Berichte aus/über Vilshofen


Vilshofen am 29.12.1705. Gerichtschreiber Johann Adam Paur an die Regierung in Landshut.

Am 27. Dezember nachts hörte man stark schiessen, so dass die hier in Garnison gelegenen Rebellen mutmassten, die Kaiserlichen möchten über die Donau setzen und den Ort angreifen. Es wurde sogleich Kundschaft ausgeschickt, die aber nichts Zuverlässiges, wo geschossen worden, mitbrachte. Endlich erfuhr man, dass in dem Urfahr zu Hilgartsberg 11 mit Mannschaft beladene Zillen angelangt waren. Dies verursachte solchen Schrecken, dass die Bewohner der Vorstadt flüchteten. Um 12 Uhr nachts machte die bei Unserer Lieben Frauen Hilf stehende Vorwacht Allarm, weil die Kaiserlichen wirklich über die Donau gesetzt waren. Die hinter dem Bräuhaus gestandene Reserve zog sich über Hals und Kopf in die Stadt. Eine Viertelstunde darauf sah er, dass sehr viel kaiserliche Völker bei dem Bräuhaus Posto gefasst hatten, die zu ihm, der mit seinen Schreibern fast allein in der Vorstadt gewesen, begehrten. Nachdem er ihnen das Begehrte vernachrichtet, sind sie auf die Stadt angerückt, die sich, nachdem 5-6 Schüsse heraus abgegeben waren, sogleich ergab. Die 150 Mann starke rebellische Garnison hat sich bis auf 10 Mann, die mit ihrem Commandanten Inzinger gefangen wurden, zum Passauer Tor hinaus salvirt. Nachdem die Kaiserlichen die Stadt und die Vorstadt bezogen hatten, fingen sie sogleich zu plündern an; in der Vorstadt haben sie alle Oefen, Kästen, Truhen, Fenster und was ihnen nur vorkam, zerschlagen und ruinirt. Am andern Tag kam die Nachricht, dass die Rebellen sich etliche tausend Mann stark jenseits der Vils sehen Iiessen, worauf man sogleich losgegangen, sie in die Flucht gebracht und 3 Stunden weit verfolgt hat. 300 Mann wurden teils in den Wäldern, teils in den Häusern caponirt, die gegen Aldersbach gelegenen Dörfer totaliter ausgeplündert und ruinirt. Dadurch wurde den übrigen Untertanen solche Furcht eingejagt, dass sie etliche Stunden weit vor den Husaren gelaufen sind (HHStA Wien).


Vilshofen am 30.12.1705. Oberst d'Arnan an die Stadt Schärding.

Sonders vielgeehrte Herrn ! Es wird ihnen schon bekannt sein, dass General von Kriechbaum am 25. Dezember bei München mehr als 3000 Tumultuanten getötet und über 800 gefangen genommen hat, dass — von Kelheim zu schweigen — er, d'Arnan, vorgestern nachts Vilshofen wieder in die kaiserliche Devotion gebracht und gestern 300 von den Rebellen niedergemacht und viele von ihnen gefangen genommen hat. Er hat nun den Befehl, die untreu gewordenen Stände, Städte und Untertanen in Güte oder mit Gewalt zur Devotion zu bringen; er ist hiezu mit einem zulänglichen Corpo, das noch täglich anwächst, versehen und damit wirklich in der Activität begriffen. Er erinnert sie an das miserable Kelheim und andere ruinirte Orte, sowie an die verschiedenen unnötigen Blutvergiessungen der armen, einfältigen und verblendeten Untertanen. Er fordert sie daher auf, sich der kaiserlichen Gnade und Protection zu ergeben und der in der Stadt liegenden Garnison dies anzudeuten und sie zur Uebergabe zu disponiren. Bei seiner Cavaliersparole offerirt und versichert er ihnen sämmtlich aufrichtig und treulich einen raisonnablen Accord und im Namen des Kaisers Gnade und Amnestie. Er erwartet eine positive und kategorische, kurze Antwort, entweder Ja oder Nein (Kriegsarchiv des StA Wien).


München am 03.01.1706. Max Karl Graf von Löwenstein und Franz Sigmund Graf von Lamberg an den Kaiser.

D'Arnan hat ihnen berichtet, dass er am 29. Dezember Vilshofen wieder okkupirt und was sich nicht von den Rebellen zeitlich salvirt, niederhauen, auch etliche gefangen nehmen liess. Am folgenden Tage zeigten sich ungefähr 3000 dieses Gesindels vor Vilshofen, die er aber bis Aldersbach verfolgte, wobei die Bauern wieder gegen 300 verloren. Baron Kriechbaum war mit 800 zu Fuß und 400 deutschen Pferden von hier gegen den Inn gerückt, um sich mit d'Arnan zu vereinigen. Gestern wurde aber gemeldet, dass ein Teil der Rebellen von Vilshofen in die obere Pfalz in den Wald gesprengt wurde. Sie fanden in wenigen Stunden einen Anhang von 3-4000 Bauern und diese haben sich unversehens durch das Bräuhaus des Postens Cham bemächtigt, wo der Hauptmann Falaise kommandirte … (HHStA Wien).