Vorbemerkungen
Das Kloster Aldersbach hat in seiner Geschichte zahlreiche gelehrte Mönche hervorgebracht und an der Klosterschule begabte Schüler gefördert. Nachfolgende "Schlaglichter" können somit nur eine kleine Auswahl an herausragenden Persönlichkeiten vorstellen.
Von Abt Malachias Niederhofer (reg.1669-83) ist bekannt, dass er die höheren Studien im Kloster förderte, er selbst war im Wintersemester 1638 an der medizinischen Fakultät in Ingolstadt inskribiert. Man kann allerdings davon ausgehen, dass die Bestrebungen um eine bessere Ausbildung des Klosternachwuchses bereits deutlich früher, spätestens jedoch unter Abt Johannes VI. Dietmair (reg. 1587-1612), Doktor der Philosophie und Theologie, ihren Anfang genommen hatten. Während seines Abbatiats lassen sich 13 Mönche als Studierende an der Universität Ingolstadt nachweisen. Unter den vorausgehenden Äbten Michael Kirchberger (reg. 1612-35) und Matthäus Gschwendt (reg. 1635-51) studierten von 1616-18 sieben Mönche in Dillingen und von 1621-46 neun in Ingolstadt. Zudem war zu dieser Zeit P. Andreas Sember († 11.01.1640), ein Professe des Tiroler Zisterzienserklosters Stams, der während des 30jährigen Krieges vermutlich als Flüchtling in Aldersbach weilte, von 1638-39 als Professor für Philosophie tätig. Wenige Jahre später wirkte P. Bonifaz Hiltbrand († 1689), Sohn des langjährigen Klosterarztes und Passauer Hofmedicus Dr. Kaspar Hiltbrand, als Professor für Theologie und Kirchenrecht in Aldersbach. Als späterer Abt von Gotteszell (reg. 1658-89) führte Bonifaz auch dort höhere Studien ein. Im Sommersemester 1646 hatte Hiltbrand zusammen mit P. Candidus Mändl († 1695) und P. Raimund Edelmann Theologie und Kirchenrecht in Ingolstadt studiert.
Über die Organisation bzw. Ausprägung der hausinternen Lehranstalt ist wenig bekannt. Eine Beschreibung des Klosterchronisten P. Michael Mannstorffs lässt darauf schließen, dass man sich spätestens seit Abt Niederhofer am jesuitischen Bildungssystem orientierte und die höheren Studien in Lyzeum (Philosophie) und Hochschule (Theologie) aufteilte. Sicher hatte diese Lehranstalt nur vorbereiteten Charakter für ein eventuell anschließendes Universitätsstudium. Die Erlangung eines akademischen Grades war in Aldersbach hingegen nicht möglich, ebenso wenig trifft die Bezeichnung "Universität" für das Aldersbacher Seminar zu. Die Aldersbacher Mönche studierten in Ingolstadt, Heidelberg oder Wien.
Einen Einblick in die Organisation der Real- und Lateinschule in Aldersbach gibt Stelzer in einer Nachbetrachtung in einem Brief an das Passauer Ordinariat (1848):
„daß das gedachte Institut keineswegs ganz und gar nicht für Ordenskleriker bestimmt, sondern lediglich ein Seminarium gewesen ist, worin mehr als 30 arme Knaben jährlich von dem Kloster unentgeltlich Kost, Wohnung und am Palmsonntag einige neue Kleidungsstücke erhalten haben, und wie in anderen bedeutenden Klöstern, von einem Klostergeistlichen beaufsichtigt und dirigiert, wie auch in den Anfangsgründen der deutschen und lateinischen Sprache, in Religion, Geschichte und Geographie nach dem vor 48 Jahren bestandenen bayerischen Schulplane unterrichtet worden sind. Die zum Studieren geeigneten Zöglinge begaben sich nach drei Jahren auf öffentliche vaterländische Studienanstalten, entweder nach München, Landshut oder Straubing, die weniger Befähigten gingen wieder zu ihren Eltern zurück.“ (Huber 36, s.u.).
In den Mönchskatalogen finden sich auch immer wieder auch Professoren (= Lehrer), die im Kloster unterrichteten. Der Bau des Seminargebäudes (heutiges Rathaus) um das Jahr 1767 lässt erkennen, dass diese höhere Ausbildungsstätte eine dauerhafte Einrichtung war.
Nach der Auflösung des Jesuitenordens im Jahr 1773 waren Aldersbacher Mönche auch als Professoren an der Landesuniversität Ingolstadt (-> Balduin Wurzer, Stephan Wiest und Amadeus Primbs) sowie an den Gymnasien in Burghausen und Landshut tätig. Die Lebensbeschreibungen von Wiest und Primbs verdeutlichen, wie umstritten die Lehrtätigkeit der Zisterzienser in Ingolstadt war und wie die Lehrenden besonders von Mitgliedern des Benediktinerordens angefeindet worden waren. Das führte soweit, dass Primbs wegen der Unterstellung, den Illuminaten nahe zu stehen, seine Lehrtätigkeit aufgeben musste. Zwei Beispiele für erfolgreiche Klosterschüler aus Aldersbach (-> Ignaz Brait, Sebastian Winkelhofer) runden die Übersicht ab.
Die nachfolgenden Informationen sind zum Teil der "Allgemeinen Deutschen Biographie" aus den 1890er Jahren entnommen. Einen aktuellen Stand der Forschung bietet Laetitia Boehm, Winfried Müller, Wolfgang J. Smolka und Helmut Zedelmaier (Hg.): Biographisches Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität München. Bd. 1: Ingolstadt-Landshut 1472-1826, München 1998.
Lebensbilder gelehrter Aldersbacher
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P. Alan Stelzer
Straubinger Gymnasialrektor und Aufsteiger aus einfachen Verhältnissen. -
P. Stephan Wiest
Dogmatiker der Universität Ingolstadt und früherer Rektor. -
P. Amadeus Primbs
Physik- und Theologieprofessor, Autor wissenschaftlicher Dissertationen. -
P. Balduin Wurzer
Professor für Moraltheologie und kurfürstlicher geistlicher Rat. -
P. Bonifaz Hell
Biografie in Vorbereitung. -
P. Ignaz Brait
Aldersbacher Klosterschüler und späterer Jesuitenrektor in Hall. -
Sebastian Winkelhofer
Jesuitischer Bibelgelehrter und Weggefährter des Theologen Sailer. -
Abt Bonifaz Hiltbrand
Abt von Gotteszell und Förderer höherer Studien nach dem Dreissigjährigen Krieg. -
Abt Johannes IV. Dietmair
Prediger, Universitätslehrer und Reformabt der frühen Neuzeit. -
Abt Bartholomaeus Madauer
Renaissanceabt mit Bauprojekten und Interesse an Mathematik. -
Abt Wolfgang Marius
Humanistischer Abt, Heidelberger Magister und dichterischer Chronist.