Findbücher für das Archiv und die Registratur als historische Quellen

Vorbemerkungen und Transkription von Robert Klugseder

Susanne Wolf erläutert in dem unten genannten Aufsatz u.a. die Funktion der "Historischen Renner" als Findbücher und verweist auf deren Bedeutung für die historische Forschung. Besonders in den Fällen, in denen die Originalquellen nicht erhalten sind, stellen die Notizen der Repertorien häufig eine singuläre Überlieferung dar. Die Suchhilfen wurden vom damaligen Klosterregistrator, der gleichzeitig auch für die Verwaltung des Archivs verantwortlich war, vermutlich in den 1750er und 60er Jahren zusammengestellt. "Die Registraturverzeichnisse sind als Typus des 'Repertorium historicum' ... eine Besonderheit: Das jeweilige Verzeichnis bietet annalistische Notizen innerhalb einer Art 'Tabellenstruktur' aus fortlaufenden Jahreszahlen und/oder eine kurze chronikalische Darstellung zum Thema der in der Schublade versammelten Dokumente". Die historischen Notizen zu Beginn der jeweiligen Sachgebiete liefern nicht selten bisher unbekannte Erkenntnisse zur Klostergeschichte. So wusste man zur Zeit der Kompilation bereits von der Erstnennung der Brautätigkeit im Jahr 1261 (und nicht, wie bis vor Kurzem angenommen, 1268) und erwähnt interessante Details aus den ältesten Klosterrechnungen wie Ausgaben für ein Bierfass oder einen neuen Braukessel (1300-02). Der Kompilator beschäftigte sich auch intensiv mit der Weinwirtschaft in Krems bzw. dem Wirtschaftshof in Krems-Weinzierl und stellte darauf aufbauend Hypothesen über die Anfänge im 12. Jahrhundert an. Der Registrator geht davon aus, dass der Hof in Weinzierl bereits zur Zeit der Augustiner-Chorherren zum Kloster gehören musste. In anderen Fällen entsprechen die gebotenen Informationen nicht mehr dem Stand der modernen Geschichtsforschung, so zum Beispiel bei der Erstnennung der Kirche St. Peter in Aldersbach, die nicht bereits für das Jahr 735, sondern erst für die Zeit der Regierung des Passauer Bischofs Engilmar (875-899) zu belegen ist. Auch die angeführte Erstnennung von Aldersbacher Besitzungen "ad sanctam Mariam" im Jahr 1408 ist nicht mehr gültig. Ein Kaufverzeichnis aus den 1290er Jahren belegt, dass ein Gut, aus dem später der Wallfahrtsort Sammarei hervorging, zuvor im Besitz des Filialklosters Fürstenzell gewesen war. In diesem Zusammenhang lässt sich der Ortsname Sammarei (sancta Maria) auch zum ersten Mal nachweisen. Zusammenfassend kann trotzdem festgestellt werden, dass die hohe Qualität der Quellenerschließung und Interpretation zweifelsfrei für eine tiefgehende Auseinander­setzung mit den Archiv­beständen spricht. Dem Klosterregistrator kann zweifelsohne ein ausgeprägtes Interesse an der Geschichte seines Klosters attestiert werden. Er zeigt von Fall zu Fall auch Sinn für Humor (oder seinen Sarkasmus), wenn er zum Beispiel die Fürstenzeller als "Naseweise" (nasutuli) bezeichnet, als sie ernsthaft die Paternität Aldersbachs über ihr Kloster anzweifelten (Fasciculus 23). Oder wenn er die Zusammenstellung der Äbteliste von Raitenhaslach des berühmten Historikers Wiguleus Hund als "Faselei" (multum fuisse hallucinatum) bezeichnet (Fasciculus 3) .

Zur Struktur des Repertoriums: "Der erste Registraturband reicht, beginnend bei den Schubladen 1 und 2 (Die Äbte von Aldersbach betreffend, Chronikalisches zum Kloster, ein Buch mit Cartae Visitationis und anderem) und Schublade 3 (Rechnungen und Rechnungsrapulare der Abtei), bis zu den Schubladen 177 und 178 (die zur Pfarrei (Rotthal-)Münster gehörende Pfarrkirche Kößlarn betreffend). Der zweite Registratur-Repertorienband umfasst die Schubladen 182 (die Filialkirche Neuhofen betreffend) bis zur Schublade 306 (unterschiedliche Sachen Österreich betreffend)."

Die in den Repertorien genannten Archivalien sind nicht in jedem Fall erhalten. So verweisen später hinzugefügte Anmerkungen darauf, dass die betreffenden Archivnummern im Kloster verblieben waren, also nicht im Zuge der Säkularisation nach München transferiert wurden (z.B. "No. 83 bis 87 alle in Allerspach geblieben"). Der Informationswert dieser Aufzeichnungen wurde damals vermutlich als unerheblich eingestuft. Viele der zurückgelassenen Dokumente sind sehr wahrscheinlich verloren, so zum Beispiel die "Preyhaus-Rechnungen" und die "Bau-Rechnungen". Ein Großteil der noch erhaltenen Archivalien aus dem Klosterarchiv werden heute im Bayerischen Hauptstaatsarchiv im Bestand „Kloster Aldersbach Amtsbücher und Akten“ aufbewahrt. Der Aufbau der Pfarreiorganisation, die den mit der Säkularisation aufgelösten Klosterpfarreien nachfolgte, hatte jedoch auch zufolge, dass heute Akten aus dem ehemaligen Aldersbacher Klosterarchiv, die die alten Klosterpfarreien betreffen, in den Archiven der Diözesen Passau und Regensburg erhalten sind.

Die hier exemplarisch zur Verfügung gestellten Transkriptionen einiger in den Historischen Rennern behandelten Bereiche sollen den hohen Stellenwert dieser Quellengattung verdeutlichen.


Quelle: BayHStA KAAA 21 (vormals KL Aldersbach 74). Unsichere Textpassagen sind mit "?" gekennzeichnet. Archivsignaturen werden in der Vorlage durch die Verwendung von roter und schwarzer Farbe unterschieden. Dieser Farbcode findet sich auch in der Transkription (-> R: rot, S: schwarz).


Weiterführende Literatur zum Archivbestand des BayHStA und zu den Historischen Rennern: Wolf, Susanne Urkunden, Akten, Amtsbücher – das Archiv des Klosters Aldersbach und warum alte Repertorien für die historische Forschung nützlich sind, in: Klugseder, Robert (Hg.): Beiträge zur mittelalterlichen Geschichte des Klosters Aldersbach (= Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige. Ergänzungsband 55) (Tagungsband), St. Ottilien 2021, 81-121.