- Vorbemerkungen
- Berichte aus/über Vilshofen
- Wiennerisches Diarium 06.01.1706
- Wiennerisches Diarium 13.01.1706
- Bericht aus dem Hauptquartier Aldersbach
- Wiennerisches Diarium 16.01.1706
- "Schlacht" bei Aidenbach (Pamler)
- Wahlanerkennung Theobald I. Grad
Die Schlacht bei Aidenbach am 8. Januar 1706
beschrieben von Joseph Pamler
Auf vielseitiges Verlangen aus des Verfassers handschriftlicher Chronik von Aidenbach abgedruckt.
Passau, Druck aus Dr. Breßl's Buchdruckerei 1859.
Um den Gang der Ereignisse, in deren Folge das sonst so unbekannte Aidenbach in der vaterländischen Geschichte einen Namen erhalten hat, allen unsern Lesern möglichst verständlich zu machen, wird es zweckdienlich sein einen kurzen Ueberblick der damaligen politischen Sachlage vorauszuschicken.
Eines der größten Reiche, das je die Welt gesehen, war um das Jahr 1700 Spanien, ein Reich, in dem, wie man zu sagen pflegte, die Sonne niemals unterging. Der König dieses Reiches, Karl II. war alt, gebrechlich und kinderlos. Wer soll der Erbe dieses Reiches werden? Das war die Frage, die damals alle Welt beschäftigte. König Karl II. hatte aber zwei Schwestern, von denen die eine Namens Maria Theresia an den König Ludwig XIV. von Frankreich, die andere, Margaretha Theresia, an den Kaiser Leopold von Oesterreich verheirathet war. Eine Tochter dieser Margaretha, nämlich die Maria Antonia, war im Jahre 1686 die Gemahlin des Churfürsten Max Emanuel von Bayern geworden und hatte ihm am 28. Okt. 1692 einen Prinzen Namens Joseph Ferdinand geboren.
So war Max Emanuel in nahe verwandtschaftliche Verhältniße zum Könige Karl von Spanien gekommen und hatte insbesondere durch den ausgebreiteten Ruf seines Heldenmuthes das Wohlwollen des Königs in so hohem Grade erworben, daß ihm der König die Statthalterschaft der spanischen Niederlande mit einem Gehalte von monatlich fünfundsiebenzigtausend Reichsthalern übertrug. Am 26. Marz 1692 hielt Max Emanuel seinen feierlichen Einzug in Brüssel.
Während nun die verschiedenen Mächte wegen der zu erwartenden spanischen Erbschaft bereits mancherlei Plane schmiedeten, erklärte der König Karl II. von Spanien im April des Jahres 1698 mittelst eines feierlichen Testamentes den bayerischen Prinzen Joseph Ferdinand, den Sohn Max Emanuels, zum einzigen Universalerben der ganzen spanischen Monarchie.
Max Emanuel, am Ziele seiner kühnsten Hoffnungen sich sehend, ließ alsogleich den jungen Prinzen zu sich nach Brüssel bringen, und schon standen in Amsterdam vierundzwanzig Kriegsschiffe bereit, um den Churfürsten mit dem jungen Prinzen und Thronerben nach Spanien hinüberzubringen, als der Prinz plötzlich erkrankte und am 5. Febr. zu Brüssel starb. — Dem zweideutigen Benehmen der französischen Aerzte bei der Krankheit des Prinzen sagt die Welt das Schlimmste nach.
Max Emanuels Schmerz war gränzenlos. König Karl II. setzte aber nun den Prinzen Philipp von Frankreich und Herzog von Anjou, einen Enkel seiner Schwester Maria Theresia, zum Erben der spanischen Lande ein. Allein dieses behagte weder dem Kaiser Leopold, noch den Engländern. Der Kaiser erklärte das Testament für ungiltig und er und England rüsteten gegen Frankreich. Lange schwankte Emanuel, welcher der beiden Partheien, von denen jede ihn zu gewinnen suchte, er sich zuwenden sollte. Da aber Oesterreich für die vielen Opfer, welche Emanuel in den Türkenkriegen gebracht hatte, noch immer die versprochene Entschädigung nicht leistete und überdies ihm nicht einmal sein Guthaben in den Niederlanden verbürgen wollte, so brachten endlich die französischen Unterhändler, den Churfürsten auf Frankreichs Seite, indem sie ihm für den Fall des Sieges die Statthalterschaft der Niederlande erblich zu geben versprachen.
Der Krieg begann. Max Emanuel hatte Alles aufgeboten, um eine achtunggebietende Macht ins Feld zu stellen. Der zehnte wehrhafte Mann im ganzen Lande mußte zu den Fahnen eilen: (aus Aidenbach allein rückten 17 junge Männer in den Sammelplatz nach Plattling ein) und alle Gerichtsund Hofmarchsamtleute hatten sich bis 9. Febr. 1703 mit ihren Pferden in München einzustellen. Zweimal kam in dieser Zeit der Churfürst nach Aidenbach. Das erstemal am 19. Dezember 1702, hielt sich aber nur kurze Zeit auf und reiste am nämlichen Tage wieder über Griesbach weiter, von allen Seiten von freudigem Jauchzen des für seinen Fürsten begeisterten Volkes begrüßt. Als dann der Churfürst im März des Jahres 1703 als Sieger über den von ihm am 11. März 1703 bei Eisenbirn geschlagenen österreichischen General Schlick zurückkehrte, kam er zum zweitenmale nach Aidenbach, um da zu übernachten. Auf die Kunde davon strömte Alles herbei und umdrängte jubelnd den Fürsten. Alle wollten denjenigen sehen, dessen Tapferkeit jede Zunge pries und dessen Heldenruhm jedes bayerische Herz mit edlem Stolze erfüllte. Der Chur fürst, welcher sich äußerst freundlich und herablassend benahm, nahm sein Nachtquartier im Hause des Gastwirthes und Handelsmannes Ulrich Brandhuber (jetzt Haus Nr. 1 des Franz Koch) und war nicht wenig darüber erfreut, in dem Besitzer dieses Hauses einen jener wackern Reiter wieder erkannt zu haben, die unter ihm gegen die Türken so tapfer gekämpft hatten. Des andern Tages reiste der Churfürst von den herzlichsten Segenswünschen begleitet nach Plattling ab. Wie wahr und ungeheuchelt die bei seiner Einkehr und Abreise hier geäußerte Begeisterung des Volkes für seinen Fürsten war, das hat nach kurzer Zeit dasselbe Volk an derselben Stätte durch die That bewiesen.
Siegreich ging Max Emanuel aus den ersten Kämpfen hervor. Bald aber änderte sich die Lage der Dinge. Ungünstig für den Churfürsten fiel der nach Tyrol unternommene Feldzug aus, ungünstig für ihn ein am Schellenberge bei Donauwörth am 2. Juli 1704 geschlagenes Treffen, noch ungünstiger aber die am 13. August 1704 bei Höchstädt vorgefallene Hauptschlacht, in welcher die französisch=bayerische Armee durch die Schuld des mit der Unüberwindlichkeit seiner Franzosen prahlenden französischen Generals Tallard eine vollständige Niederlage durch die Oesterreicher und Engländer unter Eugen und Malborough erlitt. Max Emanuel sah sich jetzt genöthiget, mit dem Reste seiner Truppen in die Rheingegenden sich zurückzuziehen und sein treues Bayernland dem siegenden Feinde zu überlassen.
Bayern ward nun als eroberte Provinz betrachtet, und hart und schwer lag Oesterreichs Hand auf dem Bayervolke. Halbwilde Horden durchschwärmten das Land, Plünderungen, Gewaltthätigkeiten und Gräuel aller Art verübend. Erpressungen über Erpressungen wurden dem ohnehin schon ganz erschöpften Volke auferlegt, die waffenfähige junge Mannschaft zur Nachtszeit gewaltsam aus den Häusern gerissen und fortgeschleppt zum österreichischen Kriegsdienste, und zum Kampfe gegen das eigene theure Vaterland und Fürstenhaus gezwungen.
Ein freilich nur schwaches Bild von dem, was in jener harten Zeit unsere Gegend nur allein in dem Jahre 1704-1705 zu leiden gehabt, geben uns die damalige Gemeinderechnung von Aidenbach und andere Aufschreibungen. Wir lesen da von der Plünderung des Marktes, von zerschmetterten Thüren, ausgerissenen Fensterstöcken, zertrümmerten Kästen, zerschlagenen Fässern etc. von fortwährenden Geldforderungen, deren Summe für die Marktgemeinde allein in dem einzigen Jahre auf 1376 fl. 45 kr. sich belief. Solches und Aehnliches hatten aber damals auch alle andern Ortschaften in ganz Bayern zu erdulden. Die vielen Gewaltthätigkeiten und fortwährenden Erpressungen, die Kunde von der unwürdigen Behandlung der in Feindesgewalt befindlichen churfürstlichen Prinzen, dann der jedem Bayer unerträgliche Gedanke, dem Szepter des angestammten Fürstenhauses entrissen zu sein — das war zu viel für das Herz des Volkes und regte den sonst so ruhigen und gutmüthigen Landmann zu wunderbarer Thatkraft und Entschlossenheit auf.
Wie Ein Mann erhob sich mit Einemmale in verschiedenen Gegenden des Landes das Bayerische Landvolk, um die unerträglichen Fesseln zu brechen. „Lieber bayerisch sterben, als kaiserlich verderben!“ erscholls von Ort zu Ort, von Gau zu Gau, durchs ganze Land. Kühne und entschlossene Führer traten an die Spitze dieser bald zu vielen Taufenden angewachsenen, mit dem Muthe der Verzweiflung erfüllten Landleute, und wäre damals noch eine nur etwas bedeutende bayerische oder französische Armee in der Nähe gewesen, der Ausgang wäre dann wahrscheinlich ein ganz anderer geworden.
Anfangs wurden einzelne österreichische Abtheilungen angegriffen, und viele zum österreichischen Kriegsdienste ausgehobene Jünglinge wieder befreit, bald aber auch die von den Kaiserlichen besetzten niederbayerischen Städte in rascher Eile von den Landesvertheidigern erobert und besetzt. Der tapfere Plinganser aus Pfarrkirchen, der eben seine Studien als Jurist vollendet hatte, und der wackere Meindl, ebenfalls ein Studierender, waren die Häupter und Leiter dieser Unternehmungen in Niederbayern.
Auch in Oberbayern, in der Oberpfalz und im bayerischen Walde hatten die Waffen der Landesvertheidiger manch glücklichen Erfolg. Allein es blieb nicht also. Eine Schaar oberbayerischer Landleute hatte sich Münchens bemächtigen wollen, aber niederträchtiger Verrath vereitelte ihr Unternehmen und die Mehrzahl der 5000 Mann starken Schaar fiel im hartnäckigsten Kampfe zu München und Sendling in der Christnacht 1705. Schnell verbreitete sich diese Schreckenskunde durchs ganze Land aber sie entmuthigte nicht. Noch standen mehrere Tausende entschlossener Männer an der Vils und Rott bereit, das Aeußerste zu wagen und entweder zu siegen und ihre gefallenen Brüder zu rächen, oder treu ihrem Wahlspruche zu sterben wie sie.
Eine Schaar von siebentausend Landesvertheidigern sammelte sich eben damals um Aidenbach unter ihrem Anführer Hoffmann, einem ehemaligen Wachtmeister im Weikelschen Kürassierregimente, welcher unter Max Emanuel die türkischen Feldzüge mitgemacht hatte. Mit Ungestümm verlangte die Schaar nach einer Schlacht. Die Häupter des Aufstandes aber, welche damals zu Braunau sich befanden, waren keineswegs geneigt, durch Lieferung einer Hauptschlacht Alles auf das Spiel zu setzen und schickten deßwegen an die unter Hoffmann bei und in Aidenbach stehenden Landesvertheidiger den Auftrag, vor dem anrückenden Feinde zuruckzuweichen so lange, bis man eine Gelegenheit habe, ihm einen bedeutenden Schlag mit Sicherheit beibringen zu können. Allein die vom Verzweiflungsmuthe beseelten Schaaren ließen sich von ihrem Vorsatze nicht abbringen.
Inzwischen war Vilshofen wieder in die Gewalt der Kaiserlichen gefallen. Der kaiserliche Oberst D'Argnan hatte sich nämlich in Straubing mit 1000 Mann auf der Donau eingeschifft und war bei Vilshofen zunächst der St. Barbarakirche oberhalb der Stadt ans Land gestiegen, um sich von da aus der nur mit einer geringen Anzahl Bauern besetzten Stadt zu bemächtigen. Er schickte den Guardian und einen andern Pater des außerhalb der Stadt gelegenen Kapuzinerklosters in die Stadt und ließ die Besatzung zur Uebergabe auffordern. Während aber in der Stadt noch Rath gepflogen wurde, was zu thun sei, stürmten die Kaiserlichen unter dem Vorwande zu langen Zögerns die Pallisaden und drängten die Bauern bis unter das Thor zurück. Schon waren sie daran, auch dieses zu stürmen, als der Magistrat freiwillig das Thor öffnete, und die Kaiserlichen durch Empfangsfeierlichkeiten so lange hinhielt, bis die Bauern sammt ihren drei Offizieren Georg König, einem ehemaligen Rittmeister, Andreas Ertl und Adam Zuginger auf der entgegengesetzten Seite über die Vils hinaus entkommen waren. So hatte also der Feind im Rücken der bei Aidenbach stehenden Landesvertheidiger festen Fuß gefaßt, und einen wichtigen Platz an der Donau in seiner Gewalt. Die Landesvertheidiger erkannten auch die Größe dieses Verlustes gar wohl und entsendeten daher am 30. Dez. 1705 einige hundert Mann, um Vilshofen durch einen Handstreich wieder zu gewinnen, allein die Wachsamkeit der Oesterreicher vereitelte ihr Unternehmen, und mehrere von ihnen wurden von den nachsetzenden Husaren bei Ließing ereilt und zusammengehauen.
Unterdessen war der österreichische General Kriechbaum am 2. Januar 1706 von München her mit einem Korps von 3000 Mann Kavallerie und einigen Kanonen aufgebrochen und rückte jetzt, nachdem er noch einige Reiterabtheilungen zur Verstärkung an sich gezogen hatte, eilig nach Niederbayern vor.
Als die Häupter der Landesvertheidiger in Braunau hievon Kunde erhielten, sendeten sie schnell einige Hauptleute mit Mannschaft und Geschütz gen Aidenbach. An Freiherrn von Prielmayer, der mit dem bayerischen Regimente "Herzog Philipp" in Burghausen stand und an den Oberst Zelli erging ebenfalls von Braunau aus der Befehl, mit ihren Truppen die Landesvertheidiger ber Aidenbach zu verstärken und dann dem Feinde die Spitze zu bieten. Einen gleichen Auftrag erhielt der General Freiherr D'Ocfort, mit seiner Reiterei ebendahin aufzubrechen. Allein Freiherr von Prielmayer weigerte sich, blieb ungeachtet des zweimaligen Befehles unthätig in Burghausen sitzen und legte endlich, als ein dritter geschärfter Befehl an ihn erging, seine Befehlshaberstelle nieder. D'Ocfort hingegen, der sich überhaupt immer in einem sehr zweideutigen Lichte gezeigt hatte, weigerte sich geradezu und erklärte: "Er habe zwar gelernt, Soldaten zu kommandiren, aber nicht Bauern, und er wolle sich eher massakriren lassen, als mit Bauern gegen einen regulirten Feind kämpfen." So verging eine kostbare Zeit unter Zaudern und Gezänke, bis dann aber schon zu spät — der wackre Schützenobrist Meindl und der Oberst Zelli mit ihren Schaaren gegen Aidenbach aufbrachen.
Mittlerweile war der österreichische General Kriechbaum bereits am 6. Januar in Eggenfelden eingetroffen, hatte dort übernachtet und beabsichtigte zweifelsohne seinen Marsch über Pfarrkirchen fortzusetzen und dann eine Vereinigung mit den österreichischen Streitkräften in Vilshofen zu erzwecken. Da bot ein Verräther sich ihm an und brachte ihn zu einem andern Entschlusse. Dieser war Johann Paul Wallner, Gerichtsschreiber von Pfarrkirchen, welcher Tags vorher in Aidenbach gewesen war und das Lager der Landesvertheidiger ausgekundschaftet hatte. Belohnung hoffend, berichtete er dem General Kriechbaum, daß die Bauern 7000 Mann stark bei Aidenbach stünden, Verstärkung erwartend, die auch bereits vom Inn her im Anzuge begriffen wäre und einige tausend Mann stark sei. Er möge daher, bevor noch der Rebellenhaufe Zuzug erhalte, rasch gegen Aidenbach ziehen, und er, Wallner, wolle ihn auf dem kürzesten und sichersten Wege dahin geleiten. Kriechbaum rückte demnach über Dumeldorf vor, wo er übernachtete, und entsendete auf Umwegen einen Boten nach Vilshofen, mit dem Auftrage an den Oberstlieutenant Marschall, die Bauern am andern Tage unverzüglich im Rücken anzugreifen. Des nächsten Tages in aller Frühe brach Kriechbaum gegen Aidenbach auf. Eine Stunde davon entfernt erfuhr er, daß die Macht der Bauern noch in unveränderter Stellung in und um Aidenbach stehe und noch keine Verstärkung erhalten habe. Er ordnete daher bei Haidenburg seine Schaaren und rückte gegen die Landesvertheidiger vor.
Diese hatten sich, siebentausend Mann stark, mit vielem Vortheile auf dem Gehügel östlich und südlich von Aidenbach aufgestellt. Aidenbach und die Dörfer Karling und Heft waren von ihnen besetzt, vor sich gegen Westen nach Haidenburg zu hatten sie einen tiefen Bach und darüberhinaus eine, wenigstens zur Sommerszeit ziemlich sumpfige Wiesenfläche, hinter sich aber und zu beiden Seiten dichte Wälder. Die durch den Wald bei Buchenöd nach Vilshofen führende Strasse hatten sie durch Verhaue und Gräben unbrauchbar gemacht, um von dorther gesicherter zu sein.
Es war am Freitag den 8. Januar 1706 gegen 10 Uhr Mittags, als die feindlichen Reiter von Westen her erschienen. Ein fürchterliches Kampfgeschrei erhob sich bei ihrem Anblicke im Lager der Landesvertheidiger. Die feindlichen Kanonen fingen an zu donnern und brachten wohl manchem Braven tödtlichen Gruß. Die Landesvertheidiger aber konnten aus ihrem Paar schlechtbedienter Feldstücke solche Grüße nur spärlich erwidern. Die Wehre, die sie mit der Faust umfingen, die sollte ihnen, wie sie glaubten, zum Siege verhelfen. Als daher die feindliche Reiterei über den festgefrornen Wiesenplan herangerückt kam, da warfen sie sich mit Ungestümm auf die feindlichen Reiter, um mit des Armes Kraft den Mangel gehöriger Bewaffnung zu ersetzen. Am Bache hin entspann sich der hartnäckigste Kampf. Wie wüthend kämpften die Bauern mit ihren Hacken, Sensen, Spießen, Gabeln etc. dareinschlagend und stoßend, während aus nahegelegenen Gebäuden und Gebüschen einige Hundert vertheilter Schützen ein wohlgezieltes Feuer gegen den Feind richteten. Eine Stunde lang hatte der Kampf schon gedauert und noch war es dem Feinde nicht gelungen, auf dem rechten Ufer des Baches festen Fuß zu faßen. Von Kampfeswuth getrieben drangen nun hie und da einzelne Haufen der Bauern auf das linke Ufer des Baches hinüber, allein zu ihrem Verderben. Sie wurden bald von den Husaren umzingelt und niedergehauen. Ungewohnt in Reih und Glied zu kämpfen, entstand bald dort bald da eine Lücke in den Reihen der Bauern; die Feinde benützten sie, und es begann allmälig unter den Landesvertheidigern eine Verwirrung einzureißen, welcher der Anführer Hoffmann nicht mehr zu steuern vermochte. Hoffmann, welcher schon am Morgen des verhängnißvollen Tages eine sonst an ihm nicht bemerkte Aengstlichkeit gezeigt hatte, und dem vielleicht die blutige Münchner Christnacht und das Loos vorgeschwebt haben mochte, das ihn treffen würde, wenn er den Oesterreichern in die Hände fiele, — Hoffmann verließ mit einigen Reitern in diesem kritischen Momente den Kampfplatz und flüchtete sich in die rückwärts gelegenen nahen Wälder. Diese unglückselige Flucht gerade in dem entscheidendsten Augenblicke, in welchem, wenn auch nicht der Sieg, so doch die Rettung vieler hundert wackerer Männer möglich gewesen wäre, bereitete den Landesvertheidigern den Untergang. Alle Ordnung war nun dahin. Verzweiflungsvoll kämpften die Bauern; aber all ihr Muth und ihre Todesverachtung und all die mächtigen Streiche ihrer nervigen Arme konnten den einmal entrissenen Sieg ihnen nicht mehr erringen. Bald war ihre Schlachtreihe durchbrochen und getheilt, aber nichts desto weniger kämpften sie fort nicht mehr um den Sieg, sondern um den Tod. Auf dem Handlberg, östlich von Aidenbach, setzte sich die Hauptmasse der Bauern fest. Erbitterter als je entbrannte der Kampf. Gnade ward weder verlangt noch gegeben. In Strömen floß das Blut. Leichen häuften sich auf Leichen und Hunderte derselben lagen bereits erstarrt auf dem eisigen Boden, Freund und Feind im schrecklichen Wirrwarr durcheinander. So zieht der blutige Kampf sich hinüber südlich an den Kleeberg, wo viele Hunderte verbluten. Dann wälzt er sich hinüber auf die Felder von Unterskirchen und Tötling und den Reschenberg. Ein Haufe der Bauern hat sich in den Hof zu Oberndobel gezogen und festgesetzt, aber die Husaren umringen den Hof, stecken die Gebäude in Brand und die darinnen sind, verbrennen. Ein größerer Haufe hat sich in das Dorf Tötling geworfen, um in dortigen Gehöften den letzten verzweifelten Widerstand zu leisten. Der Feind zündet die Häuser an, und was nicht in den Flammen umkam, das fiel unter den Klingen der das Dorf umgebenden Reiter.
Nur ein kleiner Haufe Landesvertheidiger war noch übrig, der sich zuletzt in die Hofgebäude des Resch im Dobel gezogen hatte, entschlossen, hier das Leben so theuer als möglich zu verkaufen. Da unter ihnen Mehrere mit Schießgewehren versehen waren, so vertheidigten sie sich noch einige Zeit sehr wirksam, jede Gnade mit Verachtung zurückweisend. Da werfen die Feinde Feuer in den Hof, das Feuer greift um sich, und nun Tod und Verderben von innen und außen. Immer seltener fallen die Schüsse immer mehr verstummt das Kampfgeschrei. Schon schlagen prasselnd die Flammen aus den Dachungen hervor, aber noch steht ein Mann an einem noch von den Flammen verschonten Platze der Scheune haftig schießend und wieder ladend, als achte er nicht der ringsum zuckenden Flammen und der vielen an ihm vorbeisausenden feindlichen Kugeln. Er schießt, und jede Kugel trifft ihr Ziel. Er schießt — krachend stürzen die brennenden Balken über ihn zusammen — seine letzte Kugel hatte noch die Brust eines feindlichen Offiziers durchbohrt.
Die Nacht war bereits herangerückt; fast sechs Stunden hatte der Kampf gedauert. Das Morden war zu Ende, nur die Flammen prasselten noch aus den Gehöften zu Tötling, Resch im Dobel und Oberndobel als eine schauerliche Todesfackel für die heldenmüthig gefallenen Kämpfer.
Als das Gemetzel schon zu Ende war, kam auch noch der Oberstlieutenant Marschall von Vilshofen her mit tausend Mann. Das blutige Werk war aber schon vollbracht, und er kehrte daher wieder um. An Meindl und Zelli aber, die mit ihren Schaaren schon in Griesbach eingetroffen waren, brachten Flüchtende die Trauerbotschaft: "Es ist zu spät!
Da lagen sie nun die Treuen, mit ihren Leichen bedeckend alle Hügel und Felder ringsumher, und mit ihrem Blute färbend die vaterländische Erde, die eigenen Felder und Fluren, da lagen sie, zum Beweise, was das Bayervolk für das Vaterland und angestammte Fürstenhaus zu opfern fähig ist.
An den folgenden Tagen kam eine Menge von Weibern und älteren Männern aus der umliegenden Gegend, um die Leichen ihrer Männer, Söhne, Brüder und Verwandten auf dem Schlachtfelde aufzusuchen und nach Hause zum Begräbnisse zu bringen. Viele wurden auf diese Weise fortgebracht, bei weitem die größere Zahl der Gefallenen wurde aber in großen Gruben auf dem Handelberge, Kleeberge und auf dem Reschenberge sowie in den Gottesackern zu Aidenbach, Beutelsbach und der Pfarrei Eggelham begraben.
In den Pfarrbüchern einiger Pfarreien finden sich noch Aufschreibungen, welche über die Zahl der Gefallenen einige Aufschlüsse geben und auch die Namen vieler derselben enthalten. Sie hier anzuführen, mag nicht am unrechten Platze sein.
Beutelsbach
Alphons Schönbuchner von Beutelsbach schrieb in das Pfarrbuch:
„Anno 1706 den 8. Januar" … Auf dem Kleeberge sieht man 4 Gruben, liegen begraben 318, auf dem Reschenberge aber sind zu sehen 6, worinnen sich 600 und bey 40 Tode Cörper befinden, welche erstere von mir rite eingesegnet worden, folgen nun diejenige, welche im Gottes Ackher zu Peutelspach ihr Ruheböttlein gesuecht und Solches auch gefunden haben Wie
- Volgt Aichinger von Schwertling, Pfarr Birnbach alt 40 Jahr
- Wolfgang Wagner von Klessing 60 Jahr
- Thomas Mayer von Oberhörbach 24 Jahr
- Balthasar, Doblersohn v. Langenbruck 23 Jahr
- Vitus, Zeilmayrknecht v. Unterbeutelsbach 38 Jahr
- Acherlsohn von Tilbach 19 Jahr
- Peter Hans von Obertanbach 40 Jahr
- Schmalzöder von Schmalzöd 50 Jahr
- Grabmer von Unterhörbach 40 Jahr
- Reindlsohn von Unterhörbach 23 Jahr
- Sebastian, Weißhubersohn v. Unterskirchen 29 Jahr
- Martin, Sommersohn v. Unterthalham 23 Jahr
- Sebastian. Sommersohn v. Unterthalham 21 Jahr
- Johann, Rauschersohn v. Tilbach 20 Jahr
- Georg, Blümelsohn v. Tilbach 25 Jahr
- Peter Neichmair v. Unterhörbach 40 Jahr
- Wimmer Weber v. Unterskirchen 30 Jahr
- Steinhaufer Schneider v. Griesbach 48 Jahr
- Johann Schwengseisen Schlosser v. Schärding 43 Jahr
- Dionys Brandl, Taglöhner v. Aschbach 40 Jahr
- Paul, Schusterbub v. Tanbach 20 Jahr
- Vitus N. Subersohn v. Irsham alt 22 Jahr
- Federlsohn v. Wiedenberg 23 Jahr
- Hans Dominik Hutmacher v. Griesbach 46 Jahr
- Christoph Parstinger Schuster v. Griesbach 45 Jahr
- Georg Wachter Jäger v. Griesbach 40 Jahr
- Simon Wastlhuber v. Unterhörbach 36 Jahr
- Mathias, Webersohn v. Scheueröd 50 Jahr
- Thoman Größlinger v. Höhenstadt 21 Jahr
- Georg Pracker Stadlbergersohn v. Hartkirchen 40 Jahr
- Johann, Fischersohn v. Rothhof 22 Jahr
- Thoman Schmid aus der Pfarr Griesbach 19 Jahr
- Sebastian, Huberbub von Tettenham 22 Jahr
- Mathias Schönmoser von Kößlarn 24 Jahr
- Bartholomä Parhofer aus der Pfarr Harding 22 Jahr
- Mathias Parhofer aus der Pfarr Harding 23 Jahr
- Valentin Parhofer aus der Pfarr Harding 26 Jahr
- Joseph Parhofer aus der Pfarr Harding 25 Jahr
- Georg Huber von Hütting 30 Jahr
- Andra Biebinger von Höhenstadt 24 Jahr
- Max Biebinger von Höhenstadt 22 Jahr
- Thoman, Lehnersohn von Höhenstadt 24 Jahr
- Georg von Hohenau Pfarr Irsham 26 Jahr
- Adam ein Bernauersohn von Holzkirchen 25 Jahr
- Wolfgang Haasmair von Haasen 34 Jahr
- Georg Maier aus der Pfarrei Griesbach 30 Jahr
- Georg Schußmann Baderssohn von Kößlarn 30 Jahr
- Joseph Pfleger Taglöhner von Aschbach 36 Jahr
- Peter Schnitzer, von Fünfaicha Pfarr Engertsham 30 Jahr
- Michl Hochhuber, von Fünfaicha Pfarr Engertsham 40 Jahr
- Rupert, Bauer von Irsham 44 Jahr
- Andrä, Müllersohn von Guerling 22 Jahr
- Hans Schmidbauer, Huber von Pocking 36 Jahr
- Johann Obermayr von Hartkirchen 35 Jahr
- Gregor, ein Brandlsohn von Aschbach 23 Jahr
- Paul Taglhauser, Taglöhner von Aschbach 40 Jahr
- Wolfgang Weidinger v. Prenzing in der Pfarr Hartkirchen 30 Jahr
- Philipp, ein Bärtlsohn von Blasen (S. Blasi.) 20 Jahr
- Georg Reizinger von Tettenweis 30 Jahr
- Jakob Hörl, Soldat aus Schwaben 40 Jahr
- Johann Adam, Wagner zu Griesbach 40 Jahr
- Stephan Prammhofer aus der Pfarr Pocking 30 Jahr
- Michael, ein Schustersohn v. Fälln Pfarr Höhenstadt 23 Jahr
- Hans Mändl von Malgertsham Pfarr Kößlarn alt 28 Jahr
- Vitus Leidinger, Forstknecht von Griesbach 30 Jahr
- Adam Maren=Veitlsohn von Vormbach 24 Jahr
- Simon Auer zu Engertsham 50 Jahr
- Mathias Auer zu Engertsham 28 Jahr
- Johann, Bauernsohn v. Aicha Pfarrei Beutelsbach 25 Jahr
- Georg Kay v. Penkofen Pfarrei Plattling 30 Jahr
- Stephan Wagner v. Genzing Pfarrei Würding 33 Jahr
- Bartholomä, Badersohn v. Kircham 24 Jahr
- Johann Krautwurm v. Prenzing Pfarrei Hartkirchen 30 Jahr
- Georg Gstöttl von Essenbach 40 Jahr
- Vitus Pimseder aus der Pfarrei Würding 43 Jahr
- Georg Hörmaier aus der Pfarrei Würding 30 Jahr
- Georg Schmidbauernsohn v. Tettenweis 24 Jahr
- Jakob Schiedl v. Reitersham Pfarrei Ruhstorf 30 Jahr
- Melchior Pimsedersohn aus Pfarrei Würding 24 Jahr
- Johann Hofmeister von Ering 20 Jahr
- Mathias Reith, Vierwirth von Schärding 38 Jahr
- Michl Thurmbauer, Taglöhner v. Fürstenzell 45 Jahr
- Wolnbergersohn von Höhenstadt 25 Jahr
- Stephan, Würfldoblersohn von Irsham 23 Jahr
- Joseph Gartner von Pfaffing Pfarrei Pocking 45 Jahr
- Jakob Vilzweger von Höhenstadt 25 Jahr
- Stephan Großer von Dorfreith Pfarrei Sulzbach 30 Jahr
- Johann Zeilmayer von Unterbeutelsbach, welcher stark plessirt worden und an solcher Plessur das Zeitliche den 2. Februar mit dem Ewigen vertauschet omnibus sacramentis munitus in pietato speculum totius Parochiae (d. h. er starb als ein Spiegel der Frömmigkeit für die ganze Pfarrei) in einem Alter von 72 Jahr.
Wobey auch 13 unbekannte Cörper begraben wurden. Summa 101.
Egglham [Tödling]
In dem Pfarrbuche von Eggelham heißt es: Das Jahr 1706 war unheilvoll für Bayern, indem das bayerische Landvolk aufstand und eine allgemeine Umwälzung herbeiführen wollte, aber nach Gottes gerechtem Rathschluße fielen ihrer wenigstens dreitausend Mann bei Tötling, wo auch auf dem Felde mehr als 1600 begraben liegen, die folgenden aber in den Gottesäckern der Pfarrei Tötling begraben sind:
- Wolfgang ein Saugrubersohn
- Georg, gewester Peterl von Hausschwendt
- Sebastian, ein verheiratheter Schacherbauernsohn
- Simon, ein lediger Hagenödersohn von Rieglsberg
- Fridrich Weber von Rieglsberg
- Georg, ein Reschensohn von Dobel
- Vitus, ein Bauernsohn von Hoibach
- Georg, sein Bruder
- Joseph, ein Schustersohn von Hoibach
- Georg, sein Bruder
- Georg Münich, Schneider von Eggelham
- item Joseph, sein Bruder
- Martin Grabmair von Obereggelham
- Georg Hansdobler alldort
- Jakob, ein Sargensohn von Frauntötling
- Johann Klessinger, Schmidsohn von dort
- Hans Haydner im Wald
- Mathias Mergl aldort
- Vitus Taberer von Taber
- Mathias Sigl zu Reut
- Augustin, Siglsohn von dort
- Andreas Schneiderl von Haybach
- Georg, Aderbauernsohn von Haybach
- Andrä, ein alter Aderbauernsohn von dort
- Georg, ein Steinersohn von Wald
- Wolfgang, ein verheiratheter Maistersohn von Martinstötling
- Aegidius, ein Glathausersohn von dort
- Joseph, ein Wirthssohn von Amsham
- item Andreas, sein Bruder
- Georg, ein alter Hofmaistersohn von Altaschbach
- Hans Christlmaier von Abtshofen
- Stephan Pirkeneder
- Jakob Söldner von Hoisberg
- Georg, ein Herrndoblersohn
- Bernhard Wimpatsser, Taglöhner
- Urban Schachermann von Schachen
- Mathias Perger von Pfarrkirchen
- Ulrich Wimmer von Riegelsberg
- Lorenz Leitner von Altersham
- Lorenz alter Hageneder
- Mathias Enzinger, Weberssohn von Triftern
- Mathias Mergendorfer, Zimmermann von Eggelham
- Philipp Voglöder von der Kuglenz."
Amsham
„In Amsham sind 22 begraben worden, deren Namen noch unbekannt sind, die Bekannten aber sind gewesen.
- Sebastian Hochhauser
- Mathias Winkler
- Adam Kalhamer
- Bartholomäus Lukas
- Adam Weber von Stelzberg
- Andreas Scheimer
- Andreas Knecht zu Afham
- Georg Leopold Schmied zu Amsham
- Adam Frauendorfer
- Georg Roiß
- Vitus Hahn, Pfleger zu Küeberg.
In dem Taufbuche der Pfarrei Tötling (Eggelham) vom Jahre 1674 bis 1748 findet sich auf dem ersten Blatte in lateinischer Sprache nachstehende Bemerkung:
„Es ist zu bemerken, daß, als die aufständischen Landleute am 8. Januar 1706 von den Kaiserlichen in der Nähe von Tötling besiegt wurden wo allein außerhalb des Kirchhofes über 1500 auf dem Felde begraben wurden, im Ganzen aber über dreitausend gefallen sind, auch das genannte Dorf (Tötling) von den Husaren angezündet worden ist. Das erste Haus, welches angezündet wurde, war unser Pfarrhof, zum größten Schaden für unser Kloster (Aldersbach) da die ganze Hauseinrichtung von den feindlichen Flammen verzehrt und auch die Bücher, nämlich das Tauf-, das Trauungs- und das Todtenbuch durch das nämliche Feuer vernichtet worden sind.
Rainding
In dem Todtenbuche der Pfarrei Rainting steht Folgendes: „Anno 1706 am 8. Januar sind bei Aidenbach an dem Kleeberge und in der Umgegend von den Kaiserlichen wegen Angriffen gegen sie und die (kaiserl.) Befehlshaber und Amtmänner in Bayern Folgende getödtet worden und in Rainting begraben:
- Thomas Schmidbauer Kramer in Rainting
- Johann Eckertseder
- Paul Orthuber von Entham
- Paul Nömer von Dießbach
- Georg Ringstradl von Dießbach
- Leonhard Kloibl, ledig von Grainholz
- Simon Huber von Steinbach
- Georg Lehner ledig von Hübing
- Mathias Kroiß von Stainbach
- Veit Webeck ledig
- Andreas Webeck ledig
- Georg Huber von Berghof
- Gallus Döder von Dießbach
- Simon Prodlippl von Dießbach
- Jakob Reßl von Stainbach
- Johann Jäger von Wällham Pfarrei Engertsham
- Mathias Rausch von Dießbach
- Simon Aichinger von Stainbach
- Johann Grainöder ledig
- Michl Schuhbauer von Dießbach
- Franz Faßhuber von Grainholz
- Hans Zellerbauer ledig
- Philipp Mämel zu Willing
- Tobias Pflüger von Berghof
- Wolfgang Roßmann ledig von Hochhaus
- Johann Langdobler ledig
- Bartholomäus Mühlschuster von Dorfbach
- Fridrich Bauer von Willing
- Andrä Hauelschuster von Dorfbach
- Thomas Kellner ledig von Dorfbach
- Mathias Razenbeck ledig
- Valentin Weißhamer Bader von Dorfbach
- Lorenz Krammer Schuhmacher von Dorfbach
- Mathias Niedermaier ledig von Weihmörting zu Dießbach in Dienst.
Aunkirchen
Das Pfarrbuch von Aunkirchen gibt Folgende an:
- Peterbauer allhie von Ließing
- Hindinger von Algerting
- Hirter von Walxing Schuster
- Veit Bader von Dorfbach
- Wollnberger aus der Irshamer Pfarr
- Der große Veitel
- Hakhel.
(Da hierauf im Pfarrbuche ein großer leerer Raum folgt, so wird die Zahl der in Aunkirchen Begrabenen eine größere gewesen sein.)
Asbach
Das Pfarrbuch von Asbach enthält in lateinischer Sprache nachstehende Angabe. „Im Jahre 1706 am 8. Januar wurde bei Tötling eine bewaffnete Schaar aufständischer Bauern von den kaiserlichen Soldaten und Husaren erbärmlich niedergemacht und besiegt. Unter dieser Schaar von Bauern und Burschen waren auch wider Willen genöthiget unsere nachfolgenden Insassen, welche grausam getödtet und am 16. 17. und 18. Januar unter endlosem Weinen und Wehklagen der hinterlassenen Wittwen begraben wurden.
- Der ehrbare Lukas Regensperger unter dem Berg
- Der ehrbare Andreas Liemper Zimmermeister allhie
- Der ehrbare Johann Weichhauser Schneider im Gartenhause allhie.
- Dessen Vater Michl Weichhauser Bauer von Radfälling
- Der ehrbare Simon Prunner Sporersohn von hier und Bauer zu Pathenham
- Der ehrbare Thomas Wagner Bauer zu Schöffau
- Der ehrbare Virgilius Obermaier Staindl von Altenaschbach
- Der ehrbare Georg Stapfer, Weiß auf dem Stapfergut zu Altenaschbach
- Der ehrbare Christoph Mayer, Schäumer zu Altenaschbach
- Der ehrbare Michael Mayrhofer auf der Lamplsölden allhier
Die Uebrigen welche theils durchs Feuer theils durchs Schwert umgekommen sind, sind theils dortselbst begraben, theils haben sie anderwärts ihre ewige Ruhestätte gefunden. Der ehrbare Dionys Brandl unser Insasse vorm Holz ist in Beutelsbach begraben und ebendort ruht auch sein Sohn. Von unsern Insassen fehlen bisher noch 21 von denen man nicht weiß, ob sie im Feuer zu Grunde gegangen oder durch das Schwert umgekommen, oder gefangen fortgeschleppt worden sind, weil sie nicht mehr vorfindig wurden. Bei dieser beklagenswerthen Niederlage sind mehr als viertausend Menschen grausam niedergemetzelt worden. Möge Gott ihnen allen gnädig sein und ihnen die ewige Ruhe verleihen."
Uttlau
Das Todtenbuch von Uttlau hat nachstende von P. Joseph Angerer, Profeß des Klosters St. Salvator und Pfarrer zu Uttlau geschriebene Angabe:
„Im Jahre 1706 am 8. Januar, der ein Freitag war, sind in dem Aufstande bei Aidenbach von den kaiserlichen Soldaten getödtet worden:
- Aus der Pfarr Uttlau. 22 Verheirathete und 19 Ledige im Ganzen 41.
- Aus Wolfakirchen 10 Verheirathete, 4 Ledige im Ganzen 14.
- Aus der Pfarr Harbach 29 Verheirathete, 10 Ledige im Ganzen 39.
Summe der Verheiratheten 61. Summe der Ledigen 33. Gesammtzahl d. Umgekommenen 94.
Von diesen finden sich zufällig Einige in dem gleichzeitigen „Briefbuche" der Herrschaft Haidenburg mit Namen aufgeführt, nämlich:
- Stephan Leberfinger Söldner von Kroissen „in der entsetzlichen Niederlage bei Aidenbach grausam getödtet, hinterläßt ein schwangeres Weib und mehrere Kinder"
- Blasi Schrattenberger Stefflbauernsohn von Harbach
- Mathias Weidenholzer Schneider am Ort zu Harbach
- Lorenz Schöfdorfer Müller zu Harbach
- Hans Bergmaier Diemel zu Harbach
- Ludwig Degernbäck, verheirathet, von Hizling in der Pfarrei Harbach
- Christoph Deutinger von der Schneidersölden zu Hizling
- Thomas Lex, Fraunhäupl zu Harbach
- Joseph Puchner Wirth zu Harbach
- Franz Plinthamer Braitwirth zu Harbach
- Veit Albanbauer Brehauser zu Hizling
In dem nämlichen Buche werden auch noch genannt: Johann Pözl Bauer zu Aisterham und Mathias Wagner Stimpfl zu Gergweis und bei allen diesen steht bemerkt, daß sie „in der entsetzlichen Niederlage bei Aidenbach erbärmlich getödtet worden seien."
Höhenstadt
Eine weitere Angabe findet sich in dem Pfarrbuche von Höhenstadt. Sie lautet: „Verzeichniß jener Todten, welche wegen unternommenen Aufstandes von den Kaiserlichen bei Aidenbach getödtet und in Höhenstadt begraben worden sind 8. Januar 1706:
- Johann Ehrenwöger zu Ehrenwög (jetzt Edenweg) verheirathet, seines Alters 36 Jahr
- Laurenz ein Prumersohn von Munzing, ledig 20 Jahr
- Markus ein Magauersohn von Kemerting, ledig 19 Jahr
- Joseph ein Magauersohn von Kemerting, ledig 22 Jahr
- Georg ein Mayrsohn v. Loipergamb [Loipertsham] (Loipertsham) 27 Jahr
- Jakob ein Reschensohn von Sicking 17 Jahr
- Johann ein Pauernsohn von Steindorf 28 Jahr
- Joseph ein Fenzlsohn aus der Grafschaft (wahrscheinlich aus der Pfarrei Engertsham) 21 Jahr
- Simon ein Knecht beim Reschen zu Munzing 30 Jahr
- Georg aus Sulzbäcker Pfarr
- Christoph Döbler bei Essenbach, verheirathet 54 Jahr
- Vitus ein Paudmersohn von Ausamb (Ausham) 24 Jahr
- Georg ein Schreuhubersohn (jetzt Schneidhuber) von Loipergamb [Loipertsham] 24 Jahr
- Georg ein Auersohn von Ausamb 18 Jahr
- Jakob ein Schwabensohn von Steindorf 34 Jahr
- Paul ein Lechnersohn von Niederpauen 25 Jahr
- Bartholomäus ein Lechnersohn von Niederpauen 23 Jahr
- Mathias ein Friedlsohn aus Neukirchner Pfarr 23 Jahr
- Mathias ein Hubersohn von Steindorf 26 Jahr
- Mathias ein Holzedersohn 23 Jahr
- Georg ein Oberfällersohn 22 Jahr
- Johann ein Gräzensohn in Kieloch (Pfarrei Fürstenzell) 25 Jahr
- Martin ein Moßpauernsohn 18 Jahr
- Paul ein Krammersohn von Höbenstadt 20 Jahr
- Martin ein Schöchtlsohn von Pfalsau 30 Jahr
- Mathias eines Inweibs Sohn 24 Jahr
- Georg eines alten Lechners Sohn 24 Jahr
- Simon ein alter Söldnersohn 44 Jahr
- Adam ein Klokhnersohn von Pfalsau 36 Jahr
- Vitus Pichler zu Loipergamb [Loipertsham], verheirathet 40 Jahr.
„Es waren aber nur allein aus dieser Pfarrei 80 und mehr, welche ausgeblieben und umgekommen sind; die Uebrigen aus dieser Zahl sind entweder in Peutelspach oder in eigens gemachten Gruben zugleich mit mehreren hundert Andern begraben worden." „F. Albericus Schmelz p. t. Vicarius in Hechenstatt.“
Aldersbach
Auch das Todtenbuch der Pfarrei Aldersbach führt die Namen einiger Gefallenen an, jedoch nur solche, welche schon etliche Tage vor der Schlacht bei Aidenbach von den Husaren bei Ließing getödtet worden sind. Ihre Namen sind:
- Paulus Perger, ein Verheiratheter aus Weng (in der Pfarrei Aldersbach) am 30. Dezember 1705 von den Husaren getödtet und in Weng begraben
- Mathias Stimpfl, genannt der Fuchs von Weng, wurde mit 20 Wunden bedeckt bei Ließing gefunden und in Weng begraben
- Johann N. Hirt zu Gumperting, gebürtig aus Schwaben, von den Husaren bei Ließing niedergehauen
- Andreas Laibauer aus der Pfarrei Triftern, starb an den Wunden
- Simon Nagl von Weng auch von den Husaren bei Vilshofen verwundet, an den Wunden gestorben und in Weng begraben
- Stephan Pageder, genannt der Resch in St. Peter begraben.“
Aidenbach
Was aber die in der Pfarrei Aidenbach begrabenen Vaterlandsvertheidiger anbelangt, so kann die Zahl derselben nicht angegeben werden, weil leider das ältere Todtenbuch der hiesigen Pfarrei verloren gegangen ist. Aus der mündlichen Ueberlieferung, die sich im Volke stets lebendig erhalten hat, wissen wir jedoch, daß auf dem Handlberge eine große Anzahl unbekannter Körper, in dem Gottesacker an der Pfarrkirche zu Aidenbach aber die Leichen der gefallenen Bekannten und Pfarrangehörigen begraben worden seien. Daß die Zahl dieser Letztern keine kleine gewesen, ergab sich in der neuesten Zeit ganz deutlich, indem bei nothwendig gewordener Abgrabung des seit 1807 aufgehobenen alten Gottesackers gerade an der von der Sage bezeichneten Stelle hinter der Kirche mehrere Gräber sich fanden, in denen 4 bis 6 Gerippe beisammen lagen.
Spätere Ergänzung Pamlers: In dem erst jüngst im Archive zu Haidenburg aufgefundenen älteren Todtenbuche von Aidenbach steht:
> Anno 1706 Die 8. Ianuarii factum est proelium hic Aidenpachii inter rusticos defendentes suam patriam Bavariam, et militem Caesaraeum, ceciderunt ex parte rusticorum quatuor millia, ex caesareis autem tantum octo. Ex > quibus in Coemeterio parochiali hic sepulti sunt sequentes:
- Mathias Naglsohn von Mistlbach
- Mathias Thanner, filius fabri ferrarii huius loci
- Gansmayr von Rotthoff
- Melchior Reindl, Schmelzensohn von Gunzing
- Josephus Schönhofer, Schwabensohn von Gunzing
- Webersohn von Gunzing Jacobus Plindthammer
- Philippus Ungerperger, filius operarii huius loci
- Karl Goppinger, Pachmann von Carling
- Bartholomaeus Hueber, Baur in Reding
- Thomas, Khnecht bey dem Baur am Orth zu Reding
- Thomas Ältl, Baur zu Reding
- Martin Göschl zu Reding
- Paulus Prosper zu Reding, alle auß Hartkhürcher Pfahr bey Scherdting
- Schursteffelsohn von Reding
- Michael Halbpauer zu Reding
- Jakob Süetlsohn von Reding
- Michael Perghammer, Würth zu Reding
- Vitus Prommer, Schneider von Reding
- Adamus, Baursohn am Garten bei Reding, alle auß Hartkhürcher Pfahr bey Scherdting
- Stephan Kren von Äffhämb
- Michl Stüch von Äffhämb, beide auß Müthücher Pfahr bey Scherding
- Martin Mayr von Gängheimb auß Hechenstetter Pfahr
- Tagwerckher des Buchenöeders
- Moosmüller oder Moosbaursohn v. Pfahrkhürchen #Johannes Stögerer
- Georg, Zimmermaistersohn von Pockhing
- Michael, Baur zu Augspach
- Vitus hol. Würthskhnecht von Pockhing, [alle] auß Pockhinger Pfahr
- Wolff Schnelhammer, Schuester zu Innzing
- Caspar Gaißblaßlsohn zu Inzing, beede auß Hartkhürchner Pfahr
- Andreas Stadler hol. aus Würdinger Pfahr
- Georgius Khayser zu Prenzing auß Harrkhürcher Pfahr
- Thomas Seiberth, Millnersohn aus der Pfahr von Malgestorff
- Simon Stöckhl, Pfafferbauer auf der Haith
- Lorenz Prindtl auf der Leithen aus Münsterer Pfahr
- Thomas Reschaursohn von Hechenstatt
- Sebastianus Steger von Schwertling auß Pirnbeckher Pfahr
- Hanns Hainrich Künstl, Wachtmaister
- Philippus Hueber
- Stephanus Hueber zwei Brüeder
- Jacobus Pergbaur von Oberwesterbach auß Köstlär Pfahr
- Johannes Moser von Gunzing
Zweifelsohne liegen auch noch in andern Friedhöfen, wie zu Uttikhofen, Galgweis, Schönhering, Walchsing, Igelbach etc. etc. manche Opfer jenes blutigen Tages begraben, aber theils sind die bezüglichen Pfarrbücher nicht mehr vorhanden theils auch mit näheren Angaben nicht versehen. Gewiß ist, daß an jenem blutigen Tage weit mehr als die Hälfte jener 7000 Mann zu Grunde gegangen und da bei dem erbitterten Kampfe gewiß auch keine kleine Zahl der Feinde gefallen ist, so übertreibt die Sage sicherlich nicht, die uns erzählt, es seien die Felder eine Stunde weit mit Leichen bedeckt gewesen. Am dichtesten lagen aber die Leichen auf dem Handelberge, dem Kleeberge und dem Reschenfelde, welch letzteres seit dem das Mordfeld genannt wird.
Mit der schrecklichen Niederlage war aber das Unglück für die Bewohner dieser Gegend noch nicht zu Ende. Wohl mochte der Blutdurst der feindlichen Soldaten gesättiget seyn, aber nicht die Gier nach Raub und Beute. Mit ungezügelter Raubsucht und Rohheit fielen daher die feindlichen Reiter sogleich nach der Schlacht und des andern Tages über die Häuser her und plünderten den Markt Aidenbach und die ganze Umgegend bis gegen Gergweis hinauf und hinab bis nach Harbach und noch weiter, nach Herzenslust aus. Was an Vieh und Fahrniß, an Wäsche, Kleidung und andern Habseligkeiten aufzutreiben war, das nahmen sie und traktirten dafür die Beraubten mit Mißhandlungen mancherlei Art. Einige Zeit darnach wurde, um für diese Gegend eine mildere Behandlung von Seite der österreichischen Gewalthaber zu erwirken, von Haidenburg aus eine gerichtliche Erhebung des allein in der Herrschaft Haidenburg damals von den Oesterreichern angerichteten Schadens gepflogen und zwar auf eidliche Aussagen gegründet. Aus diesem noch vorhandenen Verhörsprotokoll, das leider schon ziemlich schadhaft ist und von dem auch die letzten Blätter fehlen, ersieht man, daß kaum ein Haus ungeplündert durchkam. Da fast bei jedem Hause das Nämliche vorkommt, so wollen wir beispielweise nur etliche Angaben hiehersetzen.
„Paulus Pauer Reindl von Senging (in der Pfarrei Aidenbach) sagt aus, wie die Pauern Niederlag negst Aitenbach gewesen ist, ist ihm von den General Kriechbaumischen Völkhern abgenommen worden 2 Roß, das eine dreijährig 40 fl. werth, das andere 20 fl. dann in par Geld 14 fl. dann 20 Lauder Habern, 13 Hennen, alles Bettund Leingewand, und wie die Bärtlischen Reither über Nacht da gelegen habe er dem Herrn Fendrich, so auf dem Hubergütl in Mistlbach in Quatier gelegen, anstatt 3 Reither 3fl. 30 kr. bezahlen müssen.
Simon Huber Ledl zu Köching, in der negst bei Aitenbach vorbeigangenen Pauern Niederlag ist ihm von dem General Kriechbaumischen Völkhern all dessen Haus ruinirt, dann 20 Metzen Habern 4 Stückhel harbene Leinwand, a 10 fl. 2 gröbere Stückhl a 8 fl. dann das Gewand von ihm, seinem Weibe und Kindern und auch — Kühe genommen worden.
Peter Nagl Resch zu Dobel, den haben sie gänzlich abgeprannt, ist ihm Alles zu Grunde gegangen und hat 10 Kinder.
Sebastian Oberndobler ist auch wie sein Nachbar geschehen und ihm ebenfalls von den General Kriechbaumischen Völkhern wegen des in seine Behausung und Stadel hineingeloffenen Pauernvolkhes ganz unschuldiger Weis Haus und Stadl und Alles verbrannt worden.
Joseph Ganser von der Stocköd (Pfarrei Aidenbach) diesen haben die General Kriechbaumischen Völkhern an negst Aitenbach vorgangenen Pauern Niederlag 6 Kühe a 12 fl. 4 Kalben a 8 fl. ein kleines Kalbl zu 4 fl. 30 Schaafe a 1 fl. 30 kr. 4 Gäns abgenommen, haben den Kessel aus den Ofen gerissen und genommen 5 fl. 2c. 2c.
Durch die schreckliche Niederlage bei Aidenbach war zwar die Kraft des Aufstandes gebrobrochen, aber dieser selbst noch keineswegs unterdrückt, denn noch standen gegen zwanzigtausend Mann todesmuthiger Landesvertheidiger in verschiedenen Gegenden Bayerns unter den Waffen. Allein gerade der oberste Ausschuß der Landesvertheidigung zählte einige Männer, welche durch Zaghaftigkeit und Zweideutigkeit nicht nur größtentheils an dem bereits geschehenen Unglücke Schuld trugen, sondern auch einen guten Erfolg längeren Widerstandes unmöglich machten. Bald verloren die Landesvertheidiger ihre festen Plätze Schärding, Braunau, Burghausen, Cham. Mit treuloser Grausamkeit ließ D'Argnan die Besatzung von Cham welcher er doch freien Abzug versprochen hatte, bei ihrem Auszuge größtentheils niederschießen. Braunau fiel durch D'Ocforts schurkischen Verrath. Während er nämlich die in der Stadt befindliche dreitausend Mann starke Besatzung der Bauern auf der einen Seite gegen die Oesterreicher ausgesendet hatte, ließ er auf der andern Seite die Oesterreicher in die Stadt, ließ dann vor den getäuschten zurückkehrenden Landesvertheidigern die Thore verschließen und richtete hohnlachend selbst die Geschütze auf den Wällen gegen die betrogenen Treuen.
Noch stand eine Schaar von etlichen tausend Mann in einem verschanzten Lager bei Wasserburg, an ihrer Spitze der kühne, treue Meindl. Da er aber ringsum Alles verrathen, Alles gewichen und verloren sah, so entließ auch er nach einem schmerzlichen Abschiede die Seinigen, zerbrach sein Schwert und floh in die Schweiz. Wie er, so that auch Plinganser, der Heldenjüngling, und floh trauernd aus dem armen, geknechteten Vaterlande.
Bis zum Jahre 1714 war Bayern in österreichischer Gewalt, und während dieser ganzen Zeit lag in Aidenbach und der Umgegend österreichisches Militär zur größten Last für das hart bedrängte Volk. Wehe Dem, der sich unterstand, eine Theilnahme für die gefallenen Brüder, oder eine Anhänglichkeit ans bayerische Fürstenhaus kund zu geben. Niemand durfte von den Landesvertheidigern anders als von Rebellen sprechen daher selbst in allen öffentlichen Schriften z. B. den Gemeinderechnungen in Aidenbach nur der Name „Rebellen", vorkommt. Ergab sich aber die Gelegenheit dem verhaltenen Ingrimm nur etwas Luft lassen zu können, so brach er wieder hervor, daher es auch nicht selten geschah, daß mancher feindliche Husar mit zerbrochnem Säbel und blutigem Kopfe heimkam, wenn er an abgelegene Orte zu gehen gewagt hatte.
Der Friede zu Baden in der Schweiz am 7. Sept. 1714 machte endlich das angstvoll harrende bayerische Volk wieder frisch aufathmen und im April 1715 zog Churfürst Maximilian Emanuel unter unbeschreiblichem Jubel seines Volkes wieder in München ein. Mehr als hundertfünfzig Jahre sind schon seit jenem unglückseligen achten Januar verflossen, aber noch steht das Andenken an ihn unverwischt und lebendig im Gedächtnisse des Volkes. Wird ja seit jenem Tage täglich in Aidenbach bei jeder heiligen Messe nach der Wandlung ein Zeichen mit der kleinen Glocke gegeben, um zum Gebete aufzufordern für Alle, die an jenem blutigen Tage ihr Leben eingebüßt. Im Jahre 1832 sendete die k. Regierung eine Gedächtnißtafel hieher, welche aus Gußeisen, vier Fuß lang und drei Fuß hoch ist und worauf in erhabenen vergoldeten Buchstaben die Aufschrift steht:
„Dem Andenken der Landesvertheidiger aus den Thälern der Donau Vils und Rott, welche den Heldentod für das Vaterland starben Auf den Feldern bei Aidenbach am 8. Januar 1706. Die dankbare Regierung.“
Diese Gedenktafel ist an die Außenseite der Pfarrkirche in Aidenbach befestiget. Auf dem Schlachtfelde selbst steht jedoch nichts als ein einfaches hölzernes Kreuz ohne Inschrift oder Gedenktafel, so daß der Fremde nicht wissen kann, was es bedeute. Im Jahre 1856 hat sich daher in der Umgegend von Aidenbach ein Verein wackerer Männer unter dem Namen „Patriotischer Verein“ gebildet, dessen vornehmster Zweck darin besteht, zur Belebung patriotischer Gesinnung den Jahrestag der Schlacht bei Aidenbach alljährig festlich zu begehen und durch jährliche Beiträge der Vereinsmitglieder die Mittel zu beschaffen die Stätte auf welcher unsere Ahnen ihr Leben für das Vaterland geopfert haben, durch Errichtung eines großen eisernen Kreuzes etc. in würdiger Weise zu kennzeichnen. Ein solches Monument und zu solchem Zwecke ist gewiß aller Achtung werth, und das Streben des patriotischen Vereines braucht sicherlich nur in weiteren Kreisen bekannt zu werden so wird er auch in weiteren Kreisen, und namentlich im Rotthale, Theilnahme finden, dessen Söhne so zahlreich sich an jenem Kampfe für Fürst und Vaterland betheiligt haben. Tragen diese Zeilen dazu bei, die Zwecke des patriotischen Vereines in Aidenbach zu fördern, dann ist der Wunsch des Verfassers erfüllt.