden Gewählten aus dem Leben geschieden war. Als nämlich der Kardinal die Stadt betrat und sich vor den Geschützkugeln nirgends sicher glaubte, ging er wieder weg und starb kurz darauf. Ihm folgte nicht lange danach der Kanzler. Ungewiss bleibt uns, wem in der anderen Welt der bessere Urteilsspruch zu Teil werden dürfte. Diese Dinge geschahen in den Jahren 1481 und 1482.

In dieser Zeit ereignete sich noch mehr Erwähnenswertes, was wir aber der Kürze halber übergehen. Wir müssen zu unserem Abt Georg zurückkehren. Nachdem dieser seine Hirtensorge unserem Kloster zwanzig Jahre weniger drei Monate in anerkennenswerter Weise gewidmet hatte, starb er in Passau am 27. Januar, während er dort, um Heilung zu finden, Ärzte aufsuchte. So vertauschte er im Jahr des Heiles 1486 dieses Leben mit dem Tod. Sein Leichnam wurde in unser Kloster überführt und in unserer Kirche vor dem Presbyterium unter einem von einem Bildhauer bearbeiteten Marmorstein bestattet, der auch seine Inschrift trägt.


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Kapitel 56: Über den 23. Abt Simon (1486-1501)

Die kleine Herde bedauerte eine Zeitlang den Tod eines so guten Hirten. Damit aber unser Kloster nicht ohne einen Hirten umherirre und Gefahren ausgeliefert sei, wurde statt des Visitators ein Bote gesandt. Doch weil die vierzigtägige Fastenzeit vor der Tür stand, setzte der Vaterabt Herr Johannes Kauffmann, Professor der heiligen Theologie, einen Wahltag nach Ostern fest. Nun hielt aber unser Landesfürst Herzog Georg eine lange Sedisvakanz für unser Kloster für ungünstig; darum trug er auf das Ansuchen unserer Brüder (wie ich glaube) den Äbten von Fürstenzell und Raitenhaslach auf, die Wahl bei uns schleunigst abzuhalten. Als der Termin für den Tag der Vigil von Mariä Verkündigung [24.03.] bestimmt war, kamen die Äbte zum Wahlakt zusammen und unternahmen es, ihn ohne besondere Erlaubnis des Vaterabtes zu vollziehen. An Stelle des Vaterabtes drängte sich Herr Johannes von Fürstenzell auf, während Herr Georg von Raitenhaslach assistierte. Vom Fürsten aber wurden der Herr von Scala Johannes, Herzog von Verona, und Doktor Petrus Paungartner geschickt, um an der Wahl teilzunehmen. Sie wurden aber von den Vätern zur geheimen Wahl keineswegs zugelassen, wenn auch der Doktor dies sehr nachdrücklich verlangt hatte. Nachdem nun die Wahl, wie es im Orden Brauch ist, vollzogen worden war, wurde Herr Simon, aus Kasten bei Eggenfelden stammend, damals Vikar unserer Kirche in Egglham, benannt und gewählt, ein sehr tüchtiger Mann, von mittlerer Größe zwar, doch von starker, männlicher Gestalt, in der Tat ein Mann, der einer so großen Ehrenstellung nicht unwürdig war. Dieser erhielt vom Vaterabt nur unter gewissen Schwierigkeiten die Bestätigung seiner Wahl, obwohl er aus diesem Grund persönlich so schnell wie möglich zum Kloster Ebrach gekommen war. Der Herr Visitator war nämlich ungehalten, dass sich die Brüder ohne seine Anwesenheit und ohne seine Erlaubnis auf die Wahl eingelassen hatten. Doch kam er nicht lange danach in unser Kloster, prüfte die Wahl und erklärte sie schließlich für gültig.

Dieser Herr Simon handelte zu Beginn seiner Regierung sehr vernünftig und gewissenhaft, auch widmete er sich den Angelegenheiten des Landes. Wenn er auch nicht sonderlich gelehrt war, so besaß er doch als langjähriger Subprior und in anderen Ämtern unseres Klosters eine große Erfahrung und war in der Beobachtung des klösterlichen Lebens wohl unterrichtet. Hochsinnig wie er war, leitete er auch mit einer gewissen Würde unser Kloster. Im Auftrag des Ordensgenerals visitierte und reformierte er die einzelnen Häuser unseres Ordens in ganz Bayern. Auch in seiner Person bewahrte er immer Ehrbarkeit, war in anderen Bereichen umsichtig und kam niemals wegen der Schwachheit des Fleisches in schlimmes Gerede. Den Zeitumständen entsprechend musste er aber bei einigen Brüdern, die damals an der Spitze unserer Kirchen [Klöster] standen, vieles hingehen lassen. Dabei beachtete er zu wenig jenes Wort Gregors dis 43 c in Ephesiis: „Wenn der Hirte die Fehlenden nicht zurechtweisen will, tötet er sie ohne Zweifel durch sein Schweigen." Aber weit strenger brandmarkte er die Verstöße der Brüder, als dies seitdem geschah. Doch konnte er die einzelnen Fehler nicht nach seinem Wunsch bessern. Denn die Nacken mancher Leute sind so verhärtet, dass sie sich weder durch gute Ermahnungen noch durch gebührende Zurechtweisung erweichen und beugen lassen. Von denen wird der Abt beim strengen Gericht Gottes sagen: Sie verachteten und verschmähten mich.

Aber verfolgen wir die Geschichte unseres Simon weiter! Nach unserem Urteil wäre er in seinen Handlungen überaus zu empfehlen, wenn er sich im Genuss des Weines etwas mehr beherrscht hätte. Denn schon bei einem leichten Trunk merkte man, sei es wegen seines hohen Alters oder auch wegen seines schwachen und zarten körperlichen Zustandes, den er besaß, sogleich sein Übermaß. Doch behielt er dabei, auch wenn er zu viel Wein genossen hatte, die volle Gewalt über seine Rede, so dass man seine Trunkenheit nicht aus seiner Stimme, sondern eher aus anderen Gesten bemerken konnte. Vielleicht war er bei der Fürsorge für die Brüder starrsinniger, als es sich ziemte, besonders was die Kleidung betraf. Den Umgang mit den Vornehmen schätzte er gering. Deshalb erregte er auch deren und der Brüder Unwillen gegen sich. Von ihnen musste er auch manchen Ärger einstecken. Obendrein machte ihm in den letzten Jahren seiner Regierung ein widriges Schicksal schwer zu schaffen. Denn durch einen unvermuteten Unfall brach er sich ein Bein. Unter dieser Verletzung litt er fast ein halbes Jahr, bis er wieder gesundwurde. Inzwischen bemühten sich auch die Brüder mehr oder minder um seine Absetzung, indem sie den Visitator, Herrn Vitus, herbeiriefen. Als dieser nach seiner Ankunft die Klagen der Brüder geprüft hatte, setzte er Abt Simon nicht nur nicht ab, sondern befahl ihm, seine Regierung weiterzuführen, nachdem er seine Rechtschaffenheit und Unschuld erkannt hatte.


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Kapitel 57: Über denselben

Damit es nicht den Anschein hat, dass wir aus Anhänglichkeit gegen diesen ehrwürdigen Vater (wozu uns seine Wohltaten gegen uns verleiten könnten) unsere Rede zu seinem Lob allzu sehr ausdehnen, wollen wir nur noch ganz wenig über seine Wohltätigkeit anfügen, die er unserem Kloster erwies. Vor allem kaufte er einen wertvollen Ornat von dunkler Farbe mit allem Zubehör. Auch ließ er eine größere Pontifikalmitra, auf der die Patrone abgebildet sind, zusammen mit einem abgerundeten Hirtenstab anfertigen. Schließlich schaffte er auch gleichermaßen einige silberne Kelche an.

Der Markt Ruhmannsfelden war unter dem Herrn Jakob vor 60 Jahren an den Baron von Degenberg um 600 Pfund Regensburger verpfändet worden. Nach dem Tod des Herrn Johannes Gewolff brachte er ihn im Jahr des Herrn 1496 um 1800 Pfund schwarzer Münze, von anderen schweren Unkosten und Ehrengeschenken abgesehen, wieder in unseren Besitz zurück. So führte er den Markt, der schon zum dritten Male unserem Kloster entfremdet worden war, wieder in unseren Besitz zurück. Doch sollte auch dies nicht lange dauern. Die Ortsbewohner nämlich, die als unruhig und streitsüchtig gelten, gaben den Äbten leichthin Gelegenheit, den vom Klosterbereich ziemlich weit entfernten Markt vor anderen Besitzungen von uns zu verkaufen. Auch wenn wir inzwischen mit dem erwähnten Markt wenig Ruhe und Glück gehabt haben, so glaube ich, dass es nach dem nicht unangemessenen Urteil Gottes geschieht, dass wir nach der Schließung unseres Armenhauses die Zinse, die aus diesen Besitzungen den Armen zugestanden waren, zum Nachteil für die Armen Christi in den eigenen Gebrauch überführt haben.

Auch ein merkwürdiges Ereignis, das sich unter der Herrschaft dieses Abtes zugetragen hat, darf nicht mit Stillschweigen übergangen werden. In Haidenhof waren zwei Bauern, von denen der eine namens Johannes Groß zum Herrn Georg von Frauenberg gehörte, der andere aber zu unserem Kloster. Diese stritten miteinander um ein Stückchen Land. Als ein Tag festgesetzt war, um die Angelegenheit zu klären, und von beiden Parteien mehrere Männer zusammengekommen waren, begab sich der erwähnte Bauer Groß hartnäckig auf unseren Grund, und da er ihn seinem Hof einfügen wollte, schwor er, wie man erzählt, dass er ihm gehöre. Und siehe da, plötzlich brach er vor den Augen aller Anwesenden zusammen und verschied schneller, als es Worte sagen können. Der Ritter Georg von Frauenberg, der ebenfalls anwesend war, betrachtete es als ein Wunder. Voll Schrecken ging er weg, und so blieb der Acker, wie es vorher gewesen war, im ungestörten Besitz unseres Grundholden. So geschehen im Jahr des Herrn 1488. Zu jener Zeit brach aus dem tiefsten Abgrund der Unterwelt jene schreckliche Krankheit aus, die man allgemein die französische oder gallische Krankheit nennt. Bis heute sucht sie das Menschengeschlecht auf das Furchtbarste heim und streckte mit ihrer Wut unzählige Menschen nieder. Ein unbeschreibliches Übel, keines ist gegenwärtiger als dieses. Es tauchte in unserer Gegend zum ersten Male im Jahr 1494 auf.

Damals herrschte über das Land Bayern der erlauchte Herzog Georg, ein frommer Fürst und Freund des Klerus. Sicher wäre er den anderen bei weitem vorzuziehen gewesen, wenn er nicht durch ungebührliche Handlungen die Heimat ohne Notwendigkeit für sie so oft belastet hätte. Denn wenn er auch sehr reich war, verlangte er doch öfter, um nicht seine eigenen Schatzkammern leeren zu müssen, überall in seinem Land Hilfsgelder. In den letzten Jahren seiner Regierung brachten ihn die Einflüsterungen der Adeligen so weit, dass er gegen den Brauch und die Gerechtigkeit alle möglichen Zinse der Klöster, Kirchen und Bürger, auch die vom Getreide, besteuern ließ. So mussten bei einer allgemeinen Abgabe, die man „Steuer" nennt, die Kleriker und Bürger von jedem Pfund gebräuchlicher Währung drei Schillinge abgeben. Bevor jedoch das Geld überall im Land eingehoben werden konnte, wurde der Herzog durch einen vorzeitigen Tod hinweggerafft.

Dies und manch andere Beschwernisse wie unfruchtbare Jahre und Hagelschlag behinderten eine gedeihliche Regierungszeit des Abtes Simon ziemlich, so dass unser Kloster unter ihm nicht so erstarkte, wie er es wünschte. Wenn er schließlich selbst nicht an Geldmangel litt, sondern sogar Überfluss hatte, so tat er doch zu wenig gegen den Verfall der Gebäude; er scheute vielleicht die Unkosten. Von jenem Bau über dem Refektorium (den er auch unvollendet hinterließ) abgesehen, wurde unter ihm nichts Neues gebaut. Doch investierte er in die Wiederherstellung unserer Höfe in Österreich nichtwenig Geld. Auch den oberen Fischweiher bei unserem Wald in Schöfbach ließ er ausheben.

Gegen Ende seines Lebens war Herr Simon wegen seiner schlechten Gesundheit eine Zeitlang nicht bei Verstand; doch war er zuvor dem Brauch entsprechend mit den Sakramenten der Kirche versehen worden. Die Senioren des Hauses wählten drei aus ihrer Mitte aus, die die Verwaltung des Klosters übernehmen sollten, bis die göttliche Vorsehung unsere Verhältnisse auf andere Weise ordnen würde. Diese brachten unsere Wertgegenstände und das zusammengesparte Geld an einem sicheren Ort unter und verschlossen das Geld in einem Kasten mit drei verschiedenen Schlössern. Die Gesamtsumme dieses hinterlegten Gutes betrug, wie man glaubte, in Gold und Geld an die 3000 Gulden. Und so befand sich unser Kloster in einem guten und wohlgeordneten Zustand, sowohl in geistlichen wie in zeitlichen Dingen. Nachdem also Abt Simon das Kloster Aldersbach 15 1/2 Jahre geleitet hatte, verließ er, reich an Jahren, nämlich mit etwas über 60 Jahren, am Tag der heiligen Protheus und Hyazinth [11.09.] das Zeitliche. Im Jahre 1501 seit der Erlösung der Welt wurde er vor dem Altar des heiligen Johannes unter einem Marmorstein bestattet, der sein Bild und seine Inschrift trägt.


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Kapitel 58: Über den 24. Abt Johannes Riemer (1501-1514)

Verschiedene Gründe halten uns nun von der Fortsetzung des begonnenen Werkes ab. Denn was immer ich über die Taten unseres Vorgängers schreibe, wird den Angriffen und Verleumdungen der Neider unterliegen. Seine Freunde werden glauben, dass ich, wenn ich die Geschichte, wie sie sich zugetragen hat, offen darlege, gelogen oder gewiss aus Missgunst die Sache falsch dargestellt habe. Daher wollen wir besonnen an die Sache herangehen, damit wir nicht den Anschein erwecken, zu unserer Schande die Fehler anderer verraten zu haben. Im oben erwähnten Jahr also schritt der Konvent von Aldersbach am Tag des heiligen Franziskus [04.10.] zur Wahl eines neuen Hirten. Den Vorsitz hatte Herr Vitus, Abt von Ebrach; Beisitzer war Herr Pankratius von Fürstenzell. Herzog Georg hatte den Wahltag durch die Sendung eines Briefes hinausgeschoben, aber der Bote wurde durch eine ungenaue Antwort aufgehalten, bis die Patres die erste Kapitelsitzung beendet hatten. Diese lehnten es schließlich ab, nachdem sie den Brief gelesen hatten, in einer so wichtigen Angelegenheit einen Aufschub zuzulassen, und setzten die Wahlhandlung fort. Gewählt wurde Herr Johannes mit Namen Riemer, geboren in Vilshofen. Er war damals Verweser unserer Kirche in Schönau, ein Mann von hohem Wuchs. Mehr als 20 Jahre hatte er die Verwaltung unserer Kirchen innegehabt. Deshalb war er vielleicht für die Aufgaben des Ordens weniger geeignet.

Auch wenn er, wie wir schon gezeigt haben, eine große Menge Gold und Silber in unserer Schatzkammer vorgefunden und unser Haus in voller Blüte stehend zur Leitung übernommen hatte, so verbrauchte er dennoch, kaum dass zwei Jahre vergangen waren, unser Vermögen mit solch freigebiger Hand, dass er bald an Geldmangel litt und bei verschiedenen Gläubigern Kredit aufnehmen musste. Und so begann er nicht lange danach, von der Armut gezwungen, unsere Landgüter nach und nach zu veräußern.

So verpfändete er an Herrn Johannes Closner in Arnstorf unsere beiden Höfe in Rannersdorf um 1000 Gulden. Einen Hof bei Rottenmann veräußerte er auf ähnliche Weise. Alles Getreide unseres Hofes in Würding verpfändete er mit sehr vielen anderen Besitzungen. Auch die meisten Zinse entfremdete er unserem Kloster ganz und gar. Und als er sich damit wegen des Murrens der Brüder über den Verkauf unserer Besitzungen weiter nicht mehr zu befassen wagte, ließ er sich einige Zinse, besonders von Wiesen, für mehrere Jahre im Voraus geben. Er maßte sich das alles entweder ganz allein an oder unter Beiziehung von sehr wenigen Brüdern. So herrisch nämlich und mit einer gewissen Schlauheit betrieb er seine Geschäfte, dass einer, wenn er nicht einer Strafe oder seinem schweren Unwillen verfallen wollte, über dieses Treiben geradezu verstummte. Und so kam es, dass in kurzem unter seiner Regierung unser Kloster schweren Schaden erlitt und in Schulden geriet. Jenes Dichterwort erfüllte sich aufs genaueste: „In kurzer Zeit entschwindet, was in langer erworben wurde." Auch bestätigte sich offenkundig das Wort des Horaz: „Es ist keine geringere Tugend, das Erworbene zu bewahren als es zu erwerben." Denn im Geben war dieser Abt Johannes so verschwenderisch, dass ihm auch der Reichtum eines Krösus nicht genügt hätte. Doch war er von sehr schwacher Gesundheit, da er infolge der französischen Krankheit vielfach hilflos war. Daher lebte er ziemlich selten im Kloster, indem er seinen schlechten Gesundheitszustand vorschützte. Häufiger aber hielt er sich in unserem Hof bei den Passauern auf, wo er eine zahlreiche Dienerschaft um sich versammelte. Da er ein kultivierter Mann war, lud er fast von Tag zu Tag zahlreiche Gäste ein. Alles, was das Kloster hervorbrachte, wurde dorthin geschafft und verbraucht. Manche glauben, dass Herr Johannes für seine Person bei den Passauern mehr Kosten gemacht hat als der ganze Konvent im Kloster. Die Abwesenheit eines solchen Abtes verursachte unserem Haus nicht geringen Schaden, der sich auch im Nachlassen des geistlichen Gehorsams beträchtlich auswirkte. Wer wüsste nicht, dass in Abwesenheit des Herrn die Familie ausgelassen lebt und sehr vieles unter Gefahr geschieht? Man könnte noch mehr über das Treiben des Herrn Johannes schreiben, aber wir haben beschlossen, der ausschweifenden Feder Zügel anzulegen, um nicht von unseren jüngeren Brüdern als strenger Sittenrichter verschrieen zu werden. Im Übrigen war dieser Abt, auch wenn er in seiner Zunge behindert war, ein zum Lachen und Scherzemachen sehr geeigneter Mensch. Daher war er auch bei vielen sehr beliebt und geachtet.


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Kapitel 59: Über denselben

Es musste aber unser Abt Johannes Riemer Heimsuchungen über sich ergehen lassen, und zwar schwere, die unser Kloster zu noch größeren Ausgaben zwangen. Noch hatten wir nicht die Wirkung des päpstlichen Privilegs über die Aufhebung des Vikariats der Kirche Geiersthal erfahren, denn Oswald Harrenberger, der letzte Vikar der genannten Kirche, war aus dem Leben geschieden, da begannen einige kraft päpstlicher Huld die Kirche in Besitz zu nehmen. Deren Versuch wurde nur mit großen Kosten vereitelt. Auch der Regensburger Bischof Rupert war in dieser Angelegenheit unser großer Gegner. Ich weiß nicht, welchen Vertrag der Abt mit diesem geschlossen hatte, der unseren Privilegien äußerst abträglich war. Aber damit der Bischof mit seinen Ansprüchen Ruhe gab, zahlte ihm Herr Johannes 200 Gulden. Inzwischen kam diese Angelegenheit auch zum Apostolischen Stuhl, weil sie kein Ende finden konnte, bis einer aus dem Konvent, Bruder Gregor Eggertinger, nach Rom aufbrach und dort die Angelegenheit mit Eifer betrieb. Dieser erreichte von Julius II. die Bestätigung des Privilegs und schaffte den Streitgegenstand aus der Welt. Doch sind wir auf Grund dieser Verhandlungen verpflichtet, an einen Freisinger Kanonikus namens Johannes Freiberger zu seinen Lebzeiten alljährlich acht Pfund Münzen zu zahlen. Schließlich hatte Herr Abt Johannes lange Streitigkeiten mit den Pfarrangehörigen der genannten Kirche zu erleiden. Mehrere Jahre lang weigerten sie sich, ihre Schuldigkeit gegenüber der Pfarrei zu erfüllen, vor allem, da der Pfarrer, der nach althergebrachter Gewohnheit in Geiersthal zu residieren verpflichtet war, sich damals in Ruhmannsfelden aufhielt. Das passte jenen Bauern nicht, und deshalb betrogen sie den Seelsorger um seine Rechte. Ihr Übermut wurde durch den Viztum und die Ratsherren von Straubing gedämpft und schließlich beendet. Schließlich hatte Abt Johannes mit einem gewissen Wernher wegen eines geliehenen Geldes vor den Ratsherrn in Landshut einen schweren und langdauernden Prozess auszufechten, der, bevor er ein ungebührliches Ende gefunden hätte, durch Mittelspersonen eine heimliche Übereinkunft erfuhr und durch Zahlung von viel Geld beendet wurde.

Auch vertauschte er mit Abt Michael von Gotteszell unseren Markt Ruhmannsfelden für einige in der Gegend von Natternberg gelegene Besitzungen. Geschehen im Jahr 1503. Dieser Tausch brauchte jedoch beiden Klöstern kaum Nutzen, vor allem nicht dem unseren, das nun ungefähr 30 Pfund gebräuchlicher Münze aus den übergebenen Besitzungen weniger einnimmt, als es zuvor von dem Markt jährlich an rechtmäßigen Zinsen hatte. Der nächste Abt wird zusehen müssen, wie er jenen Leuten Zügel anlegen kann, damit sie gehorchen und er nicht täglich von ihnen Ärger erleidet.

Nun müssen wir auch von seinen Gebäulichkeiten reden. Im zweiten Jahr seiner Regierung erbaute er das Haus des Abtes, dessen oberen Teil er aber unvollendet hinterließ, weil er ihm unnütz und zu groß und zu hoch gebaut erschien. Auch fügte er dem neuen Bau des Herrn Johannes Plüer einen Schlafraum hinzu. Überdies erneuerte er recht passend mit großen Kosten das Obergeschoß unseres Hauses in Passau. Dieses Haus bewohnte er ja mit größerem Vergnügen als die Abtei. Auch fügte er unseren Schätzen einige silberne Kelche hinzu, die auch sein Wappen tragen. Doch behaupten einige von unseren Mitbrüdern, die seine Taten genauer beobachten konnten, dass er alte habe zerbrechen und aus ihnen neue machen lassen. Doch das wird sogar aus Folgendem klar: Dieser Abt ließ nämlich auch die größere Monstranz, die Herr Johannes Plüer angeschafft hatte, am Fuß verbreitern. Damit das Werk ihm zugeschrieben würde, ließ er das eingravierte Wappen des Herrn Johannes Plüer beseitigen und sein eigenes an dessen Stelle anbringen. Auch die Darstellung unserer Schutzpatronin, die unter Konrad, dem 14. Abt, ganz oben über dem Altar aufgestellt war, entfernte er und stellte im letzten Jahrseiner Regierung dort das heutige Bild auf. Auch unseren Zins bei St. Georg in Sulzbach vermehrte er und übereignete diese Besitzungen unserem Kloster zu ewigem Recht, während vorher die genannten Güter uns ohne volles Besitzrecht lediglich durch Verpfändung gehörten.

In diesen Zeiten ereigneten sich merkwürdige, schauererregende und höchst erwähnenswerte Dinge, die der Leser bei den Chronisten nachlesen möge. Doch ein Wunderzeichen mag hier aufgezeichnet sein, das vor Jahren der Bischof von Lüttich König Maximilian schriftlich mitgeteilt hatte. Im Jahr des Herrn 1501 erschien nämlich häufig in der genannten Diözese unerwartet in aller Öffentlichkeit das Zeichen des heiligen Kreuzes an verschiedenen Orten auf den Kleidern der Menschen. Es war bald von roter, bald von schwärzlicher, bald aber von anderer Farbe. Im Verlauf der Zeit erschienen nicht nur in jener Gegend, sondern auch überall in ganz Deutschland Kreuze, Lanzen und die übrigen Werkzeuge des Leidens des Herrn und hafteten an den Kleidern der Menschen. Allgemein sagte man, diese Zeichen seien vom Himmel gefallen. Was dieses Wunderzeichen ankündigt, Gott weiß es. Darüber haben sehr viele geschrieben, die sich bis heute in ihrer Meinung getäuscht haben. In der Tat darf aber ein so seltenes und wunderbares Zeichen nicht geringgeschätzt werden, das uns jedenfalls Gott und die Natur nicht umsonst gezeigt hat. Inzwischen wollen wir eifrig zu Gott beten, dass sich dieses Vorzeichen zum Besseren wendet. Denn wenn auch Kriege und andere Unglücksfälle gefolgt sind, so wissen wir dennoch nicht, ob uns nicht noch etwas Schlimmeres bevorsteht. Der gute Gott pflegt ja auch von weitem die Menschen im Voraus zu warnen.


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Kapitel 60: Der Bayerische Krieg

Im Jahr des Herrn 1504 wurde Bayern durch die Zwietracht der Fürsten nichtwenig heimgesucht, die das unheilvolle Machtstreben zu den Waffen greifen ließ. Fast das ganze Jahr wurde unter den Herzögen zum großen Schaden des Landes gekämpft. In den Stürmen der Kriege, bei Brandschatzungen und Plünderungen pflegt man ja häufig Heiliges und Profanes nicht zu unterscheiden. Der Anlass des Bayerischen Krieges aber war folgender: Der erlauchte Herzog Georg bekam von seiner Gattin Frau Hedwig, der Tochter des Polenkönigs, nur zwei Töchter, blieb aber ohne männlichen Nachfolger. Die ältere Tochter, Margarete, wurde Nonne, Elisabeth, die jüngere, hatte mit päpstlicher Dispens den Pfalzgrafen Ruprecht geheiratet. Ruprecht war nämlich ein Neffe des Herzogs Georg. Als Georg den Tod nahen fühlte, ließ er den Schwiegersohn kommen und vermachte ihm testamentarisch das Land. Darauf gab es kein langes Zaudern: Ruprecht eilte noch bei Lebzeiten Georgs zu den Burgen von Landshut und Burghausen und begann sie zu befestigen. Georg selbst starb nach Verlauf weniger Tage in Ingolstadt. Über dessen Schicksal haben wir einst folgendes Distichon geschrieben, in dem man den Tag und aus den Großbuchstaben, die eine Zahl bedeuten, das Jahr seiner Beisetzung findet: „Deserit illustris dux flatus Georgius istos. Crastinus Andreae sternit et ecce virum" [Der erlauchte Herzog gibt seinen Geist auf. Siehe, der Tag nach Andreas streckt den Mann nieder].

Nach dem Tod des Herzogs Georg wurden also in Landshut alle Landstände zusammengerufen. Man hielt zwar Beratungen über die Angelegenheiten des Landes ab, aber in Anbetracht der schwierigen Lage wurde nichts entschieden. Denn wenn auch Ruprecht die wichtigsten Festungen besetzt hielt und zeigen konnte, dass auf Grund des Testaments das Land ihm zustehe, so wies doch Albrecht aus München dem bayerischen Landtag Dokumente der früheren Herzöge vor und beanspruchte auf Grund eines Vertrages von ihnen das Land für sich. Nachdem also die Männer bestimmt waren, die das Land leiten sollten, bis in dieser so schwierigen Sache eine Entscheidung getroffen würde, wurde die Versammlung aufgelöst. Nun rief Maximilian, der deutsche und römische König, Schwager von Herzog Albrecht, durch ein königliches Edikt beide Herzöge vor seinen Richterstuhl. Albrecht erschien, Ruprecht aber nicht, ja, er begann sogar Städte anzugreifen. Der Kaiser also, ungehalten über Ruprechts anmaßendes Verhalten, entschied über das erledigte Land zu Gunsten von Albrecht, über Ruprecht aber und dessen Helfer verhängte er die Reichsacht und überließ deren Besitzungen allen zur Plünderung.

Albrecht, dem König Maximilian und sehr viele Fürsten und Reichsstädte Hilfstruppen schickten, sammelte ein großes Heer, aber reichlich langsam, und trachtete Ruprecht aus dem Land zu vertreiben. Der Pfalzgraf war weit weniger gut ausgerüstet, leistete aber tapferen Widerstand. Unter diesen Umständen kam unsere Heimat in schwere Bedrängnis. Mehrere Burgen, Weiler und Märkte wurden geplündert, zerstört und in Brand gesteckt. Während der Krieg aufs schrecklichste wütete, starb Ruprecht mit 23 Jahren eines frühzeitigen Todes. Nach wenigen Tagen folgte ihm auch seine Gattin im Tode nach. Friedrich, Ruprechts Bruder, setzte mit den Feldherrn Georg Bespeck und Georg von Rosenberg das begonnene Unternehmen fort. Doch schaltete sich nun der Kaiser dazwischen und erreichte eine Übereinkunft. Niederbayern fiel an Albrecht, den Söhnen Ruprechts aber wurden einige Städte und Burgen zugeteilt. Diese Geschichte haben wir früher in einem hexametrischen Gedicht ausführlich beschrieben; deswegen halten wir es nicht für wert, ihre Fortsetzung hier weiter zu verfolgen.

Welche Schäden aber unser Kloster durch diesen Krieg erlitten hat, wollen wir noch kurz erzählen. Als nämlich Herzog Albrecht mit seinem ganzen Heer und seinem Tross das Land durchzog, kam er von der Stadt Braunau über den Ort [Rotthal-]Münster zu unserem Kloster und schlug auf einer Wiese (die wir Steinpoint nennen) ganz nahe beim Kloster sein Lager auf. Hier legte er eine dreitägige Ruhepause ein. Abt Johannes machte dem erlauchten Fürsten einige Lebensmittel, nämlich ein Fass Wein, Fische und Brot, zum Geschenk. Auch versprach er, dass er für die herzoglichen Pferde Futter besorgen wolle. Da dies der Fourageoffizier missverstand, ließ er unseren ganzen Getreideboden ausräumen und hinterließ dem Abt fast kein Körnchen Hafer mehr. Doch vom Heer selbst erlitt unser Haus keinen nennenswerten Schaden, auch wenn es nicht ohne Unannehmlichkeiten drei Tage lang so viele Truppen aushalten musste.

Nach wenigen Tagen begann der Pfalzgraf Pfarrkirchen zu besetzen. Von dort aus zogen die räuberischen Horden umher und verwüsteten die umliegende Gegend schwer. Um unser Kloster unversehrt zu bewahren und vor Brandschatzung zu schützen, musste es 100 Gulden zahlen. Schließlich wurde der Abt genötigt, in Schärding den Hauptleuten, die für Albrecht kämpften, 260 Gulden zu geben. Diese würden zwar bald zurückgegeben, wie man versprach, doch haben wir sie bis heute noch nicht. Überdies hatte unser Haus, während der Pfalzgraf Vilshofen belagerte und bestürmte, für dessen Heer viele Ausgaben. Ein Hauptmann erstattete zwar einen beträchtlichen Teil davon zurück, aber keineswegs den vollen Betrag. Das geschah im Jahr 1504 nach der Menschwerdung des Herrn.


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Kapitel 61: Die Auffindung des heiligen Rocks

In dem eben genannten Jahr hatte ich die Seelsorge in der Pfarrei der seligen Jungfrau in [Rotthal-]Münster übernommen, nachdem ich das Predigeramt in Kößlarn abgegeben hatte und vom Konvent und vom Abt dorthin versetzt worden war. Dort standen die Einwohner vielleicht mehr, als es gut war, aufseiten des Pfalzgrafen und widersetzten sich nicht wenig dem Pfleger in Griesbach, der die Partei Albrechts verfocht. Daher wurden, um den Übermut der Bürger zu dämpfen, von Albrecht 700 Soldaten hinübergeschickt. Deren Anführer waren Graf Wolfgang von Ortenburg und Hieronymus Stauffer. Diese plünderten die Stadt zum Erbarmen und entblößten sie aller Habe. Auch ich wurde dort der ganzen Einrichtung des Pfarrwidums beraubt, wobei auch 17 Tiere weggetrieben wurden. Aber auch die Verweser unserer Kirchen Schönau und Geiersthal mussten ein ähnliches Unglück erleiden. Damals suchten die meisten von den Prälaten und Adeligen sicherheitshalber die Stadt Passau auf, wo sich auch unser Abt Johannes fast während der ganzen Kriegszeit aufhielt.

Er ließ sich damals durch den Umgang mit jenen Leuten so sehr verlocken, dass er das Verlangen hatte, fürderhin sein ganzes Leben lang dort zu wohnen, da er außerhalb Passaus zu leben für kein Leben hielt. So kam es, wie wir oben gezeigt haben, zum großen Schaden für unser Kloster. Meiner Meinung nach haben weder der erwähnte Krieg noch die übrigen Unglücksfälle unserem Kloster so sehr geschadet wie der Umgang unseres Abtes mit den Einwohnern von Passau.

Nachdem dieser Abt 12 1/2 Jahre lang die Leitung des Klosters Aldersbach in Händen gehabt hatte, schied er schließlich am 5. Mai aus dem zeitlichen Leben und gab seinen Geist auf. Er war ein Greis, nämlich 70 Jahr alt und etwas darüber. Da er sich krank fühlte (wie er es häufig war), ließ er sich am Fest Kreuzauffindung wiederum nach Passau bringen. Während er dort Linderung für seine Krankheit suchte, immer noch nichts Schlimmes fürchtete und für dieses so große Ereignis unvorbereitet war, verschied er nach zwei Tagen im Jahr des Herrn 1514. Sein Leichnam wurde am folgenden Tag in unser Kloster überführt und vor dem Altar des heiligen Apostels Johannes unter einem großen Marmorstein bestattet, den er sich schon vorher hatte anfertigen lassen.

Weil in diesen Tagen jenes hochheilige Gewand unseres Herrn, nämlich der nahtlose Rock, der von den Händen der Jungfrau Maria wunderbar gewebt worden war, in Trier, einer sehr alten Stadt in Deutschland, aufgefunden wurde, möchte ich kurz erzählen, wie er dorthin gebracht worden ist. Die heilige Helena nämlich, die Mutter des großen Konstantin, die in Trier ihren Palast hatte, war nach Jerusalem aufgebrochen, um das Kreuz des Herrn zu suchen. Sie fand es auch durch ihre Bemühungen. Nach der Überlieferung brachte sie aus Judäa den Leib des heiligen Apostels Mathias, den nahtlosen Rock, einen Nagel zusammen mit einem Zahn des heiligen Petrus und einigen anderen wertvollen Reliquien mit. Als sie nach Rom kam, klagte sie dem heiligen Silvester, dass ihre Bewohner von Trier vom Glauben an Christus abgewichen seien, und bat dringend, dass ihr ein gelehrter Priester als Erzbischof von Trier gegeben werde. Silvester schickte auf das Drängen der heiligen Helena Agricius, den Patriarchen von Antiochia, dorthin mit einem schönen Dokument, in dem die Geschichte der erwähnten Reliquien erzählt wird. Der heilige Agricius wurde also zum Primas von ganz Gallien und Germanien ernannt. So kam er nach Trier und brachte die erwähnten Reliquien mit. Den Palast der Kaiserin machte er zu einer Kirche und weihte sie zu Ehren des heiligen Petrus. Im Chor des heiligen Nikolaus bewahrte er jenes wertvolle Gewand mit den übrigen Reliquien auf, wo es 800 Jahre verborgen blieb. Aber schließlich errichtete auf göttliche Weisung unter Gregor VIII. und Heinrich VI. Erzbischof Johann einen großen Altar in der Kathedralkirche des heiligen Petrus, um den genannten Reliquien einen würdigeren Platz zu geben. Am Fest der heiligen Philippus und Jakobus [01.05.] im Jahr des Herrn 1196 öffnete er in Gegenwart vieler vornehmer Personen den Altar des heiligen Nikolaus, nahm die dort aufbewahrten Reliquien heraus und hinterlegte sie in dem von ihm errichteten Hochaltar zusammen mit dem Leib des heiligen Maternus. Und dort blieb dieser kostbare Schatz bis zum Jahr des Herrn 1512 verborgen. Nun hatte Kaiser Maximilian für die Vornehmen des Reiches einen Reichstag dorthin ausrufen lassen. Nachdem er mit ihnen die Anliegen des Reiches besprochen hatte, ließ er aus frommer Verehrung in Gegenwart aller, die zu jenem Reichstag gekommen waren, den Hochaltar öffnen und wollte die Wahrheit über das nahtlose Gewand unseres Erlösers erfahren. Am 14. April, es war der Ostermittwoch wurde von Richard, dem Erzbischof von Trier, der Altar geöffnet, und jenes Gewand kam zusammen mit den anderen kostbaren Reliquien ans Licht. Dem guten Gott sei daher Lob, Ehre und Ruhm in alle Ewigkeit!

Im schon genannten Jahre 1512 brach am 2. April, es war der Karfreitag, um die achte Tagesstunde in einem Haus in der Stadt Passau ein plötzlicher Brand aus, der sich mit einem furchtbaren Ungestüm auf die ganze Vorstadt ausbreitete, die man Neumarkt nennt. Und weil das Feuer rasch die Oberhand gewonnen hatte, konnte es durch keine Gegenwehr der Bürger gelöscht werden, auch wenn man sich die größte Mühe gab. So wurde fast der ganze Neumarkt durch das Feuer vernichtet. Durch diesen Brand kamen ungefähr 15 Personen ums Leben. Mehr als 400 Häuser verzehrte das Schadenfeuer innerhalb einer kurzen Stunde.


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Kapitel 62: Abt Wolfgang (1514-1544)

Nach dem Tod von Abt Johannes war das Amt des Abtes von Aldersbach einen Monat lang unbesetzt. Unterdessen setzte der Visitator, Herr Johannes aus Ebrach, auf Ersuchen unserer Brüder die Wahl des neuen Hirten auf den 2. Juni für den Konvent fest. Dann nahm er mit den Äbten Herrn Georg von Raitenhaslach, der vom Fürsten bestimmt worden war, und Herrn Gregor aus Fürstenzell als Beisitzern unter Anwesenheit auch des edlen Herrn Heinrich von Seyberstorff, des herzoglichen Pflegers in Vilshofen, den Wahlakt in die Hände. Der edle Herr aber legte den Brüdern während der Wahl keine Hindernisse in den Weg. Nachdem also 13 Wahlmänner für diesen Vorgang bestimmt waren, wie es im Orden Sitte ist, wurde ich, Bruder Wolfgang mit dem Beinamen Marius, aus Oberdorfbach aus einer einfachen, aber ehrbaren Familie gebürtig, damals 40 Jahre alt und Seelsorger der Kirche von [Rotthal-]Münster, mit sehr einmütiger Zustimmung, wie es hieß, gewählt und sogleich vom Abtvater bestätigt.

Wie ich mich selbst in der Beobachtung des Ordenslebens erwiesen habe, ob ich für die Kirche von Aldersbach nützlich gewesen bin oder nicht, überlasse ich anderen zur Beurteilung. Um aber nicht den Anschein zu erwecken, ich würde mich überhaupt nicht um meinen Ruf kümmern, will ich es mir angelegen sein lassen, nur ganz wenig über unsere Beschwernisse und Mühen bei der Übernahme der Regierung kurz zu streifen. Wir ermittelten nun, dass unser Kloster durch Schulden sehr schwer belastet war. Denn außer den verkauften und verpfändeten Gütern und den vorweggenommenen Zinsen schuldeten wir schon am ersten Tag den Gläubigern 1000 Gulden. In der Kasse unserer Abtei aber fanden wir, obwohl wir mit unseren älteren Mitbrüdern eifrig suchten, nur 15 Böhmische Groschen. Aber einiges Geld erhielten wir nach unserer Wahl vom Zellerar. Aber auch dieses war von den Brüdern in der Zeit, als die Stelle des Abtes nicht besetzt war, geborgt worden. Außerdem belasteten uns Leute, die wir Pfründner nennen, die sich nicht weniger als zehn Brote und den täglichen Lebensunterhalt bei unserem Vorgänger seligen Angedenkens, dem Abt Johannes, einst ausbedungen hatten. Obwohl uns diese und andere Lasten vom Anfang der Übernahme der Regierung an nicht unbedeutend beschwerten, ertrugen wir dennoch alles, weil uns die Brüder mit ihrer Rechtschaffenheit und Zuverlässigkeit beistanden. Denn kaum waren drei Jahre vergangen, befriedigten wir die Forderungen der einzelnen Gläubiger und lösten einen nicht unbedeutenden Teil der verpfändeten Güter mit barem Geld aus. Aber auch einige Zinse, die durch die Nachlässigkeit unserer Schreiber aus dem Laienstand viele Jahre vernachlässigt und aus unseren Büchern geradezu getilgt worden waren, brachten wir durch sorgfältigen Vergleich unserer Register in unsere Nutznießung zurück. Auch war unser Haus in seinen Gebäulichkeiten über das Maß heruntergekommen, weil seit vielen Jahren außer dem Abthaus nur wenig oder geradezu gar nichts erneuert worden war. Zudem richteten die undichten Dächer, durch die das Regenwasser tropfte, in den einzelnen Arbeitsstätten großen Schaden an. Daher bemühten wir uns seit den ersten Jahren unserer Amtsführung als Abt um die Wiederherstellung der Dächer und versuchten, die durch den Regen entstandenen Schäden zu beheben. Dann wandten wir uns einigen kleineren Gebäuden zu und stellten sie wieder her, soweit es die Notwendigkeit erforderte und die Möglichkeiten es zuließen. Wenn jemand seine Augen über die Einfriedung des Klosters schweifen ließe, wird er leicht sehen, was wir in diesem Bereich getan haben. Schließlich legten wir Hand an das Haus, in dem unsere Kranken untergebracht sind. Das größere Konventgebäude war innen aus Holz errichtet und ganz und gar baufällig; es hatte viele kleine Fenster auf der vorderen Seite gegen Osten, so dass man es für ein Bauernhaus hätte halten können. Auch war das obere Stockwerk in solcher Unordnung, dass es niemandem eine würdige Wohnung bieten konnte. Da wir für den Konvent besser sorgen wollten, besserten wir den Ort aus und erneuerten ihn, sobald es dazu eine günstige Gelegenheit gab. Was soll ich nur über unser Schlafhaus berichten? In der Tat war dieser Ort so verfallen und seit etwa 40 Jahren innen und außen [mit Balken] gestützt, dass er den Brüdern Schrecken einjagte und ihnen täglich den Untergang androhte. Denn wenn einmal ein etwas heftigerer Sturm wehte, knarrte das Gebäude so sehr, dass auch ein beherzter Bruder in ihm gewiss keinen Schlaf fand. Der schreckliche Ort wurde den Gästen und Fremden, denen er oftmals beim Umhergehen Schaudern einflößte, gleichsam als Monstrum gezeigt. Die Zellen der Brüder waren aus Brettern und der Ort selbst zum Dach hin offen. Er blieb viele Jahre lang so, wie er einst von Konrad II. begonnen worden war, und hatte nie die nötige Vollendung erfahren. Keiner von unseren drei Vorgängern wagte es, weil sie vielleicht die Ausgaben sparen wollten, das Gebäude in Angriff zu nehmen, auch wenn sie es noch so sehr wünschten. Schließlich nahmen wir es uns vor, um in keine größere Gefahr zu geraten, das Schlafhaus niederzulegen und entsprechend unseren bescheidenen Mitteln zu erneuern. Immerhin benötigte das Gebäude über 600 Balken. Dennoch erwiesen sich die Ausgaben als geringer, als die meisten dachten. Denn was nach ihrer Meinung kaum mit 1000 Pfund hätte vollendet werden können, das erreichten wir mit 500 oder ein wenig mehr (wenn man die einzelnen Dinge in Rechnung stellt). Deswegen sei Ehre, Ruhm und Dank dem höchsten Gott, der uns in seiner mildesten Güte bei diesem Werk so unterstützt und es so gefördert hat, dass nicht einmal einer von den Arbeitern verletzt wurde. In zwei Jahren wurde das Schlafhaus errichtet, nämlich in den Jahren unseres Heiles 1519 und 1520.




Kapitel 63

Absichtlich übergehen wir unsere anderen Bemühungen, auch wenn wir einiges zur Verschönerung des Gottesdienstes beigetragen haben, um nicht den Anschein zu erwecken, wir hätten uns um eitlen Ruhm bei den Nachkommen bemüht und würden daher um unseren Lohn gebracht (wenn wir durch ein Geschenk des Himmels dennoch etwas vollbracht haben, was des Lohnes würdig ist).

Jetzt aber wollen wir uns den Herzögen unseres Landes zuwenden. Nachdem unsere Fürsten, die Brüder Wilhelm und Ludwig, den Jugendjahren entwachsen und mit der Männertoga bekleidet worden waren, begannen sie, um die Regierung über das Herzogtum Bayern zu streiten. Denn Wilhelm, der Ältere, beanspruchte, wie es der Kaiser einst bestimmt hatte, das Land für sich und versuchte, Ludwig, der sich heftig dagegen sträubte, von der Teilhabe an der Herrschaft auszuschließen. Nur mit Mühe wurde durch die Großen des Landes, die besser beraten waren, der Bruderkrieg verhindert. Den Anlass für diesen Zwist soll der Adelige Hieronymus von Stauff gegeben haben, der die Leitung des Hofes von Wilhelm innehatte. Dieser wurde auch deswegen in Ingolstadt in Gegenwart der bayerischen Landschaft am 8. April 1516 öffentlich enthauptet.

Im folgenden Jahr wurde der Fischweiher diesseits unseres Waldes Unterschöfbach, benannt nach dem Bauern Hosinger, erneuert und vollendet. Die Arbeit war für 60 Gulden vergeben; wenn man aber die Lebensmittel dazurechnet, steigt der Preis auf fast 100 Gulden. Außerdem erfroren am Tag nach dem Fest des heiligen Markus [26.04.] in ganz Süddeutschland die Weingärten durch Schneefall und übermäßigen Frost. In jenem Herbst ernteten wir nur drei Fässer, die wir „Ternar" nennen. Aber auch in den drei folgenden Jahren erwuchs uns keine recht viel größere Menge Wein, da unsere Kelter von den 18 Joch Weinbergen nicht mehr als fünf oder sechs Ternare erbrachten. Unsere Nachfolger mögen also den Gewinn zusammenrechnen, wenn sie einen von unseren Besitzungen in Österreich haben sollten. Wir konnten aber den für unser Haus nötigen Wein in den ganzen sieben Jahren bis heute zu einem weit geringeren Preis beschaffen und ohne irgendwelche Freiheiten einführen, als ihn unter so drückenden Aufwendungen und Mühen auf gut Glück anzubauen. Uns plagten nämlich so viele Unannehmlichkeiten, dass wir daran dachten, alle jene Besitzungen zu veräußern. Und meine Klage war in dieser Sache der meiner Vorgänger nicht unähnlich. Im Markt [Rotthal-]Münster brach am 21. Juni 1518 in den Gebäuden eines Bürgers, der den Namen Gotschaler hatte, ein Feuer aus und legte, da es sich plötzlich ausbreitete, ungefähr 45 Häuser in Asche.

In dem schon genannten Jahr kam der dritte Teil der Einkünfte des Berges des heiligen Erasmus im herzoglichen Rat in Landshut in den Besitz unseres Klosters, obwohl sich uns die Adeligen und die Zechpröpste sehr heftig widersetzten.

Am 12. Januar im Jahr des wiederhergestellten Heiles 1519 schied der ruhmreiche Kaiser Maximilian in Wels fromm aus dem irdischen Leben, und es wurde Karl, König von Spanien, der Enkel des erwähnten Kaisers, im selben Jahr am Fest des heiligen Vitus [15.06.] in Frankfurt zum Römischen König gewählt. Die Königskrone erhielt er im folgenden Jahr am 23. Oktober in Aachen. Kaum hatte der erwählte Kaiser Maximilian seine Augen geschlossen, belagerte Herzog Ulrich von Württemberg die Reichsstadt Reutlingen, und da er mit kriegerischer Gewalt vorging, nahm er sie in wenigen Tagen und plünderte sie. Sogleich gedachte er das Heer gegen Bayern zu führen. Er war nämlich ein Gegner des Fürsten Wilhelm. Denn Ulrich hatte seine erlauchte Frau, die Herrin Sabina, die Schwester der bayerischen Herzöge, rücksichtslos behandelt. Deshalb hatte sie Dietrich Spät im Bunde mit einigen anderen auf Geheiß Wilhelms heimlich weggebracht und nach Bayern zurückgeführt. Diese Sache wollte der Schwabenherzog aber rächen und begann, mit allen Streifkräften seinen Angriff gegen uns zu richten. Seinen Versuchen und seiner Gewaltherrschaft aber widersetzte sich jener mächtige Schwäbische Bund (als dessen oberster Heerführer damals unser Wilhelm eingesetzt worden war). Nachdem ein großes Heer versammelt und aufgeboten worden war, trieb es den Herzog Ulrich zweimal aus seiner Heimat. Auch heute, da ich dieses am Fest des heiligen Leopold [15.11.] im Jahr 1520 schreibe, hat er die Macht über sein Land noch nicht wiedererhalten, das ihm weggenommen worden war.

Auch verjagten die Bürger von Regensburg nach dem Tod des Kaisers die Juden, die sich in großer Zahl bei ihnen aufhielten und die Stadt durch ihre Zinsen mehr als genug bedrängt hatten, aus ihren Wohnsitzen, wobei sie die Synagoge, ihre Häuser und den Friedhof völlig verwüsteten. Dort begannen sie sofort zu Ehren der Mutter Gottes eine Kirche unter dem Namen der „Schönen Maria" zu bauen. Und sehr schnell erfolgte ein großer Zulauf von Leuten aus dem ganzen Umland dorthin, da die ruhmreiche Jungfrau häufig wunderbare Zeichen und Krankenheilungen bei denen bewirkte, die den Ort andächtig besuchten. Und, was merkwürdig klingt, wie vom Wahnsinn getrieben rennen Knaben, junge Männer, Mädchen, Männer und Mütter herbei, bringen mit, was das Schicksal oder ihr Werk den einzelnen in die Hände gelegt hat, und scheinen durch keinerlei Bürde belastet zu sein. Sie eilen schnell auf ihrem Weg herbei, so dass die meisten halbnackt ankommen, gleichsam als wären sie der Sinne und der Stimme beraubt, und laufen bei Tag und bei Nacht, ohne zu essen und zu trinken, von ferne herbei. Aber sobald sie den Ort erreicht haben, wirft sich ein guter Teil von ihnen weinend auf den Boden nieder, als wären sie in Verzückung versetzt. Nach einer Stunde erheben sie sich und werden durch die Fürsorge der Bürger gepflegt, die sich darum kümmern, dass sie sich, nachdem sie ihre Fassung wiedergewonnen haben, ihren Anliegen zuwenden. Vor den Toren des Heiligtums könnte man zahllose Gegenstände irgendwelcher Handwerker sehen, die auf die eben erwähnte Weise hierhergebracht wurden, so dass man mit ihnen viele Wagen beladen könnte. Von Anfang an nahm jener Zulauf so sehr zu, dass einer, auch wenn er sich in der Ferne befand, es vorzog, aus eigenem Antrieb den Ort zu besuchen, um nicht gezwungen zu werden, dorthin zu eilen. Es gab verschiedene Meinungen einzelner Leute über diesen merkwürdigen Zulauf. Viele betrachten diese Wallfahrt als ein Wunderzeichen, aber es wird sich bald zeigen, wie ich glaube, was dieser Vorgang zu bedeuten hat und was er ankündigt. Unterdessen wollen wir nicht aufhören, Gott zu bitten, er möge die Geschicke zum Besseren wenden.


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Kapitel 64: 1520

In diesen Zeiten ereigneten sich so blutige Taten, und zwar nicht wenige, dass sie ein Demostheues oder ein Tullius kaum vollständig mit Worten hätte darstellen können. Von allen Ereignissen aber erschütterte die Lehre Luthers den Erdkreis am meisten und versetzte ihn in Unruhe. Dieser abtrünnige Mann, der jüngst aus einem Mönch zum Gatten einer Nonne geworden war, veröffentliche im Jahr 1518 zum ersten Male Thesen, die Beifall fanden, gegen den Primat des Papstes und die Ablässe. Als einige diese widerlegten, wurde er durch die Hitze der Verteidigung noch heftiger und veröffentlichte ganze Bücher über den Glauben und die Werke, über die christliche Freiheit, gegen die Sakramente der Kirche, die Messe und die Mönchsgelübde. Da er in diesen die verdorbenen Sitten der Männer der Kirche geißelte und die Werke ablehnte, wurde er allmählich auch von den Weltleuten geachtet, die seine Lehre so annahmen, als sei sie vom Himmel gefallen. Es scharten sich allmählich viele Schüler um ihn, und zwar nicht ungelehrte, die zugleich mit ihm dieses Trauerspiel aufführten. Die Geschichten hielten am Anfang alle in Spannung, und niemand stellte sich dagegen, bis sich das Gift weiter ausbreitete und ganz Deutschland ansteckte, und zwar so sehr, dass das, was jüngst noch hochheilig war, nunmehr gleichsam als profan gilt. Der neue Prophet ächtete auch die Mönchsgelübde und lehrte öffentlich, dass man sie als gleichsam verwünschenswert brechen müsse. Damit lockte er eine große Schar von Mönchen und Nonnen aus den Klöstern und gewährte ihnen freizügig die Erlaubnis zu heiraten. Vielleicht hätte Luther mit seiner neuen Lehre gesiegt, wenn nicht der gütige und große Gott zwischen ihm und seinen Schülern den Geist der Uneinigkeit erweckt hätte. Merkwürdig, wie sehr sie in der Auslegung der Schriften voneinander abweichen und welch verschiedene Lehren sie über das Herrenmahl auftischen, so dass niemand, der bei gesundem Verstand ist, zweifeln darf, dass sie vom Geist des Irrtums geleitet werden. Auch wir haben, um nicht zu schweigen, bei all unserer Unbedeutendheit zwei Büchlein herausgegeben, von denen das erste für die Mönchsgelübde eintritt, das andere einige widersprüchliche Aussagen Luthers darlegt. Unterdessen tauchen allenthalben in den Gegenden die Wiedertäufer auf, die Erwachsene noch einmal taufen. Diese konnten durch eine öffentliche Anordnung der Fürsten und trotzdem Foltern und Hinrichtungen kaum ferngehalten werden. Als schließlich das Volk überall die evangelische Freiheit für sich beanspruchte, verschworen sich die Leute und erhoben sich gegen die Landesfürsten, die Großen und die Prälaten der Kirche. In einem kurzen Zeitraum plünderten sie in Franken, Schwaben und anderen Gebieten Süddeutschlands über 200 Burgen und 60 Klöster und zündeten sie an. Bei diesem Sturm wurde auch Ebrach am 10. Mai 1525 gänzlich verwüstet. Große Furcht überkam alle, da der Bauernhaufe auch etliche Städte unterworfen hatte. Da begann der adelige Schwäbische Bund dieser Pest Widerstand zu leisten, und nachdem Militär dorthin geschickt worden war (wohin sich die schadenstiftenden Scharen der Bauern begaben), warf er jene Leute in einer äußerst blutigen Schlacht nieder. Es heißt, dass in sechs Monaten über 100.000 Landleute den Tod gefunden hätten. Unser Bayernland blieb durch die Wachsamkeit der Herzöge unversehrt. Lediglich ein einziges Kloster mit Namen Steingaden wurde vom Feind geplündert. Die übrigen Klöster aber erkauften ihr Glück mit einer großen Menge Geld. Wir zahlten nämlich von unserem Haus 1200 Gulden. Außerdem wendeten wir für Proviant und Transport des Herzogs Ludwig zum Kriegszug gegen Salzburg, als der Erzbischof von seinen Bürgern belagert wurde, auch ungefähr 100 Gulden auf. Es war damals das Jahr 1525.

Nach dem Tod des Kaisers Maximilian fiel der junge Soliman, der unbeugsame Herrscher der Türken, in Ungarn ein. Nachdem er das letzte Bollwerk von ganz Europa, nämlich Belgrad und Großwardein, samt einigen Burgen erobert hatte, kehrte er nach Konstantinopel zurück. Hierauf rüstete er eine sehr große Zahl von Schiffen aus, griff Rhodas an, schloss es ein und belagerte es ganze sechs Monate lang mit Macht. Als er nach wiederhohem Ansturm und unter Verlust vieler tausend Leute auf beiden Seiten die Macht der Rhodier gebrochen hatte und niemand den Soldaten Hilfe brachte, zwang er die arme Stadt zur Übergabe. Das geschah im Jahre 1522. Der Sieger betrat diese Stadt am Geburtstag des Herrn [25.12.]. Kaum waren drei Jahre vergangen, sammelte der Herrscher wiederum seine Streitkräfte, rückte in kriegerischer Absicht in Ungarn ein und verwüstete alles auf barbarische Weise. Ihm zog König Ludwig, selbst noch ein junger Mann, mit einem Heer entgegen. Als es zum Kampf kam, konnte er dem Angriff des Herrschers nicht standhalten, da er mit seinen Streitkräften weitaus schwächer war. Es fielen aus dem königlichen Heer ungefähr 30.000 Leute. Ein Unglückstag war dieser 26. August 1526. Der König der Ungarn war nirgends mehr zu sehen. Vielleicht entkam er bei der Flucht oder aber er wurde durch eine List der Seinen entführt. Seine Leiche wurde nicht lange danach in einem Sumpf gefunden und in Stuhlweißenburg begraben. Nachdem der Türke einen solchen Triumph errungen hatte, eroberte er Buda, die Hauptstadt des Reiches, und übergab sie dem Feuer. Die Menschen wurden auf die elendeste Weise umgebracht oder verschleppt. Nachdem er den Ungarn eine sehr blutige Niederlage zugefügt hatte, kehrte der Herrscher mit reicher Kriegsbeute vor dem Winter in sein eigenes Land zurück. Soliman wurde für die deutschen Fürsten zum Schreckbild. Sie erhoben überall in ihren Ländern Kriegssteuern, um sich vor dem Feind zu schützen. Keiner in ganz Bayern, von welchem Stande er auch gewesen sein mag, wurde bei dieser Sammlung ausgenommen. Auch wir leisteten nach den Möglichkeiten unseres Klosters wiederum eine Beisteuer von über 1000 Gulden. Unterdessen erhoben die ungarischen Magnaten Graf Johannes von Zips zu ihrem König. Auch wählten sich die Böhmen Ferdinand, Erzherzog von Österreich, den Bruder von Kaiser Karl, zum König. Dieser wurde am 24. Februar des Jahres 1527 in Prag mit dem königlichen Diadem gekrönt. Ferdinand hatte auch gegenüber den Ungarn ein Recht auf Grund verwandtschaftlichen Blutes. Er hatte nämlich die Schwester des jüngst ermordeten Königs Ludwig zur Frau. Ferdinand war also ungehalten, dass ein anderer als er zum König gewählt worden war. Daher begann er im folgenden Sommer einen Krieg gegen die Ungarn und unterwarf sofort mehrere Städte und Burgen. Da der neue König den Streitkräften Ferdinands nicht standhalten konnte, dachte er an Flucht, sammelte aber nach und nach ein Heer bei Tockay am Fluss Theiß, brach nachts in das Lager Ferdinands ein und begann einen schweren Kampf. Aber die Soldaten Ferdinands gewannen die Oberhand. Nachdem er eine nicht geringe Niederlage erlitten hatte, wandte sich der Graf (den man allgemein Weida nennt) mit den Seinen zur Flucht. Als Ferdinand den Sieg über den Feind errungen hatte, rief er die Vornehmen des Reiches in Buda zusammen, und nachdem auf beiden Seiten nur wenige Reden gehalten worden waren, wählten ihn alle in einmütiger Abstimmung zum König von Ungarn. Am 3. November wurde er in Stuhlweißenburg mit der heiligen Krone gekrönt und am folgenden Tag die Königin. So erlangte Ferdinand in einem einzigen Jahr das Zepter zweier Königreiche. Möge der allmächtige Gott so glücklichem Beginn gnädig sein!

Man wird aber auch nicht leicht ermitteln können, wieviel Christenblut in diesen Jahren in Italien vergossen wurde, da ohne Unterbrechung die zwei mächtigsten Monarchen der Erde, nämlich der Römische Kaiser Karl und der König der Franzosen Franz die blutigsten Kriege gegeneinander führten. Welche Mühsal das unglückliche Mailand unter diesen ertrug, soll ein anderer erzählen. Am 24. Februar des Jahres 1525 errangen die Soldaten Karls einen berühmten Sieg über den König der Franzosen vor den Mauern Pavias. Wenn diesem nicht (wie man glaubte) die Gunst des Himmels beigestanden wäre, hätte er auf keinen Fall den ebenso tapferen wie berühmten König und das Heer besiegt. Denn man sagt, dass an die 30.000 Soldaten getötet worden seien. Franz wurde gefangen und nach Spanien zum Kaiser gebracht, wo er in langer Gefangenschaft gehalten wurde. Ich weiß nicht, unterwelcher Bedingung (die er keineswegs einzuhalten gedachte) ihm dennoch die Freiheit geschenkt wurde. Um sich an den Bewohnern von Pavia zu rächen, belagerte er im Jahre 1527 sofort die Stadt von neuem, eroberte und verwüstete sie und metzelte alle möglichen Leute ohne Erbarmen nieder. Nachdem das Heer Karls in Italien lange Zeit Strapazen erlitten hatte, rückte es endlich im selben Jahr an die Mauern Roms heran. Nur eine Nacht lang hielt es vor der Stadt Wache, dann stürmte es am 6. Mai früh in der Morgendämmerung die Mauern beim Tor zum Heiligen Geist, besetzte sie mit Hilfe von Leitern und setzte sich sogleich in den Besitz der neuen Burg und des Papstpalastes, wobei viele getötet wurden. Clemens VII., der mit dem König der Franzosen gegen den Kaiser ein Bündnis geschlossen hatte, zog sich mit einigen aus dem Kardinalskollegium bei seiner Flucht in die Engelsburg zurück, wurde aber nach einem Monat zur Übergabe gezwungen. Er, dessen Füße einst vom Kaiser geküsst wurden, musste sich nunmehr wiederholt Vorwürfe anhören und wurde von den Soldaten angespuckt. Das Heer des Kaisers war nicht sehr groß. Die Römer hätten es (wenn Gott es gewollt hätte), ebenbürtig oder sogar überlegen wie sie waren, leicht besiegen können. Da sie aber in alle Winde flohen - es klingt wie ein Wunder -, unterwarf ein kleines Heer an einem einzigen Tag eine große Stadt. Die unglücklichen Einwohner wurden so unmenschlich behandelt, dass der Türke oder der Russe milder mit den Besiegten umgegangen wäre. Überall wurden alle Leute ohne Unterschied abgeschlachtet, keiner wurde geschont, von welchem Stand auch immer er war, außer dass die Prälaten und Diener der Kirche einen noch grausameren Feind erlebten. Wenn einer ein besseres Schicksal hatte, erkaufte er, aller Dinge beraubt, nur mit Mühe sein Leben durch eine große Menge Gold. Den heiligen Kirchen wurde keine Ehre erwiesen, sie wurden ausgeplündert, angezündet und mit Füßen getreten. Die Peterskirche und andere Kirchen dienten als Pferdestall. Alle möglichen Verbrechen wurden verübt. Man erachtete die Verwüstung Roms dem Untergang Jerusalems für gleich, außer dass die Juden von den Ungläubigen, die Römer aber von ihren christlichen Brüdern heimgesucht wurden. Wehe der Welt wegen ihrer Ärgernisse, wenn sich ein Bruder nicht scheut, gegen seinen Bruder so grausame und gottlose Taten zu vollbringen! Ich schäme mich, sie der Feder anzuvertrauen. Aber der allmächtige Gott hat beschlossen, die Tyrannei, die Habsucht und den Übermut der Römer, die vorher schon durch viele Vorzeichen gewarnt worden waren, auf diese Weise zu brechen, und zwar durch Menschen, die dessen Geißel weitaus würdiger gewesen wären. So wird die Welt überall durch die härtesten Peitschenhiebe gepeinigt, so dass man glauben muss, ob nicht auch deren Ende nicht mehr weit entfernt ist.


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Kapitel 65: Das Jahr 1529

Gottes Güte hat mir mehr Tage geschenkt, als ich wegen meiner körperlichen Hinfälligkeit erhoffen konnte. Wenn ich im Jahr des Herrn 1529 am Geburtstag des heiligen Evangelisten Lukas [18.10.], der zugleich mein Geburtstag ist, dies schreibe, habe ich 60 Jahre vollendet. Dabei sind meine einzelnen Glieder und Sinne (Dank sei Gott!) bis heute unversehrt geblieben. Auch bezeuge ich, dass ich diese Geschichte unseres Hauses nach und nach in gutem Glauben dargestellt habe, obwohl ich einiges, wie sich die Dinge derzeit verhalten, entweder anders oder überhaupt nicht schreiben würde. Damit mich aber die Nachfahren nicht böswillig kritisieren, dass ich so viele Jahre meiner Regierung in Untätigkeit verbracht hätte, zeige ich unsere übrigen Werke seit den oben erwähnten auf.

Die Mühle errichteten wir von Grund auf neu, und es gibt geradezu nichts in ihr, was nicht erneuert ist. Das neue Haus, dessen oberer Teil einst unter Abt Johannes Riemer durch Feuer vernichtet worden war, reparierten wir in angemessener Weise. Schließlich bauten wir den Stall für unsere Pferde zusammen mit dem angrenzenden Verbindungsgang im oberen Teil neu und erneuerten die Dächer. Auch schmückten wir unsere Kirche mit drei „tabulae" [Altäre] wie man sie allgemein nennt, aus Stein und mit einem Marmorpflaster im Chor. Unsere kleineren Werke, die auch nichtwenige sind, übergehen wir absichtlich. jedenfalls hätte ich, wenn ich nicht in so unheilvolle Zeiten geraten wäre, mit göttlicher Gnade noch Umfänglicheres leisten können. Ich erschloss für unser Kloster auch einige Einkünfte, und wenn wir gezwungen waren, einige zu veräußern, dann nicht so sehr aus Mangel als vielmehr, um ihn vorzutäuschen. Vor allem verkauften wir die beiden Höfe in Rannersdorf, die einst durch unseren Vorgänger dem adeligen Herrn von Closen auf Arnstorf um 1000 Gulden verpfändet worden waren, zu ewigem Recht. Aber Dank sei dem guten und großen Gott, dass wir uns bis zum heutigen Tag in einem sehr erfreulichen Zustand befinden, außer dass die Zahl der Brüder in der Zwischenzeit auf einen kleinen Konvent zusammengeschmolzen ist, so dass jene noch schneller das Kloster verlassen, als uns die angemessene Versorgung fehlen wird. Aber das ist die Klage fast aller Klöster, dass wegen der Umtriebe Luthers die Schulen überall verlassen sind und sich niemand weiterhin um Wissenschaft und Literatur bemühen will. Außerdem wird der Stand der Priester und Mönche bei allen für geringgeachtet, so dass es niemand mehr gibt, der sich um diese Lebensform bemüht. Aber genug davon! Man muss darüber berichten, was der Türke in diesem Jahr durch die Ungarn gegen uns zu erreichen suchte.

Im Jahr des Herrn 1529 also brach Soliman, der Herrscher der Türken, mit einer sehr großen Menge von Soldaten und mit seinem Tross zu Wasser und zu Lande im Monat April von Konstantinopel auf und zog über Belgrad nach Ungarn. Ihm wies Graf Johannes Zepusiensis [Zapolya], einst Wojewod [Statthalter] von Transsylvanien, dessen wir oben gedachten und der sein Vaterland verraten und Österreich grausam verwüstet hat, den bekannten Weg durch die Gebiete des Reiches. Während andere Städte Ungarns freiwillig dem Feind die Schlüssel übergaben, missachtete allein Buda zuerst den Befehl des Tyrannen. Daher belagerte er Buda mit Heeresmacht. Die Soldaten Ferdinands hielten etliche Tage stand, zogen sich aber, durch die Übermacht gebrochen, von der Stadt auf die Burg zurück, die nicht befestigt war. Sie übergaben sie, um für ihre Rettung zu sorgen, unter Bedingungen, die der Türke keinesfalls zu halten gedachte. Schließlich zogen sie ab, wobei alle getötet wurden. Nachdem der Tyrann Buda besetzt und angezündet hatte, eilte er auf schnellstem Wege nach Wien, und noch bevor das Gerücht seine Ankunft gemeldet hatte, schloss er am 22. September um neun Uhr vormittags mit einem zahllosen Heer die Stadt zu Wasser und zu Lande so von allen Seiten ein, dass niemandem ein Zugang offenstand. Der Herrscher der Türken selbst aber folgte am 26. September mit seinem ganzen Heer und 25.000 Kamelen, die mit Waffen und Proviant beladen waren, stellte seine Zelte bei der Kirche des heiligen Markus auf und begann, mit aller Art von Geschützen die Stadt anzugreifen. Es waren innerhalb der Stadtmauern 16.000 Soldaten, das Heer des Türken aber umfasste 300.000 Mann. Man hörte nicht auf, die Stadt (die weder durch natürliche Gegebenheiten noch durch menschliche Kunstfertigkeit geschützt war) Tag und Nacht zu bestürmen. Durch die Kugeln der Geschütze wurden die Mauern erschüttert und untergraben und durch die Gewalt des Schießpulvers zum Einsturz gebracht. Aber die Soldaten Ferdinands, der sich gemeinsam mit Pfalzgraf Philipp dem Tod geweiht hatte, bevor sie die Stadt übergäben, begegneten jeder Gefahr und hielten der so großen Gewalt 22 Tage lang tapfer stand. Sie versuchten auch einige Ausfälle, nicht ohne Gefahr durch den Feind. Schrecklich, wie erbarmungslos der Feind die Stadt angriff und wie tapfer die christlichen Soldaten Widerstand leisteten und schließlich siegten. Während der ersten Belagerung der Stadt wurden vom Türken ungefähr 40.000 leichte Reiter geschickt, die Österreich zwischen Donau und Steiermark bis zur Enns in feindlicher Weise verheerten. Alles wurde durch Feuer und Schwert verwüstet, und viele Tausende von Menschen wurden getötet. Weder Geschlecht noch Alter wurde geschont. Den Müttern wurde die Frucht aus dem Leib gerissen und getötet, Greise und Knaben wurden mit Spießen durchbohrt und auf Pfähle geheftet, Mütter und junge Mädchen nach verabscheuenswürdigem Missbrauch in Stücke gehauen und unzählige Scharen von Christen in die schändlichste Sklaverei verschleppt. Aber sobald der Tyrann 22 Tage lang die Stadt belagert hatte, verzweifelte er und gab auf. Denn er litt an sehr großem Mangel an Proviant, auch konnten die Janitscharen die große Kälte nicht ertragen, und von überall her strömten aus Deutschland und Böhmen Hilfstruppen zu Ferdinand. Deshalb traf er Anstalten zur Flucht, die er durch folgende List bewerkstelligte: Am 14. Oktober ließ er einen großen Hagel von Geschossen auf die Stadt schleudern, schließlich um zehn Uhr nachts das Lager anzünden und ein sehr großes Geschrei anstimmen. Ibrahim Pascha brach nach dem Herrscher die Belagerung ab und zog sich nach Thrakien zurück, nachdem er in Buda und einigen anderen Städten eine Besatzung zurückgelassen hatte. Diese klägliche Niederlage war ungefähr zehn Jahre vorher durch ungewöhnliche Vorgänge an Sonne und Mond und durch einen schwarzen Balken in der Luft über der Kirche des heiligen Stephan prophezeit worden.

Im folgenden Jahr am Fest der Apostel Petrus und Paulus [29.06.] schädigte um drei Uhr nachmittags ein sehr großer Hagelsturm die Getreidefelder in Bayern so, dass sie fast unbrauchbar waren. Unser Kloster freilich, aber auch das benachbarte Bauernland berührte dieses Unwetter nicht. Es folgte in fast ganz Deutschland eine sehr große Teuerung für das Getreide, so dass z. B. ein Schaff Weizen unseres Maßes um zwölf oder 14 Gulden verkauft wurde. Wir erlebten damals, dass das Brot der armen Leute aus Eicheln und gedörrten Birnen gebacken wurde. Auch wenn es nicht schmackhaft war, so wollten dennoch viele Arme davon satt werden. Diese Heimsuchung dauerte volle fünf Jahre.

Als Kaiser Karl am 24. Februar des Jahres 1530 in Bologna die Kaiserkrone von Clemens VII. erhalten hatte und nachdem in Italien der Friede eingekehrt war, schlug er den Weg nach Augsburg ein (wo er einen Reichstag anberaumt hatte). Am 15. Juni betrat er nicht ohne den größten Prunk die Stadt. Die kaiserliche Majestät hielt sich dort ungefähr vier Monate auf. Dabei wurde viel über die lutherische Spaltung disputiert und versucht, sie zu schlichten. Da aber beide Parteien einander nicht nachgeben wollten, brach der Kaiser am Fest des heiligen Matthäus unverrichteter Dinge von Augsburg auf und ordnete seine Herrschaft in den Niederlanden nach dem Tod der Herrin Margarethe, der Tochter von König Maximilian. Die Schweizer, die über den Glauben und die Sakramente uneins waren, eilten im Jahr des Herrn 1531 zu den Waffen und metzelten sich gegenseitig nieder. Von der Partei Zwinglis wurden ungefähr 18.000 niedergestreckt.

In diesem Jahr sah man im Monat August etliche Tage lang nach Sonnenuntergang einen Kometen, der einen bis zum Sternbild des Bootes gerichteten Schweifhatte. Im folgenden Jahrerschien auf ähnliche Weise im ganzen Oktober vor Sonnenaufgang ein zweiter, der seinen Schweif nach Italien richtete. Und in der Tat waren damals die Jahre voll von allen möglichen Unglücksfällen: Hunger und größte Teuerung des Getreides, sehr große Kriege, Blutvergießen und Seuchen an allen Orten. Auch jenes pestartige Fieber, das man „Engelschweiß“ nennt, wurde zum ersten Male in unserem Deutschland bekannt.

Im Jahr 1532 versammelte Kaiser Karl wiederum die Großen des Reiches in Regensburg. Er selbst betrat die Stadt am letzten Tag des Februars. Die Fürsten aber kamen wegen des Schismas Luthers erst nach und nach. Dort beriet man über einen Feldzug gegen die Türken, während die anderen Geschäfte aufgeschoben wurden. Die Fürsten und Reichsstädte versprachen Hilfstruppen, die sie zum Teil am Fest des heiligen Laurentius [10.08.] schickten. Die entfernteren aber erschienen im September. Viele glaubten, dass in 500 Jahren kein so zahlreiches und berühmtes Heer aus jeder Nation in unserem Deutschland versammelt wurde. Denn es waren Spanier, Italiener, Burgunder, Deutsche und Böhmen da. Man schätzte die Zahl auf ungefähr 200.000. Der Kaiser brach am Fest der Geburt der seligen Jungfrau [08.09.] von Regensburg auf und eilte nach Wien in Österreich. Ferner brach der Herrscher der Türken im selben Jahr am 12. Mai von Konstantinopel auf und zog über Adrianopel und Belgrad wiederum mit einem sehr großen Heer und einem Tross von Kamelen nach Buda. Als er aber erfuhr, dass Wien nunmehr durch Befestigungsanlagen und durch ruhmvolles Militär aufs Beste geschützt sei, bog er von ihm ab. Er schlug den Weg in die Steiermark ein, schloss eine kleine Stadt ein, Guns genannt (die Nikolaus Jurischütz mit wenigen Truppen befehligte), belagerte sie 25 Tage lang mit seinen ganzen Streitkräften nicht ohne die größten Verluste für ihn und berannte sie tapfer. Aber er verschwendete vergeblich seine Mühen (da der große und gute Gott die Stadt schützte). Daher gab er die Hoffnung auf und brach die Belagerung ab. Dann nahm-er den Weg durch die Steiermark nach Graz hinauf und verwüstete das ganze Land mit Feuer und Schwert aufs grausamste. Und während Kaiser Karl die überaus ansehnlichen Truppenmassen von Tag zu Tag bei Wien verweilen ließ, bewerkstelligte der Herrscher der Türken heimlich die Flucht. Wieder wurden 16.000 Reiter ausgeschickt, die die ganze Gegend verwüsten sollten. Als dies unserem Kaiser bekannt wurde, befahl er einem nicht geringen Teil seines Heeres zu eilen, um diese Gewalttat abzuwehren. Und so wurden die Feinde in den Bergen eingeschlossen und fast alle umgebracht. Die bei dem Unternehmen beteiligt waren, glauben, dass 24.000 Türken überall bei diesem Feldzug getötet wurden, während diese selbst auch dieses Mal nicht weniger als 100.000 Christen getötet oder verschleppt hatten. Karl befahl gemeinsam mit seinem Bruder Ferdinand am 4. Oktober den deutschen Truppen abzuziehen, die Spanier und Italiener aber behielt er mit 6000 Landsknechten bei sich im Dienst. Dann eilte er durch die Steiermark nach Innsbruck und zog über Italien nach Spanien. Und niemandem ist bekannt, was zwischen den so großen Herrschern über den Frieden oder einen Waffenstillstand vereinbart worden ist.


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Kapitel 66

Es herrschte ein Jahrfünft lang nicht nur die größte Teuerung der Lebensmittel, wie wir berichtet haben, sondern auch alles, was Lebensunterhalt und Kleidung betraf, war im Preis übermäßig gestiegen. Indessen aber haben die Weine einen Markt zu einem angemessenen Preis. Nach der Ernte des fünften Jahres fiel das Getreide unerwartet, was niemand gehofft hätte, wieder auf einen gerechten Preis, so dass das Maß Weizen bei uns um fünf oder sechs Gulden käuflich war. Alles Übrige blieb bei einem hohen Preis. Das war keine Heimsuchung von Gott, da es eine Fülle von allen Dingen gab, sondern die maßlose Habsucht der Menschen hatte sie heraufbeschworen. Und es besteht keine Hoffnung, dass sie einmal aufhört, wo doch der so große Luxus und der Prunk die Welt verschlungen haben.

Im Jahre 1535 sammelte Landgraf Philipp von Hessen im Frühjahr in aller Stille ein zahlreiches Heer, fiel, mit aller Art von Waffen ausgerüstet, in Schwaben ein und setzte Herzog Ulrich von Württemberg, dereinst wegen seiner Gewaltherrschaft aus der Heimat vertrieben worden war und 15 Jahre im Exil gelebt hatte, nach dem Heimkehrrecht wieder in seine Herrschaft ein. Die Verwaltung des Landes übte damals Philipp, Herzog von Neuburg und Bruder Ottheinrichs, im Namen des Kaisers aus. Dieser erlitt beim ersten Treffen eine Verwundung und nahm von Krieg und Schwaben Abschied. Im selben Jahr setzte Kaiser Karl V. von Spanien aus mit einer sehr großen Schar junger Leute nach Afrika über und eroberte Goleta, den Hafen des alten Karthago. Den König von Tunis, den einst Barbarossa, der Heerführer des Türkenherrschers, aus seinem Reich vertrieben hatte, setzte der Kaiser zu bestimmten Bedingungen und einem jährlichen Tribut von 25.000 Dukaten wieder ein und zwang den erwähnten Heerführer, der geflüchtet war, das Land zu verlassen. Unterdessen hielt sich der Türke von Ungarn fern, leistete aber dem Wojewoden Johannes gegen Ferdinand heimliche Hilfe. Nun wird schon in das zehnte Jahrhinein um die Krone Ungarns zum größten Schaden des Reiches Krieg geführt. Gott weiß, welches Ende der Streit noch nehmen wird.

Aber die irdischen Dinge, die uns von außen beunruhigen, sind gering im Vergleich zu den geistlichen. Mehr sucht uns dieses üble Schisma heim, das schon viele Jahre andauert. Es tötet viele Seelen und stürzt sie in die Hölle und nimmt mit der Zeit nicht nur nicht ab, sondern gewinnt von Tag zu Tag mehr Kraft. Eine Häresie nach der anderen taucht auf, und eine Sekte erzeugt eine neue, so dass nunmehr die höchste Meinungsverschiedenheit über die Glaubenssätze herrscht und ein jeder seine eigene Meinung, die er über den Glauben träumt, aufrechterhält und verteidigt. Und während wir auf Einheit hoffen, nachdem diese Pest über jegliches Bemühen der Menschen gesiegt hat, ist die größte Saatvielfältiger Meinungen nachgewachsen, so dass sich jene Klage des Jeremias 14 c aufs genaueste zu erfüllen scheint: „Wir erwarten Frieden", sagt er, „aber es gibt kein Gutes, und eine Zeit der Heilung, aber siehe: Verwirrung." Papst Paul III. hat für den 23. Mai 1537 ein allgemeines Konzil in Mantua anberaumt. Möge der gute und große Gott diesen äußerst schlimmen Ereignissen ein Ende bereiten!

Welches Unheil aber Münster, die ehrwürdige Metropole Westfalens, auf Grund der neuen Lehre hervorgebracht hat, wollen wir mit wenigen Worten darlegen. Eine ausführliche und zuverlässige Geschichte dieser Ereignisse hat Heinrich Dorpius geschrieben, auch selbst ein Münsteraner. Da er persönlich an jenen Vorgängen beteiligt war, hat er nichts ausgelassen, was man wünschen könnte. Er berichtet, dass im Jahr des Herrn 1533 ein Bernard Rotmann nicht weit von der Stadt entfernt zum allerersten Male das neue Evangelium, wie sie es nennen, gepredigt habe. Da sich die Bürger von Münster seiner Lehre begierig zuwandten, führten sie ihn gegen die Weisung des Bischofs gemeinsam mit anderen Predigern seines Geschwätzes in die Stadt hinein. Und es dauerte nicht lange, da verwandelte sich der Satan in einen Engel des Lichts und machte aus Evangelisten Wiedertäufer. Da ihnen die Bürger am Anfang nur lässig Widerstand leisteten, machten sie einen Aufruhr und lockten mancherlei Leute an. Nachdem sie dann ihre Zahl bald vergrößert hatten, beanspruchten sie die Herrschaft über die Stadt für sich und setzten sich den Schneider Johannes Leida als König ein. Dieser gab den Bürgern neue Gesetze, die so schändlich und ungerecht waren, dass man sich schämt, sie wiederzugeben. Er wählte sich zwölf Führer, ein zahlreiches Hausgesinde und 16 Ehefrauen aus, um das Reich Israel für sich in Anspruch zu nehmen. Seine Absicht war, ganz Deutschland seiner Herrschaft zu unterjochen. In der Zwischenzeit belagerte der Bischof die Stadt bis in das zweite Jahrhinein und errichtete Bollwerke. Er stürmte die Stadt, nahm sie in der Nacht des Festes des Johannes des Täufers durch Verrat und brachte sie wieder in seine Gewalt. Alle, die Gegenwehr leisteten, wurden getötet. Viele tausend Menschen gingen im Jahr 1535 während der Belagerung und Eroberung durch Hunger und Schwert zugrunde. Der König selbst und zwei andere wurden in Fesseln gelegt und dem Bischof vorgeführt. Diese wurden im folgenden Jahr zu Anfang Februar mit glühenden Zangen gefoltert, in eiserne Käfige gesperrt und zur Erinnerung an ihre Schandtaten auf der Höhe des Kirchturms aufgehängt. Mögen doch die Unglücklichen aus deren Beispiel lernen, sich künftig von den aufrührerischen Friedensstörern fernzuhalten!

Im Jahr 1536 wurde zu Beginn des Frühlings irgendein kriegerischer Tumult durch den Herzog von Schwaben erregt, wie das Gerücht ging. Die Herzöge von Bayern Wilhelm und Ludwig warben Soldaten und befahlen jedem Stand des Adels, in Waffen zu Ingolstadt zu erscheinen. Dorthin wurde ehernes Kriegsgerät geschafft, und die Pfleger sammelten Proviant für das Heer durch eine allgemeine Steuer, wie man sie nennt. Von den Klöstern wurde damals eine bedeutende Summe Geldes gefordert, zu der wir 600 Gulden beisteuerten. Aber als das Geld zusammengebracht war, verstummte jener ganze Sturm geradezu.

Es war dieses Jahr fast ganz trocken und sah nur selten Regen. Daher versiegten an sehr vielen Orten die Quellen und die Flüsse. Das Land trocknete aus, und die Wiesen erbrachten nur ganz wenig Gras, so dass ein Fuder Heu überall um 10 Gulden verkauft wurde. Das Getreide aber erlitt keinen besonderen Schaden. Im oberen Teil Deutschlands erlebten wir in diesem Jahr sehr viele Brände. Ganze Städte, Märkte und Dörfer wurden in Asche gelegt. Denn wegen der allzu großen Trockenheit erfasste das Feuer die Häuser wie Stroh und brannte sie im Nu nieder. Unglaublich, von welchem Schrecken die armen Landbewohner erschüttert wurden. Viele verließen ihre Häuser, schafften ihren Hausrat hinaus, übernachteten in Hütten unter freiem Himmel und hielten Wache. Bei diesem Unglück ging der ganze Markt Reisbach zugrunde, der zweimal niederbrannte. Ein ähnliches Schicksal erlitt Frontenhausen am 7. April in einem Zeitraum von drei Stunden, wobei lediglich drei einfache Häuser vor dem Feuer gerettet wurden. Der übrige Markt fiel zusammen mit der Kirche des heiligen Jakobus in Asche. Schließlich verzehrte das Feuer am 9. Mai bei Anbruch der Nacht in Arnstorf 70 Häuser, und zwar die besseren. Das Schloss wurde nur mit Mühe vor dem Feuer bewahrt.

Kaiser Karl V. hob in diesem Jahr ein sehr großes Heer aus verschiedenen Nationen aus und führte es gegen Franz, den König von Frankreich. Nachdem er die Alpen, die Italien von Frankreich trennen, überschritten hatte, betrat der Kaiser das Reich des Franz. Die Heere aber lieferten sich nirgends einen Kampf, ja, der König von Frankreich, der gleichsam auf Flucht bedacht war, verwüstete selbst sein Land nicht unbedeutend und vernichtete jeglichen Proviant. Karl aber folgte Franz auf den Fersen und litt wegen des Mangels an Nahrungsmitteln die größte Hungersnot. Dieser Kriegszug dauerte den ganzen Sommer. Schließlich schlossen sie durch das Erbarmen des gütigen und großen Gottes einen Friedensvertrag, nachdem auf beiden Seiten die Kräfte erschöpft waren.

Jetzt wollen wir, weil das Alter den mehr als Siebzigjährigen beschwert und uns allmählich die Körperkräfte und das Gedächtnis verlassen, mit wenigen Worten darlegen, was von unserer Chronik noch übrig ist. Auch wenn es unvorsichtig ist, insbesondere jene neuen Lasten, mit denen unser Haus von den erlauchten Herzögen Bayerns bedrückt wird, aufzuzählen und niederzuschreiben, streifen wir dennoch einiges davon, damit die Nachfahren die Missgeschicke dieser Zeiten kennenlernen. Das herzogliche Privileg, durch das sichergestellt wird, dass Jäger und Vogelsteller mit ihren Hunden und Vögeln unser Kloster nicht aufsuchen und sich dort aufhalten dürfen, ist nunmehr für ungültig erklärt. Auch wenn wir jährlich 15 Pfund dem Fürsten dafür zahlen, so belastet nichts desto weniger diese Art von Leuten unser Haus mehr als benachbarte Klöster. Schließlich müssen wir für die Jagd in andere Orte Wein, Brot, Tiere und anderes, was für die Küche dient, von woanders herschicken. Außerdem werden uns vier oder sechs ungarische Ochsen und ebenso viele Jagdhunde übersandt, die wir auf Befehl das ganze Jahr füttern und mästen. Was sollen wir über die Abgaben berichten, die man allgemein Steuern nennt, und über den Kredit, den wir geben sollen? Immerhin haben wir, solange wir diesem Haus vorstehen, ungefähr 6000 Gulden für diesen Kampfplatz beigesteuert. Eine jährliche Pension zahlen wir auf Befehl des Fürsten einem ausgedienten Lehensmann und unterhalten einen zweiten Pfründner. Dazu kommt, dass der Abt jüngst einen ihm genehmen Richter zu einer angemessenen Bezahlung aus freien Stücken angeworben hat. Als er vom Fürsten gestellt wurde, stieg der Preis um mehr als das doppelte Geld. Und während vorher eine einzige Person diesem Amt diente, versorgen wir jetzt auch einen Diener mit Lebensmitteln und zwei Pferde (abgesehen von anderem, was wir an Lebensmitteln in das Haus des Richters schaffen). Es gibt noch mehr andere Lasten der Herzöge; sie hier anzuführen halten wir für unwürdig.

Wir wenden uns anderen Dingen zu, die sich in diesen Jahren ereignet haben. Die lutherische Sekte breitete sich in dieser Zeit nicht wenig aus. Denn sehr viele Herzöge, Grafen und vornehme Männer der Reichsstädte versammelten sich in Schmalkalden, einer Stadt in Meißen, und schlossen ein Bündnis oder besser eine Verschwörung gegen den Römischen Papst. Im selben Jahr, nämlich 1539, am Fest Petri Stuhlfeier [22.02.], gingen 36 Häuser samt ihren Scheunen im Markt Vilshofen vom oberen Tor in Richtung Donau bis zum Haus des Pflegers und dem Zollhaus durch Feuer zugrunde. Auch im Jahr zuvor verzehrte das Feuer 14 Häuser samt ihren Hofstätten in der Vorstadt vor dem oberen Tor. Auch wenn wir oben manches über Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit der Jahre erzählt haben, will ich dennoch einiges über die letzten zwei Jahre anfügen, weil sie in ihrer Beschaffenheit das gewöhnliche Maß zu sehr überschritten haben. Im Frühjahr 1539 und zu Beginn des Sommers waren die Regenfälle selten, im Herbst und Winter sehr häufig. Wegen der unbeständigen Witterung verfaulten über 30 Fuder Heu auf unseren Wiesen. Auch trat der Bach von Aldersbach vom Fest der heiligen Lucia [13.12.] an bis zum l. Januar siebenmal über die Ufer. Weil unsere Weine durch die Schuld des Schiffseigentümers zu langsam auf den Wasserweg kamen, wurden sie am Fest des heiligen Andreas [30.11.] nicht weit von Baumgartenberg entfernt vom Eis eingeschlossen. Von dort wurden sie vom Schiff weg nach Sachsendorf transportiert, wo sie den Winter über verblieben. Sie landeten endlich am 4. März in Vilshofen.

Im Jahr 1540 erlebten wir von Anfang März bis zum Dezember sehr selten Regenfälle, und es herrschte im ganzen Jahr sehr große Hitze und Trockenheit und übermäßiger Wassermangel. Die Ernte war reif, aber dürftig, weswegen das Getreide im Preis beträchtlich stieg. Aber das Jahr brachte eine überreiche Fülle an Wein hervor. Denn für unser Kloster wurden im Jahr 1540 45 Ternare von unseren Weingärten bei der Lese geerntet. Das hat sich in 100 Jahren, wie ich glaube, nicht ereignet. In ähnlicher Weise hatten wir in den zwei vorangegangenen Jahren eine sehr reiche Weinlese, da wir in einem jeden Jahr 25 Ternare erhielten. In diesem Jahr erneuerten wir die Bäckerei, wie wir auch schon 1537 dem Getreideboden vom Gatter bis zum Gästehaus ein neues Obergeschoß gegeben haben. Das ist am 5. Januar des Jahres 1541 geschrieben worden.


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Kapitel 67 (1541-1542)

Es wäre nunmehr Zeit, von diesen Mühen auszuruhen. Aber da täglich neue und schmerzhafte Umstände auftauchen, konnte ich die Feder keineswegs ruhen lassen. Im Jahre 1541 also hielt Karl V., der Römische Kaiser, einen zweiten Reichstag in Regensburg ab. Dort wurde viel Mühe auf die Einheit der Religion mit den Lutheranern und für die Unterstützung der Christen gegen die Türken aufgewendet. Aber wegen der schnellen Abreise des Kaisers, den das spanische Reich zurückrief, wurde zu wenig beschlossen, ja, die Sache der Religion wurde sogar an ein allgemeines Konzil verwiesen. Und da sich so viele Fürsten und Große des Reiches mit den Städten gegen den Papst und seine Anhänger verbündeten, so dass nur noch ein ganz kleiner Teil übrig ist, dürfte eher Kampf als Eintracht zu erwarten sein. Aber im folgenden Jahr am 11. Januar, als König Ferdinand in Speyer mit den Großen des Reiches über die besagte Hilfe verhandelte und seine Absicht durchsetzte, wurde ihm eine derartige Hilfe für drei Jahre versprochen. Schließlich verkündete Papst Paul III., der jüngst in Mantua und nicht lange danach in Vicenza ein ökumenisches Konzil einberufen hatte, welches aber sowohl wegen der Kriege als insbesondere wegen anderer dringender Geschäfte keinen Fortschritt gebracht hatte, ein zweites in Trient, das am 1. November des Jahres [15]42 beginnen sollte. Möge der gütige und große Gott bewirken, dass die Zwietracht, die die christliche Religion spaltet, endlich einmal beendet wird! Ich habe keine Hoffnung, dass dieses Konzil rechtmäßig zusammentritt. Landgraf Philipp von Hessen griff mit anderen, die mit ihm verbündet waren, Herzog Heinrich von Braunschweig den Älteren und sein Land mit einem nicht kleinen Heer an, besiegte ihn in wenigen Monaten und unterwarf sich dessen Herzogtum. Dieses wies er dem älteren Sohn, nachdem der Vater geflohen war, unter bestimmten Bedingungen zu.

Armes Buda, Metropole von Ungarn! Dieses besetzte ein Mönch des St. Georgs-Ordens nach dem Tod des Johannes, des Grafen von Zips, im Namen seines Sohnes, und gebärdete sich dort als Anführer. Die Soldaten Ferdinands hielten die Stadt Pest besetzt, die auf der gegenüberliegenden Seite der Donau gelegen ist. Diese begann der besagte Mönch in Frühjahr zu belagern, konnte aber nicht die Oberhand gewinnen. Als dieser zusammen mit dem Türken abzog, belagerten besagte Soldaten Buda etliche Monate lang. Sie erschütterten dessen Mauern mit Geschützen, legten sie nieder und versuchten vergeblich unter sehr viel Blutvergießen die Erstürmung. Die Soldaten waren während der Belagerung auf der Hut, bis unerwartet am 19. August der Türke überraschend kam und sie selbst einschloss, stürmte und siegte. Er metzelte das ganze Heer von fast 10.000 Mann nieder und haute sie in Stücke; nur wenige entkamen. Nachdem der Feind einen blutigen Sieg nicht ohne eigenes Blutvergießen errungen hatte, begab er sich hierauf nach Pest. Dort fand er einen gewaltigen Schatz an Kriegsgerät, Getreide und anderen notwendigen Dingen und nahm sie mit sich fort. Manche schreiben diese Niederlage dem Feldherrn Wilhelm von Roggendorf zu, der vielleicht versagt hatte. Im Jahre 42 wurde wiederum aus ganz Deutschland ein Heer von jungen Männern unter dem Oberbefehl des Kurfürsten Markgraf Joachim gesammelt, der im ganzen Sommer, während er noch weitere Scharen von Kriegern erwartete, in Ungarn nur wenig ausrichtete. Zu spät aber belagerte er im Herbst Pest und bestürmte es schließlich vergeblich. Denn der Feind schützte mit einer bewundernswerten Kriegslist innerhalb der Mauern den Ort. Bei dieser Belagerung wurden ungefähr 400 Leute durch Feuer und eingeschlagene Pfähle getötet. So wurde das Heer Ferdinands gezwungen, sich zurückzuziehen. Nun muss man fürchten, da der gute und große Gott über unsere Sünden erzürnt ist, dass jenen engen Winkel Deutschlands, den die guten Christen noch besitzen, der Türke, während die Fürsten uneins sind, mit seiner Macht angreift, überwältigt, erobert und schließlich auslöscht. Aber ich möchte lieber ein unglaubwürdiger Prophet sein.

Nun wollen wir zu unserem Vorhaben zurückkehren. Die Alten waren der Meinung, dass man reiche Ernten an Früchten gut aufbewahren müsse, da nicht selten der Fülle die Unfruchtbarkeit folgt, wie es in diesen Jahren bei uns geschehen ist. Denn drei Jahre, wie wir oben erzählt haben, war der gütige Gott uns gnädig gewesen. In diesen hatten die Keltern sehr reichlichen Most erbracht. Es folgte das Jahr 1541, als unsere Weinberge vom Hagel getroffen wurden und lediglich vier Fässer (die man Ternare nennt) hervorbrachten. Auch das Jahr [15]42 versprach zwar am Anfang eine üppige Weinlese, aber die nachfolgende schlechte Witterung vereitelte sie. Denn das Jahr war kalt und regenreich, und deswegen wurde die Weinlese später vorgenommen. Was früher am Fest des heiligen Lambert [17.09.] vollendet war, wurde in diesem Jahr zu Allerheiligen [01.11.] und anderswo zu Martini [11.11.] begonnen, weil die Trauben sauer und noch nicht reif waren. Unter großen Ausgaben erbrachte die Kelter in dem besagten Jahr zehn Ternare, denn in den beiden Jahren wendeten wir für die Pflege der Weinberge über 200 Gulden auf. Schließlich reiften alle Baumfrüchte in einem vollen Monat nicht weniger als in den übrigen Jahren. Und die Getreideernte, die früher häufig um den ersten Juli begonnen wurde, ging man in diesem Jahr nur wenig vor dem Fest des heiligen Laurentius [10.08.] an. Das Getreide ergab aber nichtsdestoweniger einen sehr reichen Ertrag. Die Weine dieses Jahres waren so herb, dass niemand sie mochte; die alten aber standen hoch im Preis. Eine Mensur oder Kanne wurde um acht Kreuzer und darüber verkauft. Wir trinken während des ganzen Jahres in unserem Bayern gute alte Weine von Rhein und Neckar.


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Einführung und Kommentar von Alois Kapsner

Hubert Kalhammer, dem viel zu früh verstorbenen Kreisheimatpfleger von Vilshofen, gebührt das große Verdienst, die Annales sive Chronicon domus Alderspacensis des Abtes Wolfgang Marius aus dem Lateinischen ins Deutsche übertragen und ihre Veröffentlichung vorbereitet zu haben. Von den 67 Kapiteln der Geschichte des Klosters Aldersbach hat er knapp die Hälfte in druckreifer Form ausgearbeitet, die Kapitel 31 bis 51 im Konzept entworfen und mit Maschine geschrieben und die Kapitel 52 bis 61 in einer Handschrift skizziert, in der sich die Schwere seiner Erkrankung spiegelt. Nach Beendigung des Kapitels 61 hat ihm der Tod die Feder aus der Hand genommen. Um eine Veröffentlichung der unvollendet gebliebenen Arbeit zu ermöglichen, hat der Herausgeber die Kapitel Prolog bis Kapitel 30 durchgesehen und vereinzelte Versehen berichtigt, den Entwurf der Kapitel 31 bis 61 überarbeitet und die restlichen Kapitel neu übersetzt.

Der lateinische Text der Annales wurde zum ersten Mal von Michael Hartig in den Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern 42. Band (Landshut 1906), S. 1-112 (Prolog bis Kap. 37), und 43. Band (1907), S. 1- 96 (Kap. 38-67), veröffentlicht. Hubert Kalhammer musste bei seiner Arbeit feststellen, dass die Textvorlage von Hartig nicht frei von Fehlern ist. Er hat daher durch einen Vergleich mit der Handschrift der Annales, die in der Bayerischen Staatsbibliothek in München als clm 1012 verwahrt wird, eine neue Textfassung erstellt, die vollständig vorliegt und der Drucklegung harrt.

Michael Hartig hat seine Ausgabe mit zahlreichen und zum Teil sehr ausführlichen Anmerkungen versehen. Diese bieten wertvolle Hinweise zu Personen, Orten und Ereignissen, die in den Annales genannt werden, und geben die Fundorte von Zitaten aus der Bibel, den Kirchenvätern und antiken Autoren an, die von Marius angeführt werden. Sie erleichtern dem Leser das Verständnis des Textes. Von diesen Angaben hat Kalhammer nur die Daten der Heiligenfeste übernommen, da Marius neben Tagen und Monatsnamen auch Heiligenfeste als Terminangaben von Ereignissen benutzt. Sie werden im Text in eckigen Klammern eingefügt. In eckigen Klammern werden auch Wörter erklärt, die dem Leser nicht ohne weiteres verständlich sind. Auf Vollständigkeit musste allerdings mit Rücksicht auf den Umfang der vorliegenden Festschrift verzichtet werden. Für die Erläuterung derartiger Begriffe, z. B. "Pfund Fuder nacktes Salz" (Kap. 11), wird auf die einschlägigen Wörterbücher und Lexika (z. B. J.A. Schmeller, Bayerisches Wörterbuch; Lexikon für Theologie und Kirche usw.) verwiesen.

Chronologische und sachliche Irrtümer des Marius sind weder angemerkt noch berichtigt. Die Ortsnamen sind, soweit sie identifiziert werden konnten, in der Form wiedergegeben, wie sie das Amtliche Ortsverzeichnis von Bayern ausweist. Bei den Personennamen wurde häufig die von Marius verwendete Schreibung beibehalten.

Abt Marius hat seine Chronik gelegentlich mit kurzen erklärenden Bemerkungen in runden Klammern versehen. Diese wurden in gleicher Form übernommen. Die Absätze im Text richten sich nach der Übersetzung von Kalhammer bzw. der von ihm erarbeiteten Textvorlage. Der lateinische Text des Marius weist keine Absätze auf. Die einzelnen Kapitel sind lediglich durch rote oder blaue Initialen gegeneinander abgesetzt.

Marius beruft sich bei seinen Aussagen gelegentlich auf die Bibel, die Kirchenväter und das zu seiner Zeit gültige Kirchenrecht und gibt dabei auch die Quellen an, denen er die Zitate entnommen hat. Diese werden in der Übersetzung so wiedergegeben, wie sie Marius zitiert hat. Die Angaben konnten aber für die vorliegende Ausgabe der Annales nicht nachgeprüft und auch nicht nachgewiesen werden. Das ist die Aufgabe einer kritischen Edition des Textes, die noch zu leisten ist.

Hubert Kalhammer hat die von ihm erarbeitete Fassung des lateinischen Textes mit Anmerkungen versehen, die vom Prolog bis Kapitel 23 fast vollständig erstellt sind. Sie betreffen vorwiegend die Geschichtsquellen, die Marius benutzt hat, und die Sekundärliteratur, bieten aber auch sachliche Hinweise und kritische Bemerkungen zu einzelnen Äußerungen von Marius. Diese Anmerkungen gehen über die von Hartig weit hinaus. Wünschenswert ist ein Kommentar zu den Annales, der die Anmerkungen von Hartig übernimmt und kritisch sichtet und die von Kalhammer erstellten mitverwertet.

Die Annales sind zum ersten Male von dem Aldersbacher Abt Gerard Hörger (1651-1659) auszugsweise ins Deutsche übersetzt, aber nicht veröffentlicht worden. Eine weitere Übersetzung stammt von Hans Kraus. Dieser wurde 1877 in Rathsmannsdorf geboren, hatte Nationalökonomie studiert und war lange Zeit bei der Nordstern-Versicherung in Stettin, zuletzt nach dem Zweiten Weltkrieg als Verwaltungsbeamter in München und Miltenberg am Main beschäftigt. Seine Sprachbegabung und seine Vorliebe für Geschichte ermöglichten es ihm, eine Übersetzung der Annales des Abtes Wolfgang Marius in Angriff zu nehmen. Diese reicht aber nur bis Kapitel 37 und wurde nicht veröffentlicht. Sie befand sich im Nachlass von Hubert Kalhammer. Inwieweit er sie für seine Arbeit benutzt hat, konnte nicht festgestellt werden.

Die vom Herausgeber überarbeiteten Kapitel 31 bis 61, die Hubert Kalhammer entworfen hat, und die Übersetzung der restlichen Kapitel halten sich streng an die lateinische Textvorlage. Sprachliche Härten in Wortwahl, Ausdrucksweise und Grammatik, besonders im Gebrauch der einzelnen Zeiten der Vergangenheit (Imperfekt- Plusquamperfekt), wurden nicht vermieden, um den Charakter des von Marius geschriebenen Lateins durchscheinen zu lassen. Großen Dank schuldet der Herausgeber Herrn Prof. Dr. Egon Boshof für vielfältigen Rat in Sachfragen und für die Mithilfe beim Lesen der Druckfahnen sowie Herrn Oberstudienrat Johann Schmeiß er, Passau, für wertvolle Hinweise bei der Übersetzung schwieriger Textstellen.


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