Abt Wolfgang Marius

Abt Bartholomäus Madauer. Gedenkstein in der Klosterkirche Aldersbach

Marius war neben dem Benediktinerabt Angelus Rumpler von Formbach der bedeutendste Vertreter des Humanismus in Niederbayern. Er besuchte die Lateinschule in Passau und trat 1489 als Novize in das Zisterzienserkloster Aldersbach ein (Profess 1490). Sein Abt schickte ihn 1493 nach Empfang der Subdiakonatsweihe auf die Universität Heidelberg. Das Studium schloss Marius nach drei Jahren mit dem Grad eines Magister artium liberalium ab. Aus der Studienzeit rührte seine Freundschaft mit mehreren später auch zur Abtwürde gekommenen Ordensbrüdern her (u. a. Konrad Reuter von Kaisheim, Ulrich Molzner von Raitenhaslach). Vor seiner Rückkehr nach Aldersbach empfing Marius 1497 in Worms die Diakonatsweihe, der im selben Jahr die Priesterweihe in Passau folgte. Danach war er Pfarrvikar von St. Peter in Aldersbach, seit 1501 Prediger an der zum Kloster gehörigen Wallfahrtskirche Kößlarn und seit 1504 Pfarrvikar im nahen Markt Rotthalmünster. Aus dieser Zeit stammen die ersten lateinischen Hexameter, die nicht nur ein gemütvolles Herz, aufgeschlossen für die Schönheiten der Natur, offenbaren, sondern Marius auch als schonungslosen Zeitkritiker ausweisen (Carmen de bello Norico – Landshuter Erbfolgekrieg 1504/05).

Geschätzt als Prediger, erwies sich Marius auch als fähiger Wirtschafter, der die bitteren Folgen des Krieges bald zu beseitigen wusste. So war es fast eine Selbstverständlichkeit, dass bei dem am 2.6.1514 anstehenden Wahlgang Marius zum Abt des Klosters gewählt wurde. Dreißig Jahre lang führte er die moralisch und wirtschaftlich heruntergekommene Zisterze mit Energie und Tatkraft wieder einer besseren Zukunft entgegen, obwohl die Zeitströmung dem Vorhaben zuwiderlief. Der Konvent von Aldersbach blieb von den Auswirkungen der Reformation nicht verschont. Mit Martin Luthers Angriffen auf den Ordensstand und das Klosterwesen setzte er sich in zwei theologischen Kontroversschriften auseinander. Maßvoll in der Polemik, gekennzeichnet durch sicheres historisches Urteilsvermögen, erweisen sie Marius als einen bedeutenden theologischen Gegner Luthers. Der Verteidigung des Ordensstandes und seinem Bemühen um die Erhaltung der klösterlichen Disziplin galten 1534 eine Übersetzung der Regel des hl. Benedikt ins Deutsche sowie eine Einführung zu ihrem lateinischen Text.

Von Marius, den Caspar Bruschius als „versificator insignis“ bezeichnete, sind etwa 80 Gedichte aus den Jahren 1501 bis ca. 1526 erhalten. Seine größte rein geistliche Dichtung schrieb er 1514, kurz bevor er zum Abt gewählt wurde. Es ist das Lied vom Leiden und Sterben Christi (Christi Fasciculus florido … digestus). Ein Jahr später gelangte es als einzige Schrift noch zu seinen Lebzeiten zum Druck [Johannes Weyssenburger Landshut 1515]. Mehr als eine Klostergeschichte im herkömmlichen Annalenstil schuf Marius mit den „Annales ecclesiae Alderspacensis“ (Clm 1012 und Clm 27.115), die er in die große Welt- und Kirchengeschichte einbettete. Johann Aventin aus Abensberg wusste den Abt zu schätzen; er widmete ihm eine Ode (Clm 1851). Als Testament des Abtes sind seine „Protestationes coram aliquibus ad hoc vocatis … morienti utiles“ zu bezeichnen, Glaubens- und Schuldbekenntnisse eines dem Tode entgegensehenden Menschen (Bayer. Hauptstaatsarchiv, StAL Rep. 44 Fasc. 3 Aldersbach).

Werke

  • Sammelband mit e. v. M. selbst getroffenen Auswahl v. Gedichten, 1501-26, BSB München (Clm 1851)
  • Votorum monasticorum Tutor, 1526 (Clm 2886)
  • In aliquot Lutherana paradoxa dialogus, 1528 (Clm 2874)
  • Sanct Benedicten-Regel, 1534 (Cgm 4616, Clm 2890)
  • Pontificum et Archipraesulum Laureacensis et Pataviensis ecclesiarum

Cathalogus, = Gesch. d. Passauer Bischöfe v. Thomas Ebendorfer, überarbeitet und ergänzt, 1541 (Clm 1012) - Ann. ecclesiae Alderspacenses (Clm 1012), veröffentlicht von Michael Hartig, in: Verhandlungen des Historischen Vereins von Niederbayern 42 f., 1906 f.


Biographische Informationen der Mönchsdatenbank

BiographieWolfgang Mayr (Marius), * (Ober-)Dorfbach 18.10.1469, Profess 1490, Student in Heidelberg (1493), Mag. art. (1496), Ordination 02.09.1497, Vikar an St. Peter (1498-1501), Vikar in Kößlarn (1501), Prediger in Kößlarn (1503), Vikar in (Rotthal-)münster (1504-14), 02.06.1514 - † 11.10.1544 Abt
Wirkungszeitraum1491 bis 1544
Abt-Nr.33
ZusatzinformationenLateinischer Dichter (BSB Clm. 1851) und Verfasser einer Chronik des Klosters (BSB Clm. 1012). Vgl. über ihn: Stephanus Wiest, De Wolfgango Mario, abate Aldersbacensi. Programma Ingolst. 1778, P. Marian Gloning, Aus der Gedichtsammlung des Abtes Marius von Aldersbach. (Studien und Mitteilungen aus der Geschichte des Benediktiner- und Zisterzienserordens, Jahrg. 1912, S. 76 ff.), Nik. Paulus, Wolfgang Mayer, ein Zisterzienserabt des 16. Jahrhunderts. (Hist. Jahrbuch der Görres-Gesellschaft, Jahrg. 1894 S. 575-588 und Jahrg. 1899, S. 360), Allgemeine Deutsche Biographie Bd. 52 S. 270, Michael Hartig, Die Annales ecclesiae Aldersbacensis des Abtes Wolfgang Marius von Aldersbach (Verhandl. des Hist. Vereins für Niederbayern Bd. 42 S. 1-112 und Bd. 43 S. 1-113.) | Kaufvermerke in BSB Ink 4 Inc.c.a. 873 Heidelberg 1495 und Inc.c.a. 246 a-1/4 als Vikar in St. Peter (1499)
Externer Linkhttps://www.alderspach.de/geschichte/gelehrte/index.php


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