Kanzel und Beichtstühle

Die Kanzel wurde laut Signatur 1748 von dem Passauer Bildhauer Joseph Deutschmann vollendet. Die formenreiche Rokokoschöpfung ist in Holz ausgeführt, marmoriert und reich vergoldet. Alle Reliefs sind in Gold gefasst. Charakteristisch für die Kanzel sind die vielen Reliefdarstellungen, mit denen der Kanzelkorb und die Stiegenbrüstung geschmückt sind. Sie beziehen sich auf die Bedeutung der Predigt: Paulus predigt in Korinth; Jonas predigt den Niniviten; der unfruchtbare Feigenbaum; der reiche Fischfang; Jesus predigt im Tempel zu Jerusalem das Gleichnis vom Sämann.

Dazwischen sind an den Brüstungsecken die Symbole der vier Evangelisten: 1. eine menschliche Gestalt, Zeichen für Matthäus, der sein Evangelium mit der Geburtslinie Jesu seiner Menschheit nach beginnt, 2. ein geflügelter Löwe, als Zeichen des hl. Markus, der sein Evangelium mit dem Täufer Johannes anfängt, "mit der Stimme des Rufenden in der Wüste“, 3. ein geflügelter Stier, das Attribut des heiligen Lukas, der an den Anfang seines Evangeliums ein Opfer setzt, 4. ein Adler, das Zeichen des heiligen Johannes, der dem Adler gleich, sich sofort zum Bericht von der ewigen Zeugung des Gottessohnes emporschwingt.

Das Relief an der Rückwand stellt St. Bernhard dar, zu dem sich der Gekreuzigte herablässt. Den Schalldeckel bekrönt die Figur des predigenden Johannes; die allegorischen Gestalten der vier Weltteile umgeben ihn. An den Ecken des Korpus entsprechen ihnen die Evangelistensymbole. Die Signatur Deutschmanns steht am untersten Relief des Aufganges: "Josep (sic) Teitschman 17 BH46.“

Die Beichtstühle stellen schöne Spätrokokoschöpfungen dar, in Nussbaumholz furniert und mit Einlagen geschmückt. Aufsätze mit Bildern in geschnitzten Rahmen. An den zwei vordersten Beichtstühlen befinden sich überdies (wie in der ehemaligen Klosterkirche Fürstenzell) je zwei Putten, die die vier letzten Dinge (Tod. Gericht, Hölle und Himmel) symbolisieren. Sie stammen wohl von Deutschmann.

Bemerkenswert sind folgende Gemälde über den Beichtstühlen: Christus erteilt den Aposteln die Gewalt der Sündenvergebung. Mahnung des Herrn an Petrus, dem Nächsten nicht bloß siebenmal, sondern siebzigmalsiebenmal zu verzeihen. Hl. Magdalena als Vorbild der Buße. Hl. Johann Nepomuk als Patron der Beichtväter. Einige der Beichtstühle kamen nach der Säkularisation mit der Orgel in die Stadtpfarrkirche Vilshofen.

Ein bedeutendes Werk des Passauer Bildhauers Josef Matthias Götz (ca. 1730) stellt der auferstandene Jesus, Herr, Sieger über Tod und Teufel dar. Dieser wird in der Osterzeit neben dem Volksaltar aufgestellt.

Kanzel von Joseph Deutschmann Detail der Kanzel: Stier als Attribut des Evangelisten Lukas, Aufnahme von 1964-84 Detail eines Beichtstuhles: Putto mit Totenkopf und Sanduhr, Aufnahme von 1964-84 Der auferstandene Herr, Sieger über Tod und Teufel von Josef Matthias Götz ca. 1730. Bild: © Robert Klugseder