Gesamteindruck

Die künstlerische Bedeutung der Aldersbacher Kirche liegt in dem harmonischen Zusammenklang von Architektur und Dekoration. Der Bau als solcher wiederholt ein geläufiges Barockschema: einschiffige Anlage mit Seitenkapellen, welche durch eingezogene Pfeiler gebildet werden. Diese Anlage imponiert durch ihre stattliche Größe und die wohlabgewogenen Verhältnisse. Wie in Osterhofen-Damenstift und bei vielen anderen Bauten sind die Hauptmaße nach dem goldenen Schnitt bestimmt. Die Kämpferhöhe der Pfeiler entspricht dem größeren Teil der nach dem goldenen Schnitt geteilten Gesamthöhe. Die Kämpferhöhe bestimmt zugleich die Weite des Schiffes, der Querschnitt stellt demnach ein Quadrat dar, auf dem ein Halbkreis ruht, im Langhaus sowohl als im Chor. Durch den tiefen Chor, wie ihn die Ordensgepflogenheiten forderten, erhält die Kirche eine imponierende Längsperspektive.

Auf dem großen, klangvollen Rhythmus der Architektur baut sich die berauschende Dekorationskunst der Asam mit ihrer Vielstimmigkeit von Form und Farbe auf, überall in sonniges Licht getaucht. Die Linien des Architekten sind nirgends verschleiert, sondern überall hervorgehoben und zum Klingen gebracht. Der Dekor ist nicht überladen, wenn auch von festlicher Formenfülle. Die Aufteilung des Langhausgewölbes wirkt glücklich im zentralisierenden Sinn, ohne die perspektivische Fortbewegung zum Chor zu hindern, wo letztere in dem glänzenden Hochaltar ihren Sammelpunkt findet. Bewegung und Ruhe kommt hier zu einem künstlerisch feinen Ausgleich. Wie der Hochaltar so sind auch die übrigen Altäre und die weiteren Ausstattungsstücke harmonisch dem Gesamtprogramm eingefügt und wirken demnach zu einer Innenkunstschöpfung zusammen, deren Geschlossenheit und Schönheit ihresgleichen sucht.

Die ehemalige Klosterkirche ist eine große einschiffige Anlage mit ausspringendem Westturm. Den Chor umlaufen niedrige Seitenkapellen. Die Sakristei liegt südlich vom Chor im anstoßenden Klosterflügel. An der Nordseite des Langhauses schließt sich gegen die Westecke eine Loretokapelle an (Grundriss und Schnitt siehe bei den Abbildungen).

Die Außenarchitektur ist einfach bis auf die Westfassade. Die Fenster am Chor sind rundbogig, die Leibungen dagegen spitzbogig. Sie sind mit stichbogigen Schwibbogen überwölbt. Am Chorschluss Strebepfeiler, deren zweites Geschoß übereck gestellt ist; das eingezogene dritte Geschoß schließt mit Pultdach. In den westlichen Jochen des Chores fehlen die Strebepfeiler. Die umlaufenden Kapellen (S. 29) schließen mit Pultdach an. Sie haben liegende Fenster mit seitlichen Ausrundungen. Die Sakramentskapelle am Chorhaupt erhebt sich über den Umgang. Sie ist als Rundbau gebildet und schließt mit Kegeldach. Die westlichen Kapellen an der Nordseite sind doppelgeschossig; in den Obergeschossen Oratorien. Über dem Chorhaupt erhebt sich auf dem Dachfirst ein achtseitiger Dachreiter mit Helm. Die Fenster des Langhauses sind rundbogig. Die Gliederung der Wandflächen beschränkt sich auf flache Lisenen.

Weitere Kapellen liegen an der nördlichen Langseite; auf der Südseite entspricht ihnen ein Gang. Sie sind gegen den Chor geschlossen. Das Langhaus hat fünf Joche. Tonne mit Stichkappen. Durch eingezogene kräftige Pfeiler, deren Ecken abgerundet sind werden fünf Paare von Seitenkapellen ausgeschieden. Sie sind mit Quertonnen überwölbt, die in gleicher Flucht mit dem Hauptgewölbe ansetzen. Die Pfeiler sind an der Stirnseite und seitlich mit Pilastern besetzt.

Die Westfassade erhält ihre bestimmende Note durch den schönen Turm. Er erhebt sich dreigeschossig. Im Untergeschoß das rundbogige Portal, flankiert von geschweiften Pilastern, die Rokokovasen tragen. Über dem geschweiften Gesims erhebt sich eine Nische mit Marienfigur, von formenreichen Rokokorahmen umgeben. Der Rahmen ist wie die Portalgliederung in dunkelgrauem Sandstein ausgeführt. Über der Nische folgt ein im geschweiften Bogen geschlossenes Fenster mit Putzrahmung. Zwei niedrige Kulissenmauern begleiten ungewöhnlicherweise das Erdgeschoß. Sie umschließen je ein Steinrelief, darstellend die Begegnung des hl. Benedikt mit dem Gotenkönig Totila. Sein Schwertträger Riggo naht sich im Gewand des Königs. Benedikt durchschaut ihn und spricht: Depone fili depone hoc quod portas, non est tuum (Lege ab, mein Sohn, was du trägst, denn es ist nicht dein). Das andere Relief rechts zeigt den heiligen Bernhard von Clairvaux bei seiner Begegnung mit dem Herzog Wilhelm von Aquitanien, der den rechtmäßigen Papst nicht anerkennen wollte. Bernhard zeigt die heilige Hostie und spricht: Adest iudex tuus in cuius nomine omne genu curvatur (Der ist dein Richter, in dessen Namen alle Knie sich beugen). Geschweifte Pilaster mit Volutenaufsätzen flankieren sie. Als Bekrönung dieser Anlagen erheben sich auf Muschelwerkkonsolen die Statuen des hl. Benedikt und des hl. Bernhard. Die Gliederung der Kulissen ist in demselben Sandstein ausgeführt wie jene des Portals. Das zweite Turmgeschoß schließt über rundbogigen Fenstern mit einer Attika. Das letzte Geschoß hat abgeschrägte Ecken, die mit Pilastern aus dunkelgrauem Sandstein besetzt sind. Letztere haben Volutenfüße. Die Stirnseiten schließen im Rundbogen. Darüber erhebt sich der sehr geschickt profilierte Kuppelhelm mit doppelter Kurvung. Die obere Kurve ist durchbrochen. Die Fassadenstücke zu Seiten des Turmes sind durch eine doppelte Fensterordnung mit je zwei Fenstern gegliedert. Die Fenster haben geschweiften Schluss. Die Umrahmung in Putz zeigt im Untergeschoß gekurvte Verdachungen; die oberen bekrönt eine kleine Kartusche.

Hinter der linken Kulissenmauer befindet sich die Ölbergkapelle, deren Figuren noch aus der Zeit des Klosters stammen und bei der Kirchensanierung 1911 instandgesetzt worden waren.

Gesamtansicht von Süden Westfassade mit Turm Kirchenportal mit Marienstatue Kirchenportal rechts: Figur und Steinrelief: Bernhard von Clairvaux Kirchenportal links: Figur und Steinrelief: Mönchsvater Benedikt Kirchenportal links: Fassadenmauer und Loretokapelle Chor von Osten Turm und Prälatur von Norden Gesamtansicht Innenraum Gesamtansicht Innenraum Chor, Kapellenkranz und Osttrakt von Südosten Chor, Kapellenkranz und Osttrakt von Süden Chor, Kapellenkranz und Sakramentskapelle von Süden Chor, Kapellenkranz und Bernhardskapelle von Osten Chor, Kapellenkranz und Sakramentskapelle von Norden Chor, Kapellenkranz und Bernhardskapelle von Nordosten Bernhardskapelle und Langhaus von Nordosten