Portenkapelle

Die jetzige Portenkapelle wurde unter Abt Theobald II. Reitwinkler (reg. 1745-1779) im Jahr 1767 erbaut (Baumeister: vermutlich Johann Michael Schneitmann aus Passau). Damals veranlasste der Abt den Abriss des alten Torhauses und den Neubau eines Seminars in Verbindung mit einer Studienkirche. Mit der Säkularisation verfiel auch die Portenkapelle der Profanierung. Sie musste lange als Lagerraum und Abstellplatz dienen. Erst seit 1935 ist sie durch die Bemühungen des damaligen Pfarrers von Aldersbach, Josef Wieslhuber, wieder gottesdienstlichem Gebrauch zugeführt. Bei der Sanierung bzw. Umbau des Seminargebäudes zum Aldersbacher Rathaus wurde auch die Portenkapelle instandgesetzt.

Bei den Klöstern des Zisterzienserordens bestand regelmäßig am Eingang eine capella ante portam, juxta portam, ad portam, wie die Bezeichnungen dafür in alten Urkunden und Chroniken lauten. Die deutsche Sprache nennt sie Pforten- oder Portenkapelle. Die Portenkapelle verdankt nun ihre Entstehung einem wirklichen Bedürfnis, das infolge eines strengen Verbotes des Ordens aufkam. Von Anfang an und Jahrhunderte hindurch hielten die Zisterzienser ihre Kirchen den Laien verschlossen und ließen sie nicht an ihren Gottesdiensten teilnehmen. An der Klosterpforte klopften indessen viele Arme an, Wanderer kehrten zu und auch illustre Gäste fanden sich häufig ein. Sie alle durften das Gotteshaus aber nicht betreten. Deshalb musste ihnen Ersatz geboten werden mit einer Kapelle, in der sie ihre Andacht verrichten konnten. Außerdem war der Orden sehr darauf bedacht, weibliche Personen von seinen Niederlassungen und namentlich von der Klosterpforte fernzuhalten. Auch sie mussten sich mit der Kapelle bei der Pforte begnügen.

Der Gebäudekomplex besteht aus drei miteinander verbundenen Teilen. Dessen mittlerer, das Torhaus, springt über die beiden seitlichen risalitförmig mit drei Achsen vor, von denen die mittlere eine größere Breite aufweist. Über der Mittelachse der dreigeschossigen Anlage baut sich ein offener Dreieckszwerchgiebel auf. Das Erdgeschoß gliedern Pilaster mit Rustika. Die Türöffnung ist rundbogig und besitzt Profilumrahmung, neben ihr findet sich östlich ein Fußgängerpförtchen. Die Obergeschosse durchlaufen Pilaster mit Rokokokapitellen. Die Fenster haben geschweifte Verdachungen. Das Giebelfeld schmückt ein Fresko mit der Darstellung der den Erdkreis beschirmenden Religion und Engelgruppen. Sein Maler ist offensichtlich Matthäus Günther. Auf der Innenseite des Torbaus, die in ihrer Gliederung der Außenfassade entspricht, befindet sich das dortige Giebelfresko in schlechtem Erhaltungszustand.

In der gewölbten, zweischiffigen Durchfahrt des Torhauses liegt an der Westseite der Eingang zur Portenkapelle. Die westlich orientierte Kirche ist halbrund ohne Einziehung geschlossen. Sie weist zwei Fensterachsen und eine ausspringende Emporenachse auf. Über den Bau zieht sich eine Spiegeldecke. Die über dem Eingang liegende Empore ist mit einer dreijochigen Unterwölbung versehen, die sich mit Rundbogen öffnet. Die Außengliederung geschieht durch Lisenen. Dazwischen stehen sieben rundbogig geschlossene Fenster mit geschweiften Putzrahmungen, über denen geigenförmige Blenden angeordnet sind. Innen gliedern Pilaster mit Kapitellen von Muschelwerk die Wände. Sie werden von einem geschweiften Gesims geschlossen. Auch die Fenster umrahmt Muschelwerk, Kartuschen bekrönen sie. Auf dem Gesims stehen in den Pilasterachsen Vasen im Wechsel mit Kartuschen. Die elegante Stuckarbeit wird Johann Baptist Modler aus Kößlarn zugeschrieben, der Jahre zuvor in der Prälatur und den Gästespeisesälen Hervorragendes geschaffen hatte.

Die Spiegeldecke nimmt ein großflächiges Fresko ein, bezeichnet mit „M. Gündter pinxit 1767". Meister Matthäus Günther hatte bereits einige Jahre vorher, 1760, den Bibliothekssaal ausgeschmückt. Das Gemälde leitet ein vom Kranzgesims in Architekturformen gestalteter Sockel ein, über dem die Bilddarstellungen konzentrisch gruppiert sind. Im Mittelpunkt der Komposition erscheinen zwei Engel über dem westlichen Motiv der Beweinung Christi; die schmerzhafte Muttergottes sitzt hier mit dem toten Sohn im Schoß. Dieser Gruppe gegenüber befindet sich an der Ostseite die Weissagung Simeons als gedanklicher Ausgangspunkt des Zyklus. Daran reiht sich die Flucht nach Ägypten und die Wiederauffindung des zwölfjährigen Jesus im Tempel, ferner der Abschied Christi von Maria und die Begegnung auf dem Kreuzweg. Das Bildthema wird also von den Sieben Schmerzen Mariä geprägt.

Um den einstigen Altar hatte Matthäus Günther ein Fresko gemalt, das Dionysius Areopagita zeigt, wie er beim Tod Christi die Sonnenfinsternis schaut. Der heutige Altar samt Tabernakelaufsatz stammt aus der Sakramentskapelle der Klosterkirche.

Quelle: u.a. Fritz Markmiller: Die Aldersbacher Portenkapelle, in: Katholisches Pfarramt Aldersbach (Hg.): 250 Jahre Asamkirche Aldersbach, Aldersbach 1970, 12-15.

Torhaus und Portenkapelle Richtung Nordwesten Torhaus und Portenkapelle Richtung Südosten Altar und Altarfresko der Portenkapelle Deckenfresko der Portenkapelle Deckenfresko der Portenkapelle Deckenfresko der Portenkapelle: Flucht aus Ägypten Deckenfresko der Portenkapelle: Begegnung Jesus und Maria auf dem Kreuzweg Grundriss der Portenkapelle Portenkapelle auf einer Aufnahme von 1938